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Dr. Müller neuer Leiter der Abt. IV

Montag, 20 April 2009

Dr. Müller neuer Leiter der Abt. IV im Kultusministerium

Erst Ende März fand der neue Leiter der Abteilung IV im Kultusministerium Zeit für ein erstes Gespräch mit dem BSV. Ministerialdirigent Dr. Peter Müller wechselte als Leiter der Abt. VII Berufliche Schulen, Erwachsenenbildung in die Abt. IV Grund-, Haupt- und Förderschulen.

 

Vom BSV-Landesvorstand sprachen Werner Sprick und Petra Seibert mit Dr. Peter Müller sowie mit Ltd. MR Georg Hahn. 
Nach der wechselseitigen persönlichen Vorstellung fand die Darstellung der Ziele des BSV breiten Raum: Vor allem die Angleichung der Leitungszeit an die anderer Schularten und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Verwaltungsangestellten wurden Dr. Müller ausführlich dargestellt, was für ihn aus der Berufsschul-Abteilung großteils neu war. Dass Schulleiter von Grund- und Hauptschulen keine Dienstvorgesetzte sind, fand er deshalb ebenso verwunderlich. Die Größe der Schule spielt dabei für ihn eine zentrale Rolle bei der kommenden Dienstrechtsreform.
Nach Meinung des BSV enthalten das EUG, die VSO und die LDO noch viel zu wenig das Berufsbild „Schulleitung“. Schlimm sind KM-Äußerungen wie z. B. „Lehrer an Grundschulen als Leiter von Volksschulen erhalten…eine weitere Anrechnungsstunde“. Hier ist weder der Beruf Schulleiter noch der Begriff „Leitungszeit“ in Verwendung wie in fast allen anderen Bundesländern Deutschlands.  
Als Degradierung empfanden viele Schulleiter bei der Anlass-Beurteilung, dass trotz der Unterrichtsbesuche und der Nachbesprechungen durch die Schulleiter dennoch die Schulräte als Unterzeichner angeführt werden. Dagegen wurde von Dr. Müller und Herrn Hahn argumentiert, dass der Hauptpersonalrat bei den Verhandlungen um das Beförderungsamt seine Zustimmung auch davon abhängig gemacht hatte, dass die Schulräte wie früher wieder als Unterzeichner fungieren.     
Auch das höchst unterschiedliche Vorgehen der Schulämter bei der Anlassbeurteilung 2009 wurde vorgetragen: Vom unangekündigten Unterrichtsbesuch bei allen Schulleitern eines Schulamts bis hin zur bewussten Nichtteilnahme von Schulräten bei den Unterrichtsbesuchen spannte sich die Bandbreite, die Schulleiter auszuhalten hatten.    
Immer angesichts der Vorgaben des Schulamts, einen vorgegebenen Notendurchschnitt einhalten zu müssen, weshalb es von Dezember bis März immer wieder Neu-Absprachen gab. Meist waren sie verbunden mit geringerer Einstufung der Lehrkräfte.
Der ewige Zwiespalt wurde auch 2009 deutlich, dass ein Instrument der Beurteilung für Lehrkräfte sich nicht gleichzeitig eignet als Instrument der Personalauswahl für Führungspositionen, für die weitaus höhere Anforderungen gestellt werden müssen.   
Die Frustration im Selbstwertgefühl vieler Lehrkräfte ist vorprogrammiert angesichts des „erwünschten“ Durchschnitts von vielleicht 4,2 (?) je Schulamt. Denn um bei diesem Durchschnitt auch die Stufen III oder gar II  vergeben zu können, müssen auch die Stufen V und VI erteilt werden: Wir erwarten mit Spannung, inwieweit die Schulräte bei der Eröffnung dieser von ihnen erwünschten Stufen dabei sind!
Weitere Probleme bei der konstruktiven Gestaltung von Grund- und Hauptschule angesichts neuer Herausforderungen wurden vom BSV vorgetragen: die Ausgabe von Übertrittszeugnissen an alle 4.Kl.-Schüler wird sicher auch zu mehr Übertritten führen, die Lockerung des Elternwillens – wenn auch nur für das Ergebnis im Probe-Unterricht mit den Noten 4+4 -, Gelenkklassen, die in der Hauptschule wohl kaum den Übertritt in die 6. Jgst. in R6 oder G8 ermöglichen, Modularisierungswünsche ohne zusätzliche Stundenzuweisung – eine Liste, die sich derzeit noch lang fortsetzen ließe, wurde Dr. Müller zum ersten, aber sicher nicht zum letzen Mal vorgetragen.    
Auch der dringend nötige Erhalt der Förderzentren wurde trotz der EU-Wünsche mit der „Inklusion“ statt der bisherigen gelungenen „Integration“ vorgetragen. Dr. Müller verwies auf die Regierungserklärung von Dr. Ludwig Spaenle vom 29. März 2009, in der er sich für die Beibehaltung der „Integration durch Kooperation“ und den Erhalt der Förderzentren ausgesprochen hatte.

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Petra Seibert verdeutlichte dem neuen Abteilungsleiter massiv die Nöte der Hauptschule, wenn nach der 4. und zunehmend auch nach der 5. Jahrgangsstufe die Schüler an andere weiterführende Schulen gewechselt haben und für den M-Zug immer weniger geeignete Schüler übrig bleiben. Nach einer dünnen 7. Jahrgangsstufe kommen aber zunehmend in den 8. und v.a. 9. Jahrgangsstufen die erfolglosen Real- und Gymnasialschüler an die Hauptschule zurück, um „zumindest den QA“ zu schaffen. Da dies auch während des Schuljahres geschieht, Nov.-Febr.-Phase, wachsen die 9. Klassen unverhältnismäßig auf weit über 30 Schüler heran, was der optimalen Förderung für den QA natürlich entgegensteht. Dieser Sanduhr-Effekt (5.u.6. Kl. abnehmende Schülerzahl, 8. und v.a. 9. Kl. deutlich zunehmend) tritt offensichtlich in Ballungsräumen häufiger auf als auf dem „flachen Land“. Zwar verfügt nach einer bundesweiten Elternumfrage die Hauptschule über zwei Vorteile: Mehr Zeit zum Lernen und dass sich Lehrkräfte mehr um die Schüler kümmern. Aber bei den derzeitigen Schülerströmen werden diese Vorteile zunichte gemacht. Ltd. MR Hahn versprach eine Überprüfung, ob nicht eine Klassenteilung während des Schuljahrs in solchen Ausnahmefällen machbar wäre.
MODUS-F als Beispiel für die Einbeziehung weiterer Lehrkräfte als „Mitarbeiter der Schulleitung“ wurde abschließend von Werner Sprick empfohlen. Hierzu machte Dr. Müller aus dem Berufsschul-Bereich bereits gute Erfahrungen. Aber auch hier relativierte er die Wünsche mit der nötigen Größe der Schule.    
Werner Sprick
Landesvorsitzender