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Kooperation mit Schulräten

Montag, 20 April 2009

Kooperation mit Schulräten weiterhin sehr unterschiedlich

Der Bayerische Schulräte-Verband und der Bayerische Schulleitungs-Verband fanden in den letzten Jahren öfter Konsens als früher. Manche Themen und mancherorts die Kooperation lassen aber noch deutlichen Verbesserungsbedarf erkennen.

Früher verliefen manchmal tiefe Schützengräben zwischen scheinbar gegensätzlichen Fronten. Berufswechsler vom Schulleiter zum Schulrat wurden als „Verräter“ gebrandmarkt, Schulräte standen den Kollegien und Schulleitern als Kontrolleure und manchmal Alptraum-Verursacher gegenüber.

 

Seit einigen Jahren vollzieht sich hier ein Wandel, der zwar nicht alle gleich ergriffen hat, aber dennoch große Chancen auf positive Veränderungen in sich birgt.

Seit dem Übergang der dienstlichen Beurteilung auf die Schulleiter 2005 fanden Kontakte und Absprachen wesentlich entkrampfter statt, die Schulräte wollten sich in Richtung Begleitung, Beratung, Coaching und Fortbildung für Schulen weiterentwickeln.

Jürgen Eusemann als Landesvorsitzender des Bayerischen Schulräte-Verbands steht auch persönlich für diese Weiterentwicklung des Selbstbilds ein. Ende Februar traf ihn Landesvorsitzender Werner Sprick in Dillingen zu einem erneuten Austausch.

Die gefühlte „Degradierung“ der Schulleiter bei der Anlassbeurteilung 2009 und das höchst unterschiedliche Vorgehen der Schulämter waren gleich die ersten Themen.

Für den Schulleitungsverband waren die unangekündigten Unterrichtsbesuche bei allen Schulleitern(!) in einem Schulamt absolut unverständlich, denn der eigentliche „Anlass“ für die Beurteilungsrunde 2009 waren schließlich mögliche Besoldungserhöhungen bei Lehrkräften. Auch die sehr unterschiedlich gehandhabten Besuchspraxen einzelner Schulräte wurden von Sprick kritisiert z. B. höchstes Lob der Lehrkraft in der Nachbesprechung, um dennoch anschließend mit dem Schulleiter eine mittelmäßige Stufe auszuhandeln, die nach Eindruck der Lehrkraft bei der Eröffnung (allein durch den Schulleiter) offensichtlich von diesem verursacht worden ist.

Die Ungerechtigkeiten von 2009 werden hoffentlich ein einmaliger Vorfall bleiben und in der kommenden Dienstrechtsreform korrigiert:
Schulleiter führen Unterrichtsbesuche durch, vergeben Einzelstufen und schreiben die Texte der Anlassbeurteilung, aber der Briefkopf des Schulamts steht am Anfang und am Ende die Unterschrift des Schulrats als Unterzeichner!

Zusätzlich wurden in ganz Bayern bei den Gesprächen Schulrat-Schulleiter die Bewertungsstufen von Monat zu Monat heruntergezogen, um den tief hängenden „Notendurchschnitt“ zu erreichen.
Natürlich war Jürgen Eusemann hier der falsche Ansprechpartner, aber auf die Missstände in einzelnen Schulämtern oder bei einzelnen (nicht namentlich genannten) Schulräten hatte er auch keine andere Erklärung als den Ermessensspielraum, der je nach Persönlichkeit offensichtlich höchst unterschiedlich interpretiert wurde….

Einig waren sich beide Landesvorsitzende, dass eine dienstliche Beurteilung nicht gleichzeitig als Spiegel des dienstlichen Einsatzes als Lehrkraft und als Auswahlinstrument für Führungspositionen (ob Schul- oder Seminarleitung) geeignet ist. Die große Mehrheit der Lehrkräfte mit mittleren und schlechteren Stufen zu bewerten, nur um wenigen mit guten Stufen den Aufstieg in eine höhere Besoldung zu ermöglichen, ist ein hoher Preis: Die Gefahr der Frustration einer Mehrheit droht, nur um einer Minderheit eine (sicher auch verdiente und lang ersehnte) Besoldungserhöhung erteilen zu können.

Der Wunsch des BSV, den Schulleitern ab Juni oder Juli ein festes Stundenbudget zu garantieren, mit dem sie mehr Gestaltungsfreiheiten in Absprache mit dem Kollegium haben, fand wenig Zuspruch bei Eusemann. Es sei in den Regierungsbezirken sehr unterschiedlich, ab wann diese den Schulämtern und damit den Schulen fixe Lehrerstunden zusagen können. So können manche Regierungsbezirke ihren Schulleitungen viel früher die Lehrer und das entsprechende Stundenbudget zusagen als andere, in denen bis August und z. T. September immer wieder Veränderungen beim Lehrpersonal vorkommen (z. B. Lehramtsanwärter oder Junglehrer, die eine zugewiesene Stelle spät ablehnen).

Großes Verständnis zeigte der Schulräte-Verband zur BSV-Petition, auch Schulleiter großer Schulen in die Besoldungserhöhung 2009 noch aufzunehmen. Dabei machte J. Eusemann allerdings auch deutlich, dass die Erhöhungen zwangsläufig auch im Schulamt und in den Regierungen stattfinden müssten, damit das Prinzip gewahrt bleibt, dass der jeweilige Vorgesetzte mehr verdient.
Die von KM Dr. Spaenle vorgeschlagenen „Dialog-Foren“ wurden beiderseits begrüßt, wenn es um die Suche nach besten Lösungen für die (Haupt)Schulen vor Ort geht.

Zur Auswahl von Lehrkräften und Konrektoren halten beide Verbände Absprachen für sinnvoll und hilfreich wie auch der stärkere Einbezug der Schulleiter bei Vergabe von Leistungsprämien, auch wenn dies noch nicht von allen Schulämtern so praktiziert wird.
Die Höherstufung im September 2009, die Vergabe von Leistungsprämien und der vorzeitige Aufstieg in die nächste Besoldungs-Altersstufe werden Prüfsteine für die weitere Zusammenarbeit der Schulleiter und Schulräte in den nächsten Monaten werden.
Bei dem Gespräch standen Kontaktpflege und das Werben um Verständnis für die eigenen Positionen an vorderster Stelle. Dem Austausch der Argumente zwischen beiden Berufsverbänden konnte natürlich keine Entscheidung folgen, denn die Ansprechpartner hierfür sitzen im Ministerium und im Landtag.

Dafür scheinen aber die alten Schützengräben geringer geworden zu sein und der Eindruck wächst, dass beide Berufsgruppen immer öfter gemeinsam die Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung ihrer Schulen verfolgen.  

Werner Sprick
Landesvorsitzender

 

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