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BSV: Ziele werden im gemeinsamen Gespräch erreicht

Mittwoch, 23 September 2009

Ein Beitrag von Siegried Wohlmann

MdL Albert Füracker aus Neumarkt bietet Unterstützung an


Im Gespräch mit MdL Albert Füracker, CSU, erläuterte Landesgeschäftsführer Siegfried Wohlmann aktuelle, brennende Situationen im schulischen und schulpolitischen Bereich.
Obgleich das Konzept der neuen „Mittelschule“ im Arbeitskreis „Bildung – Schule – Sport“ in München entstanden ist – Landesvorsitzender Werner Sprick und Siegfried Wohlmann sind Mitglieder -, sind nicht alle Elemente im Vorhaben der Umsetzung existent, insbesondere nicht der einfache, aber ganz wesentliche Mosaikstein „Einstieg in der 5., Ausstieg und Abschluss in der 10. Jahrgangsstufe“.

Kontraproduktiv sind insbesondere die Neuerungen in der Grundschule. Note 4 in Deutsch und Mathematik im Probeunterricht reichen künftig für den Übertritt in andere weiter führende Schularten aus: Das wird nach Ansicht Wohlmanns und vieler Lehrkräfte verstärkt Schüler von der Hauptschule fernhalten. Im Übrigen seien weite Teile der Lehrerschaft überzeugt, dass der Druck in der Grundschule durch die probenfreie Zeit und den auch dadurch entstehenden Zeitmangel bei gleichzeitiger Muss-Ansage der Proben in der 4. Jahrgangsstufe eher zunimmt.

Wenn zusätzlich die in einem Interview mit der Zeitschrift „Focus“ geäußerte Auffassung des bayerischen Kultusministers, er stehe einer Senkung des Notenschnitts in Deutsch und Mathematik in der 5. Jahrgangsstufe von 2,5 auf 3,0 nicht negativ gegenüber, realisiert würde, wäre eine weitere Reduzierung der Zahl an Hauptschülern die zwangsweise Folge.
Auch wenn derzeit noch ca. 35% der Schüler die HS besuchen, solle man die Augen vor der tatsächlichen Meinung der Eltern nicht verschließen, verdeutlichte Wohlmann seine Befürchtung.

Nicht verstanden wird der extrem betonte Aspekt der „Anhebung der Anforderungen auf das Niveau von Wirtschafts- und Realschule“. Die Frage drängt sich auf: Welchen Stellenwert hatte bzw. hat der mittlere Abschluss der M-Klassen seit Einführung? Er wurde und – wird er noch? – als „gleichwertig“ mit dem Abschluss an WS und RS gesehen. Insofern ist die teils vorhandene Skepsis in der Wirtschaft zu verstehen.

Wenn von künftig verstärkter Berufsorientierung extrem überzeichnet gesprochen wird, ist der reale Blick auf die bisher an HS schon gängige starke Berufsorientierung offenbar verstellt.
Wenn es für jeden Hauptschulstandort in den Fächern Deutsch und Mathematik ab der 5. Klasse eine leistungsbezogene Förderung geben solle – so Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle am 17. September 2009 in Velburg -, dann müsste in logischer Folge nach Auffassung Wohlmanns eine deutlich vermehrte Stundenzuteilung an die Schulen erfolgen. Er befürchte bei der künftigen Praxis des Budgets, das die führende Mittelschule im Verbund erhalten solle, die Zuteilung wieder, wie in all den Jahren zuvor, zu gering ausfalle. Damit würde die vielfach geäußerte Absicht der Förderung nicht genügend realisiert. Übrigens bräuchte nicht nur die HS, sondern auch – angesichts der zunehmend schwierigen Situation an GS – die Grundschule eine sichtbare Aufstockung an Förderstunden.

Nicht wirklich nachvollziehbar ist, dass die Bayerische Staatsregierung, resp. die CSU, nicht bereit ist, über die Übertrittsregelung zu reden (s. Neumarkter Tagblatt vom 19.09.2009 „Minister will möglichst viele Hauptschulen erhalten“). Kleine Hauptschulen werden teils kurzfristig, jedenfalls aber mittelfristig nicht zu halten sein, auch nicht angesichts kommender Verbünde. Diese Meinung teilt der BSV mit dem Staatsminister.
Völlige Übereinstimmung mit der jahrzehntelangen Forderung des BSV nach genügend Leitungszeit der Schulleitungen an GS, HS und FöS bestand in dem berechtigten Anliegen, die Unterrichtszeit deutlich zu reduzieren, um die Institution „Schule“ verantwortbar führen zu können. Füracker verwies auch auf die Aussage seines Kollegen Georg Eisenreich, bildungspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, der bereits anlässlich des Parlamentarischen Abends im Mai eine spürbare Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Schulleitungen für 2010 / 11 angekündigt habe. Selbst der Kultusminister habe die Notwendigkeit erkannt.
Wohlmann mahnte jedoch an, nicht nur bei den Mittelschulleitern und –leiterinnen die Leitungszeit zu erhöhen, sondern generell bei allen Schulleitern und Schulleiterinnen der Grund- und Hauptschulen.

Füracker betonte sein Verständnis für die Argumente des bayerischen Schulleitungsverbandes, aber gleichzeitig auch die positive Gegebenheit der Durchlässigkeit des bayerischen Schulsystems bis zur Hochschulreife. Er versprach Unterstützung, wo möglich, und weiterhin die Bereitschaft zum Gespräch, um bestmögliche Lösungen vor Ort gemeinsam zu finden. Namens des BSV dankte Wohlmann für das lange, konstruktive und offen-harmonische Gespräch.