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Schulleiter als Erfüllungsgehilfen ohne Kompetenz?

Mittwoch, 23 September 2009

Ein Beitrag von Siegfried Wohlmann

In der Richtlinienversion 2005 zur Dienstlichen Beurteilung (KWMBl ( / 2005) heißt es unter 4.5.2 Volksschulen: „Die dienstlichen Beurteilungen werden von Schulleiterin oder Schulleiter erstellt und unterzeichnet.“

Und jetzt? „Die dienstlichen Beurteilungen werden auf Vorschlag der Schulleiterinnen und Schulleiter durch die fachliche Leitung des Schulamts erstellt und unterzeichnet.“

Im Klartext soll 2010 so verfahren werden wie bei der Anlassbeurteilung 2009, die wir SL in bekannter Form noch hingenommen haben: Schulleitung besucht den Unterricht, erstellt de facto die Beurteilung, teilt sie dem Staatlichen Schulamt (fachlichen Leiter) mit, hört etwas oder auch nicht, stellt bei Rücklauf unmittelbar vor Eröffnung ggf. Änderungen fest, die nicht abgesprochen wurden und eröffnet die DB der Lehrkraft.

Das aktuelle Verfahren gleicht einer Entmündigung der Schulleitung an GS und HS, diese Verfahrensweise ist zutiefst entwürdigend und von der Begrifflichkeit her falsch ausgelegt.
Wenn die Schulaufsicht „erstellt“, sind zwingend ein oder mehrere Unterrichtsbesuche durch den Schulrat erforderlich und in Folge hat er die Formulierungen zu schreiben. Schließlich hat er nach Vorgabe die verantwortliche Unterschrift zu leisten.

Warum der Schulleiter bzw. die Schulleiterin durch Unterschriftsleistung die Kenntnisnahme bestätigen soll, bleibt zunächst unerfindlich, da er – wie im Text vorgegeben – den Vorschlag unterbreiten soll, der notwendigerweise auf den Beobachtungen auch von Unterrichtsbesuchen fußt. Die Frage ist erlaubt: In welchem Bereich nimmt eine Führungsperson Kenntnis von der eigenen Arbeit?

Der BSV konstatiert in Überzeugung:  Schulleiter und Schulleiterinnen der Grund- und Hauptschulen in Bayern können die Institution „Schule“ leiten, Mitarbeiter führen und motivieren, Organisationsmanagement ausführen und für Qualität in Unterricht und Erziehung sorgen. Darin enthalten ist die Fähigkeit zur dienstlichen Beurteilung der Kolleginnen und Kollegen, wie – von absoluten Ausnahmen abgesehen – bereits 2009 bewiesen.
Der Bayerische Schulleitungsverband betrachtet die Verfahrensweise der DB 2010 in Wiederholung weder als so durchführbar noch als mögliche Form der effizienten Kooperation zwischen Schulaufsicht und Schulleitung. Dieser geplante Schritt bedeutet einen Rückfall in die längst abgeschlossen geglaubte Vergangenheit der Ungleichung „Verantwortungsradius ist nicht gleich Entscheidungsradius.“ Bayerns SL in der unumstrittenen Schlüsselfunktion an den Schulen haben ein Recht auf die Umsetzung der Gleichung „Verantwortungsradius ist gleich Entscheidungsradius“.
Zudem darf erwartet werden, dass das bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus in so entscheidenden Phasen der Änderungen in der DB u.a. auch den Bayerischen Schulleitungsverband in eine Anhörung aufnimmt. Übrigens: Ohne –gute- Schulleitung kann keine noch so beste Absicht von Reformgedanken des Staates umgesetzt werden!