Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich einverstanden mit den Datenschutzbedingungen.

Modus F

MODUS F – viele BSV-Mitglieder sind dabei!
Schon wieder ein Schulversuch – was kommt heraus?
Von unserem Redaktionsmitglied Helmut Schuster,

Rektor VS Schwarzenfeld, BSV-Bezirksvorsitzender Oberpfalz


Im Bild: Projektleitung: Regina Pötke, Ministerialrätin, Geschäftsführerin der Stiftung Bildungspakt Bayern bei der Auftaktveranstaltung auf dem Nebelhorn bei Oberstdorf,  Tel.: 089 2186-2088  
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Selbständige Schulen sind Zukunft

 

Die internationale Schulforschung hat ergeben, das entscheidend für die Qualität einer Schule die Entwicklungs- und Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort sind. In Bayern hat es sich der vom Kultusministerium und innovativen Wirtschaftsunternehmen getragene Bildungspakt Bayern auf die Fahnen geschrieben, Ideen und Entwicklungen voran zu bringen, die den Prozess der „Inneren Schulentwicklung“ auf breiter Basis fördern und in der bayerischen Bildungslandschaft nachhaltig verankern. Die Stiftung Bildungspakt Bayern initiiert und betreut so genannte Großprojekte. Während in den letzten Jahren im Schulversuch „MODUS21“ zunächst 21, dann noch weitere Schulen, mit mehr Selbstständigkeit und unternehmerisches Denken an Schulen experimentieren durften, greift der Schulversuch „MODUS F – MODUS Führung“ ein zentrales Anliegen auf, das sich während des vorherigen Schulversuchs und in Übereinstimmung mit Erkenntnissen aus der weltweiten Schulforschung als ein ungelöstes Grundproblem vieler Schulen heraus gestellt hat.

Modus F als „Großprojekt“ des Bildungspakts

Mehr_Eigenverantwortung und Selbständigkeit von Schulen hat zwangsläufig Auswirkungen auf die Führungsstrukturen in Schulen und damit verknüpft auf die Rolle der Schulleiterinnen und Schulleiter. Sie stehen als Verantwortliche für die Weiterentwicklung der einzelnen Schule vor vielen Herausforderungen und werden in Zukunft verstärkt „Managementaufgaben“ übernehmen. Mit dem Ziel der Weiterentwicklung und Erprobung zeitgemäßer Führungsmodelle startete die Stiftung Bildungspakt Bayern in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus im Schuljahr 2006/07 das Modellprojekt „MODUS F“ (MODUS Führung), an dem 51 Schulleiterinnen und Schulleitern aus allen Schularten mit Ausnahme der „Beruflichen Schulen“ teilnehmen. Für die Beruflichen Schulen wird ein eigener Modellversuch „PROFIL 21“ durchgeführt werden, der u. a. ebenfalls die Entwicklung neuer Führungsmodelle beinhaltet. Die MODUS F-Schulleiterinnen und Schulleiter hatten stellvertretend für alle Schulleiterinnen und Schulleiter in Bayern die Aufgabe, Ziel führende Modelle zu erarbeiten, zu erproben und zu evaluieren. Positiv bewertete Ergebnisse sollen – ähnlich wie in MODUS21 – in die Schulpraxis aller Schulen einfließen.

Aus dem Ausschreibungstext des Schulversuchs ModusF

MODUS F besteht aus zwei Modulen, wobei in Modul 2 schulartspezifische Schwerpunkte gesetzt werden können:
Textfeld:  Modul 1: Breite Weiterqualifizierung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Thema Führungshandeln
Modul 2: Entwicklung, Erprobung und Evaluation neuer Führungsmodelle an Schulen, insbesondere zu
• Praktikablen Führungsspannen
• Teamentwicklung in der Schulleitungsmannschaft
• Delegation von Aufgaben
• Theorie und Praxis von Zielvereinbarungen
• Erkennen und Fördern von Führungsbegabungen im Kollegium
Schwerpunkte bei den Grund- und Hauptschulen

  • Entwicklung von praktikablen Modellen für eine sachgerechte Aufgabenverteilung im Leitungsteam
  • Übertragung von fachlichen Aufgaben an Lehrkräfte der Schule (ohne Funktion)
  • Möglichkeiten zur Erweiterung des Leitungsteams durch Beiziehung von Fach- oder Stufenvertretern (GS-HS)
  • Formen einer effektiven Kooperation bei Schulen mit einer oder mehreren Außenstellen
    Schaffen von attraktiven Bewährungsfeldern für potentiellen Führungsnachwuchs

 Textfeld: Einer guten Idee ist es egal, wer sie hat!

Warum unterstützt der Bildungspakt teure Schulversuche?

  • Die Wirtschaft ist oft nicht zufrieden mit der Schule – die Schulen verwahren sich dagegen, Kinder allein für den künftigen Job fit zu machen. Dabei haben beide das gleiche Ziel: Kindern das nötige Rüstzeug mitzugeben für eine Zukunft, die nicht nur immer mehr Fachwissen, sondern auch mehr Flexibilität und persönliche Kompetenzen als heute von ihnen fordern wird.
  • Die Stiftung Bildungspakt Bayern bietet Schulen, Unternehmen und anderen gesellschaftlichen Organisationen in einer bundesweit einmaligen Initiative die Möglichkeit, sich gemeinsam für innovative Projekte zur Verbesserung der Bildungsqualität einzusetzen. Den Unternehmen wird so der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schulen vertraut. Die Schulen wiederum können Kern-Qualifikationen vermitteln, wie sie im Arbeitsleben gefordert sind. Einer guten Idee ist es egal, wer sie hat.

Darin sind sich alle einig: Bayerns Schulen sollen auch international wieder ganz nach oben.

Auf dem schwierigen Weg zu neuen Lehr- und Lernformen, zu neuer Unterrichtsqualität, zu einem neuen Qualitätsbewusstsein und mehr Eigenverantwortung brauchen unsere Schulen nicht nur Motivation und Anerkennung, sondern auch handfeste Unterstützung. Erst durch das Zusammenwirken aller gesellschaftlichen Gruppen und der Bündelung der Erfahrung und des Wissens aller Beteiligten können wir die wertvollste Ressource unseres Landes, sein geistiges Kapital, bestmöglich entwickeln und fördern.
Führungsproblematik an großen Schulen

Nicht der aus fernen Ministerien zentralistisch an einem überall gleichen Gängelband geführten Schule gehört die Zukunft, sondern eine möglichst mit allen Beteiligten vor Ort nach den real vorhandenen Bedürfnissen gestalteten Bildungseinrichtung, die sich als „Haus des Lernens“ versteht und die alle dafür in Frage kommende Kräfte in ihrem Umfeld einbindet. Somit wird prozessbezogene und menschenbezogene Leitung und Führung unmittelbar in der jeweiligen Schule zur zentralen und entscheidenden Aufgabe. Dabei reicht es nicht aus, dass ein Schulleiter über hervorragende Kompetenzen verfügen muss, die Organisation-, Unterrichts- und Personalentwicklung voranzubringen. Schulleitung muss von den Kompetenzen und den Rahmenbedingungen seiner Führungsarbeit so ausgestattet werden, dass sie ähnlich wie Manager in Betrieben zielstrebig und nachhaltig die Qualitätsentwicklung in allen Bereichen fördern kann. An einer kleinen Schule mit wenigen Lehrkräften kann es ausreichen, dass ein Schulleiter das ganze Kollegium in Übereinstimmung mit seiner Personalentwicklungsaufgabe führen kann, so fern er nicht mit eigener Unterrichtsarbeit überlastet ist. In größeren Kollegien aber mit mehr als 20 bis hin zu 50 und manchmal sogar über 100 Kollegen kann dies nicht mehr funktionieren. In der Wirtschaftswelt hat sich eine „Führungsspanne“ von 8 bis 10 Kollegen als sinnvolle Struktur bei der Bildung von Abteilungen erwiesen. Diese Zahl ist durchaus auf Schulen übertragbar, wenn man weiß, was es bedeutet, die Ressourcen jedes einzelnen Kollegen zu fördern und für ein gutes produktives und menschliches Arbeitsklima zu sorgen. Kleine und realistische Führungsspannen bedeuten besonders im schulischen Bereich auch, dass die Teamentwicklung stattfinden kann und das Einzelkämpfertum zurückgedrängt werden kann. Viele Teamansätze waren im schulischen Bereich nicht von Dauer, weil die schmerzliche Erfahrung gemacht werden musste, dass ein zielstrebiges Miteinander ohne eine verbindliche und verlässliche Führung oftmals ein vorübergehendes Zufallsprodukt ist. Im deutschsprachigen Bereich hat Professor Dubs mit seinem „Leadership“-Konzept deutlich gemacht, wie Führung an Schulen so funktionieren kann, dass es auch von den Lehrkräften nicht als lästiger Druck und Kontrolle, sondern als unentbehrliche Führung und Leitung für die gemeinsam getragenen Ziele erfahrbar wird.

Sehr eigenständige und unterschiedliche Führungskonzepte

Entsprechend der Ausschreibung und der Konzeption des Schulversuchs war es richtig und konsequent, dass über die Bewerbung nicht eine Mehrheit des Kollegiums entscheidet, sondern der Schulleiter. Viele Kollegen wären mit der Entscheidung überfordert gewesen. Es bestand die Gefahr, dass wegen verständlicher Ängste vor Neuem, aus grundsätzlichen Abneigungen gegen Hierarchien und schlechten Erfahrungen mit mancher Schulreform der letzten Zeit so manche hoffnungsvolle Entwicklung von vorneherein verhindert worden wäre. Führungskonzepte werden nicht „unten“ entworfen, nur wer die Bedeutung und den Sinn guter Personalführung erkannt hat, ist bereit, sich dazu Gedanken zu machen. Sehr wohl aber ist die Einführung einer Führungsstruktur keine „Einbahnstraße“ und nur im Konsens und mit Überzeugungsarbeit kann das eingeführt werden und sich positiv auswirken, was auch „unten“ wirklich Sinn und Verstand hat.
 
Die Schulleiter bei Modus F waren in den ersten Monaten aufgerufen, mögliche Arbeitsfelder und Ziele festzulegen und diese selbständig in Arbeitsgruppen weiter zu entwickeln, bis daraus umsetzbare Konzepte entstehen. Viele waren überrascht, dass wir dabei wirklich völlig „frei“ und ungegängelt waren und die Projektleitung nur auf Anforderung mit Rat beiseite stand. Die Aufgabe war gar nicht so einfach und es war kein Wunder, dass sich im VS-Bereich zunächst sehr viel um das „Schaffen von Leitungszeit“ drehte, die viel zu knapp bemessen ist. Es kristallisierte sich dann doch bei den einzelnen AGs und bei den Vollversammlungen zunehmend Lösungen für eine mittlere Führungsebene heraus, die den Schulleitern zugleich eine bessere Führung und auch eine Entlastung bringen soll. Hier war es sehr hilfreich, das die Manager der Wirtschaft, die uns beratend zur Seite standen, keinen Zweifel daran ließen, dass eine Beteiligung weiterer Personen an der Schulleitung ohne eine entsprechende zeitliche Entlastung und/oder eine Beförderung nicht funktionieren könne und sie dies auch öffentlich gegenüber dem Kultusministerium vortrugen.

Groß war bei vielen VS-Leitern besonders aus den Grundschulen die Skepsis, ob die spärlich und oft gänzlich ohne Poolstunden ausgestatteten Volksschulen die notwendigen Poolstunden für Teamleiter bekommen würden. Manches Gerücht kursierte, man dürfe damit nicht rechnen und sollte sich bei seiner Modellentwicklung von vorneherein beschränken. Doch viele ließen sich nicht entmutigen und entwarfen genau das, was sie für richtig hielten, selbst wenn es was kosten würde. Schließlich zeigte sich Kultusminister Siegfried Schneider überzeugt und er gab den größeren Volksschulen ebenso wie den Realschule 6 Poolstunden für die erweiterte Schulleitung. Das war das, was sich realistische Optimisten erhofft hatten und zusammen mit den jährlich fließenden finanziellen Mitteln der Wirtschaftssponsoren aus dem Bildungspakt bedeutet dies eine gute Chance für einen erfolgreichen Verlauf des Schulversuchs. Die meisten Teamleiter erhalten außerdem in den vergangenen und in den kommenden Monaten in Dillingen und Berlin eine gezielte Ausbildung, die nach Bekunden der Teilnehmer von exzellenter Qualität ist.
Während der Erarbeitung der schulspezifischen Modelle machte die Projektleitung übrigens klar deutlich, dass jeder Schulleiter die Möglichkeit hat, problemlos wieder auszusteigen, falls kein umsetzbares Konzept zustande gekommen wäre. Schließlich kamen bis zur Genehmigung im Mai 2007 dann doch bei allen Modell heraus, die in den nächsten Jahren erprobt und weiter entwickelt werden sollen. Man darf gespannt sein, was dabei heraus kommt.
Die meisten der 50 unterschiedlichen Modelle können auf der Homepage des Schulversuchs eingesehen werden: www.modus-F.de

Leitungsmodell für kooperative Führung
an der Grund- und Hauptschule Schwarzenfeld

Beschreibung der Schule:               
Grund- und Hauptschule in eher ländlichem Gebiet der mittleren Oberpfalz mit 630 Schülerinnen und Schüler, 52 Lehrkräfte im Einsatz; davon 44 mit mehr als 4 Wochenstunden in Schwarzenfeld als Stammschule

  • Grundschule durchgehend vierzügig mit sehr großen Klassen, Außenstelle Stulln (vier Klassen 1 bis 4)
  • Hauptschule durchgehend zweizügig mit eher günstigen Klassenstärken, nur Regelklassen

Entwicklungsstand bezüglich der Teamstruktur:
In den letzten zwei Jahren wurden sehr positive Erfahrungen mit der eingerichteten Planungsgruppe gemacht. Zuletzt fungierten sog. Teamsprecher im Sinne der vorgeschlagenen Struktur (Seite 1). Im nächsten Schritt soll das Modell auf eine verbindliche und effektivere Ebene gehoben und weitere Leitungsaufgaben werden gezielt auf die Teamleiter übertragen. Alle Maßnahmen dienen der schülerorientierten Qualitätssicherung und –entwicklung.

Ziele:

  • bessere Personalführung und Optimierung der Kooperation mit realisierbarer Führungsspanne (max. 9 Personen)
  • Steigerung der Bereitschaft zur Mitarbeit durch höhere Eigenverantwortung und eigene Gestaltungsmöglichkeiten
  • besseres Nützen der Ressourcen des akademisch ausgebildeten, didaktisch versierten Lehrpersonals
  • Fördern der pädagogischen Teamentwicklung und von fachübergreifenden Ansätzen
  • Standardisierung und gemeinsame Unterrichtsentwicklung für schülerorientierten, zeitgemäßen Unterricht, Beschleunigen und Verankern von Innovationen
  • Qualitätsentwicklung mit Rückhalt in lernender Organisation statt Einzelkämpferdasein
  • Identifikation und Profilbildung in der Teamverantwortung auf Stufenebene (Lehrer und Schüler)
  • Fördern der Personalentwicklung und von persönlichen Stärken in verschiedenen Bewährungsfeldern

Leitungsaufgaben, die auf die mittlere Führungsebene übertragbar sind:

  • verantwortliche Leitung der Teamsitzungen und Förderung der Teamentwicklung
  • Sorgen für gleichmäßige Aufgabenverteilung in den Teams (nach LDO § 9 ff v.24.06.05)
  • Planung und Durchführung der schulhausinternen Fortbildung auf Teamebene
  • Planung und Durchführung der internen Evaluation und des Bildungsmonitorings auf Teamebene
  • Anschaffung und Verwaltung der Lehr- und Lernmittel auf Teamebene
  • Durchführung der Vergleichsarbeiten und Auswertung auf Teamebene
  • Planung und Durchführung von Projekten (auch fächerverbindend) auf Teamebene
  • Mitarbeit bei Planung und Durchführung der externen Evaluation und der Rechenschaftslegung
  • Koordination für einheitliches Anforderungsniveau bei Leistungsfeststellungen
  • Koordination der Schulprogrammarbeit auf Teamebene
  • Kontakt und Kooperation mit außerschulischen Partnern und Förderung der Elternarbeit
  • Förderung und Organisation der unterrichtlichen Kooperation und kollegialer Hospitation
  • Umsetzung des Sozialerziehungskonzepts auf Teamebene
  • Beteiligung an der dienstl. Beurteilung durch gemeinsame Unterrichtsbesuche mit Schulleitung
  • Führen von Mitarbeitergesprächen auf Teamebene
  • Kooperation mit anderen Teams der Schule
  • Mitarbeit bei der Planung von Schulprogramm und Lehrereinsatz

 

Rechtliche Voraussetzungen:

  • Genehmigung des Modells im Schulversuch Modus F durch das Kulturministerium im Bildungspakt

Organisatorische Voraussetzungen:

  • operative Leitung im Rahmen des Geschäftsverteilungsplanes der Schulleitung und der aktuell gewährten und zugeteilten Anrechnungsstunden für Schulleitungsaufgaben
  • Monatliche Sitzungen der Teamleiterkonferenz (=Planungsgruppe) mit Teilnahme der kompletten Schulleitung und verpflichtende Teilnahme der kooptierten sechs weiteren Mitglieder der Planungsgruppe mit Zuweisung von Anrechnungsstunden (Leitungsstunden aus einem Führungspool im Rahmen von Modus F (je Teamleiter 1 Poolstunde)

Teamleiter führen sechs Lehrerteams mit mindestens zwei bis drei Teamsitzungen im Halbjahr über die Lehrerkonferenzen hinaus, aufgabenbezogenes „Jour-Fixe“ mit Schulleiter/Schulleitung

 

Schuster Helmut, Rektor VS Schwarzenfeld, Mozartstraße 4, 93133 Burglengenfeld,
Mail:  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Tel. 09471 8601