Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich einverstanden mit den Datenschutzbedingungen.

Kooperation Schulleitung und Schulaufsicht

Sonntag, 07 November 2010

Schulleitung und Schulaufsicht – eine Kooperation mit Spannungsfeldern entwickelt sich weiter

 

Nach einer Newsletter-Umfrage unter den Schulleitungen zeigte sich zwar im Wesentlichen ein positives Bild der zunehmend besseren Zusammenarbeit zwischen Schulräten und Schulleitern.
Den angezeigten Problemfällen sollte aber nachgegangen werden: Gespräche zur Kommunikationsverbesserung scheinen vereinzelt dringend nötig.

 

Vorbemerkungen
Der Bayerische Schulleitungs-Verband ist ein bayernweit agierender Verband, der sich speziell für die Verbesserung der Rahmenbedingungen von Schulleitung an Grund-, Haupt- und Förderschulen einsetzt. Er trägt die Nöte und Schwierigkeiten auf allen möglichen politischen Ebenen und im Bereich der Schulaufsicht bis hin zum Ministerium vor und steht laufend in Gesprächen mit allen Lehrerverbänden aller Schularten, den Schulleitungs-Verbänden der anderen Schularten in Bayern und mit allen Schulleitungs-Verbänden in ganz Deutschland.
Natürlich verfechten auch wir mehr Eigenverantwortung für die Schulen, wie sie derzeit auch die Regierungskoalition in Bayern vertritt und wollen die nötigen Entscheidungsspielräume für Schulleitungen bis hin zum Dienstvorgesetztenstatus.

 

Vertrauensvolle Zusammenarbeit nötig
In letzten BSV-Verbandstreffen im April 2010 in Regensburg kamen von BSV-Funktionären aus ganz Bayern höchst unterschiedliche Erfahrungen mit Schulämtern und Schulräten zur Sprache.
Die nötige „vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Schulleitungen und Schulämtern“ ist  zwar oft schon Wirklichkeit geworden. Dennoch erkannte der BSV nach einer Abfrage an alle bayerischen Schulleitungen noch deutlichen Entwicklungsbedarf in manchen Schulamtsbezirken.
Schon in früheren Gesprächen waren sich die Verbandsvorsitzenden des Schulleiter- und des Schulräteverbands immer schon über die Notwendigkeit der Zusammenarbeit einig gewesen. Die Qualität von Schule laufend zu verbessern, die nötige Ausstattung der Schulen mit guten Lehrkräften und möglichst vielen Lehrerstunden sowie die optimale Gestaltung der Rahmenbedingungen waren und sind die gemeinsamen Anliegen von Schulen und Schulaufsicht.
Dazu sind laufende Gespräche und wechselseitige Absprachen nötig und vor allem ein gutes, stabiles Vertrauensverhältnis. Schulleitungen arbeiten auf der operativen Ebene, um „ihre“ Schule gut zu gestalten und laufend zu optimieren, Schulräte dagegen auf strategischer Ebene zur Gleichbehandlung aller Schulen im Schulamtsbezirk bei deren Rahmenbedingungen. Die gelingende Kooperation der beiden Ebenen ist eine zentrale Voraussetzung für „gute Schule“.
Von Lenin stammt der Spruch „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Ohne gegenseitiges Vertrauen kann aber keine gute Kommunikation gelingen. Eine Kommunikationskultur mit Kontrolle als Steuerungsprinzip kann nicht funktionieren, da übermäßige Kontrolle jedem Beteiligten signalisiert, dass kein Vertrauen in die „Kontrollierten“ vorhanden ist.
Bald erhalten Schulleiter ab 360 Schülern dasselbe Gehalt wie die Schulräte. Bei gleichem Gehalt sollte eine Kommunikation auf Augenhöhe möglich sein. Zwar unterscheiden sich die Aufgabenfelder, doch das gemeinsame Ziel müsste eigentlich die Kooperation der gleich hoch bezahlten Beamten vereinfachen. In einigen Schulamtsbezirken weit gefehlt:

 

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“???
Kann man von „vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen Schulleitungen und Schulämtern“ sprechen, wenn z. B.

  • der Schulrat die Schultür um 9:30 Uhr aufmacht, um den Schulleiter unangekündigt ab 9:31 Uhr im Unterricht zu visitieren (wohlgemerkt nach Jahren und Jahrzehnten guter und sehr guter Leistungen als Lehrkraft, Konrektor und Rektor)?
  • neu ernannte Schulleiter jahrelang ohne Mitarbeitergespräche mit dem Schulamt alleingelassen werden, ohne Unterstützung, ohne Beratung, ohne Begleitung?
  • Konrektoren durch das Schulamt ausgewählt werden, ohne dass die Schulleitung je vorher über diese Leute informiert wurde oder sie kennenlernen konnte (das erinnert an türkische Hochzeiten, in denen die Eltern die Braut aussuchen)?
  • Schulleiter-Dienstbesprechungen nur in Form von „Vorlesungen“ durch die Schulräte stattfinden – ohne ausreichende Möglichkeit für die Schulleitungen zum Austausch, zu Gesprächen und Diskussion?
  • Lehrer, die per Direktbesetzung von der Schule ausgesucht wurden, im nächsten  Jahr gleich wieder vom Schulamt wegversetzt werden?
  • Vorschläge von Leistungsprämien durch die Schulleiter ohne Nachfrage ignoriert werden und das Schulamt andere Lehrkräfte an der Schule auswählt?
  • Rektoren einen Marathon-Tag beim Schulratsbesuch durchstehen müssen: 1. Gemeinsame Visitation einer Lehrkraft, 2. Beratung der Lehrkraft durch Rektor, 3. Feedback durch Schulaufsicht, 4. Mittagspause, 5. Konferenz in Anwesenheit des Schulrats und 6. Feedback Schulaufsicht-Schulleitung? Manche Rektoren waren bis 19:30 Uhr an solchen Tagen in der Schule.
  • der Leiter eines Schulamts die Stellenausschreibung einer Lehrerstelle verweigert, da die Stellenbesetzung beim Schulamt verbleiben soll?
  • der Schulamtsleiter alle Grundschulen wegen der Übertrittszahlen an die Hauptschule anruft, um die von der Hauptschule gemeldeten 5.Kl.-Schülerzahlen zu überprüfen?

Diese repräsentative Auswahl unter den Rückmeldungen erschreckt jeden, der auf geänderte Kommunikation auf breiter Basis gehofft hatte.

 

Kooperation funktioniert immer besser
Zwar lässt sich angesichts der Vielzahl der Schulen gegenüber der Anzahl der Rückmeldungen über noch nicht optimal gelingende Kommunikation zwar große Zufriedenheit mit der aktuellen Entwicklung allerorten erkennen.
Auch von der Akademie für Lehrerfortbildung und PERSONALFÜHRUNG in Dillingen, insbes. Frau Katharina Schlamp, wurde betont, dass sowohl die Ausbildung der neuernannten Schulräte als auch das Modul B bei der Ausbildung der neuen Schulleiter auf verstärkte Kommunikation und Training von Konfliktgesprächen setzen.   

 

Wenn Kommunikation schwieriger wird  
Wie erreicht man aber Schulleiter und Schulräte, die nach wie vor auf das Top-Down-Modell bei Entscheidungen setzen, ohne die Verbesserungen für die Kommunikation und für gemeinsam getragene Entscheidungen durch das Bottom-up-Modell wahrzunehmen?

 

Rutscht die Kommunikation und die Führung auf Schulamtsebene einmal ab in Kontrolle und Anweisungen, fragen die betroffenen Schulleiter höchstens noch einmal nach oder rufen den BSV zu Rate, ziehen sich dann aber resignierend zurück. Die folgende Phase wird gekennzeichnet durch den Rückzug der Schulleiter auf die pflichtgemäße Beantwortung von Anweisungen des Schulamts, auf passives Absitzen von sogenannten „Schulleiter-Dienstbesprechungen“ in Form von Solo-Präsentationen des Schulamts, auf die Leitung der Schule „trotz denen da oben“, verstärkt verbalisiert auch in Lehrerkonferenzen oder in Elternbeiratssitzungen.
Dem Verlust der Kontakte und der offenen Kommunikation folgt bei den Schulräten meist der Rückzug  an den „grünen Schreibtisch“ und auf die Erteilung von Weisungen und Vorgaben „von oben“. Wenn Kommunikation derart einfriert, ist keine Weiterentwicklung von Schulqualität mehr möglich! Das kann und darf nicht passieren!
Absolutes Warnsignal: Das Schweigen der Schulleiter in Dienstbesprechungen oder Konferenzen des Schulamts!
Dieses unterschwellige Unterlaufen kann nie und nirgends im Sinn der gemeinsamen Gestaltung von „guter Schule“ sein.

 

Möglichkeiten zur Verbesserung
In solchen Problemsituationen sollten Schulleitungen mehrfach reagieren, um eine Verhärtung der „Fronten“ zu vermeiden:

  • das direkte Gespräch mit dem Schulrat bzw. Schulamt, um Verschärfungen früh zu begegnen
  • das direkte Gespräch mit dem Schulamt gemeinsam mit Schulleiter-Kollegen
  • die Einladung des Schulamts bzw. der Schulräte zu informellen Gesprächen
  • die Einschaltung der BSV-Vorsitzenden auf Kreis-,  Bezirks- oder Landesebene, die sich als Interessenvertreter meist ungefährdet einschalten können.

Selbstverständlich sollten auch Schulräte alles für eine gelingende Kommunikation tun, die ihnen nach ihrem neuen Leitbild „beraten – begleiten – coachen“ eigentlich am Herzen liegen müsste! Ehrliches Feedback einholen, Mut zur Selbst- und Fremdevaluation, Offenheit und Vertrauen in die Schulleiter sind dabei unabdingbar!

 

Die Einschaltung von Regierungs- oder Ministerialbeamten zur Verbesserung der Kommunikation kann in Problemfällen vermutlich wenig weiterhelfen, da die Regelung von Kommunikations- und Vertrauensproblemen besser direkt von den Beteiligten getroffen werden kann. Per Anweisung von oben kann keine Kommunikation besser gestaltet werden.

 

Der aktuelle Veränderungsprozess verändert die Rollen von Schulleitung und Schulräten und braucht sicherlich noch viel Zeit. Sowohl Schulleiter als auch Schulräte müssen lernen, mit den veränderten Führungsrollen und Führungsanforderungen verantwortlich umzugehen.  

 

Bei den o. a. beispielhaft genannten Problemsituationen sollte aber vor allem dringend das persönliche Gespräch zwischen den Beteiligten gesucht werden. Der BSV stellt sich hier gern jederzeit und auf allen Ebenen hilfreich zur Verfügung und steht an der Seite seiner Mitglieder. Dabei muss die gemeinsame Weiterentwicklung der Qualität von Schule und Bildung immer im Fokus aller Bemühungen stehen.
Auch der stets gute Kontakt zwischen Schulleiter- und Schulräte-Verband kann dabei weiterhelfen.

 

Dipl.Päd. Werner Sprick
Landesvorsitzender BSV