Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich einverstanden mit den Datenschutzbedingungen.

Ministerium nimmt unsere Arbeitsbelastung nicht wahr

In einer Blitz-Umfrage beteiligten sich frühere Volksschul-Rektorinnen und -Rektoren zur Änderung der Arbeitsbelastung seit der rechtlichen Trennung in eine Grund- und in eine Mittelschule. Das Ergebnis muss auch das Ministerium verblüffen.

Alle Volksschulen in Bayern wurden in den letzten beiden Schuljahren in eine Grundschule und eine Mittelschule getrennt. Dadurch entstanden juristisch gesehen zwei neue Schulen, was vor allem deshalb notwendig wurde, damit sich die Mittelschulen neu in Mittelschulverbünden koppeln konnten.
Nach Ansicht des Kultusministeriums heben die Synergieeffekte eine mögliche Mehrbelastung auf. Dies deckt sich aber nicht mit unseren Erfahrungen. Wir gingen deshalb der Frage nach:  „Wie hat sich die Arbeitsbelastung nach Ihrer Erfahrung geändert…
… durch die Planungen  Jun-Sept für das nächste Schuljahr?
… durch die Stundenplanerstellung?
… durch die Oktoberstatistik?
… durch die Verwaltung der beiden Lehrer-Dateien?
… durch die Betreuung der Lehrkräfte?
… durch getrennte Konferenzen für Grund- oder Mittelschule?
… durch mehr Schulamts-Konferenzen je nach Schulart?
… durch die beiden Elternbeiräte bei der Wahl?
… durch die beiden Elternbeiräte bei den Sitzungen?
… durch die gestiegene Anzahl von Elternbeiratsmitgliedern?
… bei der Erstellung des Haushaltsplans für die Schulen?
… bei Gesprächen u. Schriftverkehr beim Sachaufwandsträger?
… mit den beiden OWA-Postfächern?
… durch die gestiegene Zahl der Mails vom Schulamt?
… durch die gestiegene Zahl von Briefen an 2 Schulen?
… durch die gestiegene Zahl von Werbung an 2 Schulen?
… durch die gestiegene Zahl der Formulare an 2 Schulen?
… durch Verwendung von 2 Siegeln, Stempeln  und Briefköpfen?“
Befragt wurden Schulleiter von früheren Volksschulen, die nun zwei Schulen zu leiten haben. Sie konnten dabei zwischen fünf Alternativen wählen:  ++ viel mehr, + etwas mehr, ○ gar nicht, - etwas weniger und -- viel weniger.
Wenn das Ministerium richtig liegen würde, hätten die Antworten im Gesamtschnitt bei „gar nicht“ gelegen.

Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Die überwiegende Mehrheit der Schulleiter mit 97 % erkannte keine Entlastung durch Synergieeffekte! Denn 60 % der Befragten gaben an, dass sie „viel mehr“ Arbeit zu leisten haben und noch weitere 37 % stellten „etwas mehr“ an Belastung fest.

Wo entstand deutlich mehr Arbeit?
Bei den Arbeiten für das neue Schuljahr, die von April bis Oktober reichen, wurden die höchsten Mehrbelastungen genannt: Oktoberstatistik (mit 67 % viel mehr Arbeit, 28 % etwas mehr), Stundenplanerstellung (62 %; 28 %) und Planungen fürs neue Schuljahr (56 %; 33 %).
In der täglichen Arbeit entstand Mehrarbeit am deutlichsten in der Verwaltung von zwei getrennten Lehrerdateien (47 %; 42 %) und von zwei OWA-Postfächern (38 %; 49 %) sowie durch die gestiegene Zahl von Formularen für 2 Schulen (36 %; 54 %), von Mails vom Schulamt (31 %; 51 %), von Briefen an 2 Schulen (31 %; 51 %) und durch die Verwendung von 2 Siegeln, Stempeln und Briefköpfen (26 %; 59 %).

Etwas mehr Arbeit als früher mit den Lehrkräften erleben die Schulleiter durch getrennte Konferenzen für Grund- oder Mittelschule (31 %; 41 %) und mehr Betreuung der Lehrkräfte (23 %; 44 %). Doppelte Sitzungen der Elternbeiräte (18 %; 56 %) und doppelte Elternbeiratswahlen (8 %; 58 %) schlagen weniger zu Buche, da nur wenige Termine im Jahr ausmachen. In der Zusammenarbeit mit dem Sachaufwandsträger ergibt sich für Gespräche und Schriftverkehr etwas mehr Arbeit (21 %; 46 %) und bei der Erstellung der Haushaltspläne (13 %; 54 %).    
Kein einziger Schulleiter kreuzte an, dass die Arbeit in den Teilfragen etwas oder viel weniger geworden wären!

Sogar noch weitere Bereiche wurden in den freien Antworten der Umfrage benannt, die für eine höhere Arbeitsbelastung sorgen:

  • Absprachen mit dem Schulamt wegen Lehrerstundenzuteilung in Grundschule, mit dem Verbundkoordinator wegen der Mittelschule
  • Im Mittelschulverbund die Zusammenarbeit / Planungen / Rücksprachen mit dem Verbundkoordinator, die Verbund-Versammlungen und  -Konferenzen
  • Absprachen im Mittelschulverbund durch Projektprüfungen, die zeitlich kaum noch zu leisten sind
  • Organisation des Transports der Schüler zu Fächern in anderen Schulstandorten
  • Zeitlicher Mehraufwand bei der Schuljahrsplanung  20 Stunden, auch wegen zwei verschiedener SVS-Portale
  • Mehrarbeit bei Lehrerdateien durch „Abordnung an eine andere Schule“ im selben Schulhaus
  • Abfragen vorgesetzter Dienststellen (Schulamt, Regierung und Ministerium)
  • Komplexere Zielvereinbarungen bei der externen Evaluation
  • Durch notwendige eigene Innovationen wegen Konkurrenz mit anderen Schularten
  • Durch häufige sogenannte Innovationen ohne entsprechende Rahmenbedingungen
  • Gehäuft schulhausinterne Fortbildungen
  • 15 zusätzliche Stunden wegen 5 weiterer Konferenz-Nachmittage
  • Veranstaltungen und Informationsabende für Eltern immer getrennt; auch für Eltern mit GS- u. MS-Kindern doppelt so viel Abende
  • mind. 5 Std pro Woche: Elterngespräche, Koordination mit FöZ
  • Für Elternbeirat 15 Stunden mehr wegen 5 Abenden; doppelte Anzahl an Sitzungen
  • Unzählige Überstunden am Abend und an Wochenenden

Es bleibt die ernüchternde Erkenntnis:
97 % der Schulleiter haben mehr Arbeit, und das Ministerium wischt dies mit der Behauptung weg, einer Mehrarbeit stünde eine irgendwie geartete Entlastung in gleichem Maß entgegen. Erneut stellt sich die Frage: „Sehen die Ministerialbeamten die tatsächliche Arbeitsbelastung der Rektorinnen und Rektoren in den Grund- und/oder Mittelschulen nicht - oder wollen sie sie einfach nicht wahrhaben?“

Werner Sprick
Landesvorsitzender