Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich einverstanden mit den Datenschutzbedingungen.

Die neue Vorstandschaft im Gespräch mit Kultusminister Dr. Spaenle

Am 18. Februar stellte sich die neue Vorstandschaft des BSV um Petra Seibert bei Kultusminister Dr. Spaenle vor. MRin Irene Schopf vom Referat für Förderschulen und ein Mitarbeiter des Ref. III.5 von MR Elmar Diller waren mit anwesend.

Drei Gesprächspunkte standen im Vordergrund:
1.    Mehr Eigenverantwortung auch an Grund- und Mittelschulen
2.    Ganztagsschulen in Bayern
3.    Situation in den Förderschulen

Mehr Eigenverantwortung auch an Grund- und Mittelschulen

Die neue Landesvorsitzende Petra Seibert betonte, dass sowohl in Wissenschaft und sowieso in der Praxis die Schulleitungen als die treibende Kraft in der Schulentwicklung gesehen werden. Gerade im Bereich des Personalmanagements erfüllen die SchulleiterInnen nahezu alle Aufgabenfelder. Aus diesem Grund legte Petra Seibert dar, müsse die Bezeichnung „Rektor/Rektorin“ ohne Abstriche in der Gesamtkomplexität wertgeschätzt werden. Von den SchulleiterkollegInnen kann nicht mehr nachvollzogen werden, dass die zusätzlichen Belastungen u.a. im Zusammenhang mit der dienstlichen Beurteilung ohne Anerkennung des Dienstvorgesetztenstatus hingenommen werden müssen. Hier müssen ein Umdenken und ein verändertes Handeln auf politischer Ebene erfolgen.

 

Drei Varianten sind für den BSV denkbar:
1.    Alle Schulleiter an Grund- und Mittelschulen werden Dienstvorgesetzte. Das Schulamt begleitet diesen Übergang für drei Jahre.
2.    Jeder Verbundkoordinator an Mittelschulen wird Dienstvorgesetzter
3.    Alle Schulleiter an Grund- und Mittelschulen erstellen und verantworten die Dienstliche Beurteilung in einem 3-jährigen Modellversuch allein.

Risiken sind bei keiner Variante vorhanden, da die Kontrolle vergleichbar mit den MB-Stellen beim Staatlichen Schulamt bleibt.
Die Vorteile sind Verwaltungsvereinfachung, Kostenneutralität, eine höhere Berufszufriedenheit der Schulleitungen sowie die Professionalisierung der Schulleiter.

Kultusminister Dr. Spaenle favorisierte die zweite Variante mit dem Argument, dass bei den Mittelschulen die Veränderungen am weitesten fortgeschritten wären. Die Zahl der Verbundkoordinatoren wären übersichtlich und der Aufgabenbereich dem des Staatlichen Schulamts in weiten Teilen sehr ähnlich. Letztlich müsse man jedoch noch mit den einzelnen Abteilungen ins Gespräch treten.
Der Ausbau von Verbünden wäre für die Zukunft auch bei den Grundschulen geplant.

Cäcilia Mischko führte aus, dass die Ganztagsschulen zwar politisch gewollt und von der Wirtschaft vielfach als die pädagogische Einrichtung gesehen werden, die die Defizite in der Ausbildung und Gesellschaft beheben können, aber von den äußeren Rahmenbedingungen unzureichend ausgestattet sind.
 
Bislang sind es die Schulleitungen, die die Mehrbelastungen allein durch immens hohen Zeitaufwand schultern. Hier seien exemplarisch nur die Informationsveranstaltungen, die Baumaßnahmen, die Akquirierung außerschulischer Experten, die Vertragsabschlüsse wie Kooperationsvereinbarungen, zusätzliche Stundenplanorganisationsarbeiten und das Mehr bzgl. Catering und Freizeitaktivitäten genannt.
Der BSV forderte die Aufstockung der Stunden von Verwaltungsangestellten, deren Anwesenheit in der Regelunterrichtszeit unabdingbar ist. Neben JaS-Mitarbeitern an allen größeren Ganztagsschulen muss auch eine ständige Mobile Reserve vor Ort sein. Nur so kann eine sinnvolle Vertretung gewährleistet werden. Zudem müssen Klassenmehrungen durch gewollte Ganztagsklassen bei entsprechender Größe der Regelklassen zugelassen werden. Es muss die Förderung von allen SchülerInnen im Auge behalten werden, da sonst die Akzeptanz von Ganztagsschulen gefährdet ist, weil in den Augen der Öffentlichkeit vorwiegend „schwierige Kinder abgeschoben werden“.

Der Minister würdigte die pädagogische Entwicklung der Ganztagsklassen. Bayern würde aber auch in der Zukunft auf die Freiwilligkeit des Besuchs von Ganztagsklassen setzen. Zum Schuljahr 2012/13 wären alle genehmigungsfähigen Anträge bewilligt worden.
Bereits zum laufenden Schuljahr 2013/2014 habe Bayern die finanziellen Rahmenbedingungen für die gebundenen Ganztagsklassen an den Grundschulen deutlich verbessert. Das Bildungsministerium hatte bis dahin bei den gebundenen Ganztagsklassen in der Grundschule jeweils 12 Lehrerwochenstunden finanziert sowie gemeinsam mit der jeweiligen Kommune eine Pauschale von 6.000 Euro, über die z. B. pädagogische Mitarbeiter oder Übungsleiter finanziert werden können. Zum vergangenen Schuljahr war diese Pauschale vom Freistaat für gebundene Ganztagsklassen in der 1. Jahrgangsstufe um jeweils 4.500 Euro und für gebundene Ganztagsklasse in der 2. Jahrgangsstufe um jeweils 3.000 Euro angehoben worden.
Dr. Spaenle gab an, dass rund 400 neue JaS-Stellen geschaffen werden und die Konzeptentwicklung vermehrt in die Fortbildung käme.

Zuletzt warnte Dr. Renate Menges vor einem personellen Kollaps in den Förderschulen. Bereits jetzt kann man dem Auftrag zur Unterstützung durch den MSD nicht mehr gerecht werden. Die RektorInnen der Grund- wie Mittelschulen beklagen, dass die MSD-Stunden viel zu gering sind. So kann z. B. eine Schule mit rund 400 SchülerInnen nur mit 3 MSD-Stunden pro Woche rechnen.

Die Förderzentren können jedoch umgekehrt nicht mehr Stunden zur Verfügung stellen, weil ihnen selbst das Personal fehlt. So mussten schon Realschullehrer eingestellt werden, die jedoch die Qualität des Unterrichts nicht gewährleisten können. Neben den Forderungen nach mehr Förderschullehrkräften und mehr MSD-Stunden für die Grund- und Mittelschulen werden auch mehr Freistellungsstunden für die Schulleitungen für die Inklusion gebraucht.
    
Kultusminister Dr. Spaenle versprach, dass man auf die Hochschulen zugehen werde. Man habe vor 2 Jahren zusätzlich 250 Stellen und 400 Stellen im jetzigen Doppelhaushalt erreicht. Die Inklusionsschulen würden weiter gefördert werden. Er gab an, dass im Doppelhaushalt mehrere 1000 Planstellen im Schulsystem verbleiben würden.

Zuletzt überreichte Prof. Dr. Peter Chott das Programm des Kongresses in Wildbad Kreuth an den Minister. Diese große Fortbildungsveranstaltung nimmt 2014 insbesondere die vielen Problemfelder für Schulleitung unter dem Leitthema „Schulleitung als Feuerwehr“ in den Fokus. Er kritisierte am kommenden LehrplanPlus der Grundschule, dass die Förderung der allgemeinen Methodenkompetenz nicht mehr explizit in den Richtzielen verankert ist, obwohl diese allgemeinen Kompetenzen dringend notwendig zu fördern wären. Der Minister versprach, diese Stellungnahme an die Grundschulabteilung weiterzugeben.

Nach dem ausführlichen Gespräch war es dem Kultusminister abschließend noch ein besonderes Anliegen, Petra Seibert und ihren Vorstandsmitgliedern für den intensiven Austausch zu danken. Er bat auch für die Zukunft um engen Kontakt und frühzeitige Rückmeldung von aufkommenden Problemen in den über 3.000 Grund- und Mittelschulen und Förderzentren.

Petra Seibert
BSV-Landesvorsitzende