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Wirtschaftsschüler wird man leichter als M-Schüler

Mittwoch, 13 Juli 2011 Im Zickzackkurs immer leichter in den M-Zug

Nach der Einführung der Mittelschule und dem schnellen Wechsel vieler Haupt- zu Mittelschulen folgten in weiter hohem Tempo weitere Änderungen zum Übertritt in den M-Zug.

 

Im März 2011 wurde die vorauseilende Einführung von Aufnahmeprüfungen für den M-Zweig beschlossen. Vom Ministerium wurde vorgeschlagen, dass die Schulämter die Koordination übernehmen sollten. Im Übereifer wurden von manchen Schulämtern Lehrer zur schulamtsweiten Erstellung von Probeaufgaben zusammengerufen und die Probeaufgaben gingen in der Hektik des schnellen Übergangs an die Schulen hinaus. Dabei wurde übersehen und übergangen, dass die aufnehmenden Schulen sinnvollerweise selbst die Probeaufgaben erstellen, um sie an den behandelten Stoff anzupassen. Denn an jeder Schule erstellen die Lehrkräfte einen passgenauen Jahresplan aus den Lehrplanbereichen, um die Schüler dort abzuholen, wo sie standen und um im Tempo und in der Reihenfolge so vorzugehen, wie es für die Klassen notwendig ist.
Wenige Tage vor den Probearbeiten wurden die Schulen vom Schulamt dann doch noch informiert, dass sie die vom Schulamt vorgegebenen Probeaufgaben schulintern abändern können, was aus Zeitnot nur noch selten geschah.
Nach den Probearbeiten wurden die Eltern und betroffene Schüler informiert, wer noch in den M-Zug einziehen durfte und wer nicht.
Doch damit nicht genug der schnellen Wechsel:
Wieder wenige Wochen danach wurde verkündet, dass im Vorgriff auf die nächste Änderung des EUG nun auch noch die Notendurchschnitte in den Jahreszeugnissen einen Wechsel ermöglichen würden.
Seit 1999 wurde lange Jahre als Kriterium hochgehalten, dass die Hauptschulen auf hohe Anforderungen Wert legen müssten. Inzwischen klagen immer mehr Lehrkräfte in den M-Klassen, dass das Niveau von Jahr zu Jahr sinkt, dass über Lehrerkonferenzbeschlüsse Schüler bis 4,0 ohne Chance auf Leistungsverbesserung aufgenommen wurden und dass mit dem erforderlichen Durchschnitt 3,0 in einer Regel-Hauptschulklasse 6. Jg. im M-Zug auch keine besseren Noten erwartet werden können.

Aber noch leichter mit 4,0 in die Wirtschaftsschule statt mit 2,3 in den M-Zweig
Eine große Ungerechtigkeit ist neu entstanden: In den M-Zug darf nur wechseln, wer in den Probeaufgaben einen Notendurchschnitt von 2,66 in der 6. Jgst. und 2,33 in der 7. Jgst. erreicht. Dieser Notendurchschnitt wird aus den Zwischenzeugnisnoten plus den Probeaufgabennoten errechnet. Da an der Aufnahmeprüfung nur teilnehmen muss, wer einen schlechteren Durchschnitt im Zwischenzeugnis hatte, also mindestens 3,0, muss sich also ein Sechstklässler in den Probeaufgaben auf mindestens auf 2,33 verbessern.
Bei der Aufnahmeprüfung in den Wirtschaftsschulen müssen aber nur die Noten 3 und 4 erreicht werden und auf Elternwunsch kommen sogar Schüler mit zweimal Note 4 in die Wirtschaftsschule.
2,33 für den M-Zug und 4,0 für die Wirtschaftsschule?
Dies stellt eine eindeutige Bevorzugung der Wirtschaftsschule dar.
Will der bayerische Staat nun der frisch und erfolgreich geschaffenen Mittelschule mit  seinem M-Zug selbst bald das Wasser abgraben?
Eine entsprechende Anfrage des BSV wurde von Kultusminister Dr. Spaenle wie folgt beantwortet:
„… stieg die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die mit einem Notenschnitt von 3,0 und schlechter die Aufnahmeprüfung erfolgreich abgelegt haben, im Vergleich zu den Schülerinnen und Schülern, die im Vorjahr den gleichen Notenschnitt erzielten und durch Beschluss der Lehrerkonferenz in die M7 aufgenommen wurden, um ca. 10 Prozent…“
Kultusminister Dr. Spaenle appelliert in seinem Antwortschreiben, dass „gleiche, sondern gerechte Übertrittsbedingungen … unser gemeinsames Ziel sein..“ sollten. Der Zugang zum M-Zug sollte so gestaltet sein, dass „der Mittlere Bildungsgang … auch weiterhin der großen Anzahl an leistungsstarken Schülerinnen und Schülern offensteht.“
Dies ist sehr erfreulich, doch weiterhin bleibt die Frage offen, warum in den Aufnahmeprüfungen zweier Schularten unterschiedliche Notengrenzen für dieselben Schüler gelten!!!
Werner Sprick