Abschied von Paul-Guido Schulte

Mittwoch, 27 Juli 2011

Abschied von Paul-Guido Schulte

27. Juli 2011


Sehr geehrte Mitglieder der Familie,
sehr geehrte Mittrauernde!

 

„Das Leben ist wie eine Rolle im Theater. Es kommt nicht darauf an, dass lange, sondern dass gut gespielt wird.“

Niemand unter uns – ich schließe Paul mit ein – hat in der jüngsten Vergangenheit wohl an das Wort des Philosophen Seneca gedacht, dass die Rolle, die er spielte, bald vorüber sein würde.

Umso schmerzhafter, weil trotz seiner Krankheit wohl eher unvorbereitet, trifft uns der Verlust. Ihnen als Familie gilt unser tiefes Mitgefühl.

Paul Schulte war durch seine bloße Präsenz mit seinem verschmitzten, hintergründigen Humor in feinsinniger Sprache und in seiner Gelassenheit, die bei mancher Versammlung des Bayerischen Schulleitungsverbandes plötzlich zum „Phönix aus der Asche“ in bestem Sinne wurde, eine Bereicherung.

Wenn zur wünschenswerten Originalität die zielbewusste Zähigkeit kommt, dann ist die Nähe zur Höchstleistung nicht mehr in Frage gestellt. Eben weil Originale der Wirklichkeit Rechnung tragen, lassen sie sich durch Hindernisse und tausendfältige Verlegenheiten nicht aus der Ruhe und von der Bahn abbringen. Mit einer bewundernswerten Stabilität nach außen hin verband er eine nicht geringe Beweglichkeit, mit der er die Geschicke des Verbandes – seit 29 Jahren Mitglied - als Bezirksvorsitzender von OBB über 10 Jahre, als langjähriger Kreisvorsitzender München Stadt und die Revisorentätigkeit im Landesverband seit 2007 verantwortete.

Mit seiner unaufdringlichen Schaffenskraft, seiner hohe Kompetenz ausstrahlenden Souveränität, seiner nicht überseh- und überhörbaren Fähigkeit, Prinzipien zu vertreten und zu verteidigen, mit der ihm eigenen Kraft, Vertrauen zu wecken, schuf er – ohne es zu wissen – manche Grundlagen für die Positionen, die wir im Gespräch mit den höchsten bildungspolitischen Institutionen vertraten.
Immer sorgte er für Transparenz, Klarheit und Übersicht, wie es seiner Glaubwürdigkeit entsprach. In liebenswürdiger Art schaffte er es, kritische und neuralgische Themen so anzusprechen, dass wir in Ruhe und Sachlichkeit uns miteinander auszutauschen vermochten.

Er hat dem Verband ein Kontingent an Kraft und Zeit zur Verfügung gestellt, das mit Dienst an der Gemeinschaft beschrieben werden muss.

So passt auf seine vergangene Tätigkeit das walisische Wort: „ Es ist besser, etwas gehabt und wieder verloren zu haben, als es nie gehabt zu haben.“

Seine überlegene, aber nie arrogante Autorität als ein Leiter der Institution Schule und als Mitverwalter der verbandspolitischen Interessen entsprang seiner Persönlichkeit, nicht seinem Amt. Damit verschaffte er sich rasch Zugang zu Menschen, zu den ihm anvertrauten Kindern und Jugendlichen ebenso wie zur Vielfalt der Erwachsenenwelt. Er strebte nach Geist ohne ideologische Scheuklappen, er genoss die Sinnlichkeit in unserem Kreis nach getaner Arbeit, er praktizierte Toleranz, der nichts gleichgültig war, er verschenkte Wohlwollen, das nicht lobhudelte, er erfreute mit Humor, der nicht kränkte, er verband Offenheit mit Diskretion und setzte der Phantasie keine Grenzen.

Wir dürfen uns auch in dieser Stunde freuen und dankbar sein, dass wir ihn gekannt haben. Wir können darüber nachdenken, was wir von ihm gelernt haben. Vielleicht durch eine Bemerkung, vielleicht durch eine Geste!

Dennoch: Fast sträubt sich der Verstand dagegen, diese Endgültigkeit zu erfassen. Wir können kaum etwas nachvollziehen, das über unsere direkt erfahrbare Dimension von Zeit hinausgeht. Wir wissen, es wird dauern, bis wir diese Tatsache verinnerlicht haben. Bis wir nicht mehr erwarten, eine imponierende Gestalt durch die Tür kommen zu sehen, oder uns nicht mehr einen Augenblick wundern werden, dass er nicht mehr an unserem Tisch sitzt und uns mit lustigen Anekdoten erfreut.


Wenn wir nach dem „Warum“ eines endgültigen Abschieds fragen, werden wir keine Antwort bekommen, mit der wir wirklich leben könnten.

Wir danken dir, lieber Paul, für die gemeinsame Zeit und das, was du für den Verband und damit für das einzelne Mitglied getan hast, wohl wissend, wie viel freie Zeit du deiner Position und Arbeit gewidmet hast.

Wir danken dir für deine gesellige und tief wurzelnde Menschlichkeit, die wir immer wieder erlebt und die wir so sehr an dir geschätzt haben.

Wir sind dankbar, dass du Teil unseres Lebens warst.

Wir erinnern uns gerne und mit großer Wehmut an gemeinsame Zeiten mit dir.

Siegfried Wohlmann