BSV: Treffen mit der SPD

MdL Martin Güll ist der Vorsitzende des Landtagsausschusses für Bildung und Kultus. Wie verkraftet ein SPD-Genosse die erdrückende Übermacht der Regierungspartei in allen Landtagsausschüssen? Welche Gemeinsamkeiten mit dem Bayerischen Schulleitungs-Verband lassen sich derzeit feststellten? Wo werden dieselben Ziele verfolgt?

 

In der Reihe „Gespräche mit den Landtagsparteien“ wurde MdL Güll von der SPD besucht von der stellvertretenden Landesvorsitzenden Cäcilia Mischko und Werner Sprick als Mitglied im Landesvorstand. Ihn begleitete Annette Voß als Bildungsreferentin der SPD in der Landtagsfraktion.

„Lasst die Schule von der Leine!“, forderte schon vor Jahren Friedrich Mahlmann in Nordrhein-Westfalen: Lehrpläne legen für das ganze Land einheitlich die Lehrpläne fest, das Personalmanagement vollzieht sich am grünen Tisch von Behörden und Ministerien. Dabei muss jede Schule anders reagieren, um auf die Veränderungen in der Gesellschaft und in der Elternschaft sinnvolle Antworten geben zu können. Die Verantwortung der einzelnen Schule müsse gestärkt, die staatliche Gängelung von oben zurückgefahren und die Unmündigkeit der Schulen in ihrer Hilflosigkeit zurückgefahren werden, damit sie selber entscheiden können, wie sie ihr Geld ausgeben, wen sie einstellen und wie sie den Unterricht gestalten können…

Lang ist´s her, nichts hat sich seither geändert. In Bayern wurde zwar 2013 eine Gesetzesänderung zum BayEUG in Richtung „Eigenverantwortliche Schule“ groß angekündigt, aber nur die Realschulen und Gymnasien erhielten tatsächlich mehr Freiheiten im Personalbereich. Die Grund- und Mittelschulen blieben wegen ihrer zu geringen Kollegiumsgröße wieder einmal außen vor.

Auch MdL Güll bedauerte diese Entscheidung: Die Schulen vor Ort und die Schulverbünde samt ihrer Kommunen und Bürgermeister sollten mehr Freiheiten über die Angebote der Schulen, ihre Angebote im offenen und gebundenen Ganztagsangebot oder in Form der Gemeinschaftsschule haben. Mit flexiblen Lösungen vor Ort brauchen Grundschulkinder nicht schon lange Fahrtwege auf sich nehmen, können Kinder länger gemeinsam lernen und können Schulen wohnortnah gehalten werden. Zum Thema Übertrittsentscheidung gab es unterschiedliche Auffassungen von BSV und SPD. Die Entscheidung der Eltern zum Übertritt freizugeben wie dies in anderen Bundesländern praktiziert wird, würde nach Ansicht des BSV vor allem in den ersten Jahren zu vielen Fehlentscheidungen der Eltern führen. Die Probleme derjenigen Schüler, die den Anforderungen von Realschule und Gymnasium nicht standhalten können und daran scheitern, müsste wieder einmal die Mittelschule als Auffangbecken ausgleichen. Die psychischen Folgeprobleme für die gescheiterten Kinder belasten erfahrungsgemäß viele Klassen und Lehrkräfte in den oberen Jahrgangsstufen der Mittelschule, die ihre Energien eigentlich auf einen erfolgreichen Schulabschluss möglichst vieler richten müssten.

Zu mehr Eigenverantwortung sind viele Schulleiterinnen und Schulleiter auch bereit: Denn viele Aufgaben des Schulamts könnten in den Schulen wesentlich effizienter erledigt werden, und der Mehraufwand durch vier verschiedenen Verwaltungsebenen würde sinken. Zum Vergleich: Realschulen und Gymnasien haben noch einen Ministerialbeauftragten als Ansprechpartner bei Abschlussprüfungen und Lehrerbeurteilungen; ansonsten ist ihre nächste und einzige Verwaltungsebene oberhalb das Ministerium. Im Förderschulbereich gibt es nur noch drei Verwaltungsebenen, da die Schulamtsebene abgeschafft wurde – und es läuft! Im Grund- und Mittelschulbereich sind es nach wie vor vier Verwaltungsebenen. Hier könnte und sollte es – auch nach Ansicht der SPD – eine Verschlankung geben.

Selbstverständlich muss es dabei von einer Verbesserung für das schulische Lernen und Fortkommen der Schülerinnen und Schülern ausgehen, und die Konsequenzen für die Aus- und Fortbildung sowie die Begleitung der Lehrkräfte in ihrem beruflichen Werdegang müssen miteinbezogen werden. Auch die nötigen Änderungen bei Schulleitung müssen im Schulrecht und mit der nötigen Fortbildung verankert werden. Aber warum soll ein Verbundkoordinator mit 800-1000 Schülern und 70-100 Kollegen nicht auch in dieselbe Verantwortung gesetzt werden können wie ein Realschul-Direktor mit denselben Zahlen (Durchschnittliche Zahlen aus ganz Bayern)? 

Bei den Mittelschulverbünden könnte nach Ansicht des BSV eine solche Verwaltungsverschlankung beginnen. Dem Verbundkoordinator (VK) könnten die Aufgaben des Schulamts zusätzlich zu seinen bisherigen Kompetenzen stufenweise übertragen werden, soweit sie wirklich notwendig sind. Dazu müsste aus Sicht des BSV aber auch die Personalverantwortung für die Lehrkräfte in den Mittelschulen des Verbunds auf den VK übertragen werden. Für die zunehmende Arbeit und Verwaltung in der Schule des VK wären zusätzlich Leitungszeit und mehr Zeit für die Verwaltungsangestellte nötig. Dadurch würde aber der Verwaltungsaufwand in den angegliederten Mittelschulen sinken, weshalb auch dort reduziert werden könnte: Viele Rektoren in kleineren Schulen wären froh, weniger durch Verwaltung und Unterrichtsbesuche belastet zu sein.

MdL Güll empfiehlt dazu die Entwicklung eines Kriterienkatalogs – analog dem in Gymnasien und Realschulen – zur Einstufung bei der Leitungszeit und selbst bei der Besoldung – eine A15-Stelle für den VK wäre dafür nötig, waren sich die BSV-Vertreter und Güll-SPD einig.

Im Landtag und im Kultusministerium wäre dazu ein gemeinsames Vorgehen der Schulleiterinteressen-Vertreter, also von BSV und BLLV und KEG mit ihrer jeweiligen Schulleiter-Abteilung hilfreich und nötig. Der Bildungsausschuss-Vorsitzende plädierte für ein gemeinsames Votum aller betroffenen Verbände.

Dazu wären gemeinsame Absprachen und Einigungen nötig. Ein „Runder Tisch“ mit Fachleuten aller beteiligten Verbände und Bildungspolitikern aller Parteien im bayerischen Landtag kann Erfahrungen sammeln, Wünsche bündeln und mit der pragmatischen Sicht der Parlamentarier auf eine erfolgversprechende Liste komprimieren.    
Beim Thema Mittelschulverbünde könnten solche Änderungen beginnen. Ab September 2016 besteht in Bayern für Grundschulen die Möglichkeit bestehen, Verbünde zu bilden. Angesichts der wesentlich kleineren Zahlen für die Grundschulen wird es in den nächsten Jahren vermutlich nur im städtischen Bereich zu Verbünden kommen, vermutet der BSV. Die Sorge der Bürgermeister und Kommunen um drohende Schließung von kleinen Grundschulen innerhalb der Grundschulverbünde scheint sehr verbreitet.

Auch die SPD interessiert sich für die mittlere Führungsebene an Schulen, wie sie im Modell-Versuch MODUS-F erfolgreich in allen Schularten Bayerns getestet, aber in der EUG-Änderung 2013 nur für die Realschulen und Gymnasien umgesetzt wurde. Hier kann die einsame Verantwortung und Überlastung von Schulleitern geteilt werden, können Talente wachsen, tragen mehr Schultern gemeinsam die Schule besser nach vorn. Der BSV forciert mit der Erfahrung der MODUS-F-Teilnehmer des BSV die Einführung der mittleren Führungsebene, auch wenn sie sich derzeit auf die sächliche Verantwortung, Jahrgangsstufen- oder Teamleitung beschränkt.

Diese Ebene ist zudem ein Erprobungs- und Bewährungsfeld für nachwachsende Schulleitungsführung. Und dies sehen SPD und BSV genauso dringlich an, bietet die Hoffnung auf genug Nachfolge in Schulleitung. Denn ein großer Stolperstein für die gelingende Nachbesetzung von Stellvertreter- und Schulleiter-Stellen ist der wachsende Topf der A13-Stellen. Wer hat mit einem funktionslosen Amt A13 als Studienrat noch Interesse, sich lediglich für eine Amtszulage mehr für den Posten eines Konrektors A13+AZ oder gar eines Rektors A13+AZ zu bewerben, der die Schulverwaltung in einer Schule mit bis zu 180 Schülern neben seiner Unterrichtstätigkeit bewältigen muss???

Im Sommer 2016 werden über 300 Lehrkräfte mit A12+AZ und in den nachfolgenden Monaten weiter 400 Lehrkräfte in eine A13-Studienratsstelle angehoben. Schön für sie, wir freuen uns über eine leistungsorientierte Höherbesoldung von hoch aktiven Lehrkräften! Aber: Mit jedem neuen A13-Lehrer verschwindet ein Interessent für eine Konrektoren- oder Rektorenstelle, denn für nur eine Amtszulage mehr geht keiner mehr in den Arbeitsbereich von zeitlich überlasteten Schulleitungen!

Ein Riesen-Nachfolgeproblem für die Nachbesetzung von Schulleitungsposten ist zudem vorprogrammiert – die Einhaltung der Abstandswahrung ist deshalb ein dringendes Problem für den BSV und die SPD. Beide sehen die Nöte anderer Bundesländer auf Bayern zukommen, in denen schon bundesweit 1.000 Schulen derzeit nicht mehr mit einem Schulleiter besetzt sind, sondern nur notverwaltet werden!

Nur eine Anhebung der Gehälter der Konrektoren und Rektoren kann der wachsenden Personalnot abhelfen! Eine entsprechende Petition des Bayerischen Schulleitungs-Verbands liegt schon beim Landtag, wir warten dringend auf eine positive Entscheidung. Nicht nur mit der SPD, sondern auch mit der CSU und den beiden Lehrerverbänden wurde bisher gesprochen und bis auf die Regierungspartei Übereinstimmung erzielt.

Natürlich frohlockt dabei auch der Schulräteverband, denn bei einer entsprechenden Aufstockung der Stellen müssten derzeit auch die Schulrätestellen um eine Besoldungsstufe nach oben gehoben werden, um auch auf deren Ebene für eine Abstandswahrung zu sorgen…

Abschließend wurde vereinbart, in nächster Zeit eine Expertenrunde am runden Tisch einzuberufen, ob von Seiten des BSV oder von der SPD, um drängende Probleme von Schulleitungen gemeinsam anzugehen.

BSV Treffen mit SPD Martin Güll  

Auf dem Bild von links: Cäcilia Mischko, stellvertr. Landesvorsitzende BSV, MdL Martin Güll SPD, Werner Sprick, Landesvorstandsmitglied BSV

Warum hast du dich zur Vorsitzenden wählen lassen?

Das werde ich oft gefragt, da doch alle unsere Kolleginnen und Kollegen in der Schulleitung wissen, dass wir mehr als genug zu tun haben.

Hierfür gibt es viele Gründe:

Ich bin überzeugt davon, dass wir unsere wichtigen Aufgaben und Anliegen nur realisieren können, wenn wir viele sind und geschlossen auftreten. Meine Ziele von früher sind geblieben, haben sich nur konkreter ausgeformt.
Der BSV ist die einzige direkte Interessensvertretung für unsere Schulleitungen. Deshalb möchte ich mit Ihnen und dem BSV eine Phalanx bilden gegen Angriffe aus der Öffentlichkeit, z.T. von Seiten der Lehrerverbände und z.T. von Elternseite.
Wir sind es uns wert, dass wir eine eigene Interessensvertretung haben.
Wir sind schon längst nicht mehr unter der Lehrerschaft im Grund-, Mittel- und Förderschulbereich zu subsumieren.
Wir sind in der Schulentwicklung die Ideengeber und Motoren, die Konfliktlöser und „Allround-Multitaskingtalente“, die es nicht verdient haben, nur in einer von vielen Abteilungen anderer Gruppierungen „verwurschtelt“ zu werden.

Ich möchte mit Ihnen zusammen aufzeigen, dass Schulleitung nicht nur Verwalten einer Schule bedeutet.
Leitung ist in meiner Sicht mehr als die bloße Organisation des Unterrichts und des gängigen Schullebens. Wir sind Manager kleiner, mittelgroßer bis großer Unternehmen mit bis zu 100 Beschäftigten. Es sind komplexe soziale Systeme mit sehr hohem Akademikeranteil, vielen Betreuern und pädagogischem Personal, Hunderten von Schülern und Eltern… Zwar beziehen wir nicht das Gehalt eines Managers, jedoch verdienen wir Ansehen und Respekt.
Dafür werde ich kämpfen.

Mir macht auch die Arbeit außerhalb der Schule Freude, weil ich im Verband erfahren durfte, wie viele engagierte Kolleginnen und Kollegen die gleichen Gedanken und Probleme haben.
Die Arbeit in einem Verband war schon immer Kennzeichen von Professionalität mit zusätzlichem Engagement für andere. Und professionell will ich meine Amtszeit bestreiten mit hoffentlich großen Erfolgen und spürbaren Fortschritten.
Wenn dies gelingen sollte, bin ich ganz sicher vielen von Ihnen dankbar für IHREN Einsatz, für IHRE Geduld, für IHRE Unterstützung und für IHREN Humor sowie Nachsicht mit mir, wenn mir für Sie mal wieder „die Gäule durchgehen“.

Noch ein Wort zum Mitgliedsbeitrag: Sie zahlen monatlich nur 6,67€ und bekommen dafür nicht nur Freundschaft und verlässliche Ansprechpartner, sondern verbilligte Fortbildungsangebote (z.B. Wildbad Kreuth 30€ günstiger) und Wellnesstage in einigen bayerischen Kurhotels. Wenn Ihnen mal wieder das Wasser bis zum Halse steht, dann tauchen Sie unter und genießen Sie die nötige Erholung in vollen Zügen. Der Besuch in einem dieser Häuser reduziert Ihren Jahresbeitrag bereits um die Hälfte.

Verbandsarbeit ist eben nicht immer nur Arbeit, sondern auch Erholung und Entspannung. In diesem Sinne lade ich Sie herzlich ein, zu uns, dem Bayerischen Schulleitungsverband zu kommen und freue mich über jede Rückmeldung von Ihnen.

Es grüßt Sie Ihre Petra Seibert