Neuer Abteilungsleiter im Ministerium

Sonntag, 04 Dezember 2011

Stefan Graf rückte zum Leiter der Abteilung IV Volksschulen auf. Landesvorsitzender Werner Sprick besuchte ihn zum Amtsantritt.

Stühlerücken im Ministerium: Josef Erhard, der bisherige Amtschef trat im Juli 2011 in seine Pensionsphase ein. Der frühere Leiter der Volksschulabteilung IV und der Stabsstellen Demographie und Verwaltungsreform, Ministerialdirigent Dr. Peter Müller, wurde sein Nachfolger als oberster Beamter im Kultusministerium.

 

An seine bisherige Stelle rückte der Leitende Ministerialrat Stefan Graf auf. Der bisherige Leiter der Referate IV.4 „Schulrecht an Volksschulen, Schulpflicht und Schulordnung" sowie der Stabstelle S1 „Demographie/Verwaltungsreform" übernahm im August 2011 die Leitung der Abteilung IV/S.

Zu einem ersten Gespräch in kleinem Rahmen traf ihn der Landesvorsitzende des Bayerischen Schulleitungs-Verbands in München.

 

Neben dem persönlichen Kennenlernen stand dabei besonders die Vorstellung des BSV mit seinen Verbandsinteressen im Vordergrund. Sprick betonte das große Interesse an der Mitgestaltung der „eigenverantwortlichen Schule", die laut Koalitionsvertrag und nahezu allen politischen Parteien in Bayern forciert werden solle. Bei mehr Eigenverantwortung an den Schulen könnten die Kontrolldichte und die Schulaufsicht reduziert werden. Davon sei aber derzeit nichts zu spüren, da die Anzahl der Abfragen, Statistiken und Nachkontrollen nach dem Eindruck vieler Schulleitungen eher zunimmt. Weniger Kontrolle durch die Schulaufsicht würde nach Ansicht des BSV wieder mehr Vertrauen in die Arbeit der Schule setzen, die Sorgen der Schulaufsicht um Verwahrlosung und Absinken der Leistungen der Schüler seien unnötig. Sprick verwies auf die vielen landesweiten Tests in fast allen Jahrgangsstufen: Orientierungsarbeiten 2. Jgst., Vergleichsarbeiten VERA in der 3. und 8. Jgst., Jahrgangsstufentests in der 6. Jgst. und den Qualifizierenden Abschluss in der 9. Jgst. Zudem stehen die Eltern als „Kontrollinstanz" immer öfter bereit, falls Missstände drohen würden.

Die guten Erfahrungen von MODUS 21 und MODUS F müssen möglichst bald in die Breite gehen. Weitere Mitarbeiter der Schulleitung helfen dabei sehr erfolgreich mit, die Qualität der Schule in allen Jahrgangsstufen und Fachbereichen anzuheben. Da sich alle bayerischen Schulen laufend um die Verbesserung der Qualität von Unterricht und Erziehung bemühen, wirkt die derzeitige Ausweitung der Kontrollen der Schulaufsicht nach Sprick massiv kontraproduktiv.  Ltd. MR Stefan Graf versprach eine deutliche Reduzierung auf eine einmalige, jährliche Rechenschaftslegung in Form der Oktoberstatistik; diese müsste seiner Meinung nach genügend Daten für das Ministerium liefern, dass keine weiteren Statistiken während des Schuljahrs mehr nötig wären.    

 

Dem neuen Abteilungsleiter IV/S trug Sprick intensiv die Anliegen des BSV vor. Ganz vorn der Wunsch, dem Schulleiter an Grund- und Mittel-/Hauptschulen den Dienstvorgesetztenstatus zuzugestehen, denn sie erledigen die gleichen Arbeiten wie ihre Kollegen an Real- und Förderschulen und Gymnasien. Die dienstliche Beurteilungen mit Unterrichtsbesuch, Nachgespräch und mehrseitigen Begründungen, die Mitarbeitergespräche mit Zielvereinbarungen sowie auch die unangenehmen Gespräche mit unwilligen Lehrkräften u. a. liegen voll in der Hand der Schulleiter. Lediglich die formelle Unterschrift unter die Dienstliche Beurteilung stammt noch vom Schulamt. Die zusätzliche Unterschrift des Schulleiters als eigentlicher Autor soll die „Kenntnisnahme bestätigen", was wie blanker Hohn wirkt.

Auch Ltd. MR Graf setzte wie seine Vorgänger die mangelnde Vergleichbarkeit der DB-Bewertungen an kleinen Schulen dagegen, an denen der Schulleiter wegen zu wenig Lehrkräften scheinbar nicht gleichwertig bewerten könne wie ein Schulleiter mit sehr vielen Lehrkräften. Die Gefahr der subjektiven Befangenheit wird im Ministerium also auch weiterhin als Bremsklotz für den Dienstvorgesetztenstatus gesehen.

 

Die weiteren Forderungen des BSV nahm Abteilungsleiter Graf mit großem Interesse auf: Schulleitungen brauchen deutlich mehr Leitungszeit, um allein schon die bisherigen Aufgaben zu bewältigen. Für alle weiteren, kommenden Aufgaben müssen mehr Stunden bzw. Stellen zur Verfügung gestellt werden. Auch bei den Verwaltungsangestellten besteht weiterhin massiver Verbesserungsbedarf: Sowohl beim Zuteilungsschlüssel als auch bei der Bezahlung sollte sich das Ministerium um Verbesserungen bemühen. Der Aufgabenkatalog als auch der Zuteilungsschlüssel müssen dringend revidiert und den aktuellen Anforderungen angepasst werden, forderte Sprick.

 

Beim Thema Verwaltungsreform - in dieser Stabstelle hatte Ltd. MR Graf bisher federführend mitgearbeitet - hielt sich der neue Abteilungsleiter recht bedeckt. Landesvorsitzender Sprick schlug eine massive Verwaltungsverschlankung vor - in der Art, wie sie 2004 schon einmal mit dem Konzept „Verwaltung 21" Ziel der bayerischen Staatsregierung war: „eine effiziente, schlanke und dienstleistungsorientierte Verwaltung". Prof. Dr. Henzler, ehemaliger Europachef des Beratungsunternehmens McKinsey, hatte damals in seinem Gutachten von kleinen und mittleren Unternehmen geschrieben: „... da sie nicht über ausreichende Kapazitäten verfügen, um mit der Bürokratie fertig zu werden, brauchen sie mehr Freiheiten."  

Schulen müssen heutzutage oft wie Unternehmen geführt werden. Nach BayEUG Art. 81-83 haben MODUS-Schulen dabei besondere Freiheiten (MODUS heißt MODell-Unternehmen Schule, z.B. bei MODUS 21, MODUS F). Aber auch die normal geführten Schulen leiden nach den Gutachten von Prof. Dr. Rosenbusch (2006) und der BLLV-Befragung (2010) unter dem Übermaß an Verwaltung.

Nach dem längeren Gespräch in offener Atmosphäre bot Ltd. MR Graf weitere Kontaktpflege an, um auch in Zukunft mit kurzem Draht aufeinander zugehen zu können.

Werner Sprick

Landesvorsitzender  

Das aktuelle Organigramm des Kultusministeriums: www.km.bayern.de/download/1367_organigramm_stmuk_akt.pdf