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BSV im Gespräch mit Finanzstaatssekretär

Realistische Einschätzung und gegenseitiges Verständnis BSV im Gespräch mit Finanzstaatssekretär Dr. Hans Reichhard

Bei aller gebotenen sachlichen Härte freuten sich stv. BSV – Landesvorsitzende Cäcilia Mischko und Vorstands- wie Ehrenmitglied Siegfried Wohlmann über den Realismus in angenehmer Atmosphäre in gut einer Stunde über den Verlauf des offenen Dialogs mit dem Staatssekretär im Bayerischen Ministerium für Finanzen in Nürnberg. Die Landesvorsitzende Petra Seibert war an der Teilnahme verhindert.


Zunächst verwiesen die beiden Vertreter des Bayerischen Schulleitungsverbandes auf die seit Jahrzehnten herrschenden schwierigen Verhältnisse, kaum mehr erträglichen Situationsstrukturen und stets neue Aufgaben im Bildungsbereich, resp. auf dem Grund- und Mittelschulsektor:

  • Die insgesamt viel zu geringe Leitungszeit erschwert die Erfüllung der Pflichtaufgaben ganz erheblich
  • Die Verwaltungsangestellten arbeiten am absoluten Limit
  • Sorge bereitet die teils ungenügende Qualifikation von Schulleitern und Schulleiterinnen aus Gründen der verständlichen Ablehnung von Leitungsaufgaben
  • nach November kaum mehr verfügbare Mobile Reserven
  • vermehrt schwierige Gespräche mit Eltern, verstärkte Dialoge mit Ämtern
  • Einführung der Ganztagesklassen bzw. –schule erfordert immensen Zeitaufwand
  • Zu wenig Unterstützung im Bereich sonderpädagogischer Förderbedarf mangels ausgebildeter Kräfte und ungenügend Plätze in den Förderzentren, um Härtefälle unterzubringen

Weitere Probleme wurden nicht ausgespart und intensiv diskutiert.
Nahezu elektrisiert reagierten Dr. Reichhard, die anwesenden Ltd. MRin Dr. Nicole Lang und ORRin Katharina Hornung, die sich die Anliegen und Forderungen notierten, als einige Mitglieder der Schulleitungen an Bayerns GS und MS zitiert wurden: „Ich arbeite durchschnittlich 70 Stunden pro Woche und habe immer das Gefühl, nicht fertig zu sein. Die Unterrichtsstunden sind nur Belastung. Für größere Schulen – ab etwa 250 Schüler und Schülerinnen – reicht die Anrechnung in keiner Weise. Ich überlege ernsthaft, das Amt zurück zu geben.“

In seiner umfassenden Antwort wies der Staatssekretär auf die Kompetenzen des KM hin, betonte jedoch die notwendige Kooperation zwischen FM und KM sowie zwischen den Ministerien und Lehrerverbänden. Deswegen begrüße er die Initiative und ungeschminkte Darstellung des BSV sehr, äußerte vielfach Zustimmung und sagte weitere Entlastungen insbesondere im Bereich der Zeiten bei Grund- und Mittelschulrektorinnen und –rektoren zu. Dabei ließ er kurz Revue passieren, welche zusätzlichen Stellen auch im Verwaltungsbereich in den letzten Jahren geschaffen wurden. Schwerpunkte seien ab sofort zu setzen bei der Digitalisierung und den Ganztagesschulen. Hier bot er eine enge Zusammenarbeit mit den Kommunen und Schulen vor Ort an. Zudem zeigte er sich als Verfechter der „Kooperation von unten nach oben“, will heißen, dass intensiver als bisher Vorschläge aus der Basis berücksichtigt würden.
Schließlich anerkannten die Vertreter des Ministeriums die hohe Verantwortung der Schulleitungen an Bayerns Schulen, die man weiter unterstützen werde.

Befragt nach den von Ministerpräsident Dr. Markus Söder angekündigten 2000 zusätzlichen Stellen – wie sie verteilt würden – bekamen Mischko und Wohlmann noch keine definitive Antwort. Diese Maßnahme müsse erst im Detail besprochen werden.

Abschließend monierte man noch die fehlende Abstandswahrung zwischen A 13 – Lehrkräften ohne Funktion im Verhältnis zu den Schulleitungen mit höchster Arbeitsintensität und hoher Verantwortung. Auch hier werde man Verbesserungen überlegen, so Dr. Reichhard.

Den fruchtbaren Dialog wolle man beibehalten und sich öfter kurz schließen, betonten beide Gesprächspartner / -innen.


Siegfried Wohlmann