BSV zu Gast bei Dr. Thomas Beyer, MdL SPD

Montag, 12 Dezember 2011

Zu einem höchst interessanten, informativen und auch zukunftsweisenden Gespräch empfing der Abgeordnete des Bayerischen Landtags, MdL Dr. Thomas Beyer, SPD, Wirtschaftspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, die Bezirks- und stv. Landesvorsitzende Hanne Liebel-Binder und den Landesgeschäftsführer Siegfried Wohlmann im Beisein von Rektorin Carola Stöhr, stv. Bezirksvorsitzende Mittelfranken im November 2011 in Lauf.

 

Eingangs erläuterte der auch in Bildungsfragen kompetente Abgeordnete umfassend die heiß diskutierte Thematik „Gemeinschaftsschule“ als bessere Antwort für Bayern. Sie sei ein neues Schulkonzept der SPD-Landtagsfraktion, das bedarfsgerechte Antworten auf Fehlentwicklungen im bayerischen Schulsystem gibt. Sie verzichte auf das Sortieren der Kinder nach der vierten Grundschulklasse in bestimmte Schubladen. Damit wäre Schluss mit der Jagd nach Bruchteilnoten, um den Übertritt an eine Realschule oder Gymnasium zu erreichen. Ohne Übertrittszeugnis und unabhängig von einzelnen Noten wechseln die Kinder von der Grundschule in die Gemeinschaftsschule, die die Jahrgangsstufen 5 – 10 (Sekundarstufe I) umfasst. Durch die Gemeinschaftsschule blieben Bildungswege für Schülerinnen und Schüler länger offen, was weniger Druck und erhöhte Chancen bedeuten würde.

Im Unterricht werden lt. Beyer die Inhalte aller Schularten von Haupt- bzw. Mittelschule bis Gymnasium je nach Leistungsfähigkeit der Schüler angeboten. Die individuelle Förderung stellt den jungen Menschen in den Mittelpunkt, ist die zentrale Aussage der SPD. Die Jugendlichen könnten sich gezielt auf die gängigen Abschlüsse wie Quali oder mittlere Reife (Abschluss) vorbereiten. Die leistungsstarken Schüler würden direkt weiter in die gymnasiale Oberstufe gehen. Statt Wiederholen einer Klasse setzt die Gemeinschaftsschule auf frühzeitige individuelle Förderung. Lehrkräfte aller Schularten würden als Teams auf die neue Pädagogik vorbereitet. Diese Art Schultypus könnte schon ab 200 Schülern gebildet werden. Sie werde als gebundene Ganztagesschule geplant, um ausreichend Zeit für die individuelle Förderung jeder Schülerin und jedes Schülers zu haben und eine verlässliche Betreuung bei berufstätigen Eltern anzubieten.

Der Besuch einer Gemeinschaftsschule würde nach Überzeugung der SPD die Bildungsgerechtigkeit in Bayern erhöhen. Die Schüler könnten unabhängig von ihrer Herkunft und vom Geldbeutel der Eltern den ihren Fähigkeiten entsprechenden Schulabschluss erreichen. Die Leistungsmessung orientiert sich am Lernfortschritt des Einzelnen und umfasst sowohl den Lernprozess als auch die gesamte Persönlichkeit. Damit würden Noten ihre beherrschende Stellung verlieren und einen positiven Leistungsbegriff ermöglichen – was jedoch nicht dem Umfrageergebnis des „Stern“ vom Juni 2011 entspricht, da nur 10% der Eltern keine Noten bzw. keine Herrschaft der Noten wünschten, wie Wohlmann einwarf.

Dr. Beyer trat auch dem Vorwurf, dass die Gemeinschaftsschule als „Einheitsbrei“ tituliert wird, entgegen: Keine andere Schulart legt so großen Wert auf individuelle Förderung wie die Gemeinschaftsschule. Diese Schulen messen dem Lernen in heterogenen Gruppen eine große Bedeutung bei. Schwache lernen von Starken und umgekehrt. Damit ist sichergestellt, dass Begabung und Potenzial eines jeden Schülers berücksichtigt werden könne.

Ziel sei, die Gemeinschaftsschule in Bayern als Regelschule anzubieten. Dazu hat die SPD-Landtagsfraktion einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Bayerischen Landtag eingebracht. Sie würde auf Antrag der Kommune und der Schulfamilie in den Gebäuden einer bestehenden Schule eingerichtet.

Die BSV-Vertreter sahen gewisse Vorteile, aber das Konzept werfe auch Fragen auf, die zeitnah geklärt werden müssten. Man sprach sich für Versuchsschulen aus, um dann zu entscheiden, wie es in vielen anderen Bereichen schon lange Usus sei.

Ausführlich schilderten Liebel-Binder und Wohlmann die immer noch völlig unzureichende Situation der Schulleitungen an Grund- und Mittelschulen. Dazu zählt die nach wie vor die viel zu hohe Unterrichtszeit wie auch die ungenügende Arbeitszeit der Verwaltungsangestellten bei wesentlich erhöhten Verantwortungsbereichen im Verhältnis zu den 80-er und 90-er Jahren. Man anerkannte das hohe Verständnis der SPD, ihre Gesprächsbereitschaft und die getätigten Anträge zu Gunsten der Schulleiter, die jedoch mit Regierungsmehrheit abgelehnt worden seien, was wiederum für die Mitglieder des Verbandes völlig unverständlich war, insbesondere des Argumentes wegen, dass „kein Geld für höhere Leitungszeit zur Verfügung stünde, denn dann bräuchte man ja mehr Lehrer.“ Gleichzeitig wurden im September 2011 mehrere hundert junge, bestens ausgebildete Lehrkräfte nicht eingestellt.

Beide Seiten versicherten, im Gespräch bleiben und aufeinander argumentativ eingehen zu wollen. Wohlmann dankte Dr. Beyer für die ausführliche Darlegung verschiedener Bereiche und bat ihn, seine Kolleginnen und Kollegen zu informieren.