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Keine Zeit für das Kerngeschäft

Donnerstag, 22 Dezember 2011

Keine Zeit für das Kerngeschäft - ein Direktor steht nicht am Band!

Die Entwicklung hin zur selbständigen Schule ist eine logische Konsequenz und das Credo der internationalen, qualitätsorientierten Schulforschung für hochentwickelte Länder. In Bayern soll im August 2013 das neue Schulinnovationsgesetz in Kraft treten, das rechtliche, organisatorische und finanzielle Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für eine deutlich höhere Eigenverantwortung der Schulen schaffen soll.

Keine Frage, dass dies nur mit einer starken Schulleitung zu schaffen ist, die für ihre Aufgaben als Führungskraft in einer sich ständig weiter entwickelnden "selbstlernenden Organisation" über die nötigen Kompetenzen verfügt - sowohl im Sinne von Zuständigkeit aber noch mehr im Sinne der Fähigkeiten. Unabdingbar ist die ausreichende Freistellung und das notwendige zeitgemäße "Führungsinstrumentarium" für die vielfältigen Aufgaben als verantwortlicher Leiter einer Bildungseinrichtung, die das wertvollste Kapital der Gesellschaft, seine Kinder, auf die Zukunftsbewältigung vorbereitet. Lehrer mit Nebenjob "Schulleiter" kann es in Zeiten eigenverantwortlicher Schulen auch in den ehemaligen "Volksschulen" nicht mehr geben, unbestritten ist die entscheidende Größe für den Erfolg von Schulen das Wirken der Schulleitung mit Managementkompetenz.

Wer also den Unterricht der Lehrkräfte besucht, sie berät, die Unterrichtsqualität in allen Bereichen und Ebenen voranbringen soll, beständig für interne Evaluation und Zielvereinbarungen sorgt, die Teamentwicklung voran treibt, alle Lehrkräfte dienstlich beurteilt, Mitarbeitergespräche mit dem gesamten Lehr- und sonstigen Personal führt, für das Schulhaus und die Lernraum und Unterrichtsmittelausstattung zuständig ist, alle Beteiligten mit dem Elternbeirat und dem Schulforum in eine gemeinsame Richtung bringt, alle Außenkontakte mit den vielfältigsten Kooperationspartnern pflegt, die Übergänge zwischen den verschiedenen Schularten organisiert und unterstützt, Sponsoren gewinnt, die schulhausinterne Fortbildung organisiert, beständiges Bildungsmonitoring über alle wesentlichen Leistungsfaktoren seiner Schule im Fokus hat, Konflikte zur Lösung bringt, schwierigste Erziehungsfälle begleitet und steuert, neues Führungspotential gezielt fördert, die Junglehrerausbildung unterstützt und fördert und selbstverständlich die gesamte Schulverwaltung und Schulorganisation inklusive der Mittags- und Ganztagsbetreuung leitet und verantwortet mit einer Minimalausstattung an Verwaltungsfachkraft, der oder die ist keiner wie jeder andere Lehrer und schon gar kein Klassenleiter mit 20 Stunden Unterrichtsverpflichtung pro Woche. Dies darf nicht nur für Gymnasien, Förderschulen, Realschulen, Wirtschaftsschulen, Berufsschulen und Privatschulen gelten, sondern muss auch in den Grundschulen und Mittelschulen so sein.

Eine eigenverantwortliche Schule ohne einen souveränen Chef und Leiter im Sinne einer Direktion kann und wird es nicht geben. Wie das mit den vielen kleinen Schulen im Bereich der GS und MS/HS zu erfüllen ist, dazu sollte man sich in der Volksschulabteilung des Kultusministeriums etwas Gutes einfallen lassen. Die Modus-F-Schulen aus diesem Bereich jedenfalls haben bewiesen, dass sie es können und dass sie mit großem Erfolg eine erweiterte Schulleitung mit Jahrgangsstufen-Teamleitern und aufgabenbezogenen zusätzlichen Mitarbeitern für eine qualitätssteigernde Schulentwicklung nutzbar gemacht haben.

Was in jedem Falle für alle kommen muss, ist eine ganz erhebliche Entlastung von Unterrichtsverpflichtung für alle Schulleiter und Konrektoren und ein ausreichend großer Stundenpool für die erweiterte Schulleitung.
Seit 2006 machen wir bei der dienstlichen Beurteilung weitestgehend die Arbeit der Führungskräfte, die Leitungsstunden dazu fehlen uns noch immer. Gute Schulen sind immer gut geführte Schulen und dies geht nur, wenn die Schulleitung dazu genug Zeit hat.