Konstruktives Gespräch mit Albert Füracker zur Schulpolitik

(swo) In ausgesprochen angenehmer Atmosphäre verlief das über einstündige Gespräch der Vertretung des Arbeitskreises Schule, Bildung und Sport (AKS) und des BSV mit dem bayerischen Finanzminister Albert Füracker, MdL. Für den AKS waren die Vorsitzende, Martina Jacob, sowie ihr Stellvertreter, Siegfried Wohlmann, anwesend.  Den Bayerischen Schulleitungsverband (BSV) repräsentierte die stellvertretende Landesvorsitzende Cäcilia Mischko.

Bayerischer Finanzminister Albert Füracker
Quelle Pressefoto: https://www.csu-landtag.de/

Beide Seiten zeigten sich offen gegenüber dem Status quo an den Schulen in Bayern und den Möglichkeiten des Staates. Nicht nur die Schilderung der täglichen Konfrontation der Schulleitungsmitglieder mit der Vielfalt der Situationen vor Ort, sondern auch die Leistung der Lehrkräfte und ihrer Führung überraschten Finanzminister Füracker teilweise. Er zeigte großes Verständnis für die Anliegen der Schulleitungen, insbesondere an Grund- und Mittelschulen sowie an den Förderzentren.

Es sei ein Akt der Gerechtigkeit und Fairness, wenn Lehrkräfte aller Schularten gleiche Besoldung bekämen, betonten AKS und BSV. Jedoch hätten die Kollegen und Kolleginnen an den Gymnasien wohl eine bessere Lobby.
Zur aktuellen Personalproblematik an den Schulen – schon vor vielen Jahren in zahlreichen Gesprächen von den Verbänden Lehrkräftemangel vorausgesagt –  bemerkte der Minister, dass in den kommenden Jahren zusätzlich 1000 Stellen neu geschaffen würden. Ob das ausreiche angesichts der jüngsten und vermutlich anhaltenden Entwicklung, bezweifelten die Verbandsvertretungen.

Zentrales Thema war auch die geforderte Abstandswahrung in der Besoldung der Schulleitungsmitglieder zu den höher gestuften (funktionslosen) Lehrkräften. Die Schulleitungen seien bisher nicht höher gestuft worden, sondern in den bisherigen Gehaltsstufen verbleiben.

Betroffenheit rief die Information hervor, dass bayernweit viele Schüler(innen) aus den Realschulen und Gymnasien in die Mittelschulen zurückkehren. Das sei u. a. auf mangelndes Realitätsverständnis bei den Eltern zurückzuführen, wenn es um den Übertritt von der Grundschule an andere Schularten gehe.

Als nicht zielführend bewerteten die Schulleitungsvertretung die Maßnahme des Kultusministeriums, nach einer Probephase die Zahl der Wirtschaftsschulen ab dem kommendem Schuljahr zu erhöhen, in welche die Schüler(innen) früher als bisher übertreten können. Das Kabinett habe bereits zugestimmt, allerdings „unterminiere“ diese Maßnahme die Qualität der Mittelschule.

Eine weitere Forderung des BSV: Die Zahl der Verwaltungskräfte müsse deutlich erhöht werden, gerade angesichts der stetig steigenden Mehrung an Verwaltungsaufgaben. Die bisherigen Maßnahmen zur Verbesserung der Situation würden nicht ausreichen.

Dass die Grund- und Mittelschulen mit Mobilen Kräften trotz Erhöhung in den letzten beiden Jahren unterversorgt sind, beunruhigt die Verbandsvertretungen erheblich. Eine normale Unterrichtsversorgung sei aktuell nicht gewährleistet.

Als schwierig erachtete der Finanzminister die Forderung nach der Steigerung der Attraktivität des Lehrberufs, denn das bedeute insbesondere die Erhöhung der Eingangsbesoldung. Insgesamt erwarte man aber aktuell von der Politik eine Aufwertung des Berufsbildes „Schulleitung“, betonten die drei schulpolitischen Fachleute. Denn mit großer Sorge betrachte man die Tatsache der mehrmaligen Ausschreibung von Schulleitungsstellen. Durch die geringe Auswahl von Kandidat(inn)en sei die Qualität nicht mehr aufrecht zu erhalten.

Mit Dank und Anerkennung für das äußerst konstruktive Gespräch und die Absicht des weiteren Kontakts wertete man die gegenseitigen Positionen herausgehobener Verantwortung als nicht einfach.