Schulversuch Führung kooperativ – erweiterte Schulleitung an Förderschulen

Mit Schreiben vom 05.12.2019 erhielten die Schulleitungen der bayerischen Förderschulen eine Ausschreibung der „Stiftung Bildungspakt Bayern“ in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus zum Schulversuch „Führung kooperativ – erweiterte Schulleitung an Förderschulen“.

Teamführung
Bild von Bob Dmyt auf Pixabay

 

Unsere Schulleiter-Experten aus Grund- Mittel- und Förderschulen, die an dem Schulversuch Modus F von 2006 bis 2013 mit großem Erfolg teilgenommen haben und seitdem in der Verlängerung in einem kultusministeriellen Arbeitskreis für schulspezifische Modelle kooperativer Führung gearbeitet haben, rieben sich beim Lesen der Ausschreibung verwundert die Augen. Es sollen Konzepte für die erweiterte Schulleitung ähnlich dem Muster der Ausschreibung aus dem Jahre 2005 erarbeitet und erprobt werden, ein Abschluss mit dem Schuljahr 2021/22 wird in Aussicht gestellt.

Genau das haben die Förderzentren der Eugen-Papst-Schule in Germering und das Förderzentrum Comenius-Schule in Hilpoltstein von 2006 bis 2014 in diesem Schulversuch ausgezeichnet geleistet und hervorragende Ergebnisse erbracht. Uns ist klar, dass diese (Neu-) Ausschreibung im „Retro-Look“ damit zusammenhängt, dass ausgerechnet die Grund-, Mittel- und Förderschulen von der breiten Umsetzung der erweiterten Schulleitung in die Schulpraxis ausgenommen wurden und damit von den Segnungen dieses äußerst wirksamen Modellversuchs ausgeschlossen wurden mit Ausnahme der zwölf Grund- und Mittelschulen, die seitdem erfolgreich für den Erhalt ihrer kooperativen Führungsstrukturen im Volkschulbereich gekämpft haben.

Auch wenn wir nur vermuten und hoffen können, dass nun ernsthaft daran gedacht ist, dass die sowieso mit Führungsinstrumenten benachteiligten Schularten im Pflichtschulbereich nachziehen und ebenfalls systematische Führungsstrukturen zur Teambildung und Qualitätssteigerung erhalten sollen, wundern wir uns sehr, warum man nicht einfach auf die vorhandenen Ergebnisse zurückgreift und noch einmal Jahre an Zeit verlieren wird, bis endlich auch andere große Schuleinheiten der Förderzentren kooperative Führungsstrukturen erhalten können, die mit Anrechnungsstunden für die Mitglieder der kooperativen Schulführung ausgestattet werden.

Dennoch empfehlen wir allen Schulleitern*, sich freiwillig für diesen Schulversuch zu bewerben, weil wir wissen, dass er allein von den Fortbildungsangeboten her vom Bildungspakt hervorragend ausgestattet wird und auch hochwirksame Beratungsangebote beinhalten wird und wohl nicht zuletzt zusätzliche Anrechnungsstunden bringen wird. Voraussetzung ist, dass man als Schulleiter wirklich bereit ist, Macht und Verantwortung zu teilen und die besten personellen Ressourcen an der Schule für eine wirksame Schulführung einzusetzen. Aus den Kreisen der ehemaligen Modus F Schulleiter gibt es jedenfalls keine/-n, der davon nicht begeistert war und nicht miterlebt hat, wie diese Maßnahmen wie keine anderen die Schulqualität verbessert haben, was nicht zuletzt die internen und genauso die externen Evaluationen bewiesen haben.

Der BSV erwartet zusammen mit den Lehrerverbänden BLLV und KEG, dass nun endlich die schulspezifische Umsetzung der Vorzüge einer kooperativen Schulführung im Bereich der Grund- und Mittelschulen endgültig in ähnlich breiter Weise erfolgt, wie das an Gymnasien und Realschulen sowie an den Berufsschulen schon seit über fünf Jahren der Fall ist.

Weiterführend:

Konzept für kooperative Führungsstrukturen