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Blitzlichter: Erster Deutscher Schulleiterkongress

Samstag, 31 März 2012

am 16. und 17. März 2012 in Düsseldorf

Mit 1.200 Teilnehmern war der restlos ausgebuchte Deutsche Schulleiterkongress auf Anhieb ein großer Erfolg. Über 50 nationale und internationale Referenten und mehr als 40 namhafte Partner aus der Wirtschaft machen den bundesweiten Kongress zu einem in der Zielgruppe einmaligen Ereignis.

 

Mit führenden Rednern wie dem KMK-Präsidenten Ties Rabe, dem Neurobiologen Professor Gerald Hüther und dem ehemaligen Schweizer Fußballschiedsrichter Urs Meier hat sich der Deutsche Schulleiterkongress 2012 in seiner ersten Auflage unter den führenden Veranstaltungen im Bildungsbereich etabliert. Mit großer Zustimmung vernahmen die Schulleiter aus ganz Deutschland und allen Schularten die Botschaft von ihrer überragenden Bedeutung für die Weiterentwicklung der Schulbildung. Weniger angenehm war die Aussicht, auch weiterhin mit viel zu wenig Leitungszeit ausgestattet zu bleiben und die allgemeine Einschätzung, dass für die nötige Verbesserung der Rahmenbedingungen für eine höhere Schulqualität wohl wieder kein Geld da sein dürfte. "Hit" unter den Themen war kooperative Schulführung und speziell eine "mittlere Führungsebene". Aber auch da gilt: Von nichts kommt nichts und ohne entsprechende Ausstattung solcher Stellen mit Arbeitszeit werden Bemühungen wenig einbringen, die beim Kind zu spüren wären. BSV-Bezirksvorsitzender Helmut Schuster, der mit der Schule Schwarzenfeld/Oberpfalz seit über sechs Jahren sehr gute Erfahrungen mit Teamleitern beim Schulversuch Modus F gemacht hat, berichtet hier von einigen "Blitzlichtern" aus Workshops und Plenum.

Teil 1 Workshop "Selbstständige Schulen brauchen moderne Führung" mit Frank Sauerland, Leiter Amts für Lehrerbildung Hessen

Nach vielen Jahren zentral verordneter Schulentwicklung und Evaluation derselben lautet das Fazit nach Frank Sauerland: Die Schulen sind bemüht, es gibt reichhaltiges Schulleben und auch ein gutes Schulklima, aber der Unterricht ist schlecht! Die eigenverantwortliche oder selbstständige Schule ist genau deswegen auf dem Plan, weil in dem bisherigen System der zentralistisch-hierarchischen Führung und Steuerung der Schulen kaum Fortschritte zu erzielen waren. Die selbstständige Schule aber braucht eine kompetente Schulleitung, die die Teambildung fördert und mit einer mittleren Führungsebene von Teamleitern die Lehrergruppen zu einer wirksamen Verbesserung der Unterrichtsqualität bringt. Dazu diene sowohl die Ebene der Jahrgangsstufen und/oder auch die der Fächer. In der Diskussion danach zeigte sich dennoch eine gewisse Ratlosigkeit, wie angesichts der großen Problematik der Vielfalt und der Mehrgliedrigkeit in den verschiedenen Bundesländern, der stark zurückgehenden Schülerzahlen und des Beharrungsvermögens vieler Kollegien mit verbeamteten Lehrern, die den zahlreichen und oft widersprüchlichen Reformversuchen und Neuerungen ausgesetzt und überdrüssig sind und nicht zuletzt wegen der völlig mangelhaften Ausstattung der Schulleiter mit Leitungszeit und Verwaltungsstunden die Schule und der Unterricht überhaupt zukunftsfähig gemacht werden können. Die Schulleiter in ihrer überragenden Bedeutung noch mehr in die Pflicht zu nehmen, ohne ihnen dafür die Mittel zu geben, wird eine noch höhere Belastung bedeuten und die Anzahl der Bewerbungen auf Schulleiterstellen noch weiter reduzieren. Wenn heute schon hunderte Schulleiterstellen nicht mehr besetzt werden können oder, wie in manchem Bundesland, für die Schulleitungstätigkeit an einer kleinen Schule nur 75 € monatlich zum Lehrergehalt hinzu kommen, braucht sich niemand wundern, wenn sich dafür gut qualifizierte Lehrer viel zu schade sind. In der Diskussion wurde auch deutlich, dass es geradezu eine Ressourcenverschwendung darstellt, wenn Schulen mit oft weniger als 100 Schülern eine Schulleiterstelle beanspruchen. Hier drängt sich das Südtiroler Modell geradezu auf, bei dem ein Schuldirektor meist in einem Verbund mit mindestens 400 Schülern die Leitung hat und als dienstvorgesetzte Führungskraft mit allen Kompetenzen fungiert. Ein Außenstellenleiter ist dort weitestgehend von Verwaltungsarbeit entlastet und sorgt für eine gut funktionierende Anbindung an die ganze Schule. Wer selbst noch eine Klasse leitet und oft über 20 Stunden eigenen Unterricht erteilt, kann niemals die dienstvorgesetzte Führungskraft der anderen Lehrer sein und mit diesen zusammen die Vision einer selbstständigen und eigenverantwortlichen Schule umsetzen, die die Standards individualisierten Lernens umfassend verfolgt.

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Teil 2 Workshop Standortfaktor Bildung Dr. Gerhard F. Braun, Vizepräsident BDA - Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Der Referent machte überzeugend deutlich, warum die Vertreter der deutschen Wirtschaft der Qualität der Schulbildung eine so hohe Bedeutung beimessen. Es geht um nicht mehr oder weniger als um die Zukunft unseres ganzen Landes. Der globale weltweite Wettbewerb erfordere gerade in Deutschland eine exzellente Ausbildung des Nachwuchses, um mit innovativen Produkten auf dem neuesten Stand der Technik die Chance wahrzunehmen, auch in Zukunft hier einen Mehrwert zu produzieren, den alle Reproduktionssysteme und die ganze Gesellschaft braucht. Bildung sei eindeutig der wichtigste aller Standantwortfaktoren in Deutschland.

Mit zahlreichen praktischen Beispielen führte ein Referententeam aus, wie die Wirtschaftsverbände auf vielfältigste Weise mit den Schulen kooperieren und wie herausragend gerade der Arbeitskreis Wirtschaft Schule sinnvolle Projekte seit vielen Jahren durchführt. Zunehmend spiele in den Sekundarschulen die Berufsorientierung dabei die überragende Rolle. In Nordrhein-Westfalen habe man mit einem Schulsiegel für besonders intensive Maßnahmen zur Berufsorientierung sehr gute Erfahrungen gemacht und zunehmend würden die Schulen dieses Angebot annehmen. Aber auch in Projekten zur Frühforderung engagieren sich Wirtschaftsvertreter und setzen auf frühe Interessenentwicklung hin zu den Naturwissenschaften und dem "MINT"-Bereich. Damit will man dafür sorgen, dass sich Jungen und gezielt auch Mädchen für Wissensbereiche interessieren, die sie für technische Berufe qualifizieren. Schon heute fehlen fast 100.000 Ingenieure und hunderttausende qualifizierte Facharbeiter. Auf Sicht von zehn und 15 Jahren wird sich dieses Problem verschärfen und viele Firmen und Wirtschaftszweige in ihrer Entwicklung einschränken, wenn nicht genügend Nachwuchskräfte ausgebildet werden. In der Diskussion äußerten Teilnehmer ernsthafte Bedenken, dass der deutschlandweite Trend zu mehr Abiturienten und dabei gerade zu geisteswissenschaftlichen Fächern nicht den wahren Bedarf der Gesellschaft widerspiegelt und eine Fehlentwicklung abzusehen sei. Leider gab es im Workshop keine Möglichkeit, die Frage zu erörtern, wie Wirtschaft und Schule zusammen sich dafür einsetzen könnten, dass mehr Geld in die Bildung gesteckt wird und wenigstens der Durchschnittswert der OECD-Länder erreicht wird. In Deutschland wird nach wie vor nur 4,8 % des Bruttosozialprodukts für die Bildung ausgegeben, während es in den Vergleichsländern 5,9 % sind. Viele Verbesserungen sind ohne entsprechende Finanzmittel nicht zu realisieren. Hier wurde eine Chance nicht genützt, mit vereinten Kräften gegenüber der Politik deutlich zu machen, dass eine bessere Schule auch höhere Investitionen erfordert. In der Wirtschaft ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sich die Führung eines Betriebes die Mittel nimmt, die sie für eine gute Führung braucht. Schulleiter in Deutschland stehen nach wie vor im Regen, sind für alles verantwortlich, aber haben oft nur wenig zu entscheiden und keinen Zugriff auf die Mittel, die sie brauchen würden.

Teil 3 Workshop Führung durch mittleres Management am Beispiel Südtiroler Schulen; Dr. Martina Adami, Schulleiterin eines Gymnasiums in Bozen und Dr. Maria Aloisia Muther, Vorsitzende des Arbeitskreises Südtiroler Mittel-, Ober- und Berufsschullehrer

Dr. Adami zeichnete ein durchaus gemischtes Bild über die Führung durch "mittleres Management" in Südtirols Schulen. Von der Schulaufsicht her werde seit 2010 die Ausbildung der mittleren Führungsstruktur als absolut wirksame Maßnahme gegen die immer noch vorherrschenden Paritätsmuster gesehen, die oftmals bei den Lehrkräften notwendige Entwicklungen verhindern würden. Die Referentinnen gaben ihrer Skepsis Ausdruck, dass dieses Lieblingskind des übergeordneten Landesschulamts ein Allheilmittel sei. Dabei müsse man wissen, dass in den deutschsprachigen Schulen Südtirols der Begriff "mittleres Management" kaum verankert ist, aber allein aus der Struktur der Schullandschaft mit Mittelschulen und zugeordneten Grundschulen aus der Region eine Struktur geschaffen ist, bei der die Leiter der Außenstelle zumindest schulorganisatorisch bereits schon seit 2000 und dem Schulautonomiegesetz eine solche mittlere Führungsebene darstellen. Diese Außenstellenleiter sind natürlich nicht Schulleiter in dem Sinne, wie es in Deutschland verstanden wird. Schulführungskraft ist der Direktor des Schulverbands mit seinem sehr gut ausgestattetem Verwaltungsapparat und er ist in der Regel an der Mittelschule angesiedelt, bzw. an den Gymnasien, Oberschulen und Berufsschulen. Seine Filialen führt er wie ein Gebietsdirektor. Als Führungskraft ist er natürlich ganz vom Unterricht freigestellt und auch für die Lehrerbeurteilung und letztlich für alle Aspekte der Gestaltung und Verwaltung der Schule zuständig. Die Schulleiter der Außenstellen, die meist zwei Anrechnungsstunden haben, diese sich aber oft auch als Überstunden auszahlen lassen können oder müssen, sind meist bei monatlichen Sitzungen an der Schulführung beteiligt. Der Schuldirektor kann diese Stellenleiter aussuchen, in der Regel folgt er aber der Tradition, dass die Lehrer der Außenstelle ihren Vertreter selbst bestimmen. Den Stellvertreter des Direktors, die eine halbe Führungsstelle bekommt, bestimmt die Schul Führungskraft selbst. Die mittlere Führungsebene in Südtirol soll in Form von fach-, jahrgangsstufen- und aufgabenbezogener Koordinatoren verstärkt werden. Die Referenten berichteten, dass alles, was "von oben" eingeführt und zwangsweise umgesetzt werden soll, von den Lehrkräften sehr kritisch gesehen wird und oft nicht nachhaltig unterstützt wird. Es häufen sich die Fälle, dass an den vielgerühmten autonomen Schulen Probleme mit der Schulaufsicht auftauchen, weil diese detaillierte und kleinliche Vorgaben macht, die gerade diese Autonomie stark einschränkt. Auf Nachfragen von Teilnehmern gab Dr. Adami als Ursache an, dass gerade jene Schulleiter, die mit ihren Schulentwicklung am wenigsten vorankommen, bei den Landesschulämtern nach Unterstützung und Vorgaben von oben geradezu betteln. Und da sei es verständlich, dass so mancher in der Schulaufsicht solche Angebote dankbar annimmt und die Schulen mit Vorgaben und Anforderungen gängelt, die dem Autonomiestatus widersprechen. Typische Beispiele dafür waren zentrale Bestimmungen über die Stundenzahl am Schulvormittag oder das Einführen von Koordinatoren für bestimmte zeitgemäße Aufgaben an allen Schulen, an die sogar Anrechnungsstunden und Pflichtfortbildungen gekoppelt waren. Kritisiert wurde auch das hohe Tempo bei Neuerungen und hohe Belastungen aus einer allgemein um sich greifenden "Reformitis". Wichtiger als die Bezahlung von Überstunden und ein höheres Gehalt sei den meisten, dass sie mehr Leitungszeit bekommen, um ihre verantwortungsvolle Arbeit gut machen zu können. Es scheint also auch in Südtirol so zu sein, dass wesentliche Qualitätsmerkmale der Schulentwicklung hauptsächlich von der Person der Schulführungskraft und ihrer Kompetenzen und ihrem Agieren im Beziehungsgeflecht der Schule abhängen. Mit Erfahrungen von Modus-F-Schulen aus Bayern ist dies durchaus kompatibel und man sieht, dass die mittlere Führungsebene behutsam eingeführt werden muss und möglichst ohne eine deutliche Hierarchisierung gewünscht wird. Speziell die dienstliche Beurteilung ist ein Feld, mit dem Teamleiter wenig anfangen wollen, und es spricht nichts dagegen, dass Teamleiter im Gegensatz zur Schul-Führungskraft "Primus inter Pares" werden können. In der sehr lebhaften Diskussion mit hoher Beteiligung war man sich einig, dass alle Neuerungen daran gemessen werden müssen, ob sie beim Schüler ankommen. Eine mittlere Führungsebene ist dann erfolgreich, wenn die Lehrer durch sie einen eigenen Nutzen erleben und wenn sie diesen Nutzen auch am erfolgreichen Lernen der Schüler festmachen können. Für den Direktor der Schule wird sie so zu einem entscheidenden Hebel für die Personal-und Unterrichtsentwicklung und setzt ihn für seine eigentlichen Führungsaufgaben frei. Was an der Schnittstelle zu den Schülern im Lehrerteam umgesetzt werden muss, verantwortet der Teamleiter, er/sie wird aber dabei vom Schulleiter in letzter Verantwortung geführt und unterstützt.

Professor Dr. Gerald Hüther, Leiter der Zentralstelle für neurobiologische Präventionsforschung der Universitäten Göttingen und Mannheim Heidelberg Thema: wie lassen sich Schule in Lernwerkstätten verwandeln?

Ein absolutes Highlight des Schulleiterkongresses war der begeisternde Vortrag von Professor Dr. Hüther. Zu Beginn schwörte er seine Zuhörer mit den neuesten Erkenntnissen der neurobiologischen Gehirnforschung darauf ein, mit alten Vorstellungen vom Gehirn als einer "genetisch gesteuerten Maschine" Schluss zu machen. Das Gehirn ist plastisch und es wird so, wie man es benützt. Es lässt sich jederzeit ändern, aber man kann es nicht machen. Im Deutschen gibt es das wunderbare Wort "gelingen", nach dem Hüther in der englischen Sprache vergeblich geforscht hat. Gelingen drückt Bescheidenheit aus, Bildung kann man nicht machen, sondern sie kann nur gelingen. Gelingen können komplizierte Sachen, die nicht einfach zu machen sind. Niemand kann jemandem etwas lernen, Lernen ist eine Sache eines jeden Subjekts. Wenn etwas gelingt, muss derjenige, dem es gelingt, aber bereits ein Bild vom Ergebnis haben und da sei ein "Vorbild" von höchstem Nutzen. Heute sei man in einer Zeit, in der Einzelkämpfer kaum mehr erfolgreich sein können. Entwicklung ist nur noch im Team möglich und dort entstehen Lösungen, die keiner alleine hätte finden können. Schon lange und aus leidvoller Erfahrung seien sich alle großen Firmen einig darüber, dass die 1,0 Abiturienten keineswegs die besten sind. 1,0 zu erreichen heißt heute, brav, fleißig und tapfer sich an das System anzupassen und alles zu lernen, was von außen verlangt wird, aber selbst sich nicht für eigene große Leistungen begeistern und genau das sei der Grund, warum 1,0 Abiturienten eben nicht die besten sind, mit denen man neue Entwicklungen anstreben könne. Alle großen Leistungen kommen von Leuten, die im Abi nicht 1,0 hatten, sondern sich auf Wegen abseits für etwas anderes begeistert haben. Neurobiologisch gesehen ist jedes Kind hoch begabt, jedes komme mit einem riesigen Nervenzellenüberschuss zur Welt, baue eine Riesenmenge an Vernetzungen und das System wartet auf Anregungen und Möglichkeiten, sie zu nützen. Gene für Faulheit und Fleiß suche man vergeblich, und es bestimmt das Leben, wie sich das Gehirn entwickelt. Das Hirn passt sich jedem Körper optimal an und ist somit hoch begabt ausgestattet. Nicht in Ordnung sind nur unsere negativen Bewertungen, die wir Kinder spüren lassen. Es gibt kein besser oder schlechter, sondern in jedem Körper steckt das dazu passende Gehirn. Dieses ist auf Wachsen eingestellt und wachsen kann es nur, wenn es entsprechend genützt, gefordert und gefördert wird. Dies geschieht autonom und ist bei allen Menschen grundsätzlich interessegeleitet und subjektbezogen. Das Leben ist nicht immer einfach, aber so schlimm muss es auch nicht sein, wie wir es den Kindern oft machen. Wenn wir Kinder nicht so annehmen, wie sie sind, führt das dazu, dass sie leiden, dass sie das Gefühl bekommen, nicht richtig zu sein. Wenn wir Kinder schlecht bewerten, dann führt es dazu, dass sie schlechter lernen und gar oft sich eine Ersatzbefriedigung suchen. Hüther machte auch klar, dass die Misere mit den Schulen nicht an den Schulen liegt, sondern eine gesamtgesellschaftliche Misere sei, in der die Menschen sich gegenseitig abwerten und nicht menschlich fördern. Das Hirn ist eben kein Muskel, den man nur trainieren müsse und je öfter man das macht, umso besser bildet sich das Denkorgan heraus. Entscheidend für das Gehirn ist immer eine emotionale Beteiligung. Nur wenn es wichtig ist, persönlich erlebbar, interessant und positiv ist wenn es also eine subjektive Bedeutsamkeit hat, dann ist das lymbische Belohnungssystem in Aktion und feuert entsprechende Botenstoffe. Hüther vergleicht diese mit einem Dünger, der das Gehirn wachsen lässt. Dies könne man wunderbar an den Kleinkinder beobachten, die täglich hundert solcher Begeisterungsstürme erleben, bei denen ihr Gehirn genussvoll wächst und sie sich an allen Dingen erfreuen können. Ein Kind stellt nach einer aktuellen Nachricht am Tag 400 Fragen, aber hat es dazu Zeit, wenn es von einer Veranstaltung zur anderen geschickt wird? Was können die Schullehrer anders machen vor Ort? Sich für etwas zu begeistern ist das Wichtigste und Lehrer sollten sich als "Potentialentfalter" sehen. Leider seien noch viel zu viele Menschen mehr darauf gepolt, sich zu "entgeistern" als sich zu begeistern. Hüther gab einen Ausblick auf eine Initiative von seinem Institut, bei der 100 Schulen sich zu einem Aufbruch machen sollen, die einen inneren Kulturwandel erbringen soll. Dieser Aufbruch soll eine Bewegung von unten werden, vom Menschen aus und Unterstützungskräfte aus dem Umfeld der Schule in die Schule hinein bringen. Sie sollen Bündnisse zwischen Eltern und Lehrer und zwischen Lehrer und Lehrer fördern, und es sollen hilfreiche Kräfte an die Schulen kommen unter dem Motto "Wir wollen euch helfen". Dazu müsse die Schule eine neue Einladungskultur entwickeln und neue Erfahrungen auch auf Gebieten machen, in denen sie bislang eher Schwachpunkte hatte. Es sollen Projekte und Erfahrungsräume erschlossen werden, um die man sich gemeinsam kümmern kann. Diese sollen praktisch und lebensnah sein, so lernt man Disziplin und Verantwortung. Was dies an einzelnen Schulen sein könnte und dass man sich darum in Teams kümmern könnte, das würden die Schulleiter wohl schon selbst herausfinden. Mit lang anhaltenden Beifall wurden die Ausführungen und Ermutigung an von Professor Dr. Hüther bedacht.

Helmut Schuster