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Pressemitteilung: Bayerns Schulleiter im Abseits

Montag, 21 Januar 2013

Memmingerberg, 15. Januar 2013


An alle
überregionalen Zeitungen Bayerns


Pressemitteilung: Bayerns Schulleiter weiter im Abseits

Sehr geehrte Damen und Herren,

unser Verband vertritt die Interessen von Schulleitungen in Grund- und Mittelschulen und Förderzentren.

Die 3.000 Schulleiter an Grund- und Mittelschulen bleiben weiter im Abseits. Auch wenn das Kultusministerium dies seit Jahrzehnten anders behauptet.

Schlechter geht es nicht: Prof. Dr. Rosenbusch untersuchte die Situation von Schulleitern in einer international angelegten Studie. Schulleiter in Bayern liegen gleich dreifach an schlechtester Stelle! International liegt Deutschland an letzter Stelle bei den Arbeitsbedingungen für Schulleiter.

Im nationalen Vergleich zwischen den Bundesländern liegt Bayern wieder an letzter Stelle.

Und wenn in Bayern bei den Gymnasien, Realschulen und Grund-/Mittelschulen die Leitungszeit und die Bedingungen für Verwaltungsangestellte verglichen werden, liegen erneut die Schulleitungen an Grund- und Mittelschulen an letzter Stelle! Die Leitung einer Grundschule oder einer Mittelschule ist aber genauso wichtig und arbeitsreich wie die Leitung einer Realschule oder eines Gymnasiums.

Dieser Missstand wird seit Jahren und Jahrzehnten im Ministerium gesehen und im Landtag erkannt. Eine Petition unseres Schulleitungsverbands an den Landtag für mehr Fürsorge und Entlastung wurde als unbegründet zurückgewiesen. So geht es den Petitionen aller Oppositionsparteien seit Jahren ebenso. Und im Ministerium werden nur tröpfchenweise Entlastungen gewährt und als „Wertschätzung“ oder als „ambitionierte Aufgabe“ verkauft.

Zu wenig Zeit - zu wenig Verdienst: So bekommt man nicht die Besten der Besten zur Qualitätssteigerung von Schulen!
In England verdient ein Schulleiter das Dreifache eines Lehrers. In Italien sind Schulleiter völlig vom Unterricht freigestellt, um ihre Arbeitskraft ganz der Verbesserung von Schule, Finanzierung, Personalentwicklung und Verwaltung widmen zu können.

In Bayern liegt die durchschnittliche Arbeitszeit eines Schulleiters bei mehr als 60 Arbeitsstunden pro Woche, heruntergerechnet auf 4 Wochen Ferien im Jahr.
Die vom Ministerium genannten Stellenhebungen für Lehrkräfte auf A13 ohne jegliche Funktion führen dazu, dass immer weniger Konrektoren mit A13 werden wollen. Und selbst die Konrektoren an größeren Schulen werden sich nicht für nur 200 Euro mehr für den Schulleiterposten bewerben, der mit die volle Verantwortung trägt und sich mit 60 Stunden pro Woche für die Schule aufopfert.

Zudem erhält ein neu ernannter Schulleiter sein erstes höheres Gehalt erst 15 bis 18 Monate nach Amtsantritt - in dieser Zeit arbeitet er umsonst für den Staat!
Hier hat sich das Ministerium selbst ins Bein geschossen und lähmt den eigenen Nachwuchs.

Die Arbeitssituation und die Aufgaben für Schulleiter unterscheiden sich in den Schularten kaum noch. Auch in den Grund- und Mittelschulen handeln die Schulleiter an jedem Tag als Vorgesetzte mit hoher Personalverantwortung. Vor allem die dienstlichen Beurteilungen mit Unterrichtsbesuchen und Nachbesprechungen haben sie schon seit 2006 den Schulräten abnehmen müssen, ohne dass sie entsprechend mehr Leitungszeit dafür erhalten hätten.

Zum Vergleich: Wenn ein Bauvorarbeiter für nur 200 Euro mehr das ganze Bauunternehmen leiten, selbst noch an drei Tagen pro Woche Mauern hochziehen und an den anderen beiden Tagen seinen 40 Mitarbeitern Aufträge beschaffen, Bautrupps organisieren und kontrollieren müsste und nebenher noch Kunden betreuen und die Verwaltung, Finanzierung und Steuererklärung machen sollte, dann würden wir alle noch immer in Höhlen wohnen!

Selbstverständlich braucht nicht jede kleine Schule einen Vollzeit-Rektor und eine Vollzeit-Sekretärin. Aber die Entlastung mit 130 zusätzlichen Stellen für Schulsekretärinnen klingt wie Hohn angesichts über 3.000 Grund- und Mittelschulen - ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn die Arbeit, die trotz unbezahlter Überstunden der Sekretärin liegen bleibt, müssen die Schulleiter erledigen.

Schulleiter werden also weiter aufgerieben, weil sie Aufgaben der Sekretärin und des Hausmeisters übernehmen müssen, obwohl sie zusätzlich auch noch Lehrer besuchen und beurteilen, Schule voranbringen, Inklusion betreiben, immer mehr Gespräche mit Mitarbeitern, Bürgermeistern, Eltern, Schul- und Jugendämtern führen wollen und müssen.

Der Allgemeine Deutsche Schulleitungs-Verband meldet derzeit über 1.000 Schulen ohne Schulleiter. Auch in Bayern werden es bald deutlich mehr werden

befürchtet

mit freundlichen Grüßen
Werner Sprick
Landesvorsitzender des Bayerischen Schulleitungs-Verbands

Der BSV fordert nachdrücklich die Stärkung der Schulleitungen:
1. Anerkennung der Gleichwertigkeit von Schulleitung und amtsangemessene Bezahlung
2. Erhöhung der Leitungszeit für Schulleitung
3. Erhöhung des Zuteilungsschlüssels für Verwaltungspersonal
4. Gezielte Nachwuchsgewinnung für schulische Führungskräfte