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Landesdelegiertenversammlung 2007 - Begrüßungsrede Hofmann-Koch

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Begrüßungsrede von Brigitte Hofmann-Koch

 

Sehr geehrte Gäste,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Freunde !

 

Begrüßung
Ich begrüße Sie/euch alle von Herzen zur 11. Landesdelegiertenversammlung des BSV. Für mich persönlich ist es eine besondere LDV, denn ich gebe heute mein Amt als Landesvorsitzende des BSV ab.
Natürlich ist es mit einer gewissen Wehmut verbunden, wenn ein Abschied ansteht. Aber alles hat seine Zeit und ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich für schwer zu ersetzen halten. Also gleich zur Beruhigung: Mein Abschied wird geräuschloser vor sich gehen, als wir das derzeit in der großen Politik erleben!

 

Als ich vor 6 Jahren von Ihnen/euch zur Landesvorsitzenden gewählt wurde, war mein Ziel, Schulleitungspolitik zu gestalten und den eingeschlagenen Weg meiner Vorgänger weiterzuverfolgen.

 

In diesem Zusammenhang begrüße ganz persönlich und herzlich unser ehemaliges Vorstandsmitglied ehemalige Europaabgeordnete Frau Maren Günther, den ehemaligen Vorsitzenden Herrn Emil Bayerl und gedenke voll Achtung unserer verdienten verstorbenen Vordenker Berthold Schwager und Siegfried Frick.

 

Ziele
Damals in meiner Antrittsrede habe ich folgende Ziele formuliert:

 

  1. Schulleiter brauchen endlich die rechtliche Stellung, die ihrer Verantwortung entspricht. D.h.: Wir Schulleiter brauchen den vollen Dienstvorgesetztenstatus ohne wenn und aber und nicht länger halbe Sachen. Wir brauchen den Rechtsstatus, der uns mit den Schulleitern anderer Schularten gleichstellt.
    Die Verantwortung für die einzelne Schule muss vor Ort liegen. Fernsteuerung ist von gestern und nicht der Schlüssel zur modernen, innovativen Schule.
  2. Wir brauchen eine Ausbildung für Rektoren sowie gut ausgebildete Konrektoren, um im Team Schule besser gestalten zu können.
  3. Zeit ist nicht alles, aber ohne ausreichende Leitungszeit kann aus der Schulentwicklung nichts werden. Im Sinne der Arbeitszeitgerechtigkeit brauchen wir auch hier eine Gleichstellung mit den Sl anderen Schularten bei der Berechnung der Arbeitszeit und bei der Zuteilung der Verwaltungsangestellten.
  4. Leistung muss sich lohnen“ ist ein alter konservativer Grundsatz, den auch wir für unsere
    Arbeit in Anspruch nehmen.
    Auch wenn diese Forderung sicherlich momentan als utopisch empfunden wird, möchte ich doch prinzipiell im Klartext sagen:
    Wer eine Schule mit 300 oder 400 oder mehr Schülern und 20, 30 oder 40 Lehrern führt, der ist mit A15 nicht überbesoldet, sondern vernünftig bezahlt.

 

Rückblick/Rechenschaftsbericht
Rückblickend ziehe ich nun Rechenschaftsbilanz:

 

  • Wir haben im Vorstandsteam die Kontakte zur Politik weitergeführt in intensiven Gesprächen mit den Ministern Hohlmeier, Schneider, Huber, mit den Staatssekretären Freller, Meyer und Spitzner und einer Vielzahl von Landtagsabgeordneten. Wir hatten Kontakte zu anderen Verbänden, zum ISB und haben in Arbeitskreisen mitgearbeitet.
  • In unseren Parlamentarischen Abenden mit Politikern durften wir erfahren, dass unser Wort Gewicht hatte, dass wir zwar gemessen anderen Verbänden ein kleiner Verband sind, aber trotzdem überdurchschnittliches Gehör gefunden haben.
  • Es ist uns wahrlich gelungen, die Diskussion über den Schulleiter der Zukunft anzustoßen und maßgeblich mitzugestalten:
    Heute bestreitet niemand mehr, dass die Schule der Zukunft nur eine eigenverantwortliche Schule sein kann, die sich an den Gegebenheiten vor Ort orientiert und passgenaue Schulprogramme entwickelt.
  • Es ist uns gelungen, ein neues Berufsbild Schulleitung zu positionieren:
    Begriffe wie Sl als Manager, Profilgeber, pädagogische Führungskraft, Garant und Schlüsselfigur für Schulqualität gehören inzwischen zum Repertoire aller Papiere, die sich mit der Bildungspolitik des 21. Jahrhunderts befassen, so auch das Papier „Zukunft Bayern 2020“ , das der Wissenschaftlich-technische Beirat der Staatsregierung MP Stoiber am letzten Freitag übergeben hat.
    D.h., das Terrain ist bereitet, es ist uns gelungen, den Zeitgeist auf unsere Seite zu bringen. Wir kämpfen nicht auf verlorenem Posten. Das vom BSV in Auftrag gegebenen Gutachten von Professor Rosenbusch über die Situation der Schulleiter an Volksschulen hat in diesem Zusammenhang wachgerüttelt, unsere Politik mehr als bestätigt und selbst die letzten Zweifler überzeugt, wie ich in Gesprächen erfahren durfte.
    Unseren Dank an ihn werden wir ihm später noch persönlich entgegenbringen können.

 

Konkret
Mein Rechenschaftsbericht kann/soll jedoch keine Jubelarie werden. Ich bin mir durchaus bewusst, dass wir bei den konkreten Verbesserungen der Arbeitsbedingungen noch längst nicht da sind, wo meine persönlichen Ziele lagen.

 

  • Bei der Leitungszeit haben wir zwar eine gewisse Entlastung erreicht. Auch stehen schrittweise weitere Verbesserungen an, aber das ist noch kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.
  • Die Zuerkennung von mehr Personalführungskompetenz haben wir uns durchgesetzt, indem wir die Dienstliche Beurteilung als Personalführungsinstrument im Wesentlichen erhalten haben.
  • Unsere Forderung nach einer qualifizierten Ausbildung zum Schulleiter wurde umgesetzt: Der BSV war Mitglied des Teams, das diese Ausbildung konzipiert hat.
  • Bei der Bezahlung hat sich nichts bewegt. Von der Angleichung an Realschulschulleiter mit gleicher Schulgröße sind wir genau so weit entfernt wie vor 6 Jahren.

 

Ursachen
Dafür gibt es allerdings Gründe:
Es war in den letzten Jahren keine leichte Aufgabe und eine schwere Zeit, um Verbandspolitik zu betreiben. Wir sind Opfer der anhaltenden Konjunkturkrise und der damit verbundenen einbrechenden Steuereinnahmen geworden. Das Ziel „ausgeglichener Haushalt“, den die Staatsregierung konsequent verfolgt hat, führte dazu, dass mir immer gesagt wurde: Ihre Argumente können wir nachvollziehen, das Problem ist erkannt, der Schulleiter muss gestärkt, unterstützt, besser ausgestattet werden. – ABER: Momentan ist kein Geld da!
Da war es auch nur ein schwacher Trost, dass es andere in ähnlicher Weise getroffen hat.

 

Ausblick
Es bleibt dem BSV und meinen Nachfolgern also nichts anderes übrig, als weiterhin dicke Bretter zu bohren:
Er muss weiterkämpfen um die Angleichung der Rechtsstellung an den Schulleiter der Realschulen und um Arbeitszeitgerechtigkeit, d.h. um eine deutliche Erhöhung der Leitungszeit:
Die Frage muss heißen: Wie sollen wir all die Neuerungen, die uns Schulleitern von der Staatsregierung derzeit ungebremst aufgebürdet werden, erfolgreich schultern - und vor allem wann sollen wir das tun?
Ganztagsbetreuung, interne und externe Evaluation, um nur drei große Projekte zu nennen. Von arbeitsaufwändigen und Kräfte zehrenden Pannen mit der Datenverwaltung bzw. mit den Zeugnisprogrammen will ich gar nicht sprechen.
Kurzum:
Auch wenn wir unseren Zielen insgesamt ein Stückchen näher gekommen sind, muss sich der BSV in seiner Arbeit weiterhin voll auf seine Kernanliegen konzentrieren:
Schulleitung stärken – Verwaltung vereinfachen!

 

Erfreulicherweise hat sich die politische Großwetterlage inzwischen spürbar aufgehellt: Die Wirtschaftskrise ist beendet, der Haushalt seit 2006 ausgeglichen, die Steuereinnahmen steigen.
Der Staatsregierung ist klar, dass sie verstärkt in die Zukunft investieren muss und - um die Losung der ARD aufzugreifen: Dass Kinder Zukunft sind.
Bildung ist einer der Megaschwerpunkte aller Zukunftsprogramme. Der Schulleiter ist längst als Reformmotor anerkannt: Wer, wenn nicht wir soll denn Schule voranbringen? Das geht aber nicht zum Nulltarif. In den kommenden Jahren müssen deutlich spürbare verbesserte Arbeitsbedingungen für uns Schulleiter geschaffen werden, wenn diese Aussagen keine Lippenbekenntnisse bleiben sollen. Ich beschwöre deshalb meine NachfolgerInnen, hier hartnäckig am Ball zu bleiben. Die Chancen auf einen wirklichen Qualitätssprung nach vorn werden kommen. Der BSV muss sie nützen.

 

DANK:
Am Ende steht der Dank an meine Mitstreiter im Vorstand und in den Bezirken:
Dank an meine beiden Stellvertreter Siegfried Wohlmann, Werner Sprick, an unsere Geschäftsführerin Inge Pfaffinger, unserem Schatzmeister Horst Anhofer, der Schriftführerin Hannelore Mathis, Peter Chott, der unermüdlich unsere Zeitschrift gestaltete, den Bezirksvorsitzenden Georg Stumpfegger, Wolfgang Blos, Hannelore Liebel-Binder, Helmut Schuster, Horst Anhofer, Paul-Guido Schulte, Petra Seibert, an die kooptierten Mitarbeiterinnen Elisabeth Spörer, Dr. Renate Menges.
Wofür will ich danken?
Wir im BSV haben keine hauptamtlichen und gut bezahlten Funktionen zu vergeben. Unser Engagement läuft neben der täglichen Arbeit.
Ich danke euch also für die Zeit, die ihr geopfert habt, für die Kraft, die ihr investiert habt, alleine hätte ich es nicht geschafft, unsere Schulleitersache auch nur einen Millimeter voranzubringen.
Wir sind zusammengewachsen und haben an einem Strang gezogen. Wir haben gerungen um die richtigen Worte und Strategien für Gespräche mit einflussreichen Partnern.
Wir waren uns nicht immer sofort einig, aber umso größer waren die Erleichterung und die Nähe zueinander, wenn wir uns wieder zusammengerauft hatten. Und – es ist uns immer gelungen!
Wir haben uns gegenseitig unterstützt, beraten, manchmal auch getröstet, wenn die Zeiten hart waren und die Erfolge auf sich warten ließen.
Ich denke deshalb gerne und auch mit einem gewissen Stolz an die letzten 6 Jahre zurück. Natürlich werde ich mich dem BSV auch in Zukunft noch verbunden fühlen.

 

WÜNSCHE
Ich wünsche dem BSV und meinen Nachfolgern in den kommenden Jahren weitere Erfolge bei der Erreichung der Ziele, die Schulleitung und damit Schule voranbringen.
Ich wünsche euch ein gedeihliches Miteinander, denn nur so hat Verbandsarbeit eine Chance.
Ich habe keine Rezepte dafür und möchte auch keine geben, aber ich denke mir:
Der BSV sollte sich weiterhin engagieren für seine langjährige Überzeugung „Schulleitung hat die Schlüsselrolle für Schulqualität“.

 

Ich bin sicher, unserer Vision von einer Schulleitung, die Schule gestaltet und Kinder fürs Leben fitt macht, gehört die Zukunft! Sie darf deshalb nie aufgegeben werden!

 

Vielen Dank