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Abschied von Horst Anhofer

Unser Schatzmeister Horst Anhofer, Rektor an der VS Neusäß, erlitt Anfang Oktober einen schweren Herzinfarkt und starb am 14. Oktober 2007. Der Landesvorstand und die Verbandsgemeinschaft trauern um ihren verdienten, stets kollegialen und geschätzten Mitarbeiter. 


Abschiedsworte von Siegfried Wohlmann für Horst Anhofer und seine Hinterbliebenen

19.10.2007

Sehr geehrte Mitglieder der Familie Anhofer,
geehrte Mittrauernde!

 

„Das Leben ist wie eine Rolle im Theater. Es kommt nicht darauf an, dass lange, sondern dass gut gespielt wird.“

Niemand unter uns – ich schließe Horst mit ein – hat in der jüngsten Vergangenheit wohl an das Wort des Philosophen Seneca gedacht, dass die Rolle, die er spielte, bald vorüber sein würde.

Umso schmerzhafter, weil so unvorbereitet, trifft uns der Verlust. Ihnen als Familie gilt unser tiefes Mitgefühl.

Horst Anhofer war durch seine bloße Präsenz mit seinem verschmitzten, hintergründigen Humor und in seiner Gelassenheit im Bayerischen Schulleitungsverband eine Bereicherung.

Wenn zur wünschenswerten Originalität die zielbewusste Zähigkeit kommt, dann ist die Nähe zur Höchstleistung nicht mehr in Frage gestellt. Eben weil Originale der Wirklichkeit Rechnung tragen, lassen sie sich durch Hindernisse und tausendfältige Verlegenheiten nicht aus der Ruhe und von der Bahn abbringen. Mit einer bewundernswerten Stabilität nach außen hin verband er eine nicht geringe Beweglichkeit, mit der er die finanziellen Geschicke des Verbandes als Schatzmeister über 6 Jahre verantwortete.

Mit seiner unaufdringlichen Schaffenskraft, seiner hohe Kompetenz ausstrahlenden Souveränität, seiner nicht überseh- und überhörbaren Fähigkeit, Prinzipien zu vertreten und zu verteidigen, mit der ihm eigenen Kraft, Vertrauen zu wecken, schuf er – ohne es zu wissen – die Grundlagen für die Position des Schatzmeisters in unserem Schulleitungsverband. Erst am 27. April dieses Jahres hat ihm die Landesdelegiertenversammlung wieder ein überwältigendes Votum gegeben. Als Bezirksvorsitzender Schwabens nahm er seine Verantwortung nicht weniger sorgfältig und mit Akribie wahr.

Immer sorgte er für Transparenz, Klarheit und Übersicht, wie es seiner Glaubwürdigkeit entsprach. In liebenswürdiger Art schaffte er es, kritische und neuralgische Themen so anzusprechen, dass wir in Ruhe und Sachlichkeit uns miteinander auszutauschen vermochten.

Er hat dem Verband ein Kontingent an Kraft und Zeit zur Verfügung gestellt, das mit Dienst an der Gemeinschaft beschrieben werden muss.

So passt auf seine vergangene Tätigkeit das walisische Wort: „ Es ist besser, etwas gehabt und wieder verloren zu haben, als es nie gehabt zu haben.“

Seine überlegene, aber nie arrogante Autorität als ein Leiter der Institution Schule und als Verwalter der Verbandsfinanzen entsprang seiner Persönlichkeit, nicht seinem Amt. Damit verschaffte er sich rasch Zugang zu Menschen, zu den ihm anvertrauten Kindern und Jugendlichen ebenso wie zur Vielfalt der Erwachsenenwelt. Er strebte nach Geist ohne ideologische Scheuklappen, er genoss die Sinnlichkeit in unserem Kreis nach getaner Arbeit, er praktizierte Toleranz, der nichts gleichgültig war, er verschenkte Wohlwollen, das nicht lobhudelte, er erfreute mit Humor, der nicht kränkte, er verband Offenheit mit Diskretion und setzte der Phantasie keine Grenzen.

Wir dürfen uns auch in dieser Stunde freuen und dankbar sein, dass wir ihn gekannt haben. Wir können darüber nachdenken, was wir von ihm gelernt haben. Vielleicht durch eine Bemerkung, vielleicht durch eine Geste!

Dennoch: Fast sträubt sich der Verstand dagegen, diese Endgültigkeit zu erfassen. Wir können kaum etwas nachvollziehen, das über unsere direkt erfahrbare Dimension von Zeit hinausgeht. Wir wissen, es wird dauern, bis wir diese Tatsache verinnerlicht haben. Bis wir nicht mehr erwarten, ihn durch die Tür kommen zu sehen mit seiner Aktentasche, oder uns nicht mehr einen Augenblick wundern werden, dass er nicht an seinem Tisch, an seinem Schreibtisch sitzt.

Wir stehen aber auch vor unserer eigenen Gedankenlosigkeit, die wir uns in der Regel nicht einmal zum Vorwurf machen können. Man kann sich nicht immer tiefgründige Gedanken über andere Menschen machen. Dazu lassen einem die vielen Pflichten und Aufgaben insbesondere der Lehrenden und Schulleiterinnen und Schulleiter nicht die Zeit. Aber ab und zu kann man es.  In vieler Hinsicht ergibt es sich von selbst, dass man im Alltag aneinander vorbeigeht. Und doch beschleicht uns bei dem Gedanken an Verstorbene auch ein ungutes Gefühl, ein schlechtes Gewissen, so als hätten wir versäumt, etwas zu tun, das wir hätten tun sollen.

Ist es nicht die politische Welt, die auch geprägt ist von schwer zu verstehender hierarchischer Autorität und der immerwährenden Absicht, den Aufgabenkatalog beliebig zu erweitern, die Welt, die uns über Gebühr fordert und das Menschsein nicht mehr in den Mittelpunkt stellt? Schließen wir in diesen fragwürdigen Kreis die sich fortlaufend verändernde Gesellschaft mit ein, hat die Belastung eines Lehrenden und eines Schulleiters längst die Grenze erreicht – eine Tatsache, deren Tragweite uns heute wieder besonders tragisch bewusst wird.
War es am Ende einfach die Kraft, die ihn verlassen hat? Waren es der Herausforderungen zu viele? Auch wenn Horst gesund schien, so war dem aufmerksamen Freund nicht entgangen, dass die berufliche Belastung die Befindlichkeit merklich beeinflusste.

Wenn wir nach dem „Warum“ fragen, werden wir keine Antwort bekommen, mit der wir wirklich leben könnten.

So mag sein Abschied für immer für uns auch Mahnung sein, mit unserer Gesundheit, aber auch miteinander sorgsam umzugehen. Nehmen wir als Vermächtnis mit, zu Gunsten des beruflichen Umfeldes, insbesondere der Kinder und der eigenen Haushaltung auch mit den Aufgaben Maß zu halten.

Wir danken dir, lieber Horst, für die gemeinsame Zeit und das, was du für den Verband und damit für das einzelne Mitglied getan hast, wohl wissend, wie viel freie Zeit du deiner Position und Arbeit gewidmet hast.

Wir danken dir für deine Menschlichkeit, die wir immer wieder erlebt und die wir so sehr an dir geschätzt haben.

Wir sind dankbar, dass du Teil unseres Lebens warst. Ein persönliches Wort der Freude füge ich hinzu: Danke, dass du am 21. Juni mit mir, mit uns gefeiert hast.

Wir werden versuchen, deine Vorstellungen von Werten und notwendigen Aufgaben weiterzuführen, im Bewusstsein, dass dies eine der schwierigsten Aufgaben, die vor uns liegen, sein wird.

Wir erinnern uns gerne und mit großer Wehmut an die gemeinsame Vergangenheit mit dir.