Staatssekretär Sibler zu Gast beim KV Kelheim

Montag, 04 Februar 2008

Schulleitergespräch im Schulamtsbezirk Kelheim
Staatssekretär Bernd Sibler zu Gast bei Volks-, Haupt- und GrundschulrektorenInnen im KV Kelheim

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Am Montag, 21.01.08, konnte die Kreisvorsitzende Hermine Kroiß-Hillmann den neuen Staatssekretär, Herrn Bernd Sibler zu einem Schulleitergespräch im KV Kelheim begrüßen.
Zahlreiche Grund-, Haupt- und Volksschulrektoren und -rektorinnen aus dem SAB hatten sich dazu eingefunden. 
Herzlich willkommen hieß Frau Kroiß-Hillmann auch Siegfried Wohlmann (kooptiertes Mitglied der BSV – Vorstandschaft).
Herr Sibler – „noch keine 100 Tage im Amt“ (Zitat B. Sibler) - gab zu Beginn des Abends ein kurzes Statement zu schulpolitischen Themen.
Er sieht Schulleiter vor allem in ihrer Schlüsselrolle, Schulen weiter zu entwickeln.
Von Seiten der Politik werde dafür sehr viel getan.
Auch seine Partei setze sich angesichts der Tatsache, dass Schulleiterstellen oftmals mehrfach ausgeschrieben werden müssten, natürlich für die Schaffung von Entlastungsstrukturen ein.
Zu nennen sei hier, dass die Wiederbesetzungssperren für Funktionsstellen stufenweise auf maximal 3 Monate begrenzt werden sollen.
Hinsichtlich der Optimierung und Unterstützung der präventiven Jugendarbeit an Hauptschulen sind insgesamt 200 neue Stellen für das nächste Schuljahr geplant.
Die Hauptschulinitiative nannte er als wichtiges Aufgabenfeld. Die HS als berufsorientierende und berufsvorbereitende Einrichtung soll eine klare Perspektive für Schülerinnen und Schüler bilden und eine akzeptable Alternative darstellen. Das Gymnasium soll zukünftig nicht mehr das „Non-Plus-Ultra“ der weiterführenden Schularten, gefolgt von der Realschule als kleines Gmnasium,  sein.
Jede HS solle ihr eigenes unverwechselbares Profil entwickeln. Die Modularisierung soll eine klare Konzentrierung auf das Stärken der Grundfertigkeiten in den Kulturtechniken ermöglichen.
Dem Ministerium sei sehr daran gelegen, Hauptschulstandorte zu erhalten. Dies könnte durch Bildung von Netzwerken und Schulverbünden, wie in der Praxis bereits an einigen Standorten auch im Landkreis Kelheim schon geschehen, umgesetzt werden.

Bei der anschließenden lebhaften Diskussion wurden wichtige Themen im Plenum erörtert. Hauptgesprächspunkt war zunächst die Forderung der SL nach mehr Leitungszeit.

KV H. Kroiß-Hillmann verwies auf das vom BSV in Auftrag gegebene „Rosenbusch“ – Gutachten, in dem klar aufgezeigt wird, dass SL in Deutschland im Vergleich mit europäischen Nachbarländern und zudem bayerische SL im Vergleich zu anderen Bundesländern noch am meisten Unterrichtsverpflichtung hätten. Die dienstliche Überbelastung und als Folge davon erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen sollten als Warnsignal von Schul- und Finanzpolitikern erkannt werden. Auch die Tatsache der mehrmaligen Ausschreibung von SL-Stellen und schließlich die Gefahr, dass bei der Besetzung nicht mehr in erster Linie qualitative Aspekte der Bewerber eine Rolle spielen würden, müssen zu einer Verringerung der Anrechnungsstunden führen.

Rektor Bruckmüller sprach ein weiteres Problem an. Die Arbeitszeiten der Verwaltungsangestellten, die angesichts der heutigen Fülle und des breiten Spektrums der Aufgaben, die in einem Schulsekretariat anfielen, seien nicht mehr ausreichend.  Vor allem Schulen mit „Drittelkräften“, bzw. die Tatsache, dass kleine Schulen mit weniger als 5 Klassen immer noch gänzlich ohne Verwaltungsangestellte auskommen müssten, stellt ein unhaltbarer Zustand dar.

Staatssekretär Sibler forderte in diesem Zusammenhang die anwesenden RektorenInnen auf, hier über Verbände und politische Parteien entsprechende Anträge zu formulieren und einzubringen.
Zudem seien in der Vergangenheit ja bereits „kleine Gaben“ (Erhöhung der Leitungszeit um eine Stunde bei Schulen mit mehr als 8 Klassen) erfolgt. Überdies stünde eine Dienstrechtsreform  bevor. Das Beförderungsamt A13 für Hauptschullehrer und –lehrerinnen sei in der Diskussion als erster wichtiger Schritt.

Dazu wurden aber aus dem Rund der Gesprächsteilnehmer und –teilnehmerinnen kritische Überlegungen geäußert. Kollegen der Hauptschule haben bereits eine Stunde weniger Unterrichtsverpflichtung. Ein Beförderungsamt A13 nur für KollegenInnen der HS sei angesichts der Gleichheit von Studiengang und  Ausbildung nicht nachvollziehbar und würde die Separierung zwischen Grundschule und Hauptschule noch vergrößern und sicherlich Unzufriedenheit und Demotivierung in der Kollegenschaft hervorrufen. Des Weiteren ergab sich die Frage, wie mit KollegenInnen verfahren würde, die sowohl in der Grundschule als auch in einer Hauptschule unterrichten.

Ein weiteres Thema der Diskussionsrunde ergab unmittelbar daraus, nämlich  die Arbeitsbedingungen der GrundschulkollegenInnen. Aufgrund der veränderten Übertrittsbedingungen am Ende der Grundschulzeit sind vor allem Viertklasslehrkräfte einem immensen Druck von Seiten der Elternschaft, aber auch Öffentlichkeit insgesamt ausgesetzt.

Das nunmehr seit 5 Schuljahren anzufertigende „neue Grundschulzeugnis“ war in seinen Grundintensionen sicherlich pädagogisch begründet angedacht. Nur die Praxis lehrt wie in so vielen Fällen die mittelbar Beteiligten eines Besseren. Der Zeitaufwand der Erstellung der Zeugnisse stehe in keinem Verhältnis zu ihrer Wirksamkeit. Die Buchstabenbewertung von Sozial- und Arbeitsverhalten eines Schülers ist eher umstritten. Eltern interessieren vor allem und letztendlich die Ziffernnoten. Viele Bemerkungen zu den einzelnen Fächern und Bereichen sind oftmals nicht notwendig. Die im Zeugnisprogramm mitgelieferten Textbausteine erleichtern zwar die Erstellung, fördern aber Unpersönlichkeit und Schablonenhaftigkeit.
Die Grundschulkolleginnen sitzen oftmals je nach Klassengröße bis zu 4 Wochen bis zur endgültigen Fertigstellung aktiv am PC!
Begründungsbeispiel: Die mitgelieferten Textbausteine (teils auch noch mit Rechtschreibfehlern behaftet) führen bei Aneinanderreihung zu mannigfachen Wiederholungen einzelner Begriffe wie „Aufgaben“, „Hausaufgaben“, „arbeitet“, „Arbeiten“, „Arbeitsaufträge“, „Schüler“, „Mitschüler“, „zeigte“, „zeigte“ usw. innerhalb eines Bemerkungsfeldes, die natürlich aus Stilgründen ausgebessert und korrigiert werden.
Hier ist die Forderung eindeutig: Vereinfachung der Grundschulzeugnisse im Sinne einer individuellen schülergerechten Bewertung!

Mit einem abschließenden Resümee von Frau Kroiß-Hillmann endete der Abend: „Schulleiter haben die Schlüsselrolle in der gegenwärtigen schulpolitischen Entwicklung. Sie setzen Aspekte der Neuorientierung von Hauptschulen um, sie treiben die Profilbildung in Grundschulen voran. Ihr Aufgabengebiet ist gleichermaßen umfangreich wie mannigfaltig. Schulleiterfunktionsstellen müssen für Bewerber attraktiv gestaltet werden, damit sich weiterhin besonders fähige und geeignete Kolleginnen und Kollegen dafür interessieren und bewerben. Schulleiter müssen von Unterrichtsverpflichtungen entlastet werden, die Anrechnungsstunden für Schulleitungsaufgaben müssen erhöht werden. 

Sie bedankte sich im Namen aller anwesenden Kolleginnen und Kollegen für die regen Diskussionen und ganz herzlich bei Herrn Staatssekretär Sibler für sein Kommen mit dem abschließenden Wunsch, die „Schulleitergespräche“ im Landkreis und Schulamtsbezirk Kelheim zu einer festen Einrichtung werden zu lassen.

Hermine Kroiß-Hillmann, Rin, KV Kelheim, GS Offenstetten