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CSU-Bildungsoffensive übersieht Schulleitungen

Sonntag, 27 April 2008

BSV beim CSU-Fraktionsvorsitzenden Georg Schmid

Die CSU startet im Wahljahr 2008 eine Offensive mit dem „Megathema Bildung“, übersieht dabei aber die überfällige Unterstützung der Schulleitungen in Grund- und Hauptschulen sowie an Förderzentren. Dieser Überzeugung von Werner Sprick und Petra Seibert vom BSV Bayern wollte sich der Fraktionsvorsitzende der Landtags-CSU allerdings nicht anschließen.

 

Im Gespräch der BSV-Landesvorstandschaft mit Georg Schmid wurden erneut die schlechten Rahmenbedingungen von Schulleitungen in den bayerischen Volksschulen angesprochen. Wachsende Anforderungen in der Arbeitswelt an Schulabgänger, zunehmender Bedarf an hoch- und höherqualifizierten Arbeitskräften, aber gleichzeitig wachsende Erziehungsprobleme in der Schule durch geringere Vorarbeit in den Elternhäusern stellen Kollegien und vor allem Schulleitungen vor immer neue Herausforderungen. Für die Sicherung und Steigerung von Schulqualität sind Schulleiterinnen und Schulleiter an zentraler Stelle zuständig, wie wissenschaftliche Untersuchungen weltweit bestätigen. In Bayern sind die Forschungs-Ergebnisse von Prof. Dr. H. Rosenbusch und Prof. Dr. S. Huber sicher besser bekannt, die feststellen, dass bayerische Schulleitungen immer an letzter Stelle rangieren, ob im Vergleich mit anderen Schularten, ob im Bundesländer-Vergleich oder im weltweiten Vergleich. Diese Erkenntnis scheint aber noch nicht bei Bildungs- und v. a. Finanzpolitikern angekommen zu sein.

Die stärkere Profilierung der einzelnen Schule, die Organisation von guter, erfolgreicher Schule zur optimalen Bildung und Erziehung der ihr anvertrauten Kinder sowie die Bewältigung der ständig wachsenden Aufgaben von Schulleitung brauchen auch mehr Leitungszeit und größere Unterstützung durch Verwaltungsangestellte. Der Fraktionsvorsitzende betonte hingegen die bisher erfolgten Fortschritte für die Schulleitungen, nämlich bis zu 4 Stunden mehr „Anrechnungs-Stunden“ (ein überholter Begriff aus der Zeit, als Schulleiter noch als Lehrer mit AS bezeichnet wurden, die „das bisschen Verwaltung“ nebenher erledigen sollten). Dies trifft jedoch nur für Schulleiter an Schulen mit mehr als 360 Schülern zu. Die durchschnittliche Schulgröße liegt jedoch bei etwa 280 Schülern und so kam diese Stundenausweitung auch nur bei einem kleinen Anteil an. Der seit Jahrzehnten vom BSV beklagte Notstand bleibt bestehen! FV Georg Schmid hob stattdessen die mehr als 1000 Planstellen für Lehrkräfte ab Schuljahr 2008/09 hervor und die mehr als 100 neuen Planstellen für Verwaltungsangestellte, die sich die CSU rsp. der Landtag im Nachtragshaushalt 2008 abgerungen habe.

Das Stufenmodell, das der BSV gemeinsam mit dem BLLV und der KEG entwickelt hat und das eine rasch steigende Leitungszeit samt Erhöhung des Zuteilungsschlüssels auf ein erträgliches Maß vorsieht, nahm FV Georg Schmid zur Kenntnis und sagte eine Überprüfung des Modells zu. Ihm war ebenfalls neu, dass Verwaltungsangestellte nach Angaben von W. Sprick mit rund 7 Euro Stundenlohn weit unterhalb des Mindestlohns liegen.

Mehr Eigenverantwortung wird dann erfolgreich übernommen, wenn auch mehr Entscheidungsfreiheit für Schulleitung besteht. Der nach wie vor fehlende Dienstvorgesetzten-Status würde die Einzelschule stärken. Mehr Unterstützung wurde von Sprick und Seibert auch für die Grund- und Hauptschulen eingefordert: Die äußerst heterogene Schülerschaft in der Grundschule ist nicht mit Klassengrößen von bis zu 30 Schülern zu bewältigen und braucht deutlich mehr Differenzierungs- und mehr Förderstunden. Auch die Hauptschul-Initiative bleibt ein Paket von erfolgreichen Ideen zu Verbesserungen in der Hauptschule, dem aber für die hohe Anzahl in Bayern die entsprechende Unterstützung durch mehr Lehrerstunden fehlt. Petra Seibert beklagte die Sanduhr-Konstellation an Volksschulen, dass nach starken Grundschulklassen die Hauptschulklassen in 5 und 6 drastisch schrumpfen, dagegen in 8 und 9 die erfolglosen Rückkehrer aus Realschulen und Gymnasien die Klassengrößen auf bis zu 37 Schüler während des Schuljahrs steigen lassen.

Schulleitungen als Verantwortliche und Organisatoren der Wertschöpfung des wertvollsten bayerischen „Rohstoffs“ Geist brauchen eine massivere Investition des bayerischen Staats in bessere Rahmenbedingungen.
Beobachten wir im BSV genau, ob die CSU dieser Argumentationslinie folgt und wie viel an überfälligen Verbesserungen für Schulleitung in den nächsten Monaten noch kommt.

Werner Sprick, Landesvorsitzender

 


Werner Sprick, Petra Seibert, Georg Schmid (von links)