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IPFF Schulleitungskongress 2008

Schulleitungskongress 2008 in Wildbad Kreuth ein großer Erfolg

(poc) Äußerst zufrieden zeigte sich der allergrößte Teil der rund 100 Teil-nehmerinnen und Teilnehmer mit Verlauf und Inhalt des diesjährigen IPFF-Kongresses in Wildbad Kreuth. In einem schriftlich erhobene Feedback gaben die teilnehmenden Schulleitungsmitglieder den dargebotenen Beiträgen und der Gestaltung der Tagung durchweg Bestnoten. Damit bewährte sich erneut das schon mehrfach erprobte Konzept der Kooperationspartner von der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) und des Instituts für pädagogische Führung und Fortbildung (IPFF) im BSV.
Der zweieinhalb Tage dauernde, wiederum in der idyllischen Umgebung des Wildbades Kreuth stattfindende Kongress stand diesmal unter dem Motto ‚Konfliktmanagement durch Schulleitung’. Am Sonntag, den 04. Mai 2008, trafen die teilnehmenden Schulleitungsmitglieder am späten Nachmittag an der Tagungsstätte ein. Nach ersten, intensiven informellen Austauschgesprächen und dem Abendessen begrüßten der BSV-Vorsitzende, Werner Sprick, die Vertreterin der HSS, Paula Bodensteiner, sowie der Leiter des IPFF, Dr. Peter O. Chott, die Kongressteilnehmer. Man hob die vorbildliche Zusammenarbeit der beiden Institutionen hervor und bedankte sich v.a. bei BSV-Schatzmeister Gerhard Schmautz, der (in der Nachfolge des verstorbenen Horst Anhofer) die Buchungsarbeiten u.a. vorbildlich erledigt hatte. Zudem konnten einige Gäste wie beispielsweise der stellvertretende Leiter der ALP Dillingen, Gerhard Schmidt, sowie seine Mitarbeiterinnen, Katharina Schlamp und Gudrun Schick, begrüßt werden.

Im Anschluss daran führte Dr. Chott in das Kongressthema ein und gab einen Überblick über die Beiträge. Er begründete die Themenwahl der Tagung damit, dass der Wandel in der Schullandschaft auch immer mehr Konflikte zwischen Lehrkräften und Eltern, zwischen Lehrern und Schülern sowie zwischen Schulleitungen und Kollegen begleiten würden. Der Umgang mit solchen Konflikten verlange aber von den Schulleitungsmitgliedern zusehends mehr Gespür, aber auch vermehrt fachliche Kenntnisse und Fähigkeiten. Der Leiter des IPFF klärte in seinem Vortrag kurz den Begriff, nannte dazu Fachliteratur und einige Konfliktformen. Er verwies etwa auf den lateinischen Ursprung des Wortes (confligere: kämpfen), auf einen Experten wie Friedrich Glasl sowie auf Verteilungs-, Ziel-, Beziehungs-, Identitäts-, Rollen-, Macht- oder Informationskonflikte, die allesamt für Schulleitungen relevant seien. Darüber hinaus stellte Dr. Chott die Referenten, deren Themenschwerpunkte sowie die jeweils am darauffolgenden Montag und Dienstag stattfindenden vier Workshops vor. Letztere standen alle unter dem Motto ‚Konkretes Konfliktmanagement in der Schule’, hatten aber jeweils unterschiedliche Ansätze und Schwerpunkte.



Christoph Schießl von der Wacker Chemie AG, Burghausen gewährte am Montagmorgen (05.05.08) den Kongressteilnehmern einen eindrucksvollen und höchst interessanten „Blick über den Schul-Tellerrand“ hinaus. Der Personalchef referierte über seine Erfahrungen als Konfliktmoderator, die er in einem renommierten Industrieunternehmen im Laufe der Jahre sammeln konnte. Er zeigte die ökonomische Notwendigkeit auf, sich als industrielle Führungskraft mit Konflikten zu beschäftigen. Diese schlügen sich letztlich in geringerer Leistung und damit in geringerem Nutzen für den Betrieb nieder. Auch gegenüber den Mitarbeitern selbst sei es – so Christoph Schießl – verantwortungsbewusst, sich mit Konflikten zu beschäftigen. Als wichtiges Instrument nannte er das jährliche Mitarbeitergespräch, das eine Billanzierung der geleisteten Arbeit und eine Zielvereinbarung für das kommende Jahr enthalten müsse. Darüber hinaus nannte der Referent eine Reihe von Gründen, die Veränderungen innerhalb einer Firma bewirken und die gleichzeitig Konfliktpotential enthalten könnten. Dazu gehören etwas Kundenerwartungen, Konkurrenzdruck, technologische Entwicklungen oder Änderungen, die mit den Mitarbeitern zusammenhängen. Entscheidend sei – so der Personalchef - auch die Auswahl von Führungskräften, deren Eignung auch unter dem Gesichtspunkt der Konfliktfähigkeit betrachtet würde. Schließlich verwies der Referent auf arbeitsrechtliche Schritte (wie Abmahnungen, Versetzungen oder Gehaltskürzungen), die in der Industrie bei Konflikten – allerdings sehr bedächtig – angewandt werden können.



Anschließend lenkte der im Zusammenhang mit dem Thema ‚Schulentwicklung’ bekannte Fachbuchautor und Referent, Dr. Elmar Philipp, den Fokus auf die schulischen Aspekte des Konfliktmanagements. Dabei legte er seinen Schwerpunkt auf den Umgang mit Widerständen, die er als zentrale Schulleitungsaufgabe herausarbeitete. Dr. Philipp kennzeichnete Konflikte und Widerstände grundsätzlich als Positivum, denn sie seien fundamentale Voraussetzungen für erfolgreiche Veränderungsprozesse. Diesen ersten Grundsatz ergänzte er noch durch die Erkenntnis, dass nicht das Auftreten, sondern das Ausbleiben von Konflikten Anlass zur Beunruhigung in der Schule sein sollten. Widerstände würden – so der Autor – bei Nichtbeachten zu Blockaden führen und würden meist verschlüsselte Botschaften enthalten. Dabei lägen die Ursachen meist im emotionalen Bereich und würden sich in konkreten Ängsten und Befürchtungen äußern. Dr. Philipp riet den Schulleitungsmitgliedern konstruktiv mit Konflikten und Widerständen umzugehen und zunächst dem Konflikt Raum zu geben, um den vorhandenen Druck zurückzunehmen. Darüber hinaus schlug er vor, die „Antennen“ auszufahren, mit den entsprechenden Kollegen in den Dialog zu treten, um die Ursachen zu ergründen. Gemeinsame Absprachen, die das künftige Vorgehen neu festlegen würden zusammen mit schnell sichtbar werdenden Erfolgserlebnissen eine positive Wandlung ermöglichen.
Der freiberufliche tätige Philipp erkannte – gestützt auf fundierte wissenschaftliche Theorien – bei seinen vielen Einsätzen als Schulentwicklungsberater fünf typische Konfliktformen: Verteilungskonflikte (z. B. beim Stundenplan), Autonomiekonflikte (z. B. bei Lehrkräften als „Einzelkämpfer“), Wertekonflikte (z. B. darüber, was eine „gute“ Schule ist), Kommunikationskonflikte (z. B. über die Auffassungen von Erziehung) und Veränderungskonflikte (z. B. über die Verbesserung des eigenen Unterrichts). Als hilfreich für das Verständnis von Veränderungsprozessen stellte Dr. Philipp drei Phasen eines ‚Transitionsmodells’ vor, die er anschaulich konkretisierte. Phase 1 ist der Abschnitt des Beendens, Phase 2 der des Dazwischen und Phase 3 der Abschnitt des Neubeginns. Damit gab der Dozent den Kongressteilnehmern einen theoretisch fundierten und praktisch erklärten Grundstock, der in den anschließenden Workshops immer wieder in unterschiedlichen Situationen hervortrat.

In allen am Montag bzw. am Dienstag stattfindenden Workshops wurde in unterschiedlicher Intensität auf das Eskalationsstufen-Modell von Friedrich Glasl zurückgegriffen. Die so genannte ‚Glasl-Treppe’ stellt die einzelnen Phasen eines Konflikts und seine Ansätze zur Lösung theoretisch dar. Dr. Philipp ließ seine Gruppen nach der Vorstellung des Modells in Partnerarbeit „Konfliktanliegen“ formulieren und diese z. B. nach typischen Strukturen analysieren. Die Einordnung des Konflikts auf der ‚Glasl-Treppe’ veranschaulichte das Modell den Teilnehmern. Daran zeigte er auf, wie durch ein ‚Kollegiales Team-Coaching’ (KTC) auf Schulleitungsebene eine selbst organisierte Beratung konkret aussehen könnte.



Die beiden Schulpsychologen Hella Berger und Fred Wilhelm zeigten in ihren Workshops anhand eines vorgegebenen, exemplarischen Konfliktfalles in einem Lehrerkollegium ebenso die unterschiedlichen Stufen der ‚Glasl-Treppe’ auf. Sie definierten darüber hinaus den Konfliktbegriff und ordneten Konflikte in unterschiedlich große Rahmenbedingungen ein. Daran anschließend gab das Referenten-Tandem den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diverse Strategien zur Konfliktanalyse (‚Sinnwebenanalyse’) und zum Konfliktmanagement an die Hand. Dabei gingen sie immer wieder auf die Erfahrungen der anwesenden Schulleitungsmitglieder ein, so dass ein anschauliches und übertragbares Szenario entstand.



Rektor Hans Schindele und Schulpsychologe Stephan Deiner konkretisierten in ihren Workshops einen ‚lösungsorientierten Ansatz’. In einem Rollenspiel, in das jeweils eine Teilnehmerin als Konfliktpartnerin eingebunden wurde, zeigte Schulleiter Schindele seine Gesprächsstrategie auf, während der Schulpsychologe Deiner auf theoretische und praxisorientierte Hintergründe aufmerksam machte. In der Analyse der Beobachtungen der übrigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellte das eingespielte Referententeam die einzelnen Phasen eines ‚lösungsorientierten’ Konfliktsgesprächs eindrucksvoll dar, so dass die teilnehmenden Schulleitungsmitglieder die gewonnenen Erkenntnisse gut auf die eigene Schulsituation übertragen konnten.



Auch der hauptsächlich für Förderschulen tätige Schulpsychologe Norbert Gockner stellte den Ablauf einer Konfliktlösung an Strategien und praktische Beispielen dar. Dabei versetzte er die Workshop-Teilnehmer selbst in einen Konflikt („Streit um eine Orange“) und bat um eine Rückmeldung der emotionalen und kognitiven Befindlichkeiten beim Austragen des Zusammentreffens widersprüchlicher Wünsche. Daran schloss sich die Darstellung der verschiedenen Phasen des Verlaufs der Konfliktklärung an, die der Referent anhand verschiedener Beispiele aus seiner Beratungspraxis anschaulich konkretisierte.

Nach den schriftlichen Rückmeldungen, aber auch nach den geäußerten Kommentaren waren die Workshops für den größten Teil der Kongressteilnehmer äußerst hilf- und ertragreich für die eigene Schulpraxis.



Den Abschluss des Montags bildete Theaterintendant Walter Weyers. Er stellte seine Erfahrungen als Regisseur und Intendant des Landestheaters Schwaben kraftvoll und eindringlich dar. Dabei entführte er die Zuhörerschaft in die Welt des Theaters, in der Konflikte eben nicht nur „Theater“ sind, sondern mit Blick auf ein gemeinsames künstlerisches Ergebnis gelöst werden müssen. Den Transfer der dargebotenen Erfahrungen überließ – absichtsgemäß – der Theatermann den Schulleitungsmitgliedern selbst, so dass sich die aufgezeigten Parallelen zur eigenen Schulpraxis eventuell erst später für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigen können.



Am Dienstagmorgen referierte Dr. Marc Stadtler von der Universität Münster über psychologische Erkenntnisse aus der Konfliktforschung. Er verstand es, der Zuhörerschaft charmant und kenntnisreich Forschungsergebnisse (wieder) nahe zu bringen und diese im schulischen Zusammenhang zu erkennen. Der Wissenschaftler plädierte für einen intensiven Austausch zwischen Pädagogik und Psychologie und wies die Notwendigkeit sowie die benötigte Professionalisierung von Konfliktmanagement überzeugend nach. Als Konfliktbeschleuniger bzw. –ursachen kennzeichnete er die unterschiedliche Wahrnehmung, die ein und denselben Sachverhalt aus unterschiedlichen Perspektiven unterschiedlich erkenne lässt. Auch die Selektivität der menschlichen Wahrnehmung wurde als Einflussfaktor herausgestellt. Aus diesem Grund sei es – so Dr. Stadtler – notwendig, den Austausch über die (unterschiedliche) Wahrnehmung sowie eine ehrliche Perspektivenübernahme an den Anfang der Konfliktbewältigung zu stellen. In Bezug auf das Verhältnis zwischen Eltern, Lehrkräften und Schülern wies der Referent auf die unterschiedlichen möglichen Konflikte zwischen diesen Partnern hin, die es bei der Aufarbeitung zu berücksichtigen gilt. Dazu sei es notwendig, das Vertrauen der Konfliktparteien oder des Konfliktpartners zu gewinnen. Als „Handwerkszeug“ gab der Dozent den Zuhörern eine Reihe von Anregungen mit auf den schulischen Weg. Dr. Stadtler veranschaulichte z. B. die Gesprächsstruktur (Begrüßung, Analyse des Problems, Ziele nennen, Diskussion, Vereinbarungen) an zahlreichen Beispielen und warnte vor verschiedenen „Fallen“ (wie dem Überbewerten von Zielen). Schließlich riet er zu kollegialer Intervision („Innenschau“) und zu externer Supervision (siehe www.konfliktmanagement-elterngespraech.de).



Den Schlusspunkt der IPFF-/HSS-Veranstaltung setzte Ministerialdirektor Josef Erhard vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus in München. Er stellte den Zuhörern die Neuordnung der Schulleiterausbildung (unter Berücksichtigung des Konfliktmanagements) in Bayern dar. Daran schloss sich eine intensive Diskussion an, in der die konfliktträchtige Situation der Schulleitungen in den verschiedenen Facetten angesprochen wurde. So zeigte u. A. ein Vertreter der Förderschulen auf die dortigen Missstände und der BSV-Vorsitzende Werner Sprick verwies erneut deutlich auf die für bayerische Schulleitungen unzureichenden Leitungszeiten, und die Unterbezahlung der Verwaltungsangestellten hin. Der Vorsitzende forderte mit Nachdruck eine Verbesserung, ohne dabei die von der Staatsregierung erbrachten positiven Ansätze zu vergessen. Der Amtsleiter des Kultusministeriums stellte vorsichtig Zugeständnisse seitens der Politik in Aussicht (z. B. das Beförderungsamt für Grund- Hauptschullehrkräfte, wobei die Gehälter der Schulleitungsmitglieder im gleichen Verhältnis angehoben würden). So zeigte sich den anwesenden Schulleitungsmitgliedern (und dem BSV) eine „Morgenröte“ womit gleichzeitig die Hoffnung auf ein „Aufgehen der Sonne“ gegeben wurde. (We shall see!)



In der kurzen Verabschiedung der Kongressteilnehmer dankte der BSV-Vorsitzende den Organisatoren der Tagung und freute sich auf eine hoffentlich ebenso gelungene Neuauflage des IPFF-Kongresses im Jahre 2010.
 

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