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BSV Oberpfalz im Ministerium bei MR Krück

Montag, 07 Juli 2008 Helmut Schuster, BSV-Bezirksvorsitzender Tel. 09471/8601
Mozartstraße 4, 93133 Burglengenfeld

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BSV-Vertreter im Gespräch mit Ministerialrat Helmut Krück über Profilbildung in der Hauptschulinitiative


Am Freitag, 04.07.2008, war der Bezirksvorsitzende des BSV-Oberpfalz, Helmut Schuster, zu einem Fachgespräch über die HS-Initiative vom zuständigen Referatsleiter MR Helmut Krück ins Kultusministerium eingeladen worden. Hauptgegenstand des Gesprächs waren Bedenken, die der Rektor der VS Schwarzenfeld in Übereinstimmung mit vielen anderen Volksschulleitern gegen eine mögliche Festschreibung der Profilbildung in der 8. Jahrgangsstufe auf ein einziges Profilfach mit vier Wochenstunden bzw. eine Verteilung auf drei Stunden „Schwerpunktfach“ und einer Stunde „Grundlagenfach“ vorbrachte, wodurch für viele Schüler eine viel zu frühe Festlegung auf einen Berufsbereich zu befürchten wäre, aus dem ein problemloser Wechsel in der 9. Jahrgangsstufe kaum mehr möglich wäre. Als „Verstärkung“ hatte Schuster den seit vielen Jahren im Landesvorstand aktiven Rektor der VS Freystadt, Siegfried Wohlmann, mitgenommen.

In einem anderthalbstündigen Gespräch in ruhiger, konstruktiver Atmosphäre stellten die Gesprächsteilnehmer weitgehende Übereinstimmungen in verschiedenen Themenbereichen der Hauptschulinitative und der Stellung der Schulleiter fest. Bezüglich der Kernfrage, ob die Hauptschulen auch in Zukunft ihren Schülern in der 8.Jahrgangsstufe zwei „arbeitspraktische“ Fachgruppen (aus Wirtschaft, Technik, Soziales) mit je zwei Wochenstunden anbieten könne, betonte MR Helmut Krück, dass er nicht beabsichtige, diesbezüglich feste Vorgeben zu machen. Im Sinne der Maxime „Loslassen und zulassen“ müsse jede Schule selbständig entscheiden können, wie sie diesen Bereich für ihre Schüler gestalten und dafür die zur Verfügung stehenden Stunden einsetzen will. Wichtig sei jedoch, dass eines der Fächer in der 8. Jahrgangsstufe als Schwerpunktfach ausgewiesen werde und mit entsprechenden Inhalten, Angeboten und berufsorientierenden Praxisbezügen ausgebaut werde. Schuster und Wohlmann konnten sich dem unter der Maßgabe anschließen, dass die Umsetzung von der einzelnen Schule selbst gestaltet werde.

Einig war man sich auch in der Auffassung, dass es bei der im Fokus aller Anstrengungen liegenden „Ausbildungsfähigkeit“ Handlungsbedarf weniger in den „arbeitspraktischen“ Fächern gibt, sondern in den Kernkompetenzen der Fächer Mathematik und Deutsch und in der Sozialerziehung. Hier freuten sich die beiden Oberpfälzer Rektoren zu hören, dass demnächst auch in anderen wichtigen Bereichen der Stundentafel die einzelnen Schulen innerhalb eines gewissen Rahmens flexibel handeln können sollen. MR Krück stimmte Schuster zu, dass zu einer selbständigen Schule eine starke Schulleitung gehöre und Schulaufsicht vor allem eine beratende Funktion habe.

Natürlich kam am Rande auch das Dilemma fehlender Leitungszeit der Volks- und Förderschulleiter zur Sprache, das allerdings nicht im Rahmen der HS-Initiative zu behandeln sei. Man war sich einig, dass die Forderung nach ausreichenden Mitteln von allen Seiten kommen müsse, damit im politischen Entscheidungsfeld die Zeit reif wird, dass die Leitungen der Förder-, Grund- und Hauptschulen das bekommen, was sie für die Erledigung ihrer Aufgaben brauchen. Niemand treibt ein höheres Verantwortungsgefühl für die Schule als die Rektoren, die draußen vor Ort hautnah spüren, dass vieles machbar wäre, was die Kinder für ihre Bildung und Ausbildung dringend brauchen. Der aktuelle Lehrermangel führe zu schmerzhaften Einschränkungen, wie Siegfried Wohlmann am Beispiel seiner Schule und seinem Landkreis Neumarkt deutlich machte. MR Krück bestätigte, dass derzeit praktisch alle Bewerber angenommen werden und es sehr schwierig sei die gewünschten Verbesserungen bei der Lehrerstundenzuteilung und Schulleiter-Freistellung durchzuführen. Hoffnung mache allerdings, dass mittlerweile wieder mehr als 700 motivierte Lehramtsstudenten für die Hauptschule in Bayern ihr Studium aufgenommen haben, nachdem über Jahre hinweg nur noch verschwindend wenige junge Leute sich dafür interessiert hatten.

Wohlmann fragte auch nach einer Lösung der Problematik fehlender m/t-Fachlehrer. Wie man der „Abwanderung“ von Fachlehrern an andere Schularten angesichts höherer Bezahlung bei weniger Unterrichtsverpflichtung dort begegnen könne, wusste keiner der Gesprächsteilnehmer, aber vielleicht werden künftige Beförderungsmöglichkeiten auch für diese Lehrer in einem neuen Dienstrecht hier mehr Gerechtigkeit schaffen und den Hauptschulen den Rücken stärken. An den Vorschlägen von Wohlmann aus dem Arbeitskreis zum „Übertritt“ zeigte Krück großes Interesse. Er stimmte Schuster zu, dass ein “aufsteigenden Übertritt“ besonders nach der 5.Jahrgangstufe die Hauptschule deutlich stärken könne.
Bezüglich der Anfrage von Wohlmann, ob an eine Senkung der Klassenhöchststärke von 15 Schülern gedacht sei, verneinte er dies klar. Blieben Schulen dauerhaft unter dieser Marke, sei ein Erhalt dieser Schulen auf Kosten der anderen, großen Schulen nicht zu verantworten.
Insbesondere aus dem ländlichen Raum konnten die beiden Rektoren neuen Optimismus vermelden. Die beharrlich gute Arbeit zeige Früchte, viele Hauptschulen bringen praktisch alle Abschlussschüler unter und Schulen, die schon längere Zeit berufsorientierend arbeiten und ihre Schüler „coachen“, berichten über steigende Lernleistungen und gute Quali- und M-Klassen-Prüfungsergebnisse. Die BSV-Vertreter machten auch deutlich, dass sie es für wichtig halten, dass die Rektoren als die Experten aus der Schulpraxis an der Planung von Veränderungsprozessen bei der Neugestaltung und Weiterentwicklung der Hauptschule beteiligt werden. Ihre Beobachtungen, Einschätzungen und Vorschläge müssten auch für zentrale Planungen einbezogen werden. Mehr Autonomie könnte vor Ort dafür sorgen, dass passende Lösungen beim eigentlichen Zweck der Schule, dem einzelnen Kind und seiner optimalen Förderung, gefunden werden können. Zeitgemäße Schulleitung sehe so aus und Helmut Schuster konnte von seinen Modus-F-Erfahrungen bestätigen, dass eine erweiterte und gestärkte Schulleitung enorme Fortschritte ermöglicht. Der volle Dienstvorgesetztenstatus wie bei allen anderen Schularten sei dafür Voraussetzung und stehe deshalb auch im Mittelpunkt der Bemühungen des BSV.

In der Gewissheit, für das gleiche Ziel an ganz unterschiedlicher Positionen auf gleicher Linie zu liegen, ging das Gespräch mit der Zusage auseinander, in Kontakt blieben zu wollen und der Hauptschulinitiative zu dem Erfolg zu verhelfen, den ihre angestammte Schülerklientel braucht. Die demnächst zu erwartende Bekanntgabe konkreter Schritte durch das Kultusministerium wird nicht nur von den beiden am Gespräch teilnehmenden Schulleitern mit großer Spannung erwartet.