Pressemitteilung BSV Bayern: Einstellungs-Noten

Bayerischer Schulleitungs-Verband    Bergstr. 13    87766 Memmingerberg                                

                      

Memmingerberg, 21. Juli 2008
 

 

 

Presse-Mitteilung des Bayerischen Schulleitungs-Verbands
(Interessenvertretung für Schulleiter und stellvertret. Schulleiter in Grund- und Hauptschulen sowie in Förderzentren)

 

 

 

Volksschulen weiter im Abseits:
Kein Geld für mehr Grundschul-Lehrkräfte

 

Das Kultusministerium hat am 17. Juli 2008 die „Einstellungsnoten“ für Lehrkräfte an Grund-, Haupt- und Förderschulen sowie für Fach- und Förderlehrer veröffentlicht: Einstellung bis Note 1,85 für fertig ausgebildete Grundschul-Lehrkräfte! 

Niemand hat in Anbetracht der Ankündigungen der Staatsregierung im Frühjahr, viel mehr Geld für die Schulbildung „in die Hand nehmen“ zu wollen, mit einem solchen „Schnitt“ gerechnet. Er ist so hoch, dass mehr als 90 % der Lehrer, die heute in den Grundschulen qualitätvoll unterrichten, unter solchen Voraussetzungen nicht zur Verbeamtung gekommen wären. 

Dementsprechend entsetzt, aber auch traurig und wütend sind wir Volksschulleiter über diese Nachricht, spüren wir doch eine ungeheure Verantwortung für die Verbesserung der Schulqualität, die unter einem eklatanten Lehrermangel leidet. Wir fühlen aber auch mit unserem hoffnungsvollen Lehrernachwuchs, der nun Gefahr läuft, mit einer ausgezeichneten Ausbildung zunächst „außen vor“ zu bleiben, obwohl in den Volksschulen noch tausende Klassen viel zu groß sind, hunderte 1. Klassen zwischen 25 und 30 Schüler gebildet werden, viel zu wenig individuelle Förderung stattfindet, alle Schulleiter viel zu viel Unterricht halten müssen, tausende Schulleiter und Konrektoren Klassenführung haben und zugleich Personalführungsaufgaben, wertvolle AG-Angebote zusammengestrichen werden, um nur einige von zahlreichen Mängeln anzuführen, die nur mit mehr Personal zu beheben wären.

Im Regierungsprogramm der CSU wird als einer von drei Schwerpunkten „Bildung fördern“ genannt. Jährlich sollen mindestens 1.000 Lehrer zusätzlich eingestellt werden. Wie glaubwürdig sind Versprechen der CSU, mehr in die Schulbildung zu investieren, wenn schon in einem Landtags-Wahljahr hunderte junge engagierte Grundschullehrkräfte nicht übernommen werden, die wir dringend benötigen, um gerade die Grundlagen „Lesen, Schreiben, Rechnen, Denken“ in den ersten Schuljahren zu schaffen? Alle Experten der Schulforschung und Schul-Weiterentwicklung stellen fest, dass hier die gravierenden Mängel bestehen, die später zu fehlender Ausbildungsreife führen.

Warum fehlt das Geld für mehr Lehrer, obwohl Finanzminister Huber für 2008 mehr als 4 Milliarden Euro ungeplante Steuer-Mehreinnahmen erwartet? Selbst wenn man die Kosten für eine dieser Lehrkräfte auf 50.000 € pro Jahr hochrechnen würde, kämen so bei 500 zusätzlich angestellten Lehrkräften für die Grund- und Hauptschulen nur 25 Millionen € im Jahr zusammen. Angesichts unverhofft in die Staatskasse gespülter 4.000 Millionen Euro kann und darf es nicht daran scheitern.

Steht nicht zu befürchten, dass diese Lehrkräfte von anderen Bundesländern angeworben werden? Müssen wir nicht damit rechnen, dass diese für sehr viele Steuer-Gelder ausgebildeten Pädagogen dem bayerischen Staat dauerhaft verloren gehen?

Sollte aber geplant sein, der großen Mehrheit der erfolgreich examinierten Junglehrer Angebote über Jahresverträge zu machen, die dazu führen, dass diese als voll ausgebildete Lehrkräfte nach 20 Jahren Schule und Ausbildung in einem Akademikerberuf von knapp 1100 € netto leben müssen, können wir das nur als unanständig bezeichnen. Es wäre kein Wunder, wenn diese jungen Pädagogen, die für den Lehrerberuf vom bayerischen Staat geworben wurden, unserem Land und damit auch den bayerischen Kindern den Rücken kehren würden.

Der Bayerische Schulleitungs-Verband appellierte deshalb in einem Brandbrief an Staatsminister Siegfried Schneider:  „Lassen Sie es nicht so weit kommen, sorgen Sie dafür, dass alle qualifizierten Junglehrer eingestellt werden, die wir für mehr Schulqualität in kleineren Klassen und für die Förderung der Bildung in Bayern brauchen“.

Die Landesvorstandschaft des Bayerischen Schulleitungs-Verbands,
Interessenvertretung für Schulleitung in Grund- und Hauptschulen und Förderzentren