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Offene Fragen zur Leistungsbeurteilung 2009

Mittwoch, 29 Oktober 2008 Wer soll das alles leisten -
wer schafft das alles an?
Offene Fragen zur Leistungsbeurteilung 2009

 

 

Natürlich freuen wir uns im Volksschulbereich alle über die Möglichkeit verdiente und leistungsstarke Lehrkräfte endlich aus ihrer A12-Agonie herausholen und für spezielle Verdienste und besonderes Engagement auch finanziell herausheben zu können.

Aber die aktuellen Informationen über die Details der zu erwartenden Leistungsbeurteilung erzeugen allerdings große Unruhe unter den Schulleitungen.

Der Bayerische Schulleitungs-Verband wurde zu keinem Zeitpunkt zu Beratungen oder Besprechungen hinzugezogen. Hier wurde die Kompetenz von Schulleitung bei einem derart wichtigen Thema wieder einmal nicht einbezogen.

Derzeit sind aus Schulleitungs-Sicht viele Fragen noch ungeklärt:

Für die zusätzlichen Unterrichtsbesuche wird mehr Leitungszeit verbraucht. Angesichts der weiterhin großen Überlastung der Schulleiter bleibt die Frage offen, in welchem Ausmaß und in welcher Form Schulleiter dafür entlastet werden.

Welche Kriterien werden vorgegeben bei der Beurteilung, welche können je nach Schulsituation vor Ort vom Schulleiter gestaltet werden? Gilt Dienstalter als wichtigstes Kriterium, dann resignieren die jüngeren Kollegen.

Gelten die zuletzt erreichten Leistungsstufen, dann bleibt offen wie oft eine besonders gute Stufe erreicht wurde oder ob nur die zuletzt erreichte Stufe zählt.

Welche Kriterien sind innerhalb der dienstlichen Beurteilung dann wichtiger: Unterrichtsplanung, -gestaltung und –erfolg oder der v.a. bei älteren Lehrkräften so wichtige Bereich des erfolgreichen erzieherischen Wirkens oder der im Kollegium eminent bedeutsamen Zusammenarbeit samt Einbindung neuer Kollegen?

Werden die vorgesehenen Stufen-Bewertungen in allen Bereichen der dienstlichen Beurteilung arithmetisch berechnet oder kann auch eine andere Gesamtbewertung erfolgen?

Wird diese Beurteilung aller Lehrkräfte in die ansonsten unverändert weitergehende Regelbeurteilung mit eingehen oder sie im Jahr 2009 einfach ersetzen? Diese Frage betrifft den Arbeitsaufwand von Schulleitern für Unterrichtsbesuche und Nachbesprechungen im eklatanten Maß.

Ein gemeinsamer Besuch aller Lehrkräfte von Schulleitung und Schulrat ist aus Zeitgründen nicht möglich. Wer wählt die zu besuchenden Lehrkräfte aus? Bei welchen Lehrkräften kommt der Schulrat zusätzlich?

Und vor allem: Wer erledigt die Arbeit in der Schule und im Schulamt im Januar bis März 2009, wenn Schulleiter und/oder Schulrat ständig auf Unterrichtsbesuchen unterwegs sind oder in Nachbesprechungen vertieft???  

Zudem sind Schulräte ab Ende Januar in Einzel- und Doppellehrproben eingebunden und schon bisher kaum erreichbar wegen der vielen, Zeit fressenden Termine (pro Lehrprobe fast einen kompletten Vormittag).

Die aktuelle Unsicherheit über die zu erwartenden bildungspolitischen Neuvorgaben und die Entscheidungen für die kommenden Leistungsbeurteilungen irritiert und lähmt Lehrkräfte wie Schulleitungen.

Der Verwaltungsaufwand und die Rechenschaftslegungen verbrauchen immer mehr Zeit. Seit Jahrzehnten fordert der BSV eine bessere Schulverwaltungs-Software, die mehr für Entlastung sorgt statt weitere Abfragen abfordert. Seit Jahrzehnten fordert der BSV mehr Vertrauen in die Schulleitungen, die in ihrer Schule Bildung und Erziehung gemeinsam mit den Lehrkräften optimieren wollen anstatt Misstrauen zu spüren durch immer mehr Rechenschaftslegungen und Statistiken, in denen jede einzelne Lehrerstunde belegt werden muss.  

Entscheiden über die Höherbesoldung letztlich doch wieder die Schulräte oder können Schulleiter für ihre Schule Lehrkräfte „setzen“?

Last not least: Wenn Lehrkräfte in A12,5 oder in A13 aufsteigen, wie stark sinkt dann die Motivation für Lehrkräfte, sich überhaupt noch für ein Konrektoren-Amt zu bewerben?

Erst 2011 soll die Abstandswahrung beim Gehalt von Vorgesetztem und Mitarbeiter nachgeführt werden. Die Demotivation der Schulleitungen – von A12+Z bis A14 – ist vorprogrammiert: Die derzeitigen Konrektoren und Rektoren der Gehaltsklassen A12+Z und A13 sehen der Lohn-Erhöhung ihrer Lehrkräfte hilflos zu, wie diese gehaltsmäßig an ihnen vorbeiziehen. Wurde dies bedacht?

Wir fordern deshalb, die Abstandswahrung auch ab September 2009 einzuführen und die Schulleitungen entsprechend höher einzustufen!

Wir sehen ansonsten die ohnehin schon mäßigen Bewerberquoten weiter abrutschen und die Arbeits- und Leistungsmotivation von Konrektoren und Schulleiter in großer Gefahr!

Werner Sprick, Landesvorsitzender