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September 2006

Presseartikel September 2006 - ausgewählt und zusammengestellt von Helmut Schuster   

 

„Der Zorn des PISA-Siegers“
Die Minister Goppel und Schneider verteidigen die Bildungspolitik des Freistaates gegen OECD-Kritik
„... So hob Schneider hervor:„Wer unter dem vermeintlichen Stichwort Bildungsqualität einseitig die Zahl der Abiturienten am Gymnasium und die Hochschulabsolventen in den Blick nimmt, der verkennt die enormen Leistungen, die in der dualen Ausbildung erbrachte werden.“ Zehn Prozent der beruflichen Ausbildungsangebote hierzulande seien in anderen Ländern Studiengänge, schätzte er. ... Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt steht der Freistaat mit 2,6 % der öffentlichen Ausgaben für Bildung jedoch schlecht da. Der Bund kommt auf 3,1 %, die OECD sogar auf 3,8 %.“  
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 20.09.2006

Fünf Jahre Grundschule
„In der CSU gibt es nach Informationen der Süddeutschen Zeitung die Überlegungen, die Grundschulzeit um ein Jahr zu verlängern. Statt des letzten Jahres in den Kindergärten sollen die Kinder ein Jahr länger in die Grundschule gehen. ...Im aktuellen Landeshaushalt wurden dafür keine Mittel eingeplant. Die CSU-Fraktion denkt jedoch über Modellversuche nach. ...“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 20.09.2006
Anmerkung der Redaktion: Fünf Jahre Grundschule sind tatsächlich eine gute Lösung, die dem bayerischen Schulsystem schon in 2 – 3 Jahren ausgezeichnet weiterhelfen könnte. Aber wer kommt auf die Idee, bei den jetzt herrschenden Bedingungen mit tausenden Klassen zwischen 25 und 30 Kindern an den Grundschulen dort auch noch die nichtschulreifen fünfjährigen Kindergartenkinder unterzubringen? Dafür ist weder der Bedarf noch die Möglichkeit. Nur schulfähige Kinder dürfen dort aufgenommen werden und der Übertritt an alle weiterführenden Schulen soll nach 5 Grundschuljahren erfolgen, hochbegabte können das auch in vier Jahren gut schaffen. Die Kindergärten sind gerade mit großem Erfolg dabei, ihre Bildungsarbeit zu verbessern. Ein letztes Kindergartenjahr verpflichtend und kostenlos passt deutlich besser in die reale Bildungslandschaft.

Ganz vorne, ganz früh, ganz unten
„...Erfreulich anders kommen die Ideen daher, die die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) nun für eine Klientel machen, die auf den ersten Blick gar nicht die ihre ist: für die Kindergartenkinder zwischen drei und sechs Jahren. Doch was bei den Kleinen versäumt wird, rächt sich später bei den Größeren – und deshalb ist es nur konsequent, wenn die Arbeitgeber nun eine erhebliche Stärkung der frühkindlichen Bildung fordern. „...(Der Kindergarten) ...müsse zur Basis und ersten Stufe des Bildungssystems werden. ...Auf dieser Basis sollen alle aufbauen – weshalb die Arbeitgeber sich für zumindest ein obligatorisches und gebührenfreies Vorschuljahr im Kindergarten aussprechen, ... Aus Sicht der Wirtschaft ist auch für den Kindergarten ein verbindlicher Lehrplan notwendig; er soll neben Sprachförderung zum Beispiel auch einen ersten Umgang mit Zahlen und Naturphänomenen beinhalten. ...Um der gewachsenen Bedeutung des Kindergartens gerecht zu werden, müssen die Erzieherinnen besser aus- und fortgebildet werden, und zwar ebenso wissenschaftlich wie praxisnah. ...Ihr Vorschlag wird manchem nicht schmecken, doch setzt er auch den richtigen Hebel an: Statt in die Hochschulen und Gymnasien, die überproportional viel Geld erhielten, solle lieber in die Kindergärten investiert werden....“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 14.08.2006

Städtetag will mehr Geld für Ganztagsschulen ausgeben
„..Die Städte und Gemeinden erwarteten zu Recht vom Freistaat, dass er sie beim Ausbau der Ganztagsschulen unterstütze und die in Aussicht gestellte Förderquote von 90 % einhalte, sagte Schaidinger. ... Der Städtetagsvorsitzende erinnerte daran, dass die vom Bund aus dem Investitionsprogramm „Zukunft, Bildung und Betreuung“ dem Land Bayern zur Verfügung gestellten Mitteln in Höhe von fast 600 Millionen € mittlerweile vollständig ausgeschöpft seien. Der Freistaat habe einen erheblichen Teil dieser Gelder für den zusätzlichen Ausbau des achtjährigen Gymnasiums ausgegeben, um seinen eigenen Haushalt in dreistelliger Millionenhöhe zu schonen.“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 20.09.2006

Acht Prozent der Kinder sind nachmittags alleine
„Acht Prozent der 9- bis 14-Jährigen ist nachmittags oft oder immer allein zu Haus. Zwei Prozent der befragten Kinder gaben an, auch abends häufig ohne Aufsicht zu sein. Für die Erhebung wurden vom ProKidsInstitut Herten 2300 Schüler in zehn Kommunen befragt.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 14.07.2006

Lehrer sind reformbereit
„Die Lehrer in Deutschland sind nach dem PISA-Schock für grundsätzliche Schulreformen offen und wollen sich weiteren bundesweiten Leistungstests nicht verweigern. ...Mit 56 Prozent spricht sich erstmals eine Mehrheit unter den Pädagogen für ein längeres gemeinsames Lernen der Kinder über die vierjährige Grundschulzeit hinaus aus – so wie dies in allen erfolgreichen PISA-Staaten üblich ist. 1998, bei der ersten Lehrerbefragung durch das Institut, waren dies erst 24 %. ...“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 13.06.006

Schulleiter
„Berlins Schulleiter erhalten ab dem kommenden Schuljahr mehr Spielraum zur Umsetzung der weit reichenden Reformen des Berliner Schulgesetzes. So sinkt die Unterrichtsverpflichtung von Schulleitern auf maximal zehn Stunden pro Woche. Dazu treten je nach Größe der Schule weitere Ermäßigungen. Schulleiter gelten als Garanten für die Eigenverantwortung der Schulen, die sich eigene Profile und Programme geben und sich nach ihrem Umfeld öffnen. Sie haben neue verantwortungsvolle Aufgaben z.B. in der Personalführung erhalten. Die Neuerung für die Schulleiter würdigt trotz der angespannten Haushaltslage deren zentrale Bedeutung im Reformprozess.“
Quelle: Schulmagazin 5 bis 10, 7/8 2006
Anmerkung der Redaktion: Wenn sich daran nun Bayern kein Beispiel nimmt, entlarvt sich all das oft geäußerte Verständnis und die Versprechen, das wir uns seit vielen Jahren anhören, als hohles Gerede, das Verantwortungslosigkeit gleichkommt. Wenn Berlin sich diese völlig notwendige Investition trotz seiner katastrophalen Schuldenlage leistet, darf das in Bayern kein Jahr länger mehr auf sich warten lassen!

Schmerzensgeld
Baden-Württemberg will Hauptschullehrer besser bezahlen
„Traf sie früher der Neid, begegnet heute vielen Lehren Mitleid. Zumindest wenn sie an Hauptschulen unterrichten, mag kaum jemand den Beruf mit ihnen tauschen. ...Weil aber gerade die Schulen in Problemvierteln gute Pädagogen brauchen, planen Politiker, den Job attraktiver zu machen. Baden Württembergs Finanzminister Gerhard Stratthaus und Kultusminister Helmut Rau (beide CDU) wollen eine Reform der Beamtenbesoldung ... dafür nutzen, leistungsstarke Lehrer besser zu bezahlen – eine Art Schmerzensgeld. ...Bisher wurden Grund- und Hauptschullehrer nach der Besoldungsgruppe A 12 bezahlt, das entspricht einem Einstiegsgehalt von monatlich 2560 €. Wer am Gymnasium unterrichtet, steigt dagegen mit A 13 (2880 €) ein, wird aber später in der Regel befördert und erreicht als Oberstudienrat A 14. Die fehlenden Aufstiegschancen für Grund- und Hauptschullehrer hält der Bundesvorsitzende des Beamtenbundes, Peter Heesen, für unzumutbar: „Das ist keine Laufbahn, das ist ein Laufstall!“
...“Die Besoldungsreform müsse aufkommensneutral sein,“ sagt Stratthaus. „Wir wollen nicht mehr Geld ausgeben, sondern es gerechter verteilen.“ Die Details sind noch in Arbeit.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 14.08.2006

„Spitzenbelastung“
Neue Studie zum Lehrerberuf
Lehrer zu sein, ist eine „Spitzenbelastung“. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Freiburger Mediziners Joachim Bauer, der seit Jahren die Gesundheit von Lehrern erforscht. Fast 30 % der Pädagogen litten an Stress- und Belastungssymptomen ... Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit betrage 51 Zeitstunden, dabei wurden Ferienzeiten allerdings nicht berücksichtigt. ... Doch 43 % seien das Ziel massiver verbaler Attacken gewesen, 7 % hätten Beschädigungen ihres Eigentums erlebt. ... Es handle sich um einen „Beziehungsberuf“, doch viele Lehrer hätten Probleme, sich mit schwierigen Schülern und Eltern auseinander zu setzen.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 18.07.2006

„Noch drei Jahre Weihnachtsgeld“
„Nach dem Tarifabschluss im Öffentlichen Dienst bekommen nun auch Bayerns Beamte mehr Geld. Wie Finanzminister Kurt Faltlhauser ... mitteilte, werde für sie die Ende 2006 auslaufen-de Weihnachtsgeldregelung um drei Jahre verlängert. ...Zusätzlich bekommen sie für die Jahre 2006 und 2007 jeweils 250 € als Einmalzahlung. „Das war ein teures Gespräch“ – ihn koste die Einigung 650 Millionen € zusätzlich im Jahr. Dies sei aber gerechtfertigt, zumal die Beamten unter anderem weiter 42  Wochenstunden arbeiteten.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 29.06.2006
Anmerkung der Redaktion: Angesichts der Tatsache, dass wir Beamten in Bayern von 2005 bis 2008 keine weitere Lohnerhöhung bekommen haben, also nicht einmal den Inflationsausgleich, und die Tarifabschlüsse in vielen Wirtschaftsbereichen allein im Jahr 2006 oft mehr als 3 % Lohnerhöhung beinhalteten, darf man die Einmalzahlungen an die treuen Staatsdiener allenfalls als „milde Gaben“ bezeichnen. Angesichts der Arbeitszeiterhöhungen, der Streichung des Urlaubsgelds und der Kürzungen beim Weihnachtsgeld im Jahr 2004 müsste den Verantwortlichen eigentlich Schamröte ins Gesicht steigen. Aber so lange sich die Beamten Bayerns das so ruhig gefallen lassen, warum sollte der Sparkurs bei ihren Löhnen von der Staatsregierung in Frage gestellt werden?

Streikrecht nehmen
„Massive Kritik sowohl an der Staatsregierung als auch an der großen Koalition übten die in der Gewerkschaft ver.di organisierten Oberpfälzer Beamten bei ihrer Bezirkskonferenz im Schwandorfer Schützenheim. „Stoiber und Merkel machen die Beamten zu Sparschweinen der Nation“, sagte Ulrich Kreillinger, Vorsitzender des Landesbeamtenausschusses. „...das höchste deutsche Arbeitsgericht hat auch deutlich gemacht, dass ohne echte Verhandlungen die Forderungen lediglich ein kollektives Betteln sind.  Für ver.di sei damit klar, dass sich die Beamten ihr Streikrecht nehmen müssen.“„
Quelle: Neuer Tag, 28.06.2006

Direktor Schrägle voll rehabilitiert
„Der vom Kultusministerium zwangsversetzte ehemalige Schulleiter Friedrich Schrägle darf an sein altes Gymnasium in Laufen zurückkehren. ...“An der Vollziehung eines rechtswidrigen Verwaltungsakts kann kein öffentliches Interesse bestehen,“ argumentierten die Richter. Schrägle stehe ein Anspruch auf Rehabilitierung zu. ...“
Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr. 213, 2006

Kein Geld: Baden es die Schüler aus?
„Müssen die Burgweintinger Hauptschüler auf Ganztagsräume und Lernwerkstatt verzichten? Regensburg bleibt auf 830.000 € Ausstattungskosten sitzen: Fördergelder aus dem Investitionsprogramm IZBB, mit denen die Planer fest gerechnet haben, bleiben aus. ... Wie das Kultusministerium eingeräumt hat, ist der IZBB-Topf leer, früher als geplant. ...Dennoch ärgern sich die Bauherren: Der Geldhahn wird nämlich nur Volks- und Realschulen zugedreht, nicht aber Gymnasien. Ein Teil der Umbauten sei mit der Einführung des achtstufigen Gymnasiums verknüpft, ..., deshalb müsse der Freistaat hier nach dem „Konnexitätsprinzip“ (wer anschafft, zahlt) einspringen. Das Grundproblem liegt in der Umverteilung: „Der Freistaat finanziert die Einführung des G 8 mit IZBB-Geldern für die Ganztagsschulen. Das IZBB-Geld aber sei für die Kommunen, nicht für den Staat gedacht gewesen.“
Quelle: Mittelbayrische Zeitung, 07.09.2006

4400 neue Lehrer in Bayern
Staat besetzt mit ihnen aber nur freigewordene Stellen

„...Dabei handelt es sich nicht um neue Stellen, sondern um solche, die im Zuge der Fluktuation an den 4000 Schulen frei werden – überwiegend wegen Schwangerschaften und Pensionierungen. ...Allerdings findet eine Umverteilung zwischen Volks- und weiterführenden Schulen statt. So treten die Grund- und Hauptschulen 400 Stellen an Realschulen und Gymnasien ab, da diese unter besonders hohen Klassenstärken leiden. Überdies erhalten die weiterführenden Schulen ab September 2006 200 wirklich neue Stellen. Trotz des Lehrermangels kommen bei einzelnen Schularten nicht alle Lehramtsanwärter zum Zug. Für die Grundschulen werden von 1595 Bewerbern nur 1077 in den Schuldienst übernommen, bei den Realschulen werden von 707 Kandidaten 510 eingestellt und bei den Gymnasien erhalten von 1192 Lehramtsabsolventen 973 einen Vertrag.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 15./16.07.2006
Anmerkung der Redaktion: Volksschulen – ewiges Aschenputtel bayerischer Bildungspolitik?

Mein Augenmerk gilt Problemschülern
Kultusminister Schneider setzt auf eine stärkere Individualisierung (aus SZ-Interview)
„Jeder, der die Hauptschule verlässt, soll über Kernkompetenzen im Wissen, Arbeits- und Sozialverhalten verfügen, die für einen guten Einsteig ins Berufsleben notwendig sind. Dazu wollen wir den Unterricht modularisieren.“
„Das ist auch mein langfristiges Ziel, dass bei rückläufigen Schülerzahlen; die wir noch nicht haben, ein Teil der Ressourcen (Lehrerstellen! Die Red.) an den Schulen verbleibt.“ ...“Ich will auf die 10 bis 15 % Problemschüler verstärkt das Augenmerk richten. Ich bin überzeugt davon, dass wir etwas verändern werden, wenn wir den Jugendlichen mehr Zeit geben, Grundlagen zu lernen. ...“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 08.09.2006

Hauptschulen immer unattraktiver
Schon wieder 15.000 Schüler weniger
„Der Niedergang der Hauptschulen setzt sich ungebremst fort. Im neuen Schuljahr wird die Zahl der Hauptschüler um mehr als 15.000 auf 265.187 Schüler sinken, wie Kultusminister Schneider ... bekannt gab. Das ist ein Rückgang von 5 %. Schneider schloss Schulschließungen im Laufe der nächsten Jahre nicht aus. “
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 9./10.09.2006

Personal- und Finanznot an Hauptschulen wird zum großen Problem
Ein vernünftiges Angebot ist nicht mehr möglich
 „Der Lehrermangel an den Münchner Hauptschulen spitzt sich zu. In diesem Schuljahr fehlen an 44 Schulen 47 Lehrer. Das Schulamt will den Mangel durch Einsatz von Grundschullehrern beheben, sofern diese allerdings überhaupt den Dienst antreten. Wie massiv die Probleme sind, beschreibt die Vorsitzende des Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverbandes Waltraud Lucic. ...Das Kultusministerium hat das durchaus erkannt. Das Problem ist aber, dass Lösungen nichts kosten dürfen und damit kommen wir nicht weiter.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 18.09.2006

In Hauptschulen geht der Frust um
Dramatische Mangel an Lehrstellen für Schulabgänger
“...Die Bundesanstalt für Arbeit stecke jährlich 1,6 Milliarden € in die Finanzierung von Warteschleifen wie berufsvorbereitende Maßnahmen für Schulabgänger. Ein Teil dieses Geldes sei aber besser in Förderprogrammen innerhalb der Schulen angelegt.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, Nr.141 2006

Ausgereizt
Von 800.000 tätigen Lehrern gehen in den nächsten 12 Jahren insgesamt 350.000 in den Ruhe stand. …Doch bisher sind die Kultusminister eine Antwort darauf schuldig geblieben, wie sie 40 % des Lehrerbestandes ersetzen wollen. …Die Spielräume sind ausgereizt. Auch eine pauschale Lehrerwerbung bringt keine Lösung: Ein Lehrer braucht mindestens drei, höchstens sieben Jahre für seine Ausbildung. Doch wer will Lehrer werden? Die PISA-Studie hat Deutschland immer wider bescheinigt, dass die Lehrer hierzulande geringen Rückhalt in der Gesellschaft genießen. … Die Kultusministerkonferenz hat personalpolitisch versagt. ….“
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09. 2006

Tabu: Fernseher im Kinderzimmer
„...Während einige Faktoren, die zu Übergewicht führen, nicht beeinflussbar sind (Erbanlagen, Hormonstörungen), könne man bei anderen durchaus eingreifen. So wisse man aufgrund von Studien: kindlicher Fernsehkonsum wirkt sich negativ aus – und zwar auf die sprachliche und motorische Entwicklung, aber auch auf das Gewicht. Besonders gravierend ist dies, wenn die Kleinen im Kinderzimmer einen eigenen Fernseher haben. ...Das Risiko von  Kindern, die mehr als vier Stunden am Tag fernsehen, übergewichtig zu werden, ist fast dreimal so hoch wie das der Kinder, die weniger als zwei Stunden täglich vor der Mattscheibe (oder auch am PC) sitzen. ...“
Quelle: Neuer Tag, 07.08.2006

Ausländer im Nachteil
“Die Chancen junger Ausländer auf einen Ausbildungsplatz sind nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes in den vergangenen Jahren stetig gesunken. ...Von den 1,55 Millionen Lehrlingen im vergangenen Jahr hatten 67.600 (4,4 %) einen ausländischen Pass. ... 1994 waren noch 8 % der Azubis Ausländer.“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 26.07.2006

Warum Deprag bei der Ausbildung auf Hauptschüler setzt
Motivation und gute Noten ebnen Weg bis in die Führungsetage des Werkzeug-Herstellers/Stellen-Situation verbessert sich
„Ein mittlerer oder höherer Bildungsabschluss wird von vielen Arbeitgebern heutzutage bei der Lehrstellensuche vorausgesetzt. Begründet wird dies mit Anforderungen im Beruf, die mit dem Rüstzeug, das man auf der Hauptschule mitbekommen hat, nicht zu schaffen ist. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) will diesen vielfachen Irrtum über knapp der Hälfte der Lehrlinge korrigieren. ...Paradebeispiel sei das Amberger Traditionsunternehmen Deprag, das nach Aussage des geschäftsführenden Gesellschafters Dr. Rolf Pfeifer ein klassisches, weltweit tätiges Produktionsunternehmen ist. „Wir bauen auf Lehrlinge mit Hauptschulabschluss, die wir für den eigenen Bedarf und darüber hinaus in der Firma ausbilden. Wir haben durchwegs beste Erfahrungen gemacht.... Der Ausbildungsmeister des Spezialisten für druckluftgetriebene Präzisionswerkzeuge, Gerhard Hollweck, sagt aus Erfahrung, dass ein guter und motivierter Hauptschüler mehr zum leisten vermag als ein mittelmäßiger Realschüler. Ein vor einigen Jahren als Lehrling beschäftigter Hauptschüler sei heute bei Deprag als DiplomIngenieur in verantwortlicher Position tätig. ...“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 23.09.2006

Engagierte Lehrer und bessere Schüler
 „...Die Entwicklung des staatlichen Schulsystems bereitet immer mehr Eltern in Deutschland Sorge – und lässt die Schülerzahlen an Privatschulen steigen. „Dort sind die Schüler Kunden, die Lehrer sind engagierter und die Ausstattung ist oft komfortabler. Unterrichtsausfall sei an den meisten freien Schulen ein Fremdwort. ...Die Zahl privater Bildungseinrichtungen in Deutschland steigt stetig. ...“Die meisten Privatschulen haben drei mal so viele Bewerber wie freie Plätze“, sagt VDP-Sprecher Martin Kunze.“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 24.08.2006

Stimmprobleme
„Ein Großteil der künftigen Lehrer hat Stimmprobleme. In einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Leipzig waren von 5357 Lehramtsanwärtern fast 40 % stimmlich auffällig. Bei 17 % der Nachwuchspädagogen fiel die Stimme so stark aus dem Rahmen, dass sie zu einer eingehenden Untersuchung bei einem Phoniater, einem Stimmarzt, geschickt werden mussten. Fast jeder 6 Proband habe gelispelt, einige hätten gestottert oder genäselt ... Ohne professionelle Behandlung gingen Pädagogen, die eine auffällige Stimme haben, auch gesundheitliche Risiken ein.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 24.07.2006

Weniger Geld, weniger Weiterbildung
Deutschland schneidet im internationalen Vergleich bei Finanzen und Schulen schlecht ab
Deutschland investiert deutlich weniger in Bildung als die meisten Industrieländer: Insgesamt sind die Ausgaben für Bildung in den OECD-Ländern zwischen 1995 und 2003 stark gestiegen, an den Schulen um 29 % und an den Hochschulen sogar um 37 %. In Deutschland dagegen erhielten die Schulen nur 8 % und die Hochschulen 14 % mehr Geld. Der Anteil aller öffentlichen Ausgaben am BIP lag 2004 bei 5,3 % und damit unter dem OECD-Durchschnitt von 5,9 %. Island gibt 8 % seines BIP für Bildung aus, Südkorea und die ... USA jeweils 7,5 %. Die OECD-Länder wandten 2003 im Durchschnitt 13,3 % aller öffentlichen Ausgaben für die Bildung auf, Deutschland nur 9,7 %. Die Bildungsausgaben werden falsch verteilt. ...An den Grundschulen wurden im Jahr 2004 nur 4624 Dollar pro Schüler ausgegeben, damit liegt Deutschland 800 Dollar unter dem OECD-Schnitt und nur auf Platz 20 der Industrieländer. ... An beruflichen Weiterbildungen nahmen in Deutschland nur 12 % der 25 – bis 64-Jährigen teil, im OECD-Durchschnitt dagegen 18 %. ...““
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 13.09.2006

520.000 Schüler in einem Jahr beim Schulsport verletzt
Fußball, Basketball oder Handball bergen für Schüler ein besonderes Verletzungsrisiko. ... Doch je mehr sich die Kinder bewegen, desto geringer wird das Unfallrisiko. ...Sport und Bewegung förderten neben der Geschicklichkeit auch das Reaktionsvermögen, die Koordination und die Wahrnehmung der Kinder. ... Nach Unfällen beim Skifahren oder Schlittschuhlaufen wurden deutlich öfter als bei anderen Sportarten eine Reha notwendig. Bundesweit sind insgesamt rund 10 Millionen Schüler bei Unfallkassen und den Verbänden der Gemeindeunfallversicherung versichert. ...In Deutschland kommt es pro Jahr zu rund 1,7 Millionen Unfällen mit Kindern. ...“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 09.06.2006

2,5 Millionen Kinder auf Sozialhilfe-Niveau
„... Die Zahl der armen Kinder habe sich seit 2004 mehr als verdoppelt. Von 15 Millionen Kindern hätten 2,5 Millionen kaum Bildungschancen und lebten mit einem hohen Gesundheitsrisiko. Bundesfamilienministerin Ursula von Leyen (CDU) zeigte sich von den Zahlen aufgeschreckt. Sie zeigten vor allem eins: „Nicht Kinder machen arm, sondern Kinder leben in Armut, weil ihre Eltern keine Arbeit haben.“ “
Quelle: Süddeutsche Zeitung, Nr. 172, 2006

Deutschland hat die meisten offenen Stellen
„In Deutschland sind nach Einschätzung von Wirtschaftsforschern so viele Arbeitsplätze unbesetzt wie sonst nirgends in Europa. Derzeit seien etwas 1,3 Millionen Stellen nicht vergeben. Das Institut erklärte, dass es in Deutschland schwierig sei, Jobsuchende und Arbeitsplätze zusammenzubringen, etwa weil Arbeitslose nicht zu einem Umzug bereit seien oder Ältere nicht an einem anderen Ort noch einmal von vorne anfangen wollten.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, Nr. 172, 2006
Anmerkung der Redaktion: Die meisten offenen Stellen und die hohen Arbeitslosenzahlen: Wie passt das zusammen? Es bewegt sich zu wenig in Deutschland! Viele haben es wohl auch nicht nötig!

Soziales Jahr bei jungen Menschen beliebt
„In Bayern steigt die Zahl der jungen Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FJS) ableisten. Seit September vergangenen Jahres beteiligten sich 2692 junge Leute an den Programm, wie Sozialministerin Christa Stewens mitteilte. ...Sie bedauerte, dass die Zahl der Interessenten die der verfügbaren Plätze bei weitem übersteige. Der Ausbau werde aber weiter gefördert. ...“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 09.08.2006

Arbeiterstunde kostet 28 Euro
Die Arbeitskosten in Westdeutschland sind die dritthöchsten in der Welt. ... Bei vielen anderen großen Wettbewerbern auf dem Weltmarkt liegen die Kosten für Löhne und soziale Zusatzleistungen dagegen nur bei 18 bis 21 Euro. Eine Arbeiterstunde kostete beispielsweise in den USA 19,27 € und in Japan 17,90 €. ... Kostentreibend sind hier zu Lande vor allem die Personalzusatzkosten, unter anderem die Sozialbeiträge der Arbeitgeber ... .Danach machen die Personalzusatzkosten in Deutschland immerhin fast 44 Prozent der gesamten Arbeitskosten aus. In den USA und Großbritannien sind es nur gut 30 %....In Italien und Frankreich ist der Anteil dagegen mit gut 48 % höher als in Westdeutschland.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 09.08.2006

Im Schnitt 40642 Euro
„Arbeitnehmer mit einem Vollzeitjob haben 2005 in Deutschland brutto durchschnittlich 40.642 € verdient, 2,1 % mehr als 2004, wie das Statistische Bundesamt ... berichtete. Die Spanne reicht von 12.155 € bei Arbeiterinnen im Wirtschaftszweig „Holzwaren“ in den neuen Ländern bis hin zu 72.369 € bei den Angestellten in der Herstellung von Zigaretten.“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 15./16.07.2006
Anmerkung der Redaktion: 2,1 % mehr im Schnitt und das bei 0 % für die Beamten! Bei legalen Drogen den 6-fachen Verdienst wie bei harter, ehrlicher Holzarbeit? Es ist nicht leicht, in den Schulen den Kindern das Ideal von leistungsgerechter Bezahlung zu vermitteln.

Lehrer muss nicht zahlen
„Lehrer dürfen nicht dazu verpflichtet werden, Schulbücher selbst zu finanzieren. Das hat das Verwaltungsgericht Münster (Az:3L471/06) entschieden. ... Den Angaben zufolge stellen Schulbuchverlage nicht mehr wie früher kostenlose Lehrerexemplare zur Verfügung. Deswegen hatte die Schule den Lehrer dazu verpflichten wollen, sich die Bücher selbst zu kaufen. Als der Pädagoge sich weigerte, wies ihn die Bezirksregierung per Verfügung an, sich die Lehrmittel selbst zu beschaffen. Dies sei jedoch rechtswidrig, weil der Behörde dafür die Rechtsgrundlage fehle.…….“
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.2006

Vertrauenslehrer
Gute Umfragewerte für Pädagogen
„Lehrer genießen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen weltweit ein hohes Vertrauen ... . Bei einer Befragung von insgesamt 20.000 Menschen in 19 Staaten hielten 81 % die Lehrer für „vertrauenswürdig“, in Deutschland liegt der Wert mit 77 Prozent leicht unter diesem Durchschnitt. Besonders stark – mit 92 Prozent – ist der Wert bei den Pisa-Siegern in Finnland. Insgesamt stehen nur Ärzte etwas besser da als die Lehrer; Juristen, Journalisten, Topmanager und Politiker liegen dagegen in allen Ländern hinten. Politiker halten 17 % für vertrauenswürdig, in Deutschland sogar nur 10 Prozent!…….“
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2006
Anmerkung der Redaktion: Grund genug, selbstbewusster aufzutreten! 77 % vertrauen uns, nur 10 % den Politikern. Machen wir mehr daraus!

Zahlzwang
Die Lernmittelfreiheit schwindet
„Eltern werden immer mehr für Schulbücher zur Kasse gebeten. .... Nach der vom Branchenverband Bildungsmedien herausgegebenen Statistik wendeten Länder und Kommunen im vergangenen Jahr etwa 230 Millionen € für Schulbücher auf. Vor 15 Jahren seien es noch 400 Millionen € gewesen. Nach Angaben des Verbands übertrafen 2005 die Privatausgaben für Schulbücher und Unterrichtssoftware mit 240 Millionen € erstmals die staatlichen Ausgaben.“
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2006

Jugendliche rauchen weniger
Neue Studie zum Tabakkonsum
„Junge Menschen greifen immer seltener zur Zigarette. .... Vor allem in der Gruppe zwischen zwölf und fünfzehn Jahren gebe es einen starken Anstieg der „Nie-Raucher“. Im vergangenen Jahr seien dies annähernd zwei Drittel gewesen. …Nur noch ein Viertel der Befragten im Alter zwischen zwölf und neunzehn Jahren hätten sich als ständige oder gelegentliche Raucher bezeichnet. Das sei der niedrigste Wert seit Beginn der Untersuchungen im Jahre 1979. ... Die Studie zeige auch, dass der größte Teil der Kinder und Jugendlichen durch Nichtraucherkampagnen erreicht wurden….“
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07. 2006
Anmerkung der Redaktion: Ein große Lob an die Aktion „Be smart – don`t start!“

Machtstreben hemmt Mitarbeiter
„Die meisten Chefs wünschen sich Mitarbeiter, die mitdenken. Doch sind sie in den meisten Fällen nicht bereit, ihnen auch den nötigen Handlungsspielraum einzuräumen. ... Der Studie zufolge ist persönliches Machtstreben von Führungskräften die Hauptbarriere für unternehmerisches Engagement deutscher Mitarbeiter. Laut Untersuchung sind 50 bis 70 Prozent der Führungskräfte nicht bereit oder in der Lage, Verantwortung abzugeben und die Eigenständigkeit ihrer Mitarbeiter zu fördern. Deshalb wenden die Mitarbeiter einen Großteil ihrer Energie darauf, nicht aufzufallen, sich in die Machtstrukturen einzufügen und so ihren Arbeitsplatz zu sichern ... “
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.2006

Computersüchtige Kinder driften aus der Realität ab
Fachleute warnen: Exzessiver Gebrauch hinterlässt Spuren im Gehirn
„Exzessiver Gebrauch von Computer und Handy hinterlässt im Gehirn von Kindern tiefe Spuren. Den Betroffenen drohe sogar der Verlust des Realitätssinns, warnte der Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther ...“Ist dieser Prozess weit fortgeschritten, finden sich die Kinder und Jugendlichen in der realen Welt nicht mehr zurecht. Schätzungen zufolge sind allein in Deutschland mehr als 100.000 junge Menschen computersüchtig. Die Veränderungen im Gehirn beschreibt der Neurobiologe so: Anfänglich dünne Verbindungswege würden durch intensive Nutzung immer dicker und seien am Ende gar wie Autobahnen, Betroffene müssten letztlich nur noch einen Computer sehen und hätten schon das Bedürfnis, sich davor zu setzen. Mit jeder Stunde aber, die Kinder vor dem Computer verbrächten, fehle ihnen eine Stunde, um ihr Gehirn für die Anforderungen im wirklichen leben weiterzuentwickeln...  Diese positiven Reize führten zur vermehrten Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin im Vorderhirn und wie beim Konsum von Drogen zum ersehnten Glücksgefühl. Als Folge entsteht nach Angaben der Wissenschaftler ein „Suchtgedächtnis“, was bei mehr als jedem zehnten Computerspieler der Fall ist.“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 19.09.2006

Kleine Klassen, große Wirkung
 „Kinder, die während der Grundschule in kleinen Klassen unterrichtet werden, erreichen später bessere Schulabschlüsse. Dies ergab eine großangelegte Untersuchung von Wissenschaftlern der Universitiy at Buffalo im Bundesstaat New York. Die Forscher verfolgten in ihrer Studie den Werdegang von fast 5000 Schülern von der Vorschule. Bis zum Ende der High School. Nach dem Zufallsprinzip waren die Schüler am Anfang der Vorschule entweder einer kleinen Klasse (13 bis 17 Schüler) oder einer normal großen Klasse (22 bis 26 Schüler) zugeteilt worden. Das überraschende Ergebnis nach 13 Beobachtungsjahren: Von den Kindern, die im Grundschulalter vier Jahre lang in einer kleinen Klasse gelernt hatten, erreichten 15 % mehr einen High-School-Abschluss. Bei Schülern aus ärmeren Familien war der Effekt besonders groß: Bei ihnen stieg die Schulabschlussrate um 25 Prozent.. ...“
Quelle: Spiegel 20/2005, 14.20.05.05

Ausgewählt und zusammengestellt von Helmut Schuster