Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich einverstanden mit den Datenschutzbedingungen.

Presse 2007 Januar bis April

Ausgewählt und zusammengestellt von Helmut Schuster

 

Baustelle Bildungswesen/ Hessen…

„… Kochs drittes Reformprojekt betrifft die Organisation der Schule selbst. Die Schulen sollen mehr Selbständigkeit und Eigenverantwortung bekommen. … In diesem Prozess soll die Stellung der Schulleitung als verantwortliche pädagogische und administrative Instanz noch weiter herausgehoben werden. Die Schulleitung soll in ihrer „Vorgesetztenfunktion“ gestärkt werden. Der Schulleiter soll, vom Unterricht weitgehend freigestellt, zum „Schulmanager“ werden, der das Lehrpersonal seiner Schule weitgehend selbst auswählt und das Budget seiner Schule weitgehend selbst verwaltet. Angesichts dieser Aufgaben, das gab Kultusministerin Wolff offen zu, ist die bisherige Besoldung der Schulleiter zu niedrig.
Argumentative Unterstützung holte sich die Landesregierung ….beim ehemaligen Rektor der Schweizer Universität St. Gallen, Rolf Dubs, der es als erwiesen bezeichnete, „dass Schulen mit mehr Selbständigkeit qualitative bessere Schulen sind, sofern die die staatlichen Rahmenbedingungen klar gesetzt sind und die Schulleitungen die Schulen führen.“
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2007

 

„Kleine Klassen“
Entlastung in Hamburg

„Hamburg will in Problemvierteln kleinere Schulklassen einrichten. Im kommenden Schuljahr sollen dort durchschnittlich 19 Kinder in einer Klasse sitzen, kündigt Schulsenatorin Alexandra Dinges–Dierig (CDU) an. Dies wären acht weniger als im Vorjahr. …“Quelle: Süddeutsche Zeitung, 02.04.2007

Die Rütli-Schule öffnet sich
Ein Jahr nach dem Brandbrief des Lehrerkollegiums hat ein neuer Rektor Schüler und Pädagogen motiviert
„…Vielfältige Aktivitäten wie Boxen, Tanzen oder Fußball haben die Rütli-Schüler auch zu besseren Leistungen und dem sozialen Miteinander geführt. Von Gewalt in Klassenzimmern und auf dem Schulhof ist keine Rede mehr. …Alles hängt an der Schulleitung, sagt Ilse Wolters vom Quartiersmanagement, die sich über einen starken Zugang an Kreativen in ihren Kiez freut und hofft, dass die Bildungsdebatte am Leben erhalten bleibt. …Wir haben im Augenblick Dampf drauf, sagt Schulleiter Dzembritzki. …“Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2007

 

Manager statt Oberlehrer
Unternehmer sollen künftig Schulleiter ausbilden

          

„Schulleiter haben längst mehr zu tun, als Unterricht zu    organisieren oder Lehrerkonferenzen zu leiten. Heute sollen sie das Bildungsunternehmen    Schule managen, sollen Budgets verwalten und Personal führen. Gelernt haben sie das nicht. Überspitzt gesagt, existiert das Berufsbild Schulleiter noch gar nicht. …Denn bislang werden sie vor allem wegen ihrer pädagogischen Fähigkeiten ausgewählt, und nicht aufgrund ihrer Führugnsfähigkeiten. Doch ein guter Lehrer ist eben noch lange kein guter Schulleiter. Deshlab startete Kultusminister Siegfried Schneider einen neuen Modellversuch an 53 Schulen in Bayern:
Aus Oberlehrern sollen nun echte Manager werden.
„Modus Führung“, kurz Modus F, heißt das neue Projekt, das das Ministerium gemeinsam mit der Stiftung Bildungspakt, einer Einrichtung der Wirtschaft, ins Leben gerufen hat. Mithilfe von Top-Managern aus der Wirtschaft sollen Schulleiter neue Führungsmodelle entwickeln. Der Direktor soll außerdem zu einer Chefpersönlichkeit ausgebildet werden, die ihr Kollegium coacht, Stabstellen einrichtet und Aufgaben delegiert. Wir müssen den Schulleiter von dem Wust an Aufgaben entlasten, sagte Schneider bei der Vorstellung des Modellversuchs. Das könne so weit gehen, dass Lehrer künftig die Beurteilung ihrer Kollegen übernehmen oder zumindest vorbereiten. …In Volks- und Realschulen könnte beispielsweise eine mittlere Führungsebene mit vier bis 8 Teamleiter entstehen. … Dem Schulleiter kommt in den neuen selbstverantwortlichen Schulen eine Schlüsselfunktion zu. Wir brauchen erprobte, überzeugende Modelle, betonte Schneider…. Überzeugungsarbeit allein wird aber wohl nicht genügen, denn Modelle wie „Modus F“ verlangen viel zusätzliches Engagement von Lehrern. Wenn sich hinterher nicht die Bezahlungsstruktur ändert, funktioniert das nicht, warnte deshalb Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Anreize will der Minister in der Dienstrechtsreform schaffen. Eine leistungsorientierte Bezahlung sei künftig ebenso vorstellbar wie zusätzliche Anrechnungsstunden für engagierte Lehrer.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 03./04.02.2007



Boom der Privatschulen
Jeder 14. Schüler besucht eine nicht-staatliche Einrichtung

„In Deutschland besuchen immer mehr Kinder Privatschulen. …Insgesamt sind es 873.000 Kinder und Jugendliche. Dies bedeutet einen Zuwachs um 2,9 % im Vergleich zum Vorjahr und von 52 % im Vergleich zu 1992….“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 29.12.2006

Eignungstests für Lehrer„“
Ministerin verlangt bessere Auswahl der Pädagogen
„Die Präsidentin in der Kultusministerkonferenz (KMK), Ute Erdsieck-Rave, fordert Eignungstests für angehende Lehrer Eine verpflichtende Eignungsprüfung sollte am Ende der Bachelor-Phase stehen, bevor die Studenten in den Masterstudiengang gehen, der direkt auf den Beruf vorbereitet, sagte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin. …Bei zu vielen Lehramtsstudenten gebe es derzeit problematische Einstellungsvoraussetzungen; sie hätte Defizite in der sozialen Kompetenz, und ihnen fehle die nötige Widerstandskraft für den Beruf. … Erdsiek-Rave sagte, viele erwarteten offenbar, der Lehrerberuf sei nicht schwer. Zu Unrecht sei der Eindruck entstanden, es handle sich um eine Halbtagsjob. In der Praxis seien aber dann viele geschockt, wie schwer und zeitintensiv die Arbeit sei. …“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 30.12.2006



Aufruf zu radikaler Bildungsreform
Alle Schulen sollen privat geleitet und die Lehrer nur noch befristet angestellt werden

„Führende deutsche Bildungsforscher verlangen einen revolutionären Umbau des Bildungssystems. Schulen sollen zwar staatlich finanziert, aber von privaten Trägern geleitet werden. …In einem Gutachten empfiehlt der Aktionsrat Bildung eine deutlich größere Autonomie der Schulen. Sie sollen selbst verantwortlich sein für Auswahl und Einsatz der Pädagogen, aber auch für ihre leistungsbezogene Bezahlung. … Im Streit über das gegliederte Schulsystem plädieren die Experten für eine bundesweite Umstellung auf eine zweigliedrige Struktur aus Sekundarschulen und Gymnasien. …“Quelle: Süddeutsche Zeitung, 08.03.2007



Vom Klodeckel bis zur Profilbildung
Wissenschaftliche Studie bestätigt: Bayerns Volksschulleiter sind stark überlastet

„…Angesichts der Aufgabenfülle stehen vor allem Bayerns Volksschulleiter vor einer inneren Zerreißprobe, zeigt eine Studie des Bamberger Pädagogikprofessors Heinz Rosenbusch, die der Bayerische Schulleitungsverband (BSV) in Auftrag gegeben hat. …Als besonders belastend wird der Mangel an Zeit angegeben, an zweiter Stell rangiert die Umsetzung nicht ausgereifter behördlicher Neuerungen und Erlasse. Die überragende Mehrheit, so heißt es in der Studie, spreche dem Staat eine unterstützende Funktion gänzlich ab: Man fühle sich im Stich gelassen…. Inzwischen habe man auch in Deutschland erkennt, dass die Qualität einer Schule mit der Arbeit des Schulleiters steht und fällt, der Rektor sei allmählich vom pädagogischen Buchhalter zum pädagogischen Unternehmer mutiert. Nur die Arbeitsbedingungen hätten sich dabei kaum geändert. Aufgaben wie Schulentwicklung, Personalbetreuung und Statistik muss Rektor Edwin Petek auf den Nachmittag verschieben. Dann jedoch ist die Halbtagssekretärin nicht da. Also sortiert der Rektor selbst die Ablage, fertigt Kopien an. Petek ist trotz allem gern Schulleiter. Aber er wolle seine Arbeit gut machen und dabei stoße er an massive Grenzen. Vom Klodeckel bis zur Profilbildung sei er für alles zuständig. Die Möglichkeiten, sich im Lehrerteam Unterstützung zu holen, sind beschränkt: Außer für seine Stellvertretung; der er zwei Anrechnungsstunden (pro Woche) abgibt, stehen keine arbeitszeitlichen Ressourcen zur Verfügung. …Aber 13 bis 15 Stunden Unterrichtsverpflichtung seien doch zu viel. Er persönlich komme auf 60 Stunden Wochenarbeitszeit… . In bildungspolitisch entwickelten Ländern, so heißt es in der Bamberger Studie, sei das Schulleitungspersonal weitestgehend vom Unterricht freigestellt – unabhängig von der Schulart. …“
Quelle: Bayerische Staatszeitung, 08.12.2006

Ein bisschen Freiheit„“
Nordrhein-Westfalen will seinen Schulen Autonomie gewähren. Ein Modellversuch zeigt Chancen auf. Ohne zusätzliches Geld bleiben die Rektoren jedoch scheinselbständig
„…Müller-Armack-Berufskolleg in Köln ist eine von 278 „Selbständigen Schulen“ in Nordrhein-Westfalen. Schulleiter Hermann Hansis ist mächtiger als seine Kollegen. Er darf Lehrer auswählen und Personalkosten in Sachmittel umwandeln. …. In NRW läuft das Modellprojekt „Selbständige Schule“ seit 2002. Durch eine gesetzliche Öffnungsklausel kann die Schulkonferenz Stundentafeln, die Zusammensetzung von Lerngruppen und Versetzungsregeln ändern. …Die Wissenschaftler vom Institut für Schulentwicklung, die das Projekt begleiten, ziehen eine positive Zwischenbilanz. An den Grundschulen, die 2003 und 2005 an Leistungstests teilgenommen haben, verbesserten sich die Kinder beim Leseverständnis und in Mathe. … Das neue Schulgesetz von 2006 befördert Schulleiter zu Dienstvorgesetzten. Ein Lehrerrat, der dem Betriebsrat in einem Unternehmen ähnelt, soll deren Personalentscheidungen mittragen. Das Land hat mit dem Gesetz mehr Freiheiten gewährt, um diese zu nutzen, brauchen die Schulen jedoch Ressourcen, sagt Wilfried Lohre von der Bertelsmann Stiftung. …NRW gewährte jeder Schule eine zusätzliche halbe Stelle, die viele für die Koordination der neuen Aufgaben nutzten. Zusätzlich erhielten die Schulen 5000€ pro Jahr für Qualifizierungsmaßnahmen und alle 278 Direktoren und 4300 Lehrer wurden fortgebildet. Sie beschäftigten sich mit neuen Unterrichtsmethoden, Management und Evaluation. …“

Quelle: Financial Times Deutschland, 14.03.2007

Eingangstest für Studenten
Landtag räumt Unis mehr Auswahlrechte ein
„Künftig soll nur noch jeder vierte Studienplatz in Bayern nach der Abiturnote vergeben werden. Trotz der Einwände der Opposition stimmte die CSU-Mehrheit im Hochschulausschuss des Landtags dem Gesetzentwurf für ein neues Hochschulzulassungsgesetz zu. Danach dürfen Hochschulen ihre Studenten zunehmend mit eigenen Tests oder Bewerbungsgesprächen auswählen. 65 Prozent der Studienplätze sollen vom Wintersemester 2007/2008 an nach diesem ergänzenden Auswahlverfahren verteilt werden. Die Staatsregierung hofft, durch die Neuregelung die hohen Abbrecherzahlen verringern zu können … .Der Philologenverband nannte die zusätzliche Prüfung höchst ungerecht. Das Abiturzeugnis dokumentiere die Leistungen der Schüler bereits über zwei Jahre hinweg. Die Landeselternvereinigung warnte, die Auswahl durch die einzelnen Hochschulen sei intransparent.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 08.03 .2007



Zu viele Spitzennoten
„Der deutsche Philologenverband hat eine inflationsartige Vergabe von Spitzennoten bei vielen Hochschul-Abschlussprüfungen kritisiert. Deutsche Durchschnittsnoten für Diplomprüfungen in Biologie mit 1,3 , in Physik und Mathematik mit 1,4 und in Chemie mit 1,5 zeigten, dass in diesen Fächern zwischen guten und schlechten Leistungen zu wenig unterscheiden werde. …“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 27./28.01.2007



Deutschland ist nicht kinderfreundlich genug

„…So sagte mehr als die Hälfte der 15-Jährigen Deutschen, dass ihre Eltern fast nie einfach so mit ihnen redeten. Deutschland liegt hier (unter 21 Länder, Die Red.) auf dem letzten Platz. Bedrohlich sei das Risikoverhalten deutscher Kinder und Jugendlicher. In keinem anderen Industrieland rauchten merh junge Menschen.16 Prozent aller 15-jährigen Deutschen qualmten mindestens einmal die Woche. …Deutsche Jugendliche teilten sich mit britischen Altersgenossen auch den traurigen Ruhm, am meisten Alkohol zu trinken. Positiv sei hingegen, dass deutsche Kinder nicht so aggressiv seien wie andere und sehr gerne in die Schule gingen. …Mit erschreckend niedrigen Erwartungen, besagt die Studie, sähen die Jugendlichen in Deutschland ihrer beruflichen Zukunft entgegen. Mehr als ein Drittel rechne damit, keine qualifizierte Arbeit zu finden.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 15.02.2007
 
Krippenausbau kostet den Staat kein Geld
Deutsches Jugendinstitut erwartet Milliradeneinnahmen, weil mehr Frauen arbeiten und Steuern zahlen werden
„Der Ausbau der Kinderkrippen in Deutschland ist ohne zusätzliche Milliardenausgaben des Staates möglich. Demnach kann der Staat im Jahr 2013 drei Milliarden Euro Mehreinnahmen erwarten, wenn bis dahin 500.000 Krippenplätze geschaffen sind. Außerdem würden wegen sinkender Kinderzahlen die Ausgaben für Kindergeld um eine Milliarde Euro zurückgehen. Dem stünden nach Schätzungen des Bundesfamilienministeriums Ausbaukosten von etwa drei Milliarden Euro jährlich gegenüber. …“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, .12.04.2007



Recht auf gute Noten
Im Ruhrgebiet soll jeder Grundschüler ein Instrument lernen

„Im Rahmen der Initiative Jedem Kind ein Instrument soll von 2007 an jedem der circa 212.000 Grundschüler der Region die Möglichkeit gegeben werden, ein Instrument zu spielen und gegebenenfalls auch zu erwerben. Immer wieder haben die Hirnforscher darauf hingewiesen, dass kaum eine Tätigkeit die kognitiven, motorischen, kreativen und sozialen Fähigkeiten Heranwachsender so wirksam fördert wie das Erlernen eines Instruments. …Das Projekt läuft mittlerweile an 32 Bochumer Grundschulen – ein Feldversuch, von dessen Flächentauglichkeit Völkers (Bundeskulturstiftung) sowohl den Stiftungsrat als auch die Düsseldorfer Landesregierung überzeugen konnte. Die bezahlt nicht nur 20 Prozent des 50-Millionen-Euro-Budgets von Jedem Kind ein Instrument, sie will das Projekt anschließend auf das ganze Land ausweiten….“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 11.02.2007



Jugend im Vollrausch
Bayerische Polizei beklagt starken Anstieg des Alkoholkonsums von Minderjährigen
„Im Freistaat steigt die Zahl der Kinder und Jugendlichen rapide, die bis zur Besinnungslosigkeit trinken. …13-Jährige mit mehr als zwei Promille sind heute leider keine absolute Ausnahme mehr. Laut Kriminalstatistik 2006 nehmen besonders Gewalttaten unter Alkoholeinfluss zu. Jeder zweite heranwachsende Verdächtige war angetrunken – ein Zuwachs von 25 % gegenüber 1996. Diese Entwicklung spiegelt sich wider in zunehmenden Fällen von Vandalismus. … Beckstein sah darin Anzeichen für Verwahrlosung. Herbert Baumann (LKA) …macht auch die Veranstalter von Partys verantwortlich, die damit werben, dass gegen einen festen Preis so viel getrunken werden dürfe, wie man wolle. Sie laden zu solchen Festen mit Begriffen wie Kübelsaufen und Flatrate-Trinken ein. …Petra Eberle, Vorsitzende der Koordinierungsstelle der bayerischen Suchthilfe, fordert, Sauffeste zu verbieten. …“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007



Intensivtäter sind zumeist ausländische Männer
Erste Berliner Studie zu Herkunft und Motiven jugendlicher Verbrecher/Schlechte Schulbildung
„…. Die Mehrzahl der durch viele Straftaten auffällig gewordenen Verdächtigen ist jünger als 21, zu 95 % handelt es sich um Männer. Die Mehrheit aus der Stichprobengruppe – 74 Prozent – wurde in Deutschland geboren, nur 51 % besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft. 70 % der Vielfachtäter schreiben die Forscher einen Migrationshintergrund zu. Von ihren Eltern ist nur ein Fünftel vor 1975 eingewandert. Die wenigsten stammen aus klassischen Arbeitsimmigranten; die meisten kamen als Flüchtlinge oder Asylsuchende. Die Intensivtäter stammen zumeist aus Familien mit mehreren Kindern, die Eltern üben eine geringe Kontrolle aus, sie verfügen über ein geringes Bildungsniveau, sind überdurchschnittlich arbeitslos und leben von einem geringen Familieneinkommen. …Während der sechsjährigen Gr8undshculzeit fallen die Intensivtäter nicht auf, doch danach fallen 30 Prozent durch aggressives Verhalten oder Schuleschwänzen auf. Die Hälfte geht ohne Abschluss von der Hauptschule. Die Tatorte liegen zumeist (54 Prozent) in unmittelbarer Nachbarschaft der Wohnorte. …Die Taten würden zumeist in der Gruppe (60 Prozent), aus materiellen Beweggründen (60 Prozent) und spontan begangen. …Die Mehrzahl konsumiert Alkohol, Medikamente oder Drogen wie Haschisch.“
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2007




Sicher und unzufrieden
Auch die Beamten wollen wieder mal eine Lohnerhöhung erleben

„… Jahrelang wurden die 1,9 Millionen Beamten und Soldaten unter den etwa 3,9 Millionen Staatsdienern schlechter behandelt als ihre angestellten Kolleginnen und Kollegen. Sie arbeiten inzwischen länger als die meisten Tarifbeschäftigten in Deutschland – 41 Wochenstunden im Bund, bis zu 42 Stunden in den Ländern (z.B. in Bayern!, Die Red.) und haben auf Besoldungserhöhungen seit den neunziger Jahren weitgehend verzichten müssen. Im vergangenen Jahr gab es nicht mal einen Inflationsausgleich. …Nach Angaben des Beamtenbundes stiegen die Löhne in Deutschland für hochqualifizierte Angestellte seit 1970 um durchschnittlich 330 Prozent, bei Beamten des gehobenen Dienstes nur um 190 Prozent. Am besten erwischten es demnach die Sozialhilfeempfänger, deren Auszahlungssatz zwischen 1970 und 2000 um 450 Prozent gestiegen sei. …Gegenwärtiges Hauptprivileg der Beamten bleibt die Beschäftigungs- und Versorgungsgarantie auf Lebenszeit, die allerdings faktisch auch für die Angestellten im öffentlichen Dienst gilt. …Weithin unbemerkt bleiben überdurchschnittliche Einkommensverluste, die Beamte eher nebenher erleiden. So müssen Beamte … die Mehrwertssteuererhöhung um drei Prozentpunkte von 16 auf 19 Prozent zahlen. Sie bekommen aber…keine Minderung ihrer Abgaben durch die Beitragssenkung zur Arbeitslosenversicherung… .Ungünstiger als für andere wirkt bei den Beamten auch die verminderung für das Kindergeld von 27 auf 25 Jahre. Wer als Beamter dann noch Kinder in Ausbildung hat, muss ihnen künftig eine private Krankenversicherung bezahlen. Das bedeutet für einen Beamten der mittleren Besoldungsgruppe A 6(bis etwas 2000 € Grundgehalt) monatliche Mehrausgaben von etwa 160 €, über zwei Jahre also etwa zusätzliche Aisgaben von 3840 Euro. Außerdem entfällt für diese Zeit zusätzlich der Familienzuschlag für die Kinder (je 90 Euro im Monat). … “
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2007

 

Vertrauenslehrer
Gute Umfragewerte für Pädagogen
Lehrer genießen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen weltweit ein hohes Vertrauen …Dies ist das Ergebnis einer Studie des Marktforschungsunternehmens GfK. Bei einer Befragung von fast 20.000 Menschen in 19 Staaten hielten 81 Prozent die Lehrer für vertrauenswürdig, in Deutschland liegt der Wert mit 77 % leicht unter dem Durchschnitt. Besonders stark – mit 92 % - ist der Wert bei den Pisa-Siegern Finnland. Insgesamt stehen Ärzte noch etwas besser da als die Lehrer.
Juristen, Journalisten, Topmanager und Politiker liegen dagegen in allen Ländern hinten. Politiker halten 17 % für vertrauenswürdig, in Deutschland sogar nur 10 Prozent. (tvs)
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 28.10.2006




Viel Fernsehen – schlechte Noten
Ein Kriminalitätsforscher fordert Bildschirmverbot für Kinderzimmer
„Je mehr Zeit Kinder am Fernseher, Computer oder Spielekonsole verbringen, desto schlechter sind sie in der Schule und desto anfälliger sind sie für Jugendgewalt. Bei der Untersuchung des Instituts wurden 6000 Kinder der 4.Kalsse und 17000 Jugendlicher der 9 Klasse in Städten und Landkreisen quer durch Deutschland befragt. …So besitzen und benutzen Jungen erheblich mehr Fernseher, PC`s oder Konsolen als Mädchen, ausländische Kinder und Jugendliche mehr als deutsche und norddeutsche mehr als süddeutsche, wie Forscher Pfeiffer erläuterte und damit die Ergebnisse der PISA-Untersuchungen voll bestätigt sieht.

Abgesehen von den Nachteilen für die Schullaufbahn ist eine weitere Auswirkung der steigende Konsum von Gewalt verherrlichenden Filmen: Wer als Zehnjähriger über den eigenen Fernseher verfügt, schaut drei Mal häufiger Filme, die wegen ihres brutalen Inhalts erst ab 16 oder 18 frei gegeben sind.“…“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 31.01.2007




Schwärmen wie Fische
Experiment mit 200 Menschen in Bewegung
„Bei einem Schwarmexperiment mit 200 Testpersonen in einer Halle in Köln fanden Biologen heraus, dass sich Beobachtungen von Fischschwärmen auch bei Menschen zeigten. 20 Personen erhielten die Aufgabe, sich in eine bestimmte Richtung zu bewegen, ohne dass sie wussten, dass alle das gleiche Ziel hatten. Verbale wie nonverbale Kommunikation war untersagt. Die 180 andern sollten einfach nur in Bewegung bleiben. Durch die Bewegung der 2e0 zielgerichtten Individuen seien die übrigen Testpersonen binnen einer Minute ins Ziel gebracht worden, obwohl diese nicht wussten, dass es ein Ziel gab. …“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 19.3.2007

 

Immer nur dem Schnabel nach
Tauben haben einen dreidimensionalen Magnetsinn. Wie er funktioniert, haben Frankfurter und Hamburger Forscher herausgefunden: Winzige magnetische Partikel liegen in baumartigen Verzweigungen am Anfang von Nerven. … Mit Hilfe feinster Gewebeuntersuchungen am Hamburger Synchrotronlabor entdeckten sie winzige Kügelchen aus dem eisenhaltigen Magnetit und vor allem kleine Plättchen aus dem ebenfalls eisenreichen Maghämit. Sie liegen im Oberschnabel der Brieftauben und zwar genau in den fein verästelten Nervenanfängen. Diese Dendriten sind in einem komplexen dreidimensionalen Muster angeordnet, so dass die Tiere Richtung und Stärke des Erdmagnetfelds analysieren können. Damit messe ein Vogel das Magnetfeld unabhängig von seiner Kopfhaltung und bestimme da durch seine geographische Position, berichten die Forscher. Sie vermuten, dass möglicherweise alle Vögel und weitere Tiere, die sich am Magnetfeld der Erde orientierten, über ein solches System verfügen. …“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 28.02.2007




Ohrfeigen machen dick
„Ohrfeigen, Strafpredigt, Hausarrest – jetzt haben Kinder, die streng erzogen wurden, einen Grund mehr, ihre Eltern zu hassen. Je autoritärer der Erziehungsstil der Eltern, desto häufiger werden die Kinder dick. Das jedenfalls behauptet die Kinderärztin Kyung Rhee von der Universität Boston. Für ihre Studie untersuchte Rhee 872 Kinder zwischen viereinhalb und sieben Jahren. ..Das Resultat: Kinder, die autoritärer erzogen werden, haben ein fünffach höheres Risiko, übergewichtig zu werden, als Kinder, die autoritativ erzogen werden: anleitend, doch mit Respekt für die kindliche Persönlichkeit. .
Quelle: Spiegel Nr. 3, 2007

 

Dick bleibt dick
„Da helfen kein Fitnesscamp, kein Trimm-Dich-Pfad und kein Zirkeltraining – die allermeisten dicken Kinder bleiben dick. Zu dieser Erekenntnis kam der US-Psychologe Eric Stice an der Universität von Texas. Dafür wertete er 46 Studien aus der ganzen Welt und den letzten 25 Jahren aus…
Alarmierende 79 Prozent der Programme von Kleinkinderturnen bis Problemzonengymnastik konnten die weitere Gewichtszunahme überhaupt nicht bremsen, 16 Prozent hatten kurzfristig Erfolg und lediglich mit 5 Prozent der Trainingsmethoden konnten die Kinder abspecken und ihr Gewicht dann auch halten. … Der beste Fettkiller aber sei Willensstärke: Ein Kind, das selbst wirklich abnehmen will, kriegt den Speck auch eher weg!“
Quelle: Spiegel Nr. 5, 2007

 

Zehnkämpfer des Alltags
Die US-Schauspielerin und Oscar-Gewinnerin Hilary Swank, 32, über den unterschätzten Beruf des Lehrers und ihren neuen Film „Freedom Writers: „Ein Lehrer muss ein perfekter Darsteller sein. Er sollte Schüler mitreißen und begeistern können. Das gelingt ihm aber nur, wenn er für seinen Beruf genauso viel Leidenschaft aufbringt wie ein Schauspieler für seine Rollen. Ein Lehrer muss verdammt gut sein, denn sein Publikum ist extrem kritisch. Schülern kann man ja nichts vormachen.“
Spiegel: Wird der Beruf des Lehrers unterschätzt?
Swank: „Total. Denn ein Lehrer muss über ganz verschiedene Fähigkeiten verfügen, intellektuelle wie emotionale. Er braucht Wissen, Phantasie und Einfühlungsvermögen. Für mich ist er ein heldenhafter Zehnkämpfer des Alltags.“
Quelle: Spiegel Nr. 14, 2007

 

Was kostet Schlafmangel?
„Psychologieprofessor Makoto Uchiyama (Japan): „…Viele Leute denken, wenn man weniger schläft. Kann man mehr Zeit mit arbeiten zubringen und produktiv sein – aber das ist ein totales Fehlurteil. Schlafmangel verursacht Unaufmerksamkeit und sinkende Produktivität. Unausgeschlafene Mitarbeiter verursachen der japanischen Wirtschaft Verluste in Höhe von 3,5 Billionen Yen (24 Milliarden Euro)“.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 10./11.06.2006