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Presse Oktober bis Dezember 2007

Presseartikel Oktober bis Dezember 2007 - ausgewählt und zusammengestellt von Helmut Schuster

 

Mehr Förderung, mehr Integration
Die Iglu-Studie - Schulleiter fordern drastische Reformen

„…Die deutschen Grundschulen sind bemerkenswert gut. Im Gegensatz zu den 15-jährigen, die in der Pisa-Studie getestet wurden, brauchen Viertklässler den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Dies war schon vor Jahren so; nun haben sich die Lese-Leistungen in der internationalen Grundschulstudie Iglu sogar noch einmal verbessert. Die Pädagogen haben ihre Anstrengungen in der Leseförderung verstärkt, und ihre Mühen sind nicht vergebens geblieben. … Zunächst aber kann man einen Diener oder kleinen Knicks machen vor den Grundschullehrerinnen (Männer gibt es dort ja leider kaum): Ihnen gelingt oft eine Integrationsleistung, die man sich so auch an den weiterführenden Schulen wünschte. Die Grundschulen sind Gemeinschaftsschulen. … In den ersten Klassen sitzt der Professorensohn oft noch neben dem Kind eines Lagerarbeiters, Michael sitzt neben Mustafa, Ayse neben Anna. Die Lehrerinnen sind darauf eingestellt, dass jeder Schüler unterschiedliche Vorraussetzungen mitbringt. Einige Kinder können schon zur Einschulung flüssig lesen, andere tun sich damit auch in der zweiten Klasse noch schwer. Weil die Lehrerinnen mit solchen Unterschieden täglich umgehen müssen, sind viele von ihnen offen für moderne Unterrichtsmethoden, die eine individuelle Förderung erlauben (auch wenn andere Länder in dieser Hinsicht noch viel weiter sind). Dazu kommt eine Liebe zu den Kindern und zur Pädagogik, die man bei manchem Studienrat, der sich wie ein Professor gebärdet und nur den ganz fleißigen und wissenden Schüler schätzt, schmerzlich vermisst.“
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2007

Lesen gut, Integration mangelhaft
Laut Iglu-Studie leisten deutsche Grundschulen heute bessere Arbeit als vor fünf Jahren
 „Die Grundschullehrer dürfen sich freuen. Die neue Iglu-Studie zeigt, dass deutsche Viertklässler heute im internationalen Vergleich gut dastehen. …Schon 2001 hatten die Deutschen bei Iglu bessere Ergebnisse erreicht als in den Pisa-Studien, in denen 15-Jährige getestet werden. … Keine andere Nation sortiert so früh und streng aus wie Deutschland. Dadurch werden manche Schüler früh zurückgelassen, wie auch die neue Untersuchung nahe legt. … Eltern fördern das Lesen zu wenig: Bei der Iglu-Studie wurden unter anderem auch die Eltern befragt, wie sie das Lesen vor und während der Grundsschule fördern. Zwar lesen die Eltern mehr mit ihren Kindern als vor 5 Jahren, aber im internationalen Vergleich immer noch deutlich zu selten. Deutschland liegt bei der Lesesozialisation sogar unter dem internationalen Mittelwert. Die Forscher raten zu besonderen Anstrengungen, um die Lernausgangslage der Kinder in den Familien zu verbessern, etwa durch Elternarbeit. …“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 1./2.12.2007

Bildung ist Integration
Kanzlerin Merkel für Förderung von Ausländerkindern
„Kanzlerin Angela Merkel /CDU) sieht in den schlechten Bildungschancen für Ausländerkinder eine Schwäche des deutschen Schulsystems. … Alle Kinder müssen die gleichen Chancen auf Bildung, Schule, Hochschule und Beruf haben. …Merkel sagte: Wir können auf kein Talent verzichten.. …Eine weltweit einmalige Milieu-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Einwanderer, die in Deutschland leben, von ihrer Umgebung weitaus stärker geprägt werden als von ihrer regionalen oder ethnischen Herkunft. So ist der Einfluss der Religion viel geringer, als gemeinhin angenommen wird. …Die meisten der 15 Millionen Migranten in Deutschland seien durchaus bereit, sich in die Gesellschaft einzufügen. … Je höher das Bildungsniveau und je urbaner die Herkunftsregion, desto leichter und besser gelingt die Integration in die Aufnahmegesellschaft. … Damit sei eindeutig widerlegt, die Migranten in Deutschland würden von ihrer Religion dominiert. …“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, Nr.239, 2007

Auf kein Talent verzichten
„…Besonders deutlich zeigte sich in internationalen Schulleitungsstudien der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg bei ausländischen Schülern, die häufig keinen Abschluss erreichen oder weit unterhalb des Durchschnitts abschneiden. In Ländern, die ihre Einwanderer gezielt nach Qualifikation und Sprachfähigkeit auswählen (Kanada, Australien und Neuseeland) sind die Unterschiede zwischen dem Bildungserfolg einheimischer und ausländischer Schüler kaum ausgeprägt. Fast ein Drittel der unter fünf Jahre alten Kinder in Deutschland kommt aus ausländischen Familien. …Bildung als Herzensangelegenheit schaffe die Voraussetzungen für ein verantwortungsvolles, solidarisches Miteinander in einer demokratischen Gesellschaft. In Zukunft müsse es einen europäischen Stiftungsstatus geben. Integration durch Bildung müsse als innovative und sozialpräventive Investitionsmöglichkeit betrachtet werden, denn die künftigen Kosten gescheiterter Integrationsversuche überstiegen bei weitem die heutigen Bildungsausgeben.“
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2007

Wegweiser zu weiteren Reformen
OECD bekräftigt Kritik an deutschem Schulsystem und Benachteiligung von Zuwanderern
„…In den Naturwissenschaften liegen die deutschen Schüler mit ihren Leistungen nun klar über dem Durchschnittswert der OECD-Staaten. Im Lesen und in Mathematik landeten sie dagegen wie in der Pisa-Studie 2003 nur im Mittelfeld. … Der Leiter des Berliner OECD-Büros Heino von Meyer, äußerte sich zuversichtlich, dass es in künftigen Studien deutliche Leistungssteigerungen der Deutschen geben werde. Im Lesen erkennt die OECD Verbesserungen nur in sieben Ländern, darunter in Polen. Dort seien die Lesefähigkeiten seit der ersten Studie 2000 stark gestiegen. Die OECD führte dies darauf zurück, dass polnische Kinder mittlerweile ein Jahr länger gemeinsam lernen, bevor sie auf unterschiedliche Schulformen aufgeteilt werden. Dadurch seien die Ergebnisse der schwächeren Schüler verbessert worden, aber auch die der besseren. Die frühe Aufteilung der Kinder in einem gegliederten Schulsystem führe dazu, dass der wirtschaftliche und soziale Status des Elternhauses stark auf die Leistungen der Schüler durchschlägt. …“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, Nr. 280, 2007

Rheinland-Pfalz schafft die Hauptschule ab
Von 2009 an sollen Kinder mindestens bis zur 7. Klasse gemeinsam mit Realschülern unterrichtet werden
„… Bereits jetzt gibt es in Rheinland-Pfalz die so genannte Regionale Schule, an der sowohl der Haupt- als auch Realschulabschluss möglich ist. Unter dem Dach der Realschule plus soll diese Schulform bestehen bleiben. Das zweite Modell der Realschule plus soll die Kooperative Realschule sein. Dort werden die Schüler nach der siebten Klasse in einen Haupt- und einen Realschulzweig unterteilt. …“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, Nr. 251, 2007

Rüttgers hält an der Hauptschule fest
NRW-Ministerpräsident garantiert in seiner Halbzeitbilanz ihr Weiterbestehen, will aber mehr Ganztagsunterricht
„Nach dem schulpolitischen Streit in seiner Koalitionsregierung hat der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) eine Bestandsgarantie für die Hauptschule abgegeben. Die Hauptschule ist eben keine Restschule. Wir glauben an die Hauptschule. … Die Hauptschulen sollten in NRW aber zunehmend zu Ganztagsschulen ausgebaut werden. Bei den als Ganztagsschulen geführten Hauptschulen gebe es in diesem Schuljahr steigende Anmeldungen um fast zehn Prozent, sagte Rüttgers. In diesem Schuljahr hätten alle Hauptschulabgänger, die eine Berufsausbildung anstrebten, eine Lehrstelle gefunden. Rüttgers warf den Hauptschulgegnern vor, Politik zu Lasten der Jugendlichen zu machen. …“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 2007

Wem hilft mehr Kindergeld?…
Zwei Studien zur Lage von Kindern

„…27 Prozent der Kinder Arbeitsloser klagten darüber, dass ihre Eltern nicht genug Zeit für sie hätten, aber nur 17 Prozent der Kinder von Eltern, die beide voll berufstätig sind. In den Familien der Arbeitslosen gibt es offenbar das Phänomen, das Familiensoziologen „entglittene Zeitstrukturen“ nennen – hier wird es zum Problem, Tagesabläufe trotz geringen Termindrucks befriedigend zu organisieren. Die World-Vision-Studie konnte auch nachweisen, dass in den Kinderzimmern der Unterschicht signifikant häufiger eigene Fernseher, Spielekonsolen sowie eigene DVD- oder Video-Geräte stehen: gelesen, musiziert und Sport getrieben wird hingegen mehr in den Familien der Mittel- und Oberschicht. Hier zeigt sich eine Bildungsarmut, der sich nicht mit höheren Transferzahlungen entgegenwirken lässt. Aus Großbritannien hingegen sind Beispiele bekannt, in denen arbeitslose Eltern dazu angeregt wurden, ihren Kindern regelmäßig vorzulesen. Der Schulerfolg der Kinder glich sich daraufhin dem Schulerfolg der Kinder aus besser gestellten Familien an. … Beide Studien zeigten, dass das Kindergeld, das in der Vergangenheit bevorzugt kurz vor Bundestagswahlen erhöht wurde, allein kein wirksames Mittel gegen Kinderarmut ist.“
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2007

Lehrermangel verschärft sich
Bildungsstudie

„Deutschlands Lehrer sind nach einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zu alt. Eine kurzsichtige Personalpolitik der vergangenen Jahre habe dazu geführt, dass in Westdeutschland im Schuljahr 2005/2006 gut die Hälfte der Lehrer an allgemein bildenden und beruflichen Schulen älter als 50 Jahre war. …Im internationalen Vergleich gehörten Deutschlands Lehrer damit zu den ältesten der Welt. Da es zu wenig Nachwuchs-Pädagogen gebe, drohe an vielen Schulen in den kommenden Jahren verschärfter Lehrer-Mangel. Aus den Universitäten käme zu wenig Nachwuchs.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 31.10.2007

32 Stellen für Ausbau der Schulsozialarbeit
„Bayern baut im kommenden Jahr die Schulsozialarbeit aus. Mit finanzieller Unterstützung des Freistaats werden weitere 32 Stellen an 44 Schulen geschaffen, teilt Sozialministerin Christa Stewens …mit. Für das Schuljahr 2008/2009 sind weitere 67 neue Stellen vorgesehen. Durch das Förderprogramm „Jugendsozialarbeit an Schulen“ sollen bis 2013 insgesamt 350 Stellen an bis zu 500 Schulen geschaffen werden. Der Ausbau war durch die Konsolidierung des Haushalts in den Jahren 2004 bis 2006 ins Stocken geraten.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 26.11.2007

Die Familie ist der Normalfall
In Deutschland gibt es weniger Kinderlose als bislang befürchtet
„…Es zeigte sich, dass etwa jede fünfte Frau zwischen 35 und 49 Jahren keine Kinder hat; etwa 80 Prozent sind Mütter…. Und: Kinderlosigkeit ist eher ein westdeutsches Phänomen. Denn in den neuen Ländern haben in der Gruppe der 35- bis 49-Jährigen beinahe 90 Prozent der Frauen Kinder. Vorsichtige Entwarnung auch bei der oft „alarmistisch“ diskutierten Kinderlosigkeit der höher Gebildeten: Von den Akademikerinnen im Alter von 40 bis 75 sind laut Umfrage nur etwa zwanzig Prozent kinderlos. …“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 19.12.2007

Benachteiligte Jungen
„Jungen bekommen in der Schule schlechtere Noten als Mädchen, auch wenn sie den gleichen Wissensstand haben. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des Bundesbildungsministeriums, für den verschiedene Studien ausgewertet wurden. In Deutsch, Mathematik und Sachkunde erhielten Mädchen bei gleichen Leistungen bessere Noten als Jungen, heißt es in dem bericht. Das liege möglicherweise auch daran, dass das sozial zumeist besser angepasste Verhalten der Mädchen in die Note einfließe. Insgesamt schneiden den Experten zufolge männliche Schüler deutlich schlechter ab als weibliche. So betrage der Jungenanteil an den Hauptschulen 56 Prozent, an den Gymnasien aber nur 46 Prozent. Um dies zu ändern schlagen die Autoren die Umgestaltung des schulischen Alltags nach geschlechtergerechten Gesichtspunkten vor. …
Quelle: Der Spiegel, 52/2007

Die Sache mit den Chancen
„… Reichlich spät holen die Deutschen nach, was sie über Jahrzehnte versäumt haben. Fast alle Einwanderungsländer, die bei Pisa besser abschneiden, legen viel Wert auf frühe Sprachförderung. In Kanada ist es selbstverständlich, dass Migrantenkinder zusätzlichen Englischunterricht bekommen, in Australien besuchen die Neuankömmlinge so genannte „English language schools“, ehe sie ins reguläre System starten. In Deutschland hingegen wurden die Schulen lange Zeit mit Klassen alleingelassen, in denen kaum die Hälfte der Schüler ausreichend Deutsch verstand. Auch an geeigneten Sprachlehrern mangelt es den Deutschen noch. Weder sind deutsche Pädagogen gewohnt, mit großen Leistungsunterschieden innerhalb ihrer Klassen umzugehen, noch haben sie gelernt, wie man Nicht-Muttersprachlern Deutsch beibringt. …“
Quelle: Der Spiegel, 50/2007