Presseschau 7-2009

Zusammengestellt von Helmut Schuster

 

Die Leiden der Leiter

Viel mehr Arbeit, kaum mehr Geld. Warum unseren Schulen die Rektoren ausgehen

„Würde ein Banker die Leitung seines Geldinstituts übernehmen, für eine Handvoll Euro mehr? Wohl kaum. Von Grundschullehrern wird Vergleichbares erwartet. Da muss es nicht wundern, dass Bewerber auf Rektorenstellen recht selten sind. Von Lehrermangel ist in jüngster Zeit ja viel die Rede, wann er kommt, ob er überhaupt kommt. Dabei wird oft übersehen, dass der an anderer Stelle längst da ist: dass viele Grund- und Hauptschulen ohne Rektoren auskommen müssen. ...

So sind etwa in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, rund 300 Rektorenstellen für Grund- und Hauptschulen nicht besetzt, heißt es beim Verband Bildung und Erziehung (VBE). Bundesweit sind es über tausend. Besserung ist nicht in Sicht. Allein in Nordrhein-Westfalen werden bis 2016 über zwei Drittel der Schulleiter an Grundschulen pensioniert. Udo Beckmann ist Bundesvorsitzender des VBE. Fragt man ihn nach den Gründen für den Rektorenmangel, bekommt man eine lange Antwort. Da ist zum einen die hohe Arbeitsbelastung. Den Schulen wird immer mehr Eigenverantwortung übertragen.

Im Prinzip eine gute Sache, der Haken dabei ist, dass die Rektoren für die zusätzlichen Aufgaben kaum zusätzliche »Leitungszeit« bekommen, sie also entsprechend vom Unterricht befreit werden. 28 Stunden sollen Lehrer an Grundschulen in NRW unterrichten, der Rektor wird bei einer 200 Schüler zählenden Schule für 8 bis 10 Stunden freigestellt, um alle anfallenden Verwaltungs- und Leitungsaufgaben zu erledigen. »Das ist zu wenig«, sagt Beckmann. Auf den Schultern der Rektoren lastet so zu viel: Sie i sollen die innovative Kraft der Schule sein, »müssen Personalpolitik betreiben, sollen Qualitätsgarant sein und unterrichten. ... Da wundert es nicht, dass manche Stellen bis zu zehn Mal ausgeschrieben werden müssen, bevor sich ein Kandidat bereitfindet. Und das gilt nicht nur für Brennpunktschulen.

... Was soll man tun, um die Lage zu bessern? Joachim Hoffmann, Vorsitzender des Allgemeinen Schulleitungsverbandes, fordert, den Rektor zum eigenständigen Beruf zu machen. Das Problem habe man in den Ministerien schon erkannt, sagt Arent-Krüger, allerdings sei die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Rektoren natürlich mit einer Ausweitung des Finanzrahmens verbunden. Immerhin hat man in NRW/ schon Qualifizierungskurse für potenzielle Rektoren an Gymnasien und Realschulen eingerichtet, die für Grundschulleiter starten allerdings erst 2010.“

Aus „Die Zeit“ 20.05.2009



Erfolgreiche Grundschule


„Eine auf sechs Jahre ausgedehnte Grundschulzeit geht nicht unbedingt zu Lasten von Spitzenschülern. Dies zeigt eine neue Studie des Max-Plank-Instituts für Bildungsforschung, in die die Leistungen Berliner Schüler in Mathematik und im Lesen untersucht hat....“

Süddeutsche Zeitung Nr. 100, 2009


Das Ende der Volksschulen


Die neuen Pläne des Kultusministeriums bringen auch das Ende der herkömmlichen Volksschulen –also der Vereinigung von Grund- und Hauptschulen unter einem Dach. Die Grundschulen werden von den Hauptschulen abgekoppelt und erhalten eine eigene Schulleitung, solange sie noch mindestens vier Klassen haben. Unter dieser Zahl ist keine eigene Schulleitung mehr vorgesehen. Dann müsste sich die betreffende Schule an eine benachbarte Grundschule anschließen.  ...“

'Neuer Tag, Amberg-Sulzbach, Mai 2009



Den Schulen gehen die Lehrer aus


Studie zeigt: Länder bilden zu wenig Lehrer aus/ Abwerbeaktionen befürchtet
An deutschen Schulen werden die Lehrer rar. Über 300.000 Pädagogen werden nach Berechnungen des Bildungsforschers Klaus Klemm bis 2015 aus Altersgründen ausscheiden. In den fünf Jahren danach gehen weiter 160.000 in Pension. ...Die Zahl von 26.000 Nachwuchslehrern pro Jahr reicht laut Klemm trotz sinkender Schülerzahl nicht aus, um den Stand der Lehrerversorgung in den Schulen zu halten, geschweige denn Reformen zu realisieren. ...“

Mittelbayerische Zeitung, 16.06.2009


Bildung ist das Einzige, was zählt


„...Je besser man qualifiziert ist, umso kürzer bleibt man im Zweifelsfall ohne Arbeit. Darauf weisen die beiden Wirtschaftwissenschaftler Michael Hüther und Thomas Straubhaar hin.    Bildung oder keine Bildung sei die Schicksalsfrage von heute. Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Stellung jedes einzelnen hänge nur noch von seiner Bildung ab. Sie befähigt Menschen, mit Zukunft umzugehen. ...Man muss die Leute stark machen und ihre Befähigung stärken, die Probleme künftig selbst zu lösen. Dafür aber bedarf es eines grundsätzlichen Wandels in allen gesellschaftlichen Agenturen, etwa konkret in Schulen. Jede Schule sollte Lehrer selbst einstellen dürfen, selbst über Lehrmittel bestimmen und die Lehrpläne selbst erstellen und verantworten. ...“

Süddeutsche Zeitung, 16./17.05.2009



Alte Klage


Zu große Klassen und zu viel Stundenausfall sind in den Augen der Deutschen die beiden größten Missstände an deutschen Schulen Wie eine Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach ergab, sehen 61 Prozent in der zu hohen Schülerzahl pro Klasse und 53 Prozent in zu viel Unterrichtsausfall den dringlichsten Verbesserungsbedarf. Fast jeder zweite wünschte sich außerdem eine Verpflichtung von Schülern mit Sprachproblemen zu zusätzlichen Deutschkursen.

Süddeutsche Zeitung, 23.04.2009



Unbeliebter Posten


Der niedersächsischen Schulbürokratie fällt es offenbar immer schwerer, für freigewordene Leitungspositionen an den etwa 3100 Schulen des Landes Interessenten zu finden. Etwa ein Drittel der Stellen kann nicht wider besetzt werden, schätzt die Vorsitzende des Schulleitungsverbands Helga Ackermann. Als Gründe nannte sie eine extreme Überlastung der Schulleiter und die im Vergleich zu normalen Lehrern kaum bessere Bezahlung.

Süddeutsche Zeitung, 23.04.2009


Grundschulreform braucht mehr Lehrer


„…Wenn künftig ein Kind Startschwierigkeiten in der Schule hat, soll es nicht mehr als Sitzenbleiber abgestempelt werden. E soll die kalsse wiederholen können, ohne dass dies als Durchfallen gilt. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) nimmt sich nach der Hauptschulreform nun also die Grundschulen vor und verspricht, diese entwicklungs- und kindgerechter zu gestalten. Dazu beitragen sollen das Abschaffen des Sitzenbleibens und auch eine spätere Einschulung, die Spaenle ebenfalls angekündigt hat. Lehrer und Eltern sehen beides grundsätzlich positiv – mahne aber merh Lehrer für die Schulen an. …Sowohl schwache wie besonders gute Schüler, die nach Spaenles Vorstellung künftig die ersten beiden Klassen in einem Jahr durchlaufen können, müssten besser unterstützt werden. Das könnte durch einen zweiten Lehrer in der Klasse erfolgen oder indem man die Klasse in Niveaustufen unterteilt (modularisiert). Ohne zusätzliches Lehrpersonal ….werde die kindgerechte Schule nicht funktionieren. …“
Süddeutsche Zeitung, Nr. 165, 2009


Ein Lehrer für alle


Die Freien Wähler im Landtag machen sich für einen Einheitslehrer stark, der nicht nur auf eine Schulart festgelegt ist, sondern alle Schularten von der ersten is zu zehnten Klasse unterrichten kann. Die Pädagogen sollen, egal ob sie an Gymnasien, Real- oder Hauptschulen lehren, nach Meinung der Freien Wähler auch einheitlich bezahlt werden. Der Vorteil eines solchen Einheitslehrers liegt für den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Michael Piazolo auf der Hand: Der Staat kann dann Lehrer flexibel dort einsetzen, wo gerade Mangel herrscht. Der Beruf werde attraktiver. …“

Süddeutsche Zeitung. 23.07.2009