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Presse 2006 März

Presseartikel bis März 2006 - ausgewählt und zusammengestellt von Helmut Schuster     

„Wandel in den Kindergärten“
Der Staat engagiert sich stärker, die Erzieherinnen leisten mehr als nur Betreuung.
„Die Qualität des Kindergartens macht bis zu einem Jahr Entwicklungsunterschied bei Kindern im Vorschulalter aus“, sagt Wolfgang Tietze, Berliner Professor für Frühpädagogik. … Weil Kindergärten zunehmend als Bildungseinrichtungen erkannt werden, wird die Frage interessant, welche Kinder dort nicht erscheinen und deshalb Chancen verpassen. Hier zeigen Analysen …, dass vor allem jene draußen bleiben, die den Besuch am nötigsten hätten: Kinder, deren Eltern geringe Einkommen haben oder eine schlechte Ausbildung haben oder nach Deutschland eingewandert sind. …So zeigt ein Vergleich, dass vor allem westliche Flächenstaaten bei der Betreuung sparen: 910 € pro Kind und Jahr gibt zum Beispiel Bayern für Krippen, Kindergärten und Horte aus. In Stadtstaaten und ostdeutschen Ländern sind die Summen mehr als doppelt so hoch. …
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 28.12.2005

„Stewens verspricht mehr Kinderbetreuung“
Bis 2008 soll Bayern bei der Kinderbetreuung die Bedarfsdeckung erreicht haben. “Einen Fokus legen wir auf den Ausbau der Plätze für unter Dreijährige“, sagte Sozialministerin Christa Stewens in München. Trotz einer weiteren Sparrunde im Nachtragshaushalt 2006, zu der das Sozialministerium 4,6 Millionen € beitragen muss, seien die Mittel für eine intensivere Kindertagesbetreuung gesichert.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 19.01.2006

SPD will 2000 neue Lehrer
Zur Sicherung des Unterrichts an Bayerns Schulen fordert die Landtags-SPD die Einstellung von 2000 neuen Lehrern. Nach Berechnungen der Eltern fehlten an den Volksschulen 1200 Lehrer, sagte Pfaffmann. An den Realschulen seien es 200 zu wenig, an den Gymnasien 400 und an den beruflichen Schulen ebenfalls 400. In den kommenden Jahren werde das Kultusministerium ein Drittel aller freiwerdenden Lehrerstellen nicht besetzen können, weil es zu wenig Junglehrer gebe.
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 15.01.2006

 „Grüne fordern mehr Geld für Bildung“
Die Grünen im Landtag haben auf der Winterklausur ihrer Landtagsfraktion in Niedernberg bei Aschaffen-burg ein Finanzierungskonzept ausgearbeitet, mit dem der Freistaat 1,75 Milliarden € für die Bildung lo-cker machen soll. Bildung sei der Schlüssel für die Zukunft, deshalb müsse möglichst viel in Schulen und Kinderbetreuung investiert werden, erläuterte Fraktionschefin Margarete Bause. „Das Geld ist da“, es fehle nur der politische Wille, es für die Bildung einzusetzen. Nach Darstellung Bauses und ihres Vorstandskollegen Sepp Dürr gibt Bayern für Bildung weit weniger Geld aus als andere Bundesländer.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 19.01.2006

Beruhigungspille für die Schulen
SPD kritisiert zu niedrige Ausgaben für den Bildungsbereich – Bayern bundesweit Schlusslicht
Nach einer aktuellen Studie der Universität Heidelberg sei Bayern bundesweit Schlusslicht bei den Bi-dungsausgaben, so SPD-Bildungspolitiker Pfaffmann. Rechne man die steigenden Lasten für die pensionierten Lehrer aus dem Bildungshaushalt heraus, ergebe sich über die vergangenen zehn Jahre eine Stagnation bei den Mitteln, die tatsächlich an den Schulen ankämen – und das bei einer Erhöhung der Schülerzahlen im gleichen Zeitraum um 20 % oder knapp 250.000. … Aus dem Kultusministerium hieß es, mit den Beschlüssen von Kreuth könnten deutliche Verbesserungen erzielt werden. Für die Realschulen und Gymnasien stünden ab dem kommenden Schuljahr 600 zusätzliche Lehrkräfte zur Verfügung. 200 Stellen würden neu finanziert, 400 resultierten aus Umschichtungen aus dem Grund- und Hauptschulbereich, wo sich der Schülerrückgang fortsetze.
Quelle: Neuer Tag, 07.02.2006
Anmerkung der Redaktion: Nach dem Verlust von 1200 Lehrerstellen im Volksschulbereich in 2004 durch die Streichung eines Stellenäquivalents im Umfang der Arbeitszeiterhöhung werden erneut 400 Stellen für uns gekappt. Wir erinnern an die jahrelang gemachten Versprechungen, dass mit dem Schülerrückgang die längst fälligen Verbesserungen bei den Schulleitern und bei der Förderung an Grund-, Haupt- und För-derschulen kommen würden. Sind die Volksschulen einmal mehr und für immer die Aschenputtel der bayerischen Bildungsselektion?! Gelten Versprechungen?

Lehrer wird zum Mangelberuf
Bayern braucht also mehr Lehrer, doch finden sich immer weniger Studenten, die in den Schuldienst ein-treten wollen. … Bis 2010 gehen 20.000 Lehrer in den Ruhestand. Das allein führt schon an den Haupt-schulen zu personellen Engpässen. So räumte Müller (Ministerialdirigent im KM, die Red.) ein, dass trotz sinkender Schülerzahl die Zahl der Lehramtsstudenten nicht ausreichen wird, um dort den Bedarf zu decken. Bis 2010 wird sich nach Aussagen des Kultusministeriums die Situation kaum ändern. .. So lange müssen Eltern und Schüler große Klassen hinnehmen und auch Lehrer, die berufliche Quereinsteiger sind….Darüber hinaus will Bayern in den neuen Bundesländern und in Österreich fündig werden. Doch darf man sich davon nicht all zu viel versprechen. „Die absoluten Zahlen halten sich hier in Grenzen“, räumte Ministeriumsvertreter Müller ein.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 15,02.2006

Ministerium wirbt erneut in Österreich Lehrer an
Bayern will wegen des anhaltenden Lehrermangels Pädagogen aus Österreich abwerben. Nach Auskunft des Kultusministeriums gibt es dort ein Überangebot gerade in den bayerischen Mangelfächern Latein, Mathematik und Physik.
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 15. 12 2005

Berechenbar
Im Unterscheid zum Personalbedarf in der Wirtschaft lässt sich die Anzahl der benötigten Lehrer gut berechnen: Das Alter der aktiven Lehrer ist bekannt, die Anzahl der Schüler, die eingeschriebenen Lehr-amtsstudenten sowie die politisch vorgegebene Klassengröße und Wochenstundenzahl. Trotzdem stehen die Landesregierungen immer wieder überrascht vor angeblich plötzlich über sie gekommenen Versor-gungslücken. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet an den Haupt- und Berufsschulen …die meisten Lehrer fehlen. Wer lässt sich schon für ein relativ bescheidenes Gehalt auf ein überaus strapaziöses Dompteurda-sein ein? Lehramtsanwärter verdienen kaum mehr, als ein Student zum Leben braucht – vor allem in Ma-thematik und Physik kann das Lehramt die Konkurrenz mit Angeboten aus der Wirtschaft nicht bestehen. Außerdem wählt kaum ein männlicher Abiturient einen Beruf mit so angekratztem Sozialprestige. Mit Imagekampagnen ist das nicht wettzumachen. Höchstes Ansehen genießen Lehrer nur in den Ländern, in denen Bildung entsprechend ernst genommen wird. Davon kann hierzulande keine Rede sein.
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2006

Beamte des Bundes müssen länger arbeiten
Die 130.000 Bundesbeamten müssen vom 1.März an 41 Stunden und damit eine Stunde mehr in der Woche arbeiten. Das Bundeskabinett beschloss eine entsprechende Änderung der Arbeitszeitordnung.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 16.02.2006
Anmerkung der Redaktion: Nun hat es also auch die Bundesbeamten erwischt, wenn auch längst nicht so schlimm wie uns bayerischen Beamten, die 42 Stunden pro Woche (Schulleiter und Lehrer deutlich län-ger!) arbeiten und damit dafür sorgen, dass immer weniger junge Beamte eingestellt werden müssen. Worin der Vorteil des Beamtentums gegenüber Angestellte im öffentlichen Dienst liegt, die fürs selbe Geld 38,5 oder 39 Stunden arbeiten, ist kaum einzusehen. Die einseitigen Kürzungen und Streichungen beim Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld können es ja nicht sein! So gesehen erhalten Forderungen nach einem Streikrecht für Beamte z.B. durch „Verdi“ durchaus Sinn!

Lehrerverband: Bildungsqualität erheblich gefährdet
Der Lehrermangel an deutschen Schulen könnte in den nächsten Jahren die Bildungsqualität erheblich gefährden. …Von den 300.000 Lehrerstellen, die in den Jahren 2006 bis 2016 abermals besetzt werden müssen, könne gut ein Drittel wegen Bewerbermangels nicht wiederbesetzt werden. Der Präsident des Lehrerverbandes, Josef Kraus, hat den verantwortlichen Politikern vorgeworfen, kurzatmig im Zeitraum einer Legislaturperiode und mit Tricks zu arbeiten. …Allein die wiederholt praktizierte Erhöhung der wö-chentlichen Unterrichtsstunden der Lehrer um eine Stunde verdecke etwa 4 % des Unterrichtsbe-darfs….Außerdem sei das Lehrerdasein für leistungs- und karriereorientierte Erwachsene nicht lukrativ.
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2006


Wenig Männer in Lehrberufen
Ute-Erdsiek-Rave, Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Schleswig-Holsteins Bildungsministerin, hat eine „Verweiblichung“ beim Lehr- und Erziehungspersonal bemängelt. Immer weniger Männer würden sich für diese Berufe entscheiden. …Jungen fehlten zunehmend Identifikationsfiguren und Rollenvorbilder. Zugleich gingen die Leistungen von Jungen zurück, Mädchen seien beim Abitur in der Überzahl, Jungen stellten zwei Drittel der Schulabbrecher.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 14.02.2006

Auch bei Sitzenbleibern ist der Freistaat Spitze
In Bayern gibt es bundesweit die meisten Sitzenbleiber. Im Schuljahr 2004/05 lag nach Angeben des Bun-desamts für Statistik die Quote quer durch alle Schularten bei 4,1 %. Besonders gefährdet waren Fünft-klässler. Die Anzahl der Wiederholer beläuft sich hier auf 8,6 %. Die Realschule erreicht sogar Werte von 23,6 %, das Gymnasium von 4,5 %. An der Realschule erreicht sie in der 8.Klasse 9,6 %, an der Haupt-schule in der 9.Klasse 9,4 %. …Kultusminister Siegfried Schneider will die Quote der Wiederholer in Bay-ern durch einen stärkeren Ausbau der individuellen Förderung senken.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 02.02.2006
Anmerkung der Redaktion: Man kann der Presse kaum vorwerfen, dass sie das Ergebnis der Realschulen in den 5.Klassen nicht richtig interpretieren kann. Aber warum wurde das nicht aufgeklärt? Natürlich sind die 23,6 % überwiegend jene Schüler, die nach der 5.Klassen mit guten Noten an der Hauptschule das Schuljahr an der Realschule „freiwillig“ wiederholen, aus welchen Gründen auch immer! Dies ist eine schallende Ohrfeige für das dreigliedrige Schulsystem, das die Selektion unbedingt bei den 10-jährigen Kindern durchführen möchte! Was es kostet, wenn tausende Schüler nicht aufsteigend übertreten, son-dern ein Jahr wiederholen, möchte wohl niemand ausrechnen. Hauptschülern, die ab der 6.Klasse in M-Klassen übertreten, ist dies selbstverständlich nur aufsteigend gestattet.

Gute Noten für bayerische Hauptschüler
Deutsche Unternehmen sollen nach Ansicht des Deutschen Lehrerverbands mehr Hauptschul-Absolventen aus Bayern einstellen. Bayerische Hauptschüler könnten sich „locker“ mit den Realschülern anderer Bundesländer messen, sagte der Präsident des Verbandes, Josef Kraus, dem Magazin „Focus“. Anlass für den Vorstoß war die Veröffentlichung der Sitzenbleiber-Quoten. Dem Lehrerverband fiel dabei auf, dass jeder vierte Schüler der ersten Realschulklasse durchfiel. Kraus sagte, Grund dafür sei das fast schon gymnasiale Niveau der bayerischen Realschulen.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 06.03.2006
Anmerkung der Redaktion: So kann man sich täuschen, wenn eine statistische Zahl nicht richtig interpretiert wird! Erstaunlich ist nur, wie alle annehmen, dass Eltern in Bayern sogar solche Durchfallerzahlen ruhig und widerspruchslos hinnehmen würden nach dem Motto: Hauptsache den Übertritt geschafft!

Hohe Kosten durch Schulabbrecher
Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft kosteten die 82.000 Hauptschulabgänger sowie die 246.000 Berufsschulabgänger ohne Abschluss den Staat im Jahr 2004 fast 1,5 Milliarden €. Weite-re 1,2 Milliarden Euro seien dadurch vergeudet worden, dass mehr als 250.000 Schüler eine Klasse wie-derholt hätten, erklärte das arbeitgebernahe Institut.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 16.01.2006

Gestresst – Jeder fünfte Schüler leidet
Nach einer Umfrage des Forsa-Instituts zeigt fast jedes fünfte Kind (19 %) unter 18 Jahren deutliche Symptome von Schulstress wie Bauch- und Kopfschmerzen oder starke Prüfungsangst.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 16.01.2006

Pädagogen sind keine Hellseher
Eine Studie zeigt, dass Lehrer nach der vierten Klasse oft falsche Laufbahnempfehlun-gen abgeben
Der Bildungsforscher Rainer Block (Universität Essen) hat dafür die Daten der PISA-Studie aus dem Jahr 2000 erneut analysiert. Sein Interesse galt den 15-jährgen Hauptschülern, die bereits einen Abstieg von einer höheren Schulart hinter sich hatten. 69 % von ihnen waren gescheitert, obwohl der Grundschulleh-rer gegen Ende der vierten Klasse das Gymnasium empfohlen hatte. Unter den Realschülern, die das Gymnasium verlassen mussten, waren sogar 73 % ausdrücklich als gymnasial-tauglich eingeschätzt wor-den. …Den Grundschullehrern gibt Block keine Schuld. „Kaffeesatzlesen und Hellseherei gehören nicht zum verpflichtenden Fortbildungsprogramm von Lehrern.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 14.02.2006

Jedes dritte Kind lebt in Armut
Studie zu Geld und Bildung
Armut ist nach einer Langzeitstudie des Instituts für Sozialpädagogik und Sozialarbeit zufolge der größte Risikofaktor für die Zukunft der Kinder. 38 % der Kinder in Deutschland erlebe familiäre Armut, berichtete der Landesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Bayern, Thomas Beyer. …Dabei sei das Risiko arm zu bleiben elf mal größer als das Risiko, arm zu werden. „Armut ist der ursächlichste Grund für schlechte Bildung, Armut bestimmt die Schullaufbahn.“ So schafften von 100 Kindern, die bereits während ihrer Kindergar-tenzeit arm waren, gerade vier den Sprung auf ein Gymnasium. Bei nichtarmen Kinder liege dieser Wert bei 30. …Hauptrisikogruppen sind der Studie zufolge aus Familien mit (Langzeit-)Arbeitslosigkeit, von Zuwanderern und von Alleinerziehern. Als Konsequenz fordert die Arbeiterwohlfahrt unter anderem den Ausbau beitragsfreier Kindertageseinrichtungen. Auch die Qualität der Bildungseinrichtungen müsse kon-sequent weiter entwickelt werden.
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 31.01.2006

Mehr Bildung für weniger Armut
Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hält Wirtschaftswachstum und eine Verbesse-rung der Bildungschancen für die besten Mittel gegen Armut. …Die Wirtschaftsexperten aus Köln plädierten für eine Senkung des Sockelbetrages für Arbeitslosengeld-II-Bezieher um bis zu 25 % zugunsten einer Lohnergänzung, die nur Bedürftige erhalten sollten. Zudem forderte Hüther Ganztagsschulen und einen Bildungsauftrag für Kindergärten, deren Besuch im 1.Jahr kostenfrei sein sollte. …Der Verlust des Arbeits-platzes sei neben mangelnder Bildung der größte Risikofaktor für Armut, sagte Hüther. Als alarmierend bezeichnete er deshalb, dass Deutschland mit 3,5 % aller Erwerbstätigen die meisten Langzeitarbeitslosen in der EU vorweise. Während die Quote in den anderen Ländern zwischen 1992 und 2004 stagniert habe, habe sie sich hierzulande versiebenfacht. Bei der Arbeitslosigkeit seien vor allem Geringqualifizierte betroffen. Jeder fünfte Bundesbürger, der nur über einen niedrigen Schulabschluss verfüge, sei arbeitslos. Das sei ebenfalls die höchste Rate innerhalb der alten EU-Länder. …
Quelle: Süddeutsche Zeitung, Nr. 55/2006 Seite 19


Mehrsprachige und Mädchen schneiden gut ab
Studie zu Englisch- und Deutschkompetenz
Mehrsprachige Schüler, die mit Deutsch und einer anderen Sprache aufgewachsen waren, schnitten an allen Schularten schlechter in Deutsch ab, schafften aber überdurchschnittliche Ergebnisse in Englisch. …Die Qualität des Englisch-Unterrichts sei in großen Klassen geringer als in kleinen Kursen. Mit Hilfe von Video-Aufnahmen aus 105 Englisch-Klassen können die Desi-Forscher auch das Lehrerverhalten beurtei-len. Im Durchschnitt spreche der Lehrer doppelt so viel wie alle Schüler zusammen. (!) Außer-dem würden die Lehrer nur in seltenen Fällen länger als drei Sekunden warten, bis ein Schüler eine Antwort auf eine Frage gebe.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 03.03.2006

Bayerns Schüler haben schlechte Zähne
Bei Bayerns Teenagern hapert es am Biss: Sieben Zähne seien im Durchschnitt bei den 15 Jahre alten Hauptschülern durch Karies geschädigt, teilte die Techniker Krankenkasse mit. Bei den gleichaltrigen Realschülern und Gymnasiasten sehe es mit durchschnittlich „nur“ fünf schadhaften Zähnen etwas besser aus. Insgesamt werden den Angaben zufolge nur drei von vier der „Löcher“ im Zahn behandelt.„… …“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 18.02.2006
Anmerkung der Redaktion: Erziehungsmängel wirken sich auch auf die Zahngesundheit aus. Auch hier wird die soziale Selektion in Schularten sichtbar.

Harte Kritik am deutschen Schulsystem
Munoz für längere Grundschulzeit/ Zuwanderer und sozial Schwache benachteiligt
Das deutsche Schulsystem muss nach Einschätzung eines hochrangigen UN-Experten grundlegend umge-baut werden, damit alle Kinder gleiche Bildungschancen erhalten. Die Versorgung mit Schulen in Deutschland sei zwar sehr gut, sagte Munoz nach seiner zehntägigen Deutschlandreise. Doch habe er nicht das Gefühl, dass das  System in Deutschland darauf ziele, alle gleich einzubeziehen. An Hauptschulen gebe es viele Migrantenkinder, an Gymnasien zu wenige. „Die soziale Ungleichheit spiegle sich wider in den Bil-dungschancen“, sagte Munoz. Dies setze sich auf dem Arbeitsmarkt fort. Die Hälfte aller Zuwandererkin-der mit Hauptschulabschluss fänden keine Lehrstelle.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 22.02.2006

Montessori-Schulen bekommen Oberstufe
Montessori steht für eine moderne Pädagogik wie sie in Pisa-Spitzenländern üblich ist: der Unterricht be-steht überwiegend aus selbständiger Arbeit. Statt Noten werden am Ende des Jahres Informationen zum Entwicklungs- und Lernprozess verteilt und auch das leidige Wiederholen ist mehr oder minder aus dem Schulalltag verbannt. Vor allem aber lernen die Kinder – und das ist einmalig – altersgemischt und schulartübergreifend. … das ließ sich bislang mit dem bayerischen dreigliedrigen Schulsystem insofern verei-nen, als die 70 Montessori-Schulen des Freistaats Grund- und Hauptschulen sind….Der Montessori-Verband will die Oberstufe nun jedoch zu einem festen Bestandteil an seinen Schulen einführen. …“Seit vier Jahren stellen wir fest, dass unsere Schüler zum Teil hervorragende Ergebnisse beim mittleren Bildungsabschluss erzielen“, sagt Günther Matthes vom Vorstand des Landesverbands. Das mache ihm Mut, nun die gymnasiale Oberstufe anzugehen. Die Montessori-Sekundarstufe II soll die elfte bis 13. Klasse umfassen und sich an der neuen beruflichen Oberstufe orientieren, die Kultusminister Schneider ausbauen will. Die elfte Klasse dient als Übergangsjahr, in dem Schüler in den Fremdsprachen, Mathematik und den  Naturwissenschaften auf den gymnasialen Stand kommen sollen. In den folgenden Jahren sind Praktika und Auslandsaufenthalte geplant.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 03.03.2006

Handy-Razzia in Schule
An der Hauptschule Immenstadt hat es bayernweit erstmals eine Handy-Razzia bei Schülern gegeben. Dabei wurden vorübergehend mehr als 200 Handys der 7. bis 10. Jahrgangstufe beschlagnahmt. … Auf 16 Schülerhandys seien Porno- und Gewaltvideos, Nazi-Propaganda und Sodomiesequenzen gefunden wor-den. … Den betroffenen Schülern zwischen 14 und 18 Jahren drohen Strafverfahren wegen Besitzes und der Verbreitung verbotener pornografischer und gewaltverherrlichender Inhalte. … Die strafbaren Inhalte seien in der Pause und in der Umgebung der Schule unter den Schülern ausgetauscht worden. Sie zeigten unter anderem pornografische Handlungen mit Tieren, Nazi-Werbematerial und Tötungsdarstellungen. „Auf einer Videosequenz wird ein Messer so lange in den Hals eines Körpers gestoßen, bis der Kopf ab-fällt“, sagte ein Polizeisprecher. … Das Kultusministerium erklärte zu dem Vorfall, der Rektor habe „völlig berechtigt“ die Polizei eingeschaltet. Die Razzia sei zu begrüßen. Für so eine kleine Stadt im Allgäu handle es sich um einen „erschreckenden Vorfall“.
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 09.03.2006