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Presse Juni 2006

Presseartikel Juni 2006 - Süddeutsche - ausgewählt und zusammengestellt von Helmut Schuster  

Europa soll mehr investieren
„Gemessen an den Bildungsausgaben bleibt Europa hinter den USA und Asien zurück. Das ist das Ergebnis einer neuen OECD-Studie, die zum ersten Mal Europa Bildungsausgaben berechnet. ... In der EU werden pro Grundschüler 5000 Dollar investiert, in den USA sind es 7500 Dollar.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 15.03.06

Hundt: Mehr Geld für Schule
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat in der Debatte zur Bildungsreform mehr Geld und klare Leitlinien für die Schulen in Deutschland gefordert. Wir beobachten stattdessen mit Sorge eine unverkennbare Reformmüdigkeit, Desorientierung und Unsicherheit in den Schulen, Hektik und Alarmismus in der öffentlichen Debatte, sagte Hundt ...Die Schule der Zukunft solle Jugendliche stärker individuell fördern, Lehrer selbständig aussuchen und leistungsgerecht bezahlen sowie einen Verbund mit Eltern und Betrieben eingehen. ...“
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.05.2006

Staat zahlt 4600 Euro pro Schüler
Die öffentlichen Haushalte haben 2003 pro Schüler etwa 4600 € ausgegeben. Das entspreche der Summe aus dem Jahre 2002, teilte das Statistische Bundesamt mit. Für einen Grundschüler gab der Staat 3900 € aus, die Ausbildung eines Gymnasiasten ließ er sich mehr als 5400 € kosten. …“
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.04.2006

Zahl der Gewalttaten an Schulen gesunken

„Auch wenn die öffentliche Diskussion zurzeit anderes vermuten lässt, geht in Bayern die Gewaltkriminalität an Schulen deutlich zurück. So wurde nach einem Bericht des Innenministeriums im Jahr 2005 insgesamt 422 Gewalt-Delikte registriert, das sind 149 Fälle (minus 25,2 %) weniger als noch vor einem Jahr. ...Die Präventionsarbeit im Kinder- und Jugendbereich muss ausgebaut werden, forderte auch Rudolf Peterke von der CSU. Gegenläufig zu der Entwicklung an den Schulen nimmt die Gewaltkriminalität in Bayern insgesamt weiterhin zu, im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 %. ...“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 31.05.2006

Drohen, wegsperren, rauswerfen
Politiker reagieren auf die Berliner Schulprobleme wie gehabt – hysterisch und hilflos
„... Das Schulsystem reflektiere noch die Klassen-Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, moniert zu Recht der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Wichtiger noch als die Struktur ist die Schulkultur. Schulen dürfen nicht isoliert werden; Lehrer brauchen Supervisoren und Hilfe von Sozialarbeitern, Polizisten, Vereinen. Bereits Kindergärten müssen zu umfassenden sozial- und bildungspolitischen Zentren für Familien ausgebaut werden. ...“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 03.04.2006

„Wir können nicht alle Fehler der Gesellschaft korrigieren“
Kultusminister Siegfried Schneider über die Aufgaben der Bildungspolitik, die Probleme der Hauptschule im SZ-Interview:
„Wir haben einen wachsenden Anteil an Eltern in unserer Gesellschaft, die diese Erziehungsarbeit nicht mehr im erwünschten Maße erbringen können oder wollen. Hinzu kommt, dass Medien oft nur noch suggerieren, dass alles easy sei und Anstrengungen nicht nötig sind. Dadurch wird ausgeblendet, dass Lernen anstrengend ist und dabei auch einmal ein Wegstecken von Misserfolgen erforderlich ist. Erfolg setzt auch das nötige Arbeits- und Sozialverhalten voraus. Ich setze hier ganz bewusst auf Disziplin. Junge Menschen brauchen Vorbilder und einen Orientierungsrahmen – auch zu Hause. Schule kann nicht alle Fehler korrigieren, die die Gesellschaft hervorbringt.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 20./21.05.2006

Aufrüstung im Kinderzimmer
Steigender Medienkonsumbedingt schlechte Noten
„Kinderzimmer entwickeln sich immer stärker zu Medienzentren: Fast zwei Drittel (63,9 Prozent) der Schüler der 9. Klassen in München und fast mehr als jede zweite Schülerin (53 Prozent) verfügen über einen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer. Dazu kommen Spielkonsolen bei 50.9 % der Jungen und 20 % der Mädchen und natürlich auch Computer – im Schnitt bei mehr als jedem zweiten Jugendlichen. Dabei stehen in München erheblich weniger Geräte als im Norden der Republik. Entsprechend kommen die Neuntklässler in München auf den niedrigsten (!) Medienkonsum: Jungen verbringen im Schnitt drei Stunden und 36 Minuten täglich vor den diversen Geräten – eine Stunde weniger als in Dortmund. Bei Münchner Mädchen sind es zwei Stunden und 22 Minuten. ... Schulnoten fallen umso schlechter aus, je mehr Zeit die Kinder mit Medienkonsum verbringen und je häufiger sie dabei verbotene Inhalte bevorzugen. Auch nach den PISA-Befunden hätten jeweils die Gruppe mit höherer Medienausstattung deutlich schlechter abgeschnitten: Norddeutsche im Vergleich zu Süddeutschen, Jungen im Vergleich zu Mädchen und Kinder aus Migrantenfamilien im Vergleich zu einheimischen Deutschen. Weil viele Kinder und Jugendliche im Jahresschnitt mehr Zeit vor TV und PC verbringen als im Schulunterricht, fordert KFM-Direktor Christian Pfeiffer mehr Ganztagsschulen. ...““
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 19.04.2006

Unbehauste Kinder
Aus einem Essay von Joachim Kutschke
„Die von der Popkultur und Werbung gesetzten Wert- und Weltvorstellungen untergraben all das, was Schule, was Bildung eigentlich will, was eine humane und soziale Gesellschaft eigentlich benötigt. Und je mehr Eltern und Schulen ihren Erziehungsauftrag aus der hand geben, sich ihrer Verantwortung entziehen, umso mehr werden diese Wert- und Weltvorstellungen fremdbestimmt, verwirren die virtuellen Verführer die Köpfe unserer Kids – oder sie werden, auf ihrer mühsamen Sinnsuche allein gelassen, Opfer radikaler politischer oder religiöser Gruppen.
Wenn mit schier grenzenlosem Exhibitionismus in billigen Talkshows und Pseudo-Gerichtsverhandlungen schon am Nachmittag die Hose herunter und die Sau rausgelassen wird, auf niedrigstem Niveau Verbalschlachten über alle erdenklichen Untaten, moralische und sexuelle Schweinereien und Perversitäten zum voyeuristischen Vergnügen zelebriert werden, Brutalität, Sadismus und Horror ohnehin zur alltäglichen Unterhaltungskost gehören, ist es kein Wunder, wenn Kinder und Jugendliche seelisch und moralisch abstumpfen, Fiktion und Wirklichkeit nicht mehr unterschieden können und unsensibel für die Verletzbarkeit und das Leiden anderer werden. So kommen ihnen die ethischen Maßstäbe abhanden, die aus uns Menschen soziale Wesen machen. Wenn alles möglich und erlaubt scheint, kann ich mich unter dem Deckmantel der Liberalität und Toleranz in meine Nische gleichgültiger Verantwortungslosigkeit zurückziehen.“

Quelle: Spiegel 17/2006,

Neurobiologen auf der Spur des Mitgefühls
Spiegelneuronen sind des Rätsels Lösung
“... Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, ist eine Eigenschaft, die alle Menschen verbindet. Doch wie kommt dieses Mitgefühl zustande? Wissenschaftler haben als Grundvoraussetzung so genannte Spiegelneuronen im Gehirn ausgemacht.. Sie sind es, die den Menschen zum sozial mitfühlenden Wesen macht, sagt der Neurobiologe, Arzt Und Psychotherapeut Joachim Bauer. Sie rufen im Gehirn beim Betrachten einer Verhaltensweise die gleiche Reaktion hervor, als wäre das Wahrgenommene selbst ausgeführt worden. Das Gehirn spiegelt also das Gegenüber und legt damit die Grundlage für das intuitive verstehen, was der andere tut – und fühlt. ...Beobachtungen zeigen, dass Neugeborene bereits zum Zeitpunkt der Geburt derartige Nervenzellen besitzen. Daraus den Schluss zu ziehen, dass Mitgefühl angeboren ist, wäre daneben, betont Bauer. Um Empathie zu entwickeln, braucht es Vorbilder. Kinder müssen auch üben, die Gefühle anderer zu erspüren. Die Spiegelnervenzellen müssen eingespielt und benutzt werden. ...“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 22.02.2006

Jedes dritte Kind leidet unter massiven Ängsten
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Kölner Universitätsklinik. Überraschend sei vor allem die große Kluft zwischen tatsächlichen Ängsten der Kinder und denen, die die Eltern wahrnehmen. Laut Studie gaben 29,5 % der befragten 11- bis 17-Jährigen an, dass sie sich große Sorgen machten, ihre Eltern zu verlieren. Aber nur 4,8 % der Eltern konnten sich vorstellen, dass ihr Kinder unter solchen Ängsten leiden. ...“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 17.03.2006

Jede vierte 16-Jährige wünscht Schönheits-OP
„... Laut einer internationalen Studie würden 27 % der Befragten die Möglichkeiten Schönheitschirurgie nutzen. 72 % der Befragten gaben an, wegen Komplexen bestimmte schulische Aktivitäten zu meiden. ...“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 30.03.2006

Gefühlte Dicke
„Eine gestörte Körperwahrnehmung ist schuld, wenn gertenschlanke Frauen sich vor dem Spiegel drehen und missmutig nach Fettröllchen fahnden. ...Dem anderen Extrem geht es offenbar genau umgekehrt, wie die Medizinerin Kimberly Truesdale von der University of North Carolina ...berichtete. Sie hatte Normalgebaute, Übergewichtige und Fettleibige befragt, wie sie sich selbst einschätzten. Die ersten beiden Gruppen schätzten sich größtenteils realistisch ein. Die meisten Superdicken aber (satte 85 Prozent) erkannten nicht, dass sie die Grenzen der Moppeligkeit längst in Richtung krankheit überschritten hatten. ....“
Quelle: Spiegel 15/2006

Von wegen aufgeklärt
Bravo-Studie: Viele Jugendliche wissen nur wenig über Verhütung
„Erwachsene haben ja gerne ganz klare Vorstellungen davon, wie das Liebesleben der Jugendlichen heutzutage so aussieht. Die Jugendlichen, so glauben die Erwachsenen, sind mit zwölf Jahren restlosaufgeklärt, haben mit 13 das erste Mal Sex, trennen sich mit 14 per SMS und treiben es überhaupt sehr wild. Im Durchschnitt haben sie den ersten Sex mit sechzehn. Sie machen sich Sorgen, ob sie mit anderen körperlich mithalten können, legen großen Wert auf den Rückhalt von Freunden und Familie und sind erstaunlich schlecht informiert, wie sie eine Schwangerschaft vermeiden können. ... Ein Fünftel der Mädchen glaubt sogar, nur direkt nach der Periode schwanger werden zu können. ...“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 19.04.2006

Männer leben gefährlicher
„.Eine US-Forscher glaubt eine evolutionäre Erklärung für die geringere Lebenserwartung von Männern gefunden zu haben: das Buhlen um Frauen. Nicht anders als viele ihrer Geschlechtergenossen im Tierreich legen Männer riskante Verhaltensweisen an den tag, um die Aufmerksamkeit von möglichen Partnerinnen zu erregen: Sie prügeln sich, protzen mit schnellen Autos und setzen ihre Gesundheit durch einen auch sonst wenig schonenden Lebensstil aufs Spiel. ... Vor allem für Männer mit niedrigem sozioökonomischen Status stellten gefährliche Balz- und Konkurrenzrituale ein hohes Gesundheitsrisiko dar.“
Quelle: Spiegel 20/2006

Optimisten leben tatsächlich länger
Lebensdauer nur zu 25 % genetisch bedingt
Ein regelmäßiger Tagesablauf, ausgewogene Ernährung und besonders eine positive Einstellung sind die besten Garanten für ein langes und gesundes Leben. ...Überlastung hingegen ist ein Hauptauslöser für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. ... Optimisten können besser mit Problemen umgehen. Wer negativ denkt, begünstigt die Entstehung von Krankheiten.“
Quelle:Der Neue Tag, 21.03.2006,

Die Schule verweiblicht
KMK-Präsidentin Ute Erdsiek-Rave in einem Spigel-Interview
 „Jungen gehören überproportional oft zu den Bildungsverlieren, sie stellen viel mehr Schulabbrecher, drei Viertel aller Sonderschüler. Die Mehrheit der Abiturienten sind Mädchen. Es hat möglicherweise auch damit zu tun, dass Frauen die Schule dominieren. Der Frauenanteil in den Lehramtsstudiengängen liegt mittlerweile bei 70 %. In ein paar Jahren werden wir die Schule total verweiblicht haben. Im Kindergarten ist es noch schlimmer, da sind fast nur Frauen. Das ist keine gute Entwicklung. Den Schulen fehlt das männliche Prinzip, es fehlt an Begeisterung für Technik und Naturwissenschaft. ...“
Quelle: Spiegel 22/2006
 

Politischer Wille fehlt
Diakonisches Werk kritisiert Integrationsarbeit in Bayern
Das Diakonische Werk sieht durch massive Kürzungen der Staatsregierung die Sozialarbeit mit Ausländern gefährdet. ...Verbandspräsident Ludwig Markert: Aus meiner Sicht sind nicht Sanktionen, sondern eine bessere Förderung nötig. Wichtig ist eine kontinuierliche Sozialarbeit und nicht ein hektisches Agieren. ... So müssten mehr Ganztagsschulen eingerichtet und die Sozialarbeit enger mit den Schulen verknüpft werden. Konzeptionell gibt es viele gute Ansätze. Leider fehlt der politische Wille, diese Ansätze auch umzusetzen. ...“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 18.04.2006

Deutsche Schulen unfähig zur Integration
Ausländerkinder haben schlechtere Zukunftschancen/Zweite Generation fällt noch weiter zurück
In kaum einem anderen Industriestaat der Welt haben Ausländerkinder so schlechte Zukunftschancen wie in Deutschland. ...Danach hat sich das deutsche Bildungssystem weitgehend unfähig zur Integration von Ausländerkindern erwiesen. ...Dabei seien Ausländerkinder auch hier zu Lande in der Schule hoch motiviert. ...Migrations- und Sozialprobleme würden derart stark in den Hauptschulen konzentriert, dass sie dort nur schwer gelöst werden könnten. Der Studie zufolge verfügen mehr als 40 Prozent der in Deutschland geborenen Ausländerkinder nicht über die notwendigen Mindestfähigkeiten in Mathematik. Sie stehen daher im Hinblick Arbeitsmarkt- und Verdienstmöglichkeiten vor erheblichen Schwierigkeiten. Während in den meisten Ländern die Leistungen in der zweiten Generation besser würden, ist es in Deutschland umgekehrt.“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 16.05.2006

Schavan fordert mehr Geld für Spracherziehung
Bundesbildungsministerin gesteht nach schlechtem Abschneiden Versäumnisse bei der Integration ein
.Die Bundesregierung will angesichts schlechter Noten für die Integration von Einwandererkinder mehr in Kindergärten und Schulen investieren. Wir brauchen nicht nur Appelle, sondern auch neue Finanzkonzepte, sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan. In Zukunft müsse noch stärker als bisher in die Spracherziehung von Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren investiert werden, damit diese nicht schon bei der Einschulung benachteiligt werde. Eine kritische Bilanz zog der Berliner Bildungssenator ...Klaus Böger (SPD): Es sei mindestens ein Jahrzehnt mit der absurden Diskussion verschenkt worden, ob Deutschland ein Einwanderungsland sei oder nicht. ...Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) wertete die Ergebnisse als beweis, dass Deutschkenntnisse der Schlüssel für gute Leistungen seien. Die Eltern hätten hierfür eine Bringschuld. Im Fall der Verweigerung von Deutschkursen verlangte Stoiber Konsequenzen.“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 16.05.2006

Anmerkung der Redaktion:
In Ländern wie Australien und Kanada, die systematisch Integration fördern und die dafür nötigen Mitteln auch bezahlen, haben Migrantenkinder genau so gute Leistungen wie die Kinder der Einheimischen. Das könnten wir auch schon haben, aber das wurde verschlafen. Doch war dieses „Verschlafen“ keineswegs ein Zufall, sondern Ergebnis der Wertschätzung, die wir Experten aus dem Volksschulbereich uns schon immer aus der Politik „erfreuen“ dürfen. Bereits vor 20 Jahren haben wir aus den Hauptschulen ganz klar und im vollen Bewusstsein unserer Verantwortung Forderungen gestellt, dass das Erlernen und Beherrschen der deutschen Sprache vor einer bloßen „Schulpflichterfüllung“ durch Zuführung in die Hauptschulen stehen muss und dass dafür die nötigen Mittel bereit gestellt werden müssen. Es ist ärgerlich, jetzt darin Recht zu bekommen, aber vorher nicht gehört worden zu sein. Wie lange hätte es mit der jetzt angepeilten Sprachförderung wohl gedauert, wenn diese Kinder nicht an die Hauptschule, sondern ans Gymnasium hätten geschickt werden können?
Wir waren de facto schon seit Jahrzehnten Einwanderungsland. Die nötigen Angebote hat es nie gegeben, wir haben das immer eingefordert. Jetzt so zu tun, als hänge die nicht entwickelte Sprachkompetenz mit unwillige Ausländereltern zusammen, ist nicht nachvollziehbar und wirkt wenig integer.


Stoibers Oberlehrer
Kultusminister Siegfried Schneider ist seit einem Jahr im Amt
...Seine Maxime: Es müssen alle Talente eine Chance haben, vom Förderschüler bis zum Hochbegabten. Damit diese Politik erfolgreich sein kann, braucht Schneider mehr Geld. ... Im Nachtragshaushalt muss Schneider weniger sparen als geplant. Die Erwachsenenbildung ist vorerst gesichert und die Gymnasien und Realschulen bekommen mehr Lehrer. Dennoch gibt es einen Haken: Grund- und Hauptschulen sollen wegen sinkender Schülerzahlen 400 Stellen abtreten, dabei könnten sie diese so dringend brauchen. Wenn ich mehr Stellen brauche, werde ich dies für den Doppelhaushalt auch anmelden.“
Quelle:, Süddeutsche Zeitung, 22./23.04.2006
Anmerkung der Redaktion: Keine 1. Klasse über 25 Schüler auch in Bayern wäre ein Traum für alle Eltern und Kinder gewesen! Dafür war wohl kein Geld da. Entscheidend für den Bildungserfolg ist nach PISA das Erlernen der Lesekompetenz in den ersten Schuljahren. Prioritäten richtig setzen heißt, dem Rat der Experten folgen!

„... Stoiber verwies auf die hohe Bedeutung von Forschung und Entwicklung in Finnland. Das Land gebe dafür 3,5 % seines Bruttoinlandsprodukts aus. Dies könne ein Maßstab sein, wenn Europa mit den anderen einflussreichen Regionen der Welt mithalten wolle. Am letzten tag seiner Reise besuchte der CSU-Politiker die deutsche Schule in Helsinki. Er zeigte sich in dem PISA-Vorzeigeland beeindruckt von der individuellen Förderung der Kinder. Es sei überzeugend, dass sowohl die stärkeren als auch die schwächeren Schüler nach ihren besonderen Fähigkeiten gefördert würden. Insgesamt aber lägen Bayern und Finnland im internationalen Schulvergleich nicht weit auseinander. ....Dort gehen die Kinder neun Jahre lang gemeinsam in die Schule, es gibt also nicht schon nach der vierten Klasse eine Entscheidung über die weitere Schulkarriere. “
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 22./23.04.2006
Anmerkung der Redaktion: Auch die soziale Selektion findet dort nicht statt. Die Schule wird in eigener Verantwortung teilautonom vor Ort gestaltet. Acht Jahre lang kommen die Finnen ohne Noten aus, Maßstab ist der wirkliche Lernzuwachs an Wissen und Können und die Lehrer-Schüler-Relation in den ersten Schuljahren dürfte etwa doppelt so günstig sein wie bei uns in Bayern. Man könnte eine Menge von den Finnen lernen, wenn man nur wollte, aber viele Erkenntnisse sind „politisch“ noch nicht gewollt.

Freistaat spendet eine Million Euro fürs Papsthaus
„Auf heftige Kritik bei SPD und Grünen stößt das Ansinnen der Staatsregierung, mit einer Million Euro den Kauf des Papst-Geburtshauses in Marktl zu bezuschussen. ... Über den Kaufpreis schweigen alle Beteiligten eisern, er soll aber zwischen drei und vier Millionen Euro liegen ...SPD-Haushaltspolitiker Heinz Kaiser: Die Kirchen haben ihre eigenen Einnahmen und der Staat zahlt ohnehin großzügig für sie. ... Die bisherige Besitzerin, Claudia Dandl, hatte im Juni vergangenen Jahres erklärt, sie wolle das Papst-Haus verkaufen. ...In jedem Fall eine deutliche Wertsteigerung – hatte sich Dandl doch, wie man sich vor Ort erzählt, bereits vor der Wahl Papst Benedikts nach Käufern umgesehen, für angeblich 350.000 € aber keinen Käufer gefunden.“
Quelle: , Süddeutsche Zeitung, 05.04.2006

28,6 Milliarden Euro für neue Bundesländer
Ostdeutschland hat auch im vergangenen Jahr mit deutlichem Abstand am meisten vom Finanzausgleich zwischen den Ländern und dem Transfer des Bundes profitiert. Nahezu 90 % der gesamten Finanzströme – 28,6 Milliarden Euro – flossen in die neuen Länder. ... Den größten Beitrag im Finanzausgleich leistete Bayern mit 2,22 Milliarden Euro.“

Anmerkung der Redaktion: Also fleißig weiter Knausern mit Sparhaushalten a la Null-Neuverschuldung 2006 in Bayern! 15 Kinder in Mecklenburg-Vorpommerns Grundschulklassen und 23 in Bayern! Das Geld will gut angelegt sein, wird aber nach neuesten Berichten immer noch häufig zweckentfremdet für Personal- und konsumtive Ausgaben eingesetzt!

Kleine Revolution der Amtsstatistik
Neue Zahlen: In Deutschland leben 15 Millionen mit Migrationshintergrund
Wie viele Ausländer leben in Deutschland? Wer sich auf den Internet-Seiten des Statistischen Bundesamts informieren will, findet eine präzise Zahl: Ende 2004 wohnten demnach 7,3 Millionen Ausländer in der Bundesrepublik – also deutlich weniger als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung von 82,5 Millionen. Wie sehr diese Zahl in die Irre führt, haben die amtlichen Statistiker nun selbst berechnet. Denn der Mikrozensus 2005 ...zeigt, dass etwa jeder fünfte Bewohner der Republik zugewandert ist oder immigrierte Eltern bzw. Großeltern hat. ... Die neuen Berechnungen belegen auch, dass die Schulen in den kommenden Jahren eine steigende Zahl von Zuwandererkindern unterrichten müssen. So stellen Migrantenkinder bei den bis zu Sechsjährigen heute einen Anteil von genau einem Drittel. ... Derzeit jedoch, das zeigen die Zahlen ebenfalls, bilden die Schulen Migrantenkinder nur unzureichend aus. ... So haben von den 25- bis 35-jährigen türkischstämmigen Einwanderern fast 60 Prozent keinen beruflichen Bildungsabschluss. Die kleine Revolution der amtlichen Statistik ...dürfte übrigens auch eine Legende widerlegen: Dass Deutschland kein Einwanderungsland sei, lässt sich bei Kenntnis der neuen Daten nicht mehr behaupten.

Anmerkung der Redaktion: Als vor 10 Jahren jährlich bis zu einer Million Einwanderer ins Land kamen und wir auf diese Tatsache hingewiesen haben, wollte das niemand aus der politischen Verantwortung zur Kenntnis nehmen. Diese Vertuschungstaktik liefert letztlich Rechtsradikalen die Munition, Ausländerhass zu predigen. Aber nicht die Ausländer sind für diesen Zahlennebel verantwortlich zu machen.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 06.06.2006

Migration und Sitzenbleiber
Der erste deutsche Bildungsbericht
„...Was die Schule anbelangt, so sei Deutschland im internationalen Vergleich das Land mit den meisten Sitzenbleibern. Viel zu hoch sei auch der Anteil jener, die ohne Abschluss die Schule verlassen. In der beruflichen Ausbildung habe sich die Zahl jener um fast fünfzig Prozent – insgesamt eine halbe Million – erhöht, die nicht sofort einen Beruf erlernten, sondern auf die Berufsausbildung erst einmal vorbereitet werden müssten.…Schüler mit Migrationsintergrund hätten es schwerer, auf eine weiter qualifizierende Schule zu gelangen, aber auch, sich dort zu halten. “
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2006

Das planmäßige Scheitern
Frühe Auslese, geringe Durchlässigkeit, zahlreiche Abbrecher: Zu viele Schüler bleiben auf der Strecke
„...22 Prozent der 15-Jährigen scheitern an einfachsten Leseaufgaben, 11 Prozent verlassen die Schule ohne Abschluss, 40 5 der Jugendlichen, die eine Berufsausbildung beginnen wollen, landen in einer Warteschleife mit unsicherer Zukunft. Die Zahlen seien sehr beunruhigend, sagt Martin Baethge vom Soziologischen Forschungsinstitut in Göttingen. ... Im Schuljahr 2004/2005 mussten von insgesamt 9 Millionen Schülern mehr als 250.000 eine Klasse wiederholen. Das entspricht im internationalen Vergleich einer äußerst hohen Quote von 2,8 %. In Bayern ist das Risiko für Schüler der Klassen 5 bis 10 dabei fast dreimal so hoch wie in Baden-Württemberg. (6 % in den Jahrgängen 5 bis 10). ...“
Quelle:, Süddeutsche Zeitung, 03./04./05.06.2006

Teure Sitzenbleiber
Die vielen Sitzenbleiber an bayerischen Schulen haben nach Angaben der SPD allein im vergangenen Schuljahr Mehrkosten von 210 Millionen Euro verursacht. Den Angaben zufolge haben im vergangenen Schuljahr rund 54.000 Kinder eine „Ehrenrunde“ gedreht. Mehr als die Hälfte seien „Pflichtwiederholer“ gewesen, ein Viertel sogenannte „Übertrittswiederholer“, die nach der 5. Klasse Hauptschule in die 5. Klasse Realschule wechselten, ... Die Mehrkosten von insgesamt 210 Millionen € sind laut SPD nach dem Anteil der „Sitzenbleiber“ an dem Gesamtaufwand für die Schulen errechnet. Sie entsprechen rund 3500 Lehrerstellen. Das Kultusministerium betonte, es sei natürlich das Ziel, die Zahl der „Sitzenbleiber“ zu senken. ... Ein Ausbau der individuellen Förderung sei vorgesehen.“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 25./26.05 2006

Neue Leistungstests
Wie die Kultusminister auf den Bildungsbericht reagieren
„Die neuen Tests, die das Berliner Institut für Qualität im Bildungswesen entwickelt, sollen im Jahr 2009 beginnen. Geplant sind Stichproben in den dritten, achten und neunten Klassen sowie ein Vergleich der Bundesländer. Der Test für Drittklässler soll regelmäßig alle fünf Jahre, für die anderen Stufen alle sechs Jahre abgenommen werden. ...“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 03./04./05.06.2006

Lehrer sind reformbereit
Die Lehrer in Deutschland sind nach dem PISA-Schock für grundsätzliche Schulreformen offen und wollen sich bundesweiten Leistungstests nicht verweigern. Gleichwohl möchte eine Mehrheit von 62 Prozent am derzeit heftig umstrittenen Sitzenbleiben festhalten. … Mit 56 Prozent spricht sich erstmals eine Mehrheit unter den Pädagogen für ein längeres gemeinsames Lernen über die vierjährige Grundschulzeit hinaus  aus – so wie dies in allen erfolgreichen PISA-Staaten üblich ist. 1998, bei der ersten Lehrerbefragung durch das Institut, waren dies erst 24 Prozent.  ….Jeder siebte Lehrer sieht sich als ausgebrannt an Mehr als jeder zweite nennt Hektik im Schulalltag als Belastung.
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 13.06. 2006

Ich fahrte zu die Elefanten
Millionen deutscher Schüler können nur schlecht sprechen, schreiben und lesen
Unionsfraktionschef Volker Kauder im SZ-Interview: Wir beobachten seit Jahren, in letzter Zeit aber verstärkt, so genannte Sozialhilfe-Karrieren. Wir haben zunehmend auch deutsche Familien, die in zweiter, dritter oder sogar vierter Generation von Sozialhilfe leben. Kinder, die in solchen Familien aufwachsen, haben erhebliche Integrationsprobleme. ..Sie lernen nicht, das zu verstehen, was sie hören. Sie lernen oft nicht richtig sprechen. Mir erzählen Lehrerinnen und Lehrer, dass sie eine größer werdende Anzahl von Schülern haben – mit Migrationshintergrund, aber auch Deutsche – wo die Kinder die einzigen sind, die morgens aufstehen. ..Sie leben praktisch ein Leben, das nicht mehr in dieser Gesellschaft stattfindet. Es gibt also auch deutsche Parallelgesellschaften. ...Wir wissen, dass Kinder aus solchen Familien kaum eine Chance in unserer Gesellschaft haben. Das kann nicht sein. Da erwarte ich Vorschläge von den Fachleuten. Vor allem aber müssen wir die Akteure aller staatlichen Ebenen zusammenbringen und uns gemeinsam auf konkrete Ziele eines „Nationalen Integrationsplans“ einigen….“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 13./14.05.2006
Anmerkung der Redaktion: Da können wir nur zustimmen, wir sind dabei! Paradigmenwechsel bei der Sozialpädagogik hin zur Prävention! Umgehend Schulsozialarbeit an allen Grund- und Hauptschulen!

Geld für Ganztagsschulen falsch verwendet
Rechnungshof wirft den Ländern missbräuchliche Verwendung der vom Bund gezahlten Förderung vor
„...Mit dem Geld würden nicht nur Ganztagsangebote an den Schulen ausgebaut, sondern auch Schuldächer und Heizungen saniert, die Einfahrt und der Zaun erneuert oder das Schulmuseum umgebaut, heißt es in dem Gutachten. …Mehrere Landesregierungen wiesen die Kritik des Rechnungshofs zurück. ….“
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 10.05.2006

Handys müssen an Schulen künftig ausgeschaltet werden
Bayerisches Kabinett beschließt ein generelles Nutzungsverbot
„Nach dem Auftauchen von Porno- und Gewaltvideos auf Schülerhandys Müssen an bayerischen Schulen die Mobiltelefone künftig ausgeschaltet bleiben. Auch in den Pausen darf das Handy nicht mehr benützt werden. ...“
Quelle:, Mittelbayerische Zeitung, 29.03.2006

An Gymnasien zu viele Lehrer krank
An Bayerns Gymnasien fallen im laufenden Schuljahr vier Prozent der Unterrichtsstunden ersatzlos aus. Das hat eine am Freitag veröffentlichte Studie des Kultusministeriums ergeben. An den Realschulen fallen ...2,8 % der Unterrichtsstunden aus. ...an den Grund- und Hauptschulen 1,7 % ... In einer Gesamtbilanz habe die Zahl der ersatzlos ausgefallenen Unterrichtsstunden an Bayerns Schulen in den vergangenen Jahren gesenkt werden können, betonte Kultusminister Siegfried Schneider (CSU). Bei den Gymnasien schlägt der Unterrichtsausfall im laufenden Jahr in der Oberstufe (11. – 13. Klasse) mit 6,2 % besonders stark zu Buche. In der 5- bis 10. Klasse fallen dagegen mit 3,1 % deutlich weniger Stunden aus.
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 19.05.2006

Langweiliger Unterricht ist guter Unterricht
Der Schulunterricht kann nach Ansicht britischer Lehrer gar nicht langweilig genug sein. Mit öden Unterrichtsstunden würden Kinder bestens auf das Leben vorbereitet, stellte der britische Lehrerverband Association of Teachers and Lectures fest. Wer gelangweilt sei, werde dazu gebracht, Fantasie zu entwickeln.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 15./16./17.06.2006

Weigerung kann zur Kündigung führen
Mitarbeiter, die sich beharrlich weigern, eine ihnen aufgetragene Arbeit zu erledigen, riskieren die außerordentliche Kündigung durch den Chef. ... Der fristlosen Kündigung müsse in der Regel eine schriftliche Abmahnung vorausgegangen sein.
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 19.05.2006

Kleine Klassen, große Wirkung
„Kinder, die während der Grundschule in kleinen Klassen unterrichtet werden, erreichen später bessere Schulabschlüsse. Dies ergab eine großangelegte Untersuchung von Wissenschaftlern der University at Buffalo im Bundesstaat New York. Die Forscher verfolgten in ihrer Studie den Werdegang von fast 5000 Schülern von der Vorschule. Bis zum Ende der High School. Nach dem Zufallsprinzip waren die Schüler am Anfang der Vorschule entweder einer kleinen Klasse (13 bis 17 Schüler) oder einer normal großen Klasse (22 bis 26 Schüler) zugeteilt worden. Das überraschende Ergebnis nach 13 Beobachtungsjahren: Von den Kindern, die im Grundschulalter vier Jahre lang in einer kleinen Klasse gelernt hatten, erreichten 15 % mehr einen High-School-Abschluss. Bei Schülern aus ärmeren Familien war der Effekt besonders groß: Bei ihnen stieg die Schulabschlussrate um 25 Prozent.. ...“
Quelle: Spiegel 20/2005

Schulstudie: Kleiner ist feiner
 „Mit wenigen Mitschülern lernt es sich besser als in großen Klassen. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Passau, die die Auswirkungen von Klassengröße auf Lernbedingungen, Lernergebnisse und Sozialklima untersuchte. Zwei Jahre lang vergleichen Hauptschullehrer im Auftrag der Uni kleine (15 bis 20 Schüler) mit großen Gruppen (mehr als 30 Kinder).
Im Gegensatz zu XXL-Klassen herrscht bei kleinen Gruppen ein günstigeres zwischenmenschliches Klima, wodurch Schüler mit größerer Motivation und Freude arbeiten. Studienleiter Fritz Haselbeck, Dozent an der Philosophischen Fakultät: Die Schüler sind ruhiger, disziplinierter. Lehrer ermahnen und bestrafen weit weniger. ....Pädagogen könnten mehr beraten und fördern. So gewinne der Unterricht an Intensität und Qualität.“
Quelle: Focus 15/2005

Schulleiter sollen in Zukunft frühzeitig rekrutiert und qualifiziert werden
Rund 300 Schulleiterposten werden jährlich an Bayerns Schulen frei - Tendenz steigend. Aber das Interesse ist an manchen Schularten mäßig. In der gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Bildung, Jugend und Sport sowie für Fragen des öffentlichen Dienstes hat das Kultusministerium darüber berichtet, wie der Führungsnachwuchs früher geworben, wie aber auch die Qualifikation verbessert werden kann.
Der Schulleiter der Zukunft muss nach den Worten von Ministerialdirektor Josef Erhard nicht nur führen können, er muss seine Mitarbeiter auch beurteilen und motivieren und - vor allem - im Konfliktfall zwischen den beteiligten Parteien vermitteln. Voraussetzung für eine Bewerbung soll künftig die Teilnahme an speziellen Seminaren sein. In Orientierungslehrgängen können die Interessenten im Rahmen von Assessmentübungen auch selbst einschätzen, ob sie sich für eine Führungsaufgabe eignen. Weitere insgesamt 22,5 Schulungstage sind nach Amtsantritt innerhalb der ersten fünf Jahre fällig.
Es sei kein Wunder, wenn gerade für die Leitung an Volks- und Förderschulen wenig Interesse bestehe, meinte Reinhold Strobl (SPD). Den Schulleitern würden immer mehr Aufgaben aufgebürdet ohne eine entsprechende Entlastung. Grünen-Abgeordnete Simone Tolle schloss sich an: Man könne nicht nur die Ausbildung entwickeln, ohne die Stelle selbst zu verändern. (asa)
Quelle: Maximilianeum Nr. 4/2006

Es gibt zu viele Hauptschul-Wiederholer
Die Zahl der freiwilligen Wiederholer an Hauptschulen und der Abgänger ohne Abschluss ist zu hoch, darin waren sich die Abgeordneten aller Parteien im Bildungsausschuss einig. Die CSU bezweifelte jedoch, dass mehr individuelle Förderung, wie von der SPD vorgeschlagen, zum Ziel führen könnte.
Viele Schulleiter kommen derzeit in die Jahre. Das Kultusministerium sucht Nachfolger.
4741 Schüler hätten im Schuljahr 2004/2005 die Jahrgangsstufe freiwillig wiederholt, um einen besseren Abschluss zu erreichen, legte SPD-Bildungsexperte Hans Ulrich Pfaffmann dar. Im Schuljahr 2003/2004 hätten 2338 Schüler die Hauptschule ohne Abschluss verlassen. Das Kultusministerium bestätigte diese Zahlen: Im Folgejahr seien sie sogar weiter angestiegen.
Die hohe Zahl der Wiederholer sei auf die Ausbildungsplatzsituation zurückzuführen, meinte Eduard Nöth (CSU). Hierbei handele es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nöth regte an, die Jugendsozialarbeit an den Schulen auszuweiten, um den jungen Leuten bessere Startchancen zu ermöglichen. Von 350 „angedachten" Stellen gebe es nur 87. Bei der Opposition rannte er damit offene Türen ein.
Hans Ulrich Pfaffmann räumte ein, eine Ausweitung der individuellen Förderung könne nicht die gesamte Problematik lösen. Doch sei dies ein Beitrag hin zu besseren Schulabschlüssen. Die CSU war offenbar anderer Meinung. Sie lehnte die SPD-Forderung mehrheitlich ab.  ( asa)
Quelle: Maximilianeum Nr. 4/2006

Kurze Beine, lange Wege: Schulweg für CSU kein Problem
Die CSU-Bildungspolitiker halten eine regionale Schulnetzplanung nicht für notwendig. Zwei Anträge der Opposition hatten darauf abgezielt, trotz sinkender Schülerzahlen wohnortnahe Standorte auch auf dem Land zu sichern. Die CSU begründete ihre Ablehnung damit, dass die Staatsregierung bereits eine Regionalplanung für die Hauptschulen betreibe und auch für Grundschulen an neuen Konzepten gearbeitet werde, etwa der Zusammenlegung von Jahrgängen.
„Es kann nicht pädagogisch sinnvoll sein, wenn immer mehr Schüler Schulwege von über einer Stunde in Kauf nehmen müssen", monierte Reinhold Strobl (SPD). Ziel sei der Erhalt von Schulstandorten, auch müsse man „offen für neue Schulformen" sein, etwa indem Haupt- und Realschulen miteinander kooperierten. Auch eine sechsjährige gemeinsame Schulzeit sei erwägenswert.
Da sah die CSU rot: Hans Rambold argwöhnte, dass die SPD durch die Hintertür versuche, das dreigliedrige Schulsystem zu überwinden. (asa)
Quelle: Maximilianeum Nr. 04/2006

Projekt zum gesunden Pausensnack erfreut die Gesundheitspolitiker
Hotdog, Pizza und Schokoriegel stehen bei Kindern hoch im Kurs. Mit fatalen Folgen für die Gesundheit. Denn falsche Ernährung mindert langfristig nicht nur die Lebensqualität, sondern birgt zusätzlich erhebliche Gesundheitsrisiken. Bereits 1998 ergab eine Umfrage unter 3500 Nürnberger Grundschülern, dass 16 Prozent der Kinder an Übergewicht litten. Jedes dritte Kind wies erhöhte Blutdruck- und Cholesterinwerte auf. Solchen Entwicklungen wollte das Gesundheitsministerium entgegenwirken. Im Umweltausschuss stellte Ministerialrätin Hildegard Rust die Ergebnisse des Projekts „Schülerunternehmen essen, was uns schmeckt" vor.
Vier Jahre lang förderte das Haus im Rahmen der Initiative „Gesund. Leben. Bayern" das Projekt, in dem Schüler eigenständig Schülercafes gründen und wie einen kleinen Betrieb führen konnten - vom Einkauf über die Buchhaltung bis zum Pausenverkauf. Die Schüler entschieden, welches Essen in den Pausen angeboten wird. Schulen, die auf eine gesunde Ernährung umgestellt hatten, konnten mit Fördergeldern von bis zu 4500 Euro jährlich rechnen.
Ziel war es, die Schüler an eine bewusste und gesunde Ernährung zu gewöhnen. Denn die Ernährungsweise der Eltern, das haben Studien ergeben, wirken sich stark auf die Essgewohnheiten von Kindern aus. Vor allem im Grundschulalter lässt sich das Essverhalten der Kinder noch gut beeinflussen. Hier waren die Lehrer gefragt, die vom Ministerium mit entsprechenden Infomaterialien versorgt wurden.
Insgesamt beteiligten sich 113 Schulen an dem Förderprogramm, davon 26 allein im vergangenen Jahr. Dass fast 70 Prozent der Teilnehmer Haupt- oder Förderschulen sind, erklärte Rust mit den Lehrplänen dieser Schulen. Diese würden dem Ansatz des Projektes am ehesten entsprechen.
Auch die Opposition lobte das Projekt. Als „hervorragend" bezeichnete es die Grünen-Politikerin und Kochbuchautorin Barbara Rütting. Sie fand in der Begleitbroschüre viele Punkte wieder, die ihre Fraktion im Februar in einem Antrag gefordert hatte. Ludwig Wörner (SPD) bemängelte die geringe Teilnehmerzahl. „Die Programme finden nicht die Anwendung, die wir uns wünschen." Ein koordinierteres Vorgehen wäre wünschenswert gewesen. Zudem regte er an, die Eltern noch mehr in die Entscheidung einzubinden, was an den Schulkiosken verkauft wird, sowie das Projekt möglichst rasch auch auf Kindergärten und Kindertagesstätten auszuweiten. Birgit Kruse
Quelle: Maximilianeum Nr. 04/2006

Nicht jeder Beamte eignet sich auch als Lehrer
Beamte, die nach der Verwaltungsreform nicht mehr gebraucht werden, könnten doch die Personalknappheit an Bayerns Schulen mildern helfen. Für diese Idee der Staatsregierung hagelte es schon im Vorfeld Kritik - und zwar nicht nur von der Oppositionsbank. Wasser auf die Mühlen der Skeptiker war der Bericht des Kultusministeriums vor den Ausschüssen für Bildung, Jugend und Sport sowie für Fragen des öffentlichen Dienstes: Von anfänglich 500 Interessenten sind nur 68 bei ihrem Wunsch geblieben. Insgesamt konnten 150 Lehrerstellen besetzt werden.
500 Beamte im Schnupperkurs, 170 tatsächliche Bewerbungen, 96 Personen traten die zweijährige Nachschulung an, 28 sprangen vorzeitig wieder ab: 68 sind momentan noch übrig. „Das erinnert mich irgendwie an das alte Kinderlied von den ,zehn kleinen Negerlein'", kommentierte Eduard Nöth (CSU) die Fluktuation. Walter Eykmann (CSU), bekennender Gegner der Maßnahme, meinte: „Die Weihe des Beamten ist nicht zugleich die Handauflegung für einen guten Lehrer."
Hans Ulrich Pfaffmann (SPD) hielt die Maßnahme für den „größtmöglichen Unsinn" und witterte den Einstieg in den „Lehrer zweiter Klasse". Der Grüne Adi Sprinkart nannte die Anforderungen an die Quereinsteiger, die lediglich keine Sechs im Zeugnis haben dürfen, aber immerhin eine Fünf, einen „Schlag ins Gesicht der Leute, die sich rechtschaffen um den Lehrerberuf bemühen".
Für die finanzielle Seite der Aktion interessierten sich alle Abgeordneten. Vereinbart ist derzeit, dass die Vergütungen bis 1. September 2010 noch ganz vom ursprünglich zuständigen Ministerium getragen werden, bis 1. September 2011 noch zur Hälfte. Danach muss das Kultusministerium die gesamten Kosten übernehmen.                           Quelle: Maximilianeum Nr. 04/2006

Ausgewählt und zusammengestellt von Helmut Schuster,
ergänzt mit Beiträgen von Johann Horvath