Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich einverstanden mit den Datenschutzbedingungen.

Alle Jahre wieder - klimagerechte Sommerferien!

Glosse von Till E. Spiegel 2008

 

Die Glossen sind keine Meinungsäußerungen des BSV. Sie enthalten Gedanken und Anregungen eines Mitglieds, manches ist auch unterhaltsam ironisch gemeint.

  

Till E. Spiegel

Alle Jahre wieder - klimagerechte Sommerferien!

 

Niemand bezweifelt heute noch ernsthaft die Tatsache des Klimawandels, der unabhängig von der Frage, wie hoch der Anteil der Menschen daran ist, zum Handeln durch Anpassung zwingt. Wenn in den letzten zwölf Jahren die elf wärmsten innerhalb der letzten hundert Jahre waren, hat das nichts mehr mit Zufall zu tun und die Hoffnungen, das regelt sich wieder von selbst, sind naiv und gefährlich zugleich.
Wenn also in Bayerns Schulen über viele Wochen ab Juni auf Grund tropischer Temperaturen auch beim besten Willen kaum mehr etwas gelernt werden kann und „hitzefrei“ ein Dauerstreitthema ist, wird es Zeit zu reagieren.
Wir könnten die Schulen mit Klimaanlagen ausstatten, damit auch über Mittag und nachmittags der geplante Unterricht noch stattfinden kann. Für die Investitionsgüterindustrie wäre das natürlich interessant, der Effektivität der Ausgaben für den Bildungssektor würde das weniger gut tun. Klimaanlagen und entsprechende Umbauten sind nicht nur in der Anschaffung teuer, sie kosten den finanzschwachen Kommunen auch dauerhaft hohe Energiekosten. Und dann sind solche Anlagen auch nicht ohne besondere gesundheitliche Risiken, nicht nur für Allergiker! Alles in allem eine eher furchteinflößende Alternative!
Schauen wir einfach in südliche Länder, die mit solchen Temperaturen schon immer umgehen müssen. Da haben die Kinder im Sommer drei Monate Ferien. In Österreich sind 8 Wochen frei und diese Lösung passt auch für Bayern. Also, im Juli und August gibt es lange große Ferien mit Kurcharakter für die gestressten Lehrer. Dafür fallen die zwei Wochen Pfingstferien weg, denn 75 Ferientage (davon rein rechnerisch ca. 15 Samstage) zu halten ist genug und die Zeit vom Ende der Osterferien bis Ende Juni müssten die Schulen allemal in Ehren für einen anständigen Abschluss des Schuljahres nützen können.
Innerhalb zusammenhängender acht Wochen für die eigene Familie eine Urlaubsfahrt zu planen, dürfte diesen eher leichter fallen als bisher. Und im kühlen September gleich wieder anzufangen, dürfte kein großes Problem sein, besonders wenn man an die Herbstferienwoche um Allerheiligen denkt. Und den anderen Ländern in der föderalen Staatsrepublik geht das gar nichts an! Schulen sind Ländersache, was hin und wieder und hier besonders von Vorteil ist!
Man darf gespannt sein, mit welchen originellen Gegenargumenten Staatsverwaltung, Politiker und andere Personen der Öffentlichkeit, die gerne über die Schule reden aber nicht viel davon verstehen, diesen konstruktiven Problemlösungsvorschlag verhindern bzw. auf die lange Bank schieben werden. Jeder jammert über die Reformunfähigkeit in Deutschland, aber noch größer scheint die Angst vor Veränderung und davor, Widerstände von Bedenkenträgern aller Art überwinden zu müssen. „Das war schon immer so, das hat es noch nie gegeben!“. Wer kann sich solch „schlagenden Argumenten“ widersetzen?
Die gewonnene Freiheit bei der Föderalismusreform könnte von Bayern jetzt dafür genützt werden, die eigenen Ferien schnell so zu regeln, wie es für die Schüler und die Schule am besten ist, ohne dass die Kultusministerkonferenz uns eine Strich durch Rechnung macht. Wir können auf den Klimawandel mit einer sinnvollen Ferienregelung reagieren, jetzt gleich, früher oder später werden wir es tun müssen. Lasst uns ernsthaft darüber reden!

Übrigens: Die Lehrer haben als Beamte des Freistaats Bayern natürlich bei einer vorgesetzten 42-Stunden-Woche nur Anspruch auf 30 Urlaubstage. Sie verbringen zahlreiche Samstage und Ferientage mit Korrektur- und Vorbereitungsarbeiten und erreichen nach mehreren Untersuchungen – die Ferien eingerechnet – im Durchschnitt eine Arbeitswoche von ca. 46 - 48 Vollstunden. Neid ist hier nicht angebracht, schon gar nicht nach den einseitigen Arbeitszeiterhöhungen für Beamte in Bayern, der kompletten Streichung des Urlaubsgelds, den Kürzungen beim Weihnachtsgeld und nach drei Jahren Lohnpause mit weiteren realen Einkommensverlusten für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes.