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Beamtenrecht ändern – geht denn das?

Sonntag, 03 Februar 2008

 

Die Glossen sind keine Meinungsäußerungen des BSV. Sie enthalten Gedanken und Anregungen eines Mitglieds, manches ist auch unterhaltsam ironisch gemeint.

Till E. Spiegel

Textfeld: Mobbing-Opfer LehrerTextfeld:
Beamtenrecht ändern – geht denn das?

Mal ganz ehrlich!
Was ist das größte Problem der deutschen Schullandschaft?
Es sind Lehrer, die ihrem Beruf nicht (mehr) gewachsen sind!
Mit denen Klassen fertig werden und nicht umgekehrt!
Die sich nicht durchsetzen können! Die ausgebrannt sind und nicht mehr weiter wissen!
Die trotz „Burn-out-Kurse“ beim besten Willen nicht mehr ankommen!

Sechs von sieben Kliniken zur Rehabilitation bei psychisch bedingten Berufsleiden werden regelmäßig von Lehrern gefüllt, der Rest sind Polizisten, Sozialarbeiter und alle anderen Berufe zusammen. Das ist kein großes Geheimnis. Aber irgendwie doch ein Tabu!
Wir fragen nicht lange, wie das kommt. Das ist so! Die Gründe sind offensichtlich, sie haben mit der Wertschätzung der Schulbildung in der Gesellschaft zu tun und mit der weit verbreiteten Erziehungsunfähigkeit in jenen Keimzellen derselben, die man teilweise kaum noch  als „Familien“ bezeichnen mag.
Wir müssen den Nachwuchs gezogen oder ungezogen nehmen, so wie er in die Schule geschickt wird. Dass damit ein Teil der Lehrer, schätzungsweise 5 bis 20 Prozent, im Norden mehr als im Süden, in staatlichen Schulen mehr als in privaten, bei Vollzeitkräften mehr als bei Teilzeitkräften, aber schulartübergreifend sehr ähnlich, nicht mehr zurecht kommt und tagtäglich „das Handtuch schmeißt“, ist nicht verwunderlich. Sie haben leider nicht gelernt, mit hoher Erziehungskunst, fachlicher Begeisterung und persönlicher Lebenskompetenz die Schüler trotz aller Widrigkeiten zum Lernen und zu anständigem Verhalten zu bringen oder wenigstens die Manege als Sieger zu verlassen, wenn sich die Meute anders nicht bändigen lässt.
Es sind keineswegs nur kleine Blessuren, mit denen diese armen Lehrer und Lehrerinnen tagtäglich aus dem Ring steigen. Da sind viele Tiefschläge dabei und Attacken von hinten genau dahin, wo es besonders weh tut. Wer sich nicht gut wehren kann, wird zum Prügelknaben und das sind beileibe nicht nur Schüler, Frauen, Ausländer und sozial Schwache. Gestandene Mannsbilder, zweifach staatlich examiniert, mit hohem Berufsethos werden als Versager hingestellt und fühlen sich auch so, wenn sie sehen, dass ihre Kollegen mit den gleichen Kindern doch noch zu Recht kommen. Sie können es nicht oder nicht mehr, sie schaffen es nicht und nach den Schülern kommen auch die Eltern und sogar Textfeld:  die Kollegen und fordern das Unmögliche.

  • Es wird Zeit, dass wir von diesen Kollegen das Mögliche fordern. Wer es nicht mehr schafft, ganze Klasse zum Lern- und Erziehungserfolg zu führen, sollte dennoch eine für alle Seiten wesentlich bessere Alternative ergreifen können, als es nach langen zermürbenden Jahren eines aussichtslosen Kampfes meist durch die eine teure Frühpensionierung geschieht. Solche Lehrer, die hier gemeint sind, und das wissen am besten die Experten aus Schulleitung und Schulaufsicht sowie die mit Frühpensionierung beschäftigten Beamten, verlassen die Schule und die Sphäre der beruflichen Anerkennung oft schon zehn oder 15 Jahre vor der normalen Pensionierung, weil sie in größte gesundheitliche Probleme durch Depressionen, psychosomatische Erkrankungen oder Alkoholsucht geraten sind. Dies kostet der staatlichen Gemeinschaft viele Milliarden € jedes Jahr und den Betroffenen ihr ganzes soziales Ansehen.
  • Textfeld:

Was nötig wäre, ist für viele undenkbar, aber nicht für eine Gesellschaft, die aufgeschlossen und flexibel auf die Anforderungen in unserer globalisierten Welt reagiert. Es wäre nötig, das Beamtenrecht so zu ändern, dass Lehrkräfte, denen auf Grund ihres nervlichen Gesundheitsstandes attestiert wird, dass sie ganzen Klassen alleine nicht mehr gewachsen sind,  weiter in der Schule Dienst tun dürfen und äußerst wertvolle Aufgaben übernehmen, für die elementarer Bedarf besteht. Das wäre vor allem individuelles Fördern von Schülern, die Wesentliches nicht können und denen man damit das „Durchfallen“ ersparen könnte. Natürlich können solche Lehrer noch differenziert kleinere Lerngruppen übernehmen und im Sinne des „Teamteachings“ deutlich bessere Lernqualität in die Klassenzimmer bringen. Sie können gerade den öffentlich so beklagten Kindern aus bildungsfernen Schichten helfen, richtig lesen, schreiben und rechnen zu lernen. Sie können bei Projekten und Verwaltungsaufgaben Arbeiten übernehmen, die auf Grund des latenten Lehrermangels sonst keiner tun würde und die sehr wertvoll wären.
Auch auf die Gefahr hin, dass solche Visionen von wichtigen Leuten wieder mit Halluzinationen verwechselt werden, sind noch weitere Vorteile für alle festzustellen. Die ausgebrannten Lehrkräfte selbst können wieder in den Spiegel schauen und ihre Selbstachtung erhalten in der Gewissheit, den Kindern und der ganzen Gesellschaft etwas Gutes zu tun. Finanzielle Abstriche werden sie in Kauf nehmen, wenn von Ihnen nicht mehr eine unmögliche Leistung verlangt wird und sie damit Gesundheit und psychisches Wohlbefinden zurückbekommen. Die Alternative heißt dann nicht mehr, verschämt herumzulaufen und den Wohnort zu wechseln oder gar das System frech auszunützen und als Frühpensionisten neue Nebengewerbe auf den Namen der Frau oder der Kinder anzufangen.
Niemand will schuld daran sein, dass Lehrkräfte ausbrennen! Vielleicht war im Einzelfall der Ausbildungsstand schon sehr dürftig, aber dann hätten der sie anstellende Staat rechtzeitig signalisieren müssen, dass die Leistung eben nicht ausreicht und unfähige Lehrer nicht ein Arbeitsleben lang auf hilflose Schüler und Eltern losgelassen werden dürfen. Aber gehen wir lieber davon aus, dass sie alle die Staatsprüfungen zu Recht bestanden haben und nur nicht ausreichend qualitätssichernd betreut werden konnten.
Textfeld:  Wie dem auch sei, die Lage muss so, wie sie ist, intelligent und sozialverträglich genützt werden. Also ran ans Beamtenrecht und Pensionsrecht und die Möglichkeiten schaffen, die wir wirklich brauchen. Kein Buchstabe eines Gesetzes ist es wert, erhalten zu werden, wenn er den Menschen mehr schadet als nützt! In diesem Sinne müssen Gesetze mit der Zeit gehen und verändert werden.