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Dienstvorgesetzten Schulleiter zum Personalrats-Vorsitzenden gewählt!

Sonntag, 03 Februar 2008

 

Die Glossen sind keine Meinungsäußerungen des BSV. Sie enthalten Gedanken und Anregungen eines Mitglieds, manches ist auch unterhaltsam ironisch gemeint.

Till E. Spiegel

Textfeld:  Glosse Till E. Spiegel Juni 2006

Dienstvorgesetzten Schulleiter zum Personalrats-vorsitzenden gewählt!
Diese Schlagzeile in einem Verbandsorgan würde in Lehrerkreisen an Gymnasien, Realschulen, Fachoberschulen und Berufsschulen zunächst ungläubiges Staunen, dann aber schnell schallendes Gelächter hervorrufen. Der Schulleiter als Personalrat weckt dort Assoziationen an vordemokratische Zeiten, da Patriarchen nicht nur Stammesfürst, sondern zugleich auch noch oberste Heerführer und Landrichter waren. Manchem Schelm fiele wohl auch das Bild vom Bock ein, der zum Gärtner gemacht wird. Da Spott nur selten schmeichelhaft ist, aber hunderte Volksschul-Funktionsträger in Bayern von „ihren“ Lehrkräften tatsächlich und gegenwärtig wieder in Personalvertretungsorgane gewählt wurden, gilt es hier, dieses Überbleibsel aus Zeiten unter der Lupe zu nehmen, in denen Volksschulen keine eigene Schulleitung zugetraut wurde.


Dabei will niemand die lauteren Absichten und ethischen Ansprüche jener kandidierender Rektoren und Konrektoren in Abrede stellen, die auf den Listen ihrer Lehrerverbände nach Ämtern und Würden strebten, mit denen sie ihren Kollegen auch als Personalräte etwas Gutes tun wollten. Doch sollte in Zeiten, in denen europa- und weltweit die Personalführungsaufgabe der Schulleitung als zentrales Qualitätsmerkmal guter Schulentwicklung nicht nur von der internationalen Schulforschung, sondern zunehmend auch von der interessierten Öffentlichkeit und der Politik anerkannt wird, dieser Anachronismus so schnell wie möglich durch entsprechende institutionelle und juristische Veränderungen ins Museum historischer Absonderlichkeiten transformiert werden.
Auch an den Volks- und Förderschulen müssen wir uns entscheiden. Man kann als Lehrer (= Lehrerin) und gewählter Personalrat sehr viel für seine Kollegen tun und gleichzeitig für gute Schulqualität sorgen. Man kann das auch als Mitglied der Schulleitung tun, doch dann steht die Schulqualität ausgerichtet an den Lerninteressen und der Förderung des einzelnen Kindes noch mehr im Mittelpunkt aller Bemühungen. Aber man kann nicht beides in Personalunion tun!
Und warum sollte man auch? Warum sollte es nicht genügend Lehrkräfte geben, die ihre Kollegen als Personalräte vertreten und warum nicht genügend Schulleiter, Konrektoren und Seminarleiter, die ähnlich wie in der freien Wirtschaft ihre eigenen Vertreter aus der Leitungsebene in regionale und überregionale Personalvertretungsorgane wählen?
Dass Lehrer nun wieder jene zu ihren Interessensvertretern gewählt haben, die sie im Dienst einsetzen und beurteilen, ist so abwegig, dass man darüber eigentlich nicht diskutieren muss. Vielleicht hat auch deshalb Bayerns größter Lehrerverband, der BLLV, bei seinen Listen zur Personalratswahl erstmals die Funktionen der Kandidaten weggelassen. Das wirkte auf manche verschämt, manche hat es aber auch irritiert. Man mag einwenden, die Wahl sei eine reine Persönlichkeitswahl, die Leute seien persönlich bekannt und entsprechend beliebt oder unbeliebt. Aber da gibt es die bekannten Zweifel und die Tatsache, dass bis heute das „Panaschieren“, das Wählen von Kadidaten aus unterschiedlichen Listen, verhindert wurde. Macht es heute wirklich keinen Unterschied in der Personalvertretung, ob jemand in der Schulleitung ist? Kam und kommt es nicht wirklich zu belustigenden Szenen, wenn der Schulleiter, stets um Schulqualität bemüht, mit dem Rotstift lieben Lehrerkollegen die Klassenfahrt streicht, das zusätzliche Lernprojekt verhindert und „Dienst nach Vorschrift“ als Parole ausgibt? Dabei ist das längst nicht mehr lustig, das kann ganz schön gesundheitsgefährdend sein!
Also Schluss damit bis spätestens 2009! Noch einmal Personalratswahlen in Bayerns Volks- und Förderschulen mit den Dienstvorgesetzten an der Spitze wären nicht nur schädlich für gesunde Personalentwicklung, sie wären eine Schande und vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass es einigen Leuten vor allem um die Erhaltung angestammter Pfründe geht, die über den Personalratstopf in Form üppiger Ermäßigungsstunden entsprechend dem Wahlergebnis unter den Lehrerverbandslisten verteilt werden können. Wenn Schulleiter und Konrektoren landauf landab oft mehr Ermäßigungsstunden als Personalräte in Anspruch nehmen können als sie so genannte Anrechnungsstunden für die Tätigkeit in der Schulleitung bekommen, ist das nicht in Ordnung.
Wie gesagt, niemand will die Integrität von Schulleiterkollegen in Zweifel ziehen, aber jetzt ist es Zeit, sich gemeinsam mit dem BSV und allen Lehrerverbänden, die im Volksschul- und Förderschulbereich wirken, für eine anständige, gerechte und den Verhältnissen an den anderen Schularten entsprechende Ausstattung der Schulleitung mit Leitungsstunden, Verwaltungs- und Poolstunden einzusetzen. Jedem das Seine, für Schulleitertätigkeit brauchen wir keine Personalratsstunden! Das wirksame Personalratswesen der anderen Schularten muss möglichst einfach auf den Volksschulbereich übertragen werden, was einer verwaltungsrechtlich und juristischen Meisterleistung bedarf, zu der die kompetenten ministeriellen Juristen sicher in der Lage sein werden.