„Neue Männer braucht die Schule“

Sonntag, 03 Februar 2008

 

Die Glossen sind keine Meinungsäußerungen des BSV. Sie enthalten Gedanken und Anregungen eines Mitglieds, manches ist auch unterhaltsam ironisch gemeint.

Glosse unter Till E. Spiegel

„Neue Männer braucht die Schule“

Unter dem Stichwort „Feminisierung der Schule“ machte neulich während einer kurzen Episode in der an Facetten nicht gerade armen bildungspolitischen Diskussion unseres Landes ein Thema Schlagzeilen, das Männer wie Frauen gleichermaßen berührte. Hatten da nicht ausgerechnet Politiker allen Couleurs einen Mangel festgestellt, der ausnahmsweise mal das starke Geschlecht zum Betroffenen macht. Am schlechteren Abschneiden bei den Schulnoten sei wohl die Tatsache ausschlaggebend, dass bei der Besetzung von Lehrerstellen ein erhebliches Ungleichgewicht zugunsten weiblicher Rollenträger bestünde. Und wie solche Liebhaber monokausaler Erklärungsmuster nun mal so sind, haben sie zielbewusst und anpackend auch gleich passende Lösungsvorschläge parat: Eine „Männerquote“ muss her und zwar sofort!

Leider sind diese Stimmen in der bundesdeutschen Bildungslandschaft sehr bald ungehört verhallt. Lag es wohl daran, dass den Wichtigtuern praktikable Vorschläge fehlten, wie man den männlichen Teil des nächsten Abiturjahrgang dazu bewegen könnte, das Lehramtsstudium für Grund- und Hauptschullehrer aufzunehmen? Vielleicht könnte man es mit „Abzählen“ probieren: Zumindest jeder Dritte muss männlich sein! So ein Pech, steht da nicht was im Grundgesetz von „Freiheit der Berufswahl“?

Leider war nun nicht mehr zu erfahren, ob auch laut darüber nachgedacht wurde, warum junge Männer vor allem einen Bogen um die Volksschullehrerausbildung machen. Der Anteil von knapp 90 % Frauen im Grundschulstudium wäre ja eigentlich motivierend genug für Männer, die doch gerne Hahn im Korb sein würden. Liegt es etwa an so profanen Gründen wie höhere Stundenverpflichtung, Bezahlung  in gehobenen Dienst statt im höheren Dienst, Fehlen jegliche Beförderungsmöglichkeit, Anhäufung pädagogischer Schwierigkeiten et cetera?

Könnte es sein, dass die Diskussion um die Feminisierung der Schule, besonders in der für den Identifikationsprozess so wichtigen Grundschule deswegen so schnell verstummt ist, weil die naheliegende Lösung mit einer Höherbewertung und damit auch höheren Kosten des Volksschulbereichs in Deutschland einfach undenkbar bleiben muss? Und finden wir uns deshalb weiter damit ab, dass unser Bildungssystem mittlerweile offensichtlich und zunehmend Jungen weniger gerecht wird? Oder möchte jemand die Tatsache, dass der Anteil der Jungen an den Förderschulen und den „Normal“-Hauptschulklassen über 70 % ausmacht und dass hingegen die Mädchen über 55 % der Gymnasiasten stellen und durchwegs an den Schulen die besseren Noten heimbringen, auf natürliche Begabungsunterschiede zurückführen?

Die Problematik ist zu vielschichtig, einfache Patentrezepte scheiden aus. Dass man aber das Hauptproblem lernschwacher Jungs sehr wohl beheben könnte, liegt auf der Hand. Jungen lernen wesentlich schlechter lesen! Wie man dies in der Grundstufe durch erhöhten Personaleinsatz anpacken kann, haben viele Länder schon vorgemacht. Bei 30 Kindern in der Klasse bleiben eben Jungs gerne mal auf der Strecke und tun so, als ob sie sich nichts draus machten, cool wie Jungs nun mal sind.

Weil aber mit bloßem „Rumkritteln“ kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist, soll hier nun auch konstruktiv mit zwei Muster-Anzeigen für die Lehrerberufe an der Grund- und Hauptschule geworben werden.

 

Grundschullehrer: ein Beruf für echte Männer!

  1. Sie wollen etwas Besonderes sein?
  2. Sie betrachten die Höhe des Gehalts eher als unwichtig?
  3. Sie haben keine Angst vor Frauen und sind gerne Hahn im Korb?
  4. Sie sehen die Beschäftigung mit Kindern als das Schönste auf der Welt?
  5. Sie wollen feminin-traumatisierten Jungen Identifikation und Halt geben?
  6. Sie übernehmen bereitwillig den Vaterersatz alleinerzogener Statthalter?
  7. Sie legen keinen großen Wert auf Karriere und Beförderungsmöglichkeiten?
  8. Sie freuen sich auf 29 Wochenstunden Unterricht und sind stolz auf diese Welt-Spitzenleistung?
  9. Sie freuen sich auf die Zusammenarbeit mit einem überwiegend teilzeitbeschäftigtem Kollegium?
  10. Sie haben jederzeit Verständnis dafür, wenn den meisten Kollegen/innen die Familie vor dem Beruf geht?
  11. Sie wollen Kinder mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen und können nicht genug davon haben?
  12. Sie interessiert es nicht, dass  das Urlaubsgeld gestrichen und das Weihnachtsgeld gekürzt werden soll?

 

Wenn Sie mindestens 10 der 12 Punkte hier mit „Ja!“ beantwortet haben, sind Sie für den Grundschullehrerberuf der richtige Mann. Eine lebenslange Anstellung beim Staat ist Ihnen sicher. Spaß ohne Ende!