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Lehrer werden ist nicht schwer....

Warum - nur bloß - will keiner mehr?

 

Sonntag, 03 Februar 2008

Die Glossen sind keine Meinungsäußerungen des BSV. Sie enthalten Gedanken und Anregungen eines Mitglieds, manches ist auch unterhaltsam ironisch gemeint.

Till E. Spiegel

Lehrer werden ist nicht schwer....

Warum - nur bloß - will keiner mehr?

Dies gilt in unserem geliebten Bayernland eigentlich nur für eine Spezies dieses sich mittlerweile sehr großer öffentlicher Aufmerksamkeit erfreuenden Berufsstandes: die Hauptschullehrer!
Seit Jahren sacken die Studienanfängerzahlen rapide ab und tendieren derzeit gegen Null!
Es sind nur noch ein paar Handvoll in jedem Regierungsbezirk, die sich von den Vorteilen des Unterrichtens mit 27 Wochenstunden in den unterschiedlichsten Fächern der Hauptschule überzeugen lassen.
Deutlich mehr Unterricht mit lernschwächeren Schülern bei schlechterer Bezahlung, als Akademiker nur im gehobenen statt wie alle anderen Lehrer im höheren Dienst, praktisch im Beruf ohne Beförderungschance, erziehliche Probleme mit Kindern aus schwierigsten sozialen Verhältnissen, einen hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund und großen Problemen mit der deutschen Sprache, der latente Eindruck, dass für viele Eltern die Hauptschule nicht gerade die Wunschschule ist, - all das macht unseren Beruf so reizend, dass der Nachwuchs einen Bogen um unsere Schule macht. Und trotzdem mindestens vier Jahre Vollstudium und zwei Jahre Vorbereitungsdienst, zwei Staatsexamen, da gibt`s echt Alternativen!

Das Jungvolk stimmt mit den Füßen ab und manchem Schulleiter wird heute schon angst und bang, wenn er daran denkt, wie er die Lücken schließen soll, die sich durch die vorhersehbare Pensionierungswelle in den nächsten Jahren auftun werden, wenn es dann von oben heißt: Fehlanzeige! Grundschulgreise, die mit 62 ihre erste Lehrversuche in Hauptschulklassen machen – eine Horrorvorstellung! So wie heuer schon der Lehrermarkt völlig abgegrast war und einfach niemand mehr für die gewünschten Einsätze zu rekrutieren war, wird es wohl über Jahre weitergehen, wenn nichts geschieht.

Aber was soll geschehen? Geht man höherenorts immer noch davon aus, dass die Abiturienten das Hauptschullehrerstudium meiden, weil sie meinen, später keine Anstellung darin zu finden?
Oder sollte man sich etwas einfallen lassen, um den Beruf selber attraktiver zu machen, z.B. als ersten Schritt eine Reduktion des Stundenmaßes auf das der in der vergleichbaren Altersstufe unterrichtenden Realschullehrer?
Es ist bestimmt nicht einfacher und weniger arbeitsaufwendig, die schwierigere Hauptschulklientel in acht verschiedenen Fächern zu unterrichten als die Schülereliten anderer Schularten in zwei oder drei Fächern. Vom Gehalt erst mal ganz zu schweigen!

Die Wahl der Junglehrerschaft zeigt, dass sie nicht auf den Kopf gefallen ist.
Dennoch ist es sehr bedauerlich für die Hauptschule, die sich bisher mit großem Engagement und Erfolg in Bayern für jene Schüler eingesetzt hat, für die ihre Lehrpläne passgenau geschneidert sind. Dass sechs deutsche Bundesländer diesen Maßanzug mittlerweile nicht mehr in ihrem Sortiment haben, bedeutet nicht, dass diese Schüler mit dem gleichen Begabungsprofil dort etwas Besseres bekommen. Im Gegenteil: der Vorsprung der bayerischen Schüler bei der PISA-Studie im innerdeutschen Ländervergleich war bei der Gruppe der Hauptschüler am größten!

Deshalb allem zum Trotz und weil er Zukunft hat: Hauptschullehrer ist ein schöner Beruf, besondern wenn die Rahmenbedingungen demnächst weiter verbessert werden!

 

Ein Vorschlag für eine Stellenanzeige für die bildungspolitische „mission impossible“nach dem Motto „Ehrlich währt am längsten!“

Traumjob Hauptschullehrer!

  1. Sie haben Mut, Kraft und Humor?
  2. Sie suchen eine Hauerausforderung?
  3. Sie gehen nicht immer den einfachsten Weg?
  4. Sie sehen Probleme als etwas, was Sie gerne lösen?
  5. Sie wollen das Gefühl, dass Sie dringend gebraucht werden?
  6. Sie fühlen sich zum Pädagogen berufen und lieben alle Kinder?
  7. Sie sehen das Gehalt und lange Ferien nicht als das Wichtigste?
  8. Sie haben keine Berührungsängste, keine Scheu vor schwierigem sozialen Milieu?
  9. Sie wollen als Klassenleiter nicht nur unterrichten, sondern „Herzensbildung“ betreiben?
  10. Sie lieben es, sehr hart und viel zu arbeiten, denn je mehr Sie tun, umso zufriedener werden Sie?
  11. Sie lässt es kalt, wenn die Arbeitsbedingungen schwieriger werden und mittel- und langfristig weitere Gehaltskürzungen und Verschlechterungen in Aussicht gestellt werden?
  12. Sie lieben „multikulti“ und nehmen hin, dass die Schule ausländisch sprechenden Kindern Deutsch nebenher beibringt!
  13. Sie sind nicht vordergründig auf eine Beförderung aus und würden sich notfalls auch mit einer dienstlich verliehenen „Tapferkeitsmedaillie“ begnügen?

Wenn Sie mindestens 10 der 13 Punkte hier mit „Ja!“ beantwortet haben, sind Sie für den Hauptschullehrerberuf die richtige Frau bzw. der richtige Mann. Eine lebenslange Anstellung beim Staat ist Ihnen sicher. Mit viel Glück gibt`s aber auch noch Pension!