Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich einverstanden mit den Datenschutzbedingungen.

Schulqualität verbessern - Was wirklich wichtig ist!

https://www.bsv-bayern.info/glossen_egalite_quo_vadis_clip_image002.gif

Till E. Spiegel:

Schulqualität verbessern - Was wirklich wichtig ist! 


Was wirklich wichtig ist für guten Unterricht und Schule, wissen wir von Hattie und natürlich aus unserer tagtäglichen Reflexion unserer Unterrichtsarbeit. Demnach haben die Lehrkräfte selbst ganz erheblichen Einfluss auf das Lernen und den Erziehungserfolg bei den Schülern. Sieht man sich aber die Bemühungen der Schulbehörden an, findet man vielfältige Ansätze, mit denen man den Schulen "top down" begegnet und sie zu allerhand Maßnahmen nötigt: Übergreifende Schultests in verschiedenen Jahrgangsstufen und Fächern, angeordnete Evaluationen, Schulprogramm, Elternkonzept, Schulentwicklungsziele, kompetenzorientierte Lehrpläne, Inklusion, didaktische und methodische Vorgaben zum Umgang mit Heterogenität, zunehmend ausdifferenzierte Schulsysteme mit immer kleineren Klassen und vieles mehr.

Es mag sein, dass auch in Bayern viele Lehrkräfte davon träumen, ihr Lehrerleben lang nach der Verbeamtung auf Lebenszeit weder mit Unterrichtsbesuchen noch mit der dienstlichen Beurteilung behelligt zu werden. Das ist verständlich, aber völlig unprofessionell. Warum soll der Staat für sein gutes Geld nicht auch die Arbeit, also den Unterricht anschauen, und die Weiterentwicklung der Lehrkraft während des ganzen Berufslebens entsprechend würdigen und auch beständig Verbesserungen anregen entsprechend der Einsicht, dass wir aufhören gut zu sein, wenn wir nicht mehr besser werden wollen?

Die wenigsten Lehrkräfte in Bayern wissen, dass es viele Bundesländer gibt, wie z. B. Nordrhein-Westfalen, in denen die Lehrkräfte an Volksschulen nach der Verbeamtung auf Lebenszeit weder Unterrichtsbesuch bekommen noch eine dienstliche Beurteilung erfahren. Pädagogen, die in der Schule die Schüler zu Leistung erziehen, wissen ganz genau, wie ungut es ist, die Arbeitsergebnisse der Schüler nicht oder zu wenig zu (be)achten. Dies gilt nicht nur für Kinder, sondern in gleicher Weise für alle Menschen!

Eigentlich schade, dass bei der Veröffentlichung der aktuellen PISA-Ergebnisse im letzten Monat auf einen Ländervergleich verzichtet wurde. Über die Gründe dieses Verzichtes kann man spekulieren, aber es wird wohl weniger an den Kosten dafür gelegen haben als an dem Frust der immer gleichen Bundesländer, wieder einmal auf den hinteren Rängen zu landen. Auch die Bayern haben ihren absoluten Spitzenplatz nicht mehr gepachtet, ostdeutsche Bundesländer wie Sachsen und Thüringen haben zuletzt deutlich aufgeholt, während Baden-Württemberg seit der Freigabe des Elternwillens beim Übertritt nach der vierten Klasse deutlich zurückfällt.

An den Bildungsausgaben kann es auch nicht gelegen haben, denn hier haben die Bayern zuletzt mit 5,4 Milliarden € Abgaben im Länderfinanzausgleich gewisse Bundesländer deutlich subventioniert. In Berlin sollen ja ab dem nächsten Schuljahr sogar die Grundschullehrer auf A 13 angehoben werden, um mit der Gleichstellung mit den Lehrkräften anderer Schularten damit wohl eine bessere Auswahl der Bewerber für die Grundschule zu bekommen.

Nun aber zu dem Kernthema der Schulqualität, nämlich der Arbeit der Lehrkräfte und dem Bemühen des Staates, dieses auf ein möglichst hohes Niveau zu bringen. Es ist richtig, dass in den letzten zehn Jahren seit dem PISA-Schock die Bildungsausgaben in allen Bundesländern enorm gesteigert wurden, oft mehr als 50 %, auch wenn es insgesamt noch immer deutlich unter dem Durchschnitt der OECD-Länder liegt. Es wurden unglaublich vielfältige Maßnahmen (siehe oben) angeregt, aber wie effektiv waren diese? Wurden diese Maßnahmen ähnlich evaluiert wie die Schulen selbst? Wurden die Schulbehörden evaluiert und all ihre Maßnahmen und wo bleibt die Evaluation der Evaluation? Wann bekommen die Schulen das, was sie brauchen für ihre innere Schulentwicklung hin zur eigenverantwortlichen Schule? Wie steht es mit der Teamentwicklung und der erweiterten Schulleitung, wo bleibt das eigene Fortbildungsbudget und ausreichend Lehrpersonal für den Unterricht in der Heterogenität und für individuelle Förderung?

Aus Sicht der bayerischen Lehrer ist es geradezu unglaublich, dass die Personalführungsinstrumente der Unterrichtsbesuche und der dienstlichen Beurteilung in anderen Bundesländern nicht selbstverständlich sind. Es kommt uns vor, als würde man an einem Porsche Wagenräder aus Holz, mit Eisen beschlagen, montieren. Was hilft die Vorschrift für ein Schulprogramm, wenn die Türen der Klassenzimmer geschlossen sind und alle Leistungen der Lehrkräfte egalisiert erscheinen?

Kein Wunder, dass sich in solchen Ländern wie Nordrhein-Westfalen für hunderte Schulen keine Schulleiter mehr finden und dass es dort ohne dienstliche Beurteilung an Volksschulen auch nicht möglich ist, Lehrkräfte zu befördern aufgrund ihrer guten Leistungen. Ob da die nun geplante Anhebung der Gehaltsstufe der Schulleiter um eine ganze Stufe (auf A 13 bzw. A 14) schon die Lösung ist, darf bezweifelt werden. Die Kosten für die ca. 2800 Schulleiter dafür betragen jährlich 11,6 Millionen € (schulmangement-online.de 6/2016.

Wir in Bayern wurden bis vor zehn Jahren auch nur bis zum 50. Lebensjahr dienstlich beurteilt, jetzt geht es allerdings fast bis hin zur Pension. Man kann über Föderalismus unterschiedlicher Meinung sein, aber Schulqualität hängt überall ganz stark mit der Leistung der Lehrkräfte in den Schulen zusammen. Hier wäre eine einheitliche Regelung für die Lehrkräfte zielführend, die ja als Beamte des Staates  auch in der Pension weiter alimentiert werden.

Dienstliche Beurteilungen sollten im vergleichbaren Maße in allen Bundesländern und an allen Schularten stattfinden. Das wäre doch mal ein anderes und sehr ergiebiges Thema für eine Kultusministerkonferenz, die sich hoffentlich nicht vor intensiven Diskussionen mit Lehrerverbänden fürchtet.

Sinnvoll wäre aber auch bei uns im Bayern eine Änderung dahingehend, dass die letzte verpflichtende dienstliche Beurteilung vor dem 60. Lebensjahr stattfindet und danach sollten sich alle Beamten entscheiden können, ob sie noch weiter beurteilt werden, weil sie zum Beispiel noch ein berufliches Ziel mit dieser Beurteilung verfolgen wollen.

 

Till E. Spiegel (Name ist der Redaktion bekannt)