ASV erquickt eingeschlafene Schulleitungen

Ein Erfolgsmodell des Ministeriums wird endlich ausgeweitet: Die ASV - Amtliche Schulverwaltung - reaktiviert nicht nur die Schulleitungen von Gymnasien und Realschulen zur hektischen Tätigkeit nach Jahren der selbstzufriedenen Stille und Unterforderung in den Direktoraten, sondern reanimiert nach Jahren der Unterbeanspruchung auch die Schulleiterinnen und Schulleiter von Grund- und Mittelschulen in Bayern.

Wurde David Copperfield engagiert, waren es Siegfried & Roy? Nach kaum 7 Jahren Ankündigung und jährlich drohenden Start-Terminen, die immer wieder verschoben wurden, kam ein Zauberprogramm vom Kultusministerium nun auch in alle Grund- und Mittelschulen Bayerns.
Der Zaubertrick ASV startete nicht so ganz mühelos wie bei Houdini, rottelte und schottelte nicht nur die Schulleitungen und Systembetreuer in Gymnasien und Realschulen durch, sondern rumpelt selbst nach 3 Jahren dort noch mit vielen Fehlern und Ausfällen eher schlecht als recht so vor sich hin. Nach wie vor läuft ASV nur als ewige Beta-Version, bei der die leidgeprüften Anwender die Hauptarbeit bei der Ausmerzung von Myriaden von Programmierfehlern auszubaden haben.

Nun wurde diese Wiederbelebungsmaßnahme ASV auch auf die über 3000 Grund- und Mittelschulen ausgeweitet. Die Reanimierung der Schulleitungen nach Jahren der Unterbeanspruchung ist dadurch auch hier erfolgreich geglückt! Endlich gelingt es auch den Rektorinnen und Rektoren dort wieder, an den Rand ihrer Einsatzbereitschaft hin ausgelotet zu werden. Ein unfertiges Produkt, mit offensichtlich vielen Mängeln behaftetes Programm muss nun auch in die Vielfalt von Tausenden unterschiedlicher Schulen übernommen werden, was eine Wiederbelebung der bisher gelangweilten Rektorate und Sekretariate verspricht.

Schlauer Trick des Ministeriums: Nach Jahrzehnten erfolgreicher Schuldaten-Übermittlung über WinSV und ISK schienen die Schulleitungen aus lauter Unterforderung in der Schulverwaltung schier einzuschlafen. Die ständig steigenden Bewerberzahlen auf diesen Nachtwächter-Job beweisen dies eindringlich. Die minimale   Organisation des banalen Schulalltags, die stets gelingenden Absprachen in einem homogenen und kooperativen Kollegium, die Absprachen mit immer einfacher werdenden Eltern, das Handling der Problemchen der immer braven und lernwilligen Kinder - das alles musste doch zusehends die Schulleitungen unterfordern.
Die jährlichen Unterrichtsbesuche wegen der dienstlichen Beurteilungen waren nur noch reine Freude; die Gespräche danach ein Pläsier. Vergleichsarbeiten, Orientierungsarbeiten, Jahrgangsstufentests, QA und MSA sind schnell mal kopiert, geklärt, besprochen und ausgewertet, vor allem wegen der äußerst knappen Ausführung: immer nur wenige Seiten!
Nur selten unterbrachen die wenigen Abfragen von Schulamt, Regierung und Kultusministerium den ruhigen Büroschlaf der unterforderten Schulleitungen.
Auch für die Konrektoren wurde es immer öfter zur Selbstverständlichkeit, den Chef in seinem Büro alle paar Stunden zu wenden, um das Wundliegen auf der Couch im Rektorat zu vermeiden.
Selbstverständlich wehrte die Regierungspartei deshalb unisono sämtliche Vorstöße der bayerischen Oppositionsparteien ab, die Schulleitungen der Grund- und Mittelschulen zu entlasten: Welch Hohn angesichts der sichtbaren Unterforderung der höchstbezahlten Staatsdiener im Volksschulbereich!
Zufriedene Eltern, lerngierige Schüler, hoch motivierte Lehrkräfte, höchst spendable Schulverbände bei Neuanschaffungen oder Renovierungen der Schulgebäude, selbst aber am untersten Level ihrer Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft - da geraten Schulleitungen oft in einen Status der Büro-Schläfrigkeit!
Sogar das Finanzministerium und der Ausschuss Öffentlicher Dienst im Landtag Bayern begannen zu überlegen, ob man angesichts der permanenten Unterforderung nicht von einer Höherbesoldung zurückgehen sollte auf ein Zuzahlungsmodell: Neu ernannte Schulleiter bleiben bei ihrem Lehrergehalt, zahlen aber einen Abschlag dafür, dass sie als Rektor deutlich weniger beansprucht werden.

Hier half nun gottseidank das clevere Kultusministerium. Im August 2016 begann die Erweckung: Die Schulleitungen und Schulsekretärinnen wurden zu mehrstündigen Online-Lehrgängen in den Sommerferien verdonnert. Ohne das Bestehen der Prüfungen drohte die unehrenhafte sofortige Entlassung aus dem Staatsdienst. Danach mussten sie in ESessions bei monoton und langweilig vorgetragenen Vorträgen am Computer sitzen und ihr Durchhaltevermögen neu auftrainieren. Auch dies ein neues Abhärtetraining - pfiffige Idee! Sie sollten sich dabei Klick-Kombinationen bei einem Programm merken, mit dem sie erst Monate später selber üben konnten: „Learning by doing“, dieses überholte Prinzip mussten sie dabei völlig vergessen und sich erneut im Anlernen von „Vorratswissen“ einüben. Für die lerntechnisch fast verlorene Generation von Schulleitungen und Schulsekretärinnen eine wieder ganz neue und aufregende Erfahrung!  
Eine wilde neue Zeit begann: Die RSS-Feeds halfen seit einem Jahr mit fast täglichen Kurzmitteilungen, den Irrungen und Wirrungen der ASV-Programmierer täglich zu folgen mit Mitteilungen wie:

?    Wegen „guter Akzeptanz“ wird Hotline verlängert
?    Wenn in UP kein Budget, dann … sonst Dokument…
?    Fehlermeldung..in Detailbereich NullPrinterExcept in der Routine save changed….
?    Transferquittung: Fehler durch…
?    Programm läuft nicht mehr von… bis…
?    Aktualisierung Endung „17“…
?    Export von Rucksackdateien konkrete Auswertung… nicht möglich
?    Programm läuft wieder seit…
?    Konsistenzprüfung….weitere Informationen…

Begeistert wurden die arbeitsmäßig wiedererweckten Schulleiter damit, dass sie alle drei Tage diese wirren RSS-Feeds lesen und berücksichtigen, am besten täglich die Werte-Listen aktualisieren und die täglichen Änderungen der Schülerzahlen in ASV, SVS und die eigenen Listen einpflegen sollen - sie alle waren heller Freude über die zusätzliche Arbeitsergänzung, denn endlich bekam ihr leerer Schulalltag wieder etwas Sinn!

Schulleiter lernten auch zu fälschen: Die richtigen Matrix-Zahlen mit realen Schülern sollen auf die einstigen Planzahlen, damals Pi-mal-Daumen eingegeben, rückjustiert werden.
Kopplungen von Schülergruppen, bewährt aus früheren Jahren und mit WinSV immer wieder gemeldet, funktionierten nicht mehr. So waren neue Ideen gefordert – die alten Socken in den Rektoraten sollten in ein aktives Arbeitsleben zurückgefordert werden. Und das war richtig:
Nur so konnte die dröge Schar der über 3.000 Schulleiterinnen und Schulleiter wiederbelebt werden. Ein herzlicher Dank an die zwei Programmierer von ASV, die mit nur wenig eigenem Aufwand viel Erfolg bei der Aktivierung der bräsig dahinvegetierenden Schulleitungen erzielt haben.

Hoch belebend auch die aktuell letzte Phase als Beispiel für die Reanimationsbemühungen des Ministeriums: Bis Ende Mai sollten die Meldungen der neuen Schüler-, Klassen- und Gruppenzahlen über ASV hochgemeldet werden. Damit das aber nicht zu einfach war für ermattete Schulleitungen, organisierte ASV lustigerweise noch kurzfristig ein Zwangs-Update in den letzten Tagen vor der Meldung. Die Folge: Keine Last-Minute-Meldung mehr möglich, da ASV ohne Update keine Meldung erlaubt. Die auf automatisch gestellten ASV-Updates werden samt Feiertagen und Pfingstferien meistens nur nachts oder in geruhsamen Zeiten hochgeladen, was einem zu spät kommenden Schulleiter aber nicht mehr hilft!  Voll in die Falle gegangen!  Selbsterkenntnis des armseligen Schulleiters: Du warst zu spät! Du hast es wieder einmal nicht geschafft! Du packst es einfach nicht!

Die naheliegende Vermutung: Vielleicht hofft das Ministerium einfach mit Hilfe von ASV auf den Rücktritt und die freiwillige Frühpensionierung der vielen Tausend aktuell sehr bräsiger und unfähiger Rektorinnen und Rektoren, um den Janitscharen der neuen Bewerber um Schulleitungsposten freie Bahn geben zu können?
Zauberer verheißen oft viele Wunder. Hoffentlich endet diese Vermutung nicht wie damals bei Roy…
das befürchtet Werner Sprick

Nachtrag: Wenn Sie nachts auf der Straße immer öfter Somnambule mit nach vorn ausgestreckten Armen über die Straße taumeln sehen: Bitte haben Sie ein Herz für Rektoren - und bremsen Sie! Diese armen Wesen haben meist nur nachts die Chance auf Datenversand an den ZSS, weil die Datenübermittlung von ASV tagsüber wegen Überlastung oft kaum möglich ist. Derzeit sucht das Ministerium dringend Freiwillige mit Erfahrung für Krötenwanderungen, um dieser Spezies beim Überleben zu helfen!