Hochwasser in der Hauptschule

Sonntag, 03 Februar 2008

“Land unter” für 38 % der bayerischen Schüler - der Hilfeschrei aus der Rüttli-Schule betrifft nicht nur Hauptschulen in Berlin und Hamburg, sondern auch in Bayern.

Immerhin 38 % aller Achtklässler besuchen die bayerische Hauptschule - und es steht ihnen das Wasser bis zum Hals: Fehlende Lernerfolge, mangelhafte Sprachkenntnisse, fehlende berufliche Perspektiven und Hoffnungslosigkeit erzeugen Gewalt als Ventil für angestauten Frust der Jugendlichen, aber auch als Spiegel unserer Gesellschaft!

Jede Hauptschule wird so zu einer Brennpunktschule, in der ausgesiebte Kinder und Jugendliche individuelle Förderung und eine ausgezeichnete schulische Bildung bräuchten, um im Konkurrenzkampf gegen höhere Bildungsschichten Erfolg zu haben. Nicht weniger Handys, sondern mehr Personal und mehr Zeit fordert der Bayerische Schulleitungsverband für die Hauptschulen.

Gerne wird von der Staatsregierung die Hauptschule als diejenige Schule bezeichnet, die sich um ihre Schüler besonders kümmert mit professionell ausgebildeten Lehrkräften mit individueller Zuwendung und die sich für ihre Schüler deutlich mehr Zeit nimmt als andere Schularten. Ein großer Anspruch, dem Hauptschul-Lehrkräfte bei 29 Unterrichtsstunden aber nicht gerecht werden können.

Die Förderung in der Hauptschule muss in der Tat intensiver werden als bisher. Hauptschüler brauchen länger zum Erwerb der heute nötigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten des Lehrplans, aber sie können es schaffen! Mit den richtig eingesetzten Mitteln kann sich auch für sie eine Chance am Arbeitsmarkt öffnen.

Erziehungsdefizite aus den verunsicherte Familien müssen zunehmend mehr von der Schule ausgeglichen  werden! Doch nur intensivere Betreuung und Begleitung, zeitgemäßer Unterricht mit erfolgreicher Werteerziehung und Hinführung zu beruflichen Anschlüssen können dies leisten. Dazu brauchen Schulen mehr Lehrer und Schulleitungen endlich mehr Zeit  zur Organisation.

Jeder Euro, der heute in die Hauptschule investiert wird, erspart das Vielfache an späteren Ausgaben für Sozial- und Arbeitslosenhilfe und für die Bekämpfung von sozialen Unruhen in der zukünftigen Gruppe der perspektivlosen Immigranten und radikalisierter Arbeitsloser. Die Unruhen in den Pariser Vororten sind noch fern, das Anwachsen ähnlicher Schicksale bei uns wird aber immer greifbarer.

Wer der Hauptschule helfen will, der das Wasser bis zum Hals steht, muss jetzt investieren!

Können wir uns eine gesellschaftliche Tsunami-Welle leisten, die nicht nur die Bildungspolitiker, sondern vor allem die Sozialpolitiker und die Kommunen überrollen wird?

 

Was Hänschen nicht lernt...

Integration von ausländischen Schulanfängern muss im Kindergarten anfangen und in der Grundschule kompetent fortgeführt werden

Kinder mit zu geringen Sprachkenntnissen haben einen schlechten Start in die Schule und fallen bald noch weiter zurück.Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist getan: Die Sprachvorkurse im letzten Kindergartenjahr ergänzen die Frühförderung im Kindergarten - es müssen jedoch weitere folgen: In Grundschulen und Förderzentren müssen die Hilfen bei Lern- und Sprachproblemen oder durch "mobile sonderpädagogische Dienste" dringend weitergeführt werden.

Es gab sie ja schon einmal einmal - sie waren ein erfolgreiches, aber wohl zu teures Modell - wurden deshalb systematisch abgebaut - die so genannten Übergangsklassen mit reduzierten Schülerzahlen:

Kinder mit geringen Deutschkenntnissen wurden an der GS in diesen Spezialklassen für zwei Jahre selektiert, ihre Deutschkenntnisse intensiv geschult, um  sie dann - meist mit gutem Erfolg - in die Regelklasse zu integrieren.

 

Die neuesten Erkenntnisse  unseres Ministerpräsidenten bzgl. der Sprachkompetenz von Schulkindern lassen ein wenig Hoffnung aufkommen:

Statt jedoch mit dem "Knüppel Sonderschule" zu drohen, wäre eine Wiederbelebung dieser Übergangsklassen an GS der bessere Weg. Hier könnten Kinder individuell und konzentriert sprachlich gefördert und behutsam in die richtige Schullaufbahn bzw. Schulart geführt werden.

Denn:

In der Grundschule werden die Weichen gestellt für den späteren Schul- und Lebensweg. Bayern lebt vom Rohstoff Geist.  Wer diese Aussage ernst nimmt, der muss auch das Fundament dafür setzen und Scheitern von Schulkarrieren präventiv verhindern:

Grundschulen brauchen  deshalb deutlich mehr Förderlehrkräfte und mehr Personal für Sprachlern- und Übergangsklassen und sie brauchen Schulleitungen, die die Zeit haben, all dies zu organisie-ren.

Die Wirklichkeit sieht anders aus:

Grundschullehrkräfte unterrichten in Klassen mit bis zu 30 Schülern mit bis zu 30 Stunden, Schulleiter bis  zu 25 Stunden.  Sie unterrichten Schüler, deren Bandbreite vom hochbegabten bis zum massiv lern- und sprachbehinderten Kind reicht. Zeit für individuelles Fördern und innere wie äußere Differenzierung in Klassen ? - Fehlanzeige!

Der Bayerische Schulleitungsverband fordert deshalb dringend den Erhalt der Lehrerstellen, die in den nächsten Jahren durch den Schülerrückgang freiwerden. Mit ihnen kann und muss eine massive Verbesserung der Fördermöglichkeiten in der Grundschule erfolgen.

 

Brigitte Hofmann-Koch 

Siegfried Wohlmann

Werner Sprick 

Roland Hoyer