Endlich Antwort auf die Petition des BSV

Sonntag, 03 Februar 2008

Eingabe:
Erhöhung der Leitungszeit für Schulleiter an Volks- und Förderschulen sowie Erhöhung der Zeitkapazität von Verwaltungsangestellten

An die
Mitglieder des Petitionsausschusses
im Bayerischen Landtag
Maximilianeum
81627 München

Eingabe:
Erhöhung der Leitungszeit für Schulleiter an Volks- und Förderschulen sowie Erhöhung der Zeitkapazität von Verwaltungsangestellten

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
die Landesvorstandschaft des Bayerischen SchulleitungsVerbandes BSV bittet Sie im Namen unserer bayerischen SchulleitungsKolleginnen und -Kollegen um die Erhöhung unserer Leitungszeit sowie um die Erhöhung der Zeitkapazität von Verwaltungsangestellten.

Begründung
Wenn heute in Bayern die Mehrzahl der Volksschulrektoren zusätzlich auch noch eine eigene Klasse führt, wird dadurch die Annahme der äußerst vielschichtigen Führungsaufgabe bei der Organisations-, Unterrichts- und Personalentwicklung einschließlich der Dienstlichen Beurteilung verhindert. Schon in der Vergangenheit waren wir bei einer durchschnittlichen 56-Stunden-Arbeits-Woche (Ergebnis einer Befragung, mit Einrechnung der Ferien!) übermäßig belastet. Für Schulleiter-Stellen melden sich deshalb immer weniger Interessenten.
Schulleiter an bayerischen Realschulen und Gymnasien erhalten deutlich mehr Leitungszeit und ihre Verwaltungsangestellten arbeiten deutlich länger als an Volks- und Förderschulen.
Eine Grund- und Hauptschule zu leiten, ist heute nach gesicherter Erkenntnis nicht weniger schwer und arbeitsintensiv als eine Realschule oder ein Gymnasium gleicher Größe. Es geht längst nicht mehr nur um Verwalten, es geht immer mehr um die Gestaltung, um die Fortentwicklung, um Evaluation und besonders um die Kümmernis für das einzelne Kind und den Heranwachsenden, die auch wegen des Versagens vieler Eltern zu immer schwierigeren Problemfällen werden. Eine weitere Hauptaufgabe für Schulleiter ist die Motivation aller Mitarbeiter. Auch deswegen wurde zu Recht das Mitarbeitergespräch eingeführt und die dienstliche Beurteilung auf den Schulleiter übertragen.
Volksschulleiter brauchen gleiche Arbeitsbedingungen wie die Leiter anderer Schularten. Es geht auch um mehr Gerechtigkeit und bessere  Chancen im Engagement für nicht genutzte Bildungsreserven bzw. benachteiligte soziale Schichten, eine Aufgabe, die die bayerische Staatsregierung als vordringlich bezeichnet.

Ähnliches muss ähnlich behandelt werden. Führung in jeder Schule braucht Zeit!

Unsere Briefe und Gespräche mit Kultusminister Siegfried Schneider, MdL, brachten keinen zeitlichen Ausgleich für die Mehrarbeit, die wir seit Anfang dieses Schuljahrs übernehmen müssen (und auch wollten) in Form der zusätzlichen Unterrichtsbesuche, der ergänzenden Mitarbeitergespräche mit Zielvereinbarungen, der Leistungsberichte und der dienstlichen Beurteilungen trotz einmaliger Mitwirkung der Schulräte bis Ende 2006. Zudem belastet die Übernahme von Klassenführung (bei sinkenden Schülerzahlen) und der erhöhte Aufwand bei der Korrektur und Durchsicht der neuen Zeugnisse in der Grundschule usw.
Seit mehr als drei Jahrzehnten verfolgt der BSV das Ziel, Schulleitung vor Ort entsprechend dem Aufgabenradius durch Angleichung des Verantwortungsradius zu stärken. Wesentliches konnte inzwischen erreicht werden. Wir haben die neuen Aufgaben gerne angenommen und laufend Vorleistungen erbracht. Nun aber ist es höchste Zeit für eine adäquate Angleichung der dafür nötigen Arbeitszeit.

Ungleichbehandlung von Schulleitungen bei gleicher Schülerzahl

Vergleich Schulleitung

Volksschule (GS & HS)

Realschule

Gymnasium

 

 

 

 

Schülerzahl

450

450

450

Pflichtstunden

28 bzw. 29

25

24

Leitungsstunden

18 (58 %)

21 (84 %)

24 (100 %)

Schülerzahl pro Leitungsstunde

60

30

30

Unterricht Rektor

15

9

7

Unterricht Konrektor

25

18

16

Poolstunden (u.a. f. koop. Führung)

2 (nur HS)

12

21

Gehaltsstufe Rektor

A 14

A 15

A 16

Gehaltsstufe Konrektor

A 13

A 14

A 15 + Z

Verwaltungsangestellte

0,5 Stelle (20 h)

1 Stelle (40 h)

2 Stellen (80 h)

 

Bitte
Wir bitten Sie deshalb mit dieser Petition eindringlich,

  • uns dieselbe Leitungszeit wie Schulleitern anderer Schularten zur Verfügung zu stellen und
  • die Zeitkapazität unserer Verwaltungsangestellten auf dasselbe Maß wie in anderen Schularten zu erhöhen.


Mit freundlichen Grüßen

Brigitte Hofmann-Koch
Siegfried Wohlmann
Werner Sprick 
Roland Hoyer


Endlich Antwort auf die Petition des BSV

Der Bayerische Schulleitungs-Verband sandte bereits am 23. November 2005 eine Petition an den Bayerischen Landtag mit der dringenden Bitte um „Erhöhung unserer Leitungszeit sowie um die Erhöhung der Zeitkapazität von Verwaltungsangestellten“.

Dieser erste Brief des BSV-Landesvorstands erreichte den Landtag scheinbar nicht.

Eine zweite Fassung ging am 21. März 2006 endlich beim Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags ein als Petition PII3/OD.0698.15.

Am 4. Juli 2006 beriet über die BSV-Petition der Ausschuss für Fragen des Öffentlichen Dienstes in einer Sitzung und beschloss, die Eingabe der Staatsregierung zur Würdigung zu überweisen.


Parallel dazu erfolgte ein Dringlichkeitsantrag der Abgeordneten Maget, Strobl, Pfaffmann u.a. (Drucksache 15/5479) am 10. Mai 2006 zur Entlastung von Schulleitungen.

Der Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport stimmte am 27. Juni 2006 einstimmig einer geänderten Fassung zur Vorlage im Landtag zu.

Am 18. Juli 2006 beschloss der Landtag: Die Staatsregierung wird aufgefordert, dem Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport des Landtags unverzüglich über die aktuelle Aufgaben- und Anforderungssituation bei den Schulleitungen an den Volks- und Förderschulen zu berichten und die daraus notwendigen Konsequenzen für deren Funktion in der Schule und deren Arbeitszeit darzustellen“

Am 26. Oktober 2006 berichtete das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus im Bayerischen Landtag über die Aufgaben und Funktion der Schulleitungen, die Aufgabenmehrungen in den letzten Jahren,  die Unterstützung der Schulleitungen durch Schulämter und Regierungen und die Arbeitssituation der Schulleiter.
Dabei wurde insbesondere betont,
…dass 02/03 und 03/04 die „Anrechnungsstunden“ für Schulleitern mit mehr als 180 Schülern um jeweils eine Stunde erhöht worden war,
… dass die Leiter sehr großer Schulen mit mehr als 360 Schülern von der Erhöhung der Unterrichtspflichtzeit 2004 ausgenommen worden waren und
… dass es 2007 vermutlich möglich sein wird, einem Teil der Schulleiter erneut eine weitere „Anrechnungsstunde“ zu gewähren. …Damit soll der Arbeitsaufwand honoriert werden, der durch die Übertragung der dienstlichen Beurteilung auf die Schulleiter … entsteht.


 

Am 22. Mai 2007 antwortete das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus dem Vorsitzenden des Ausschusses für Fragen des Öffentlichen Dienstes, Prof. Dr. Walter Eykmann:
„…Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass es zum Beginn des Schuljahres 2007/08 möglich ist, die Situation der Schulleiter von großen Volksschulen zu verbessern. Den Leitern von Volksschulen mit über 300 Schülern wird eine weitere Anrechnungsstunde gewährt…“

Am 5. Juli 2007 erreichte diese Mitteilung Brigitte Hofmann-Koch als federführende Petentin. Der Abschlusssatz lautet: „Das Staatsministerium wird sich auch weiterhin um Verbesserungen bei der Situation der Schulleiter bemühen.“


Unser Kommentar:  Die Bemühungen des Staatsministeriums wurden und werden vom BSV und den Schulleitungen immer schon sehr aufmerksam wahrgenommen. Wir teilen auch die Freude über die o.a. Erfolge, die durch den Erhalt von Planstellen im Volksschulbereich erzielt werden konnten.

Dennoch bleiben viele Fragen offen, die der BSV weiter beharrlich verfolgen wird:

  • Wo bleibt die Entlastung für den ständig gestiegenen Arbeitsaufwand der letzten Jahre und Jahrzehnte, den Schulleitungen bisher nur mit enorm viel Überstunden bewältigt haben?
  • Wo blieb die Erhöhung der Leitungszeit in den Jahren 02/03 und 03/04 für Schulleiter mit weniger als 180 Schülern?
  • Warum erhöhte sich bei Schulleitern mit weniger als 360 Schülern 2004 die Arbeitszeit?
  • Warum wurden Schulleiter mit weniger als 300 Schülern bei der aktuellen Erhöhung der Leitungszeit 2007 ausgeschlossen?
  • Wann kommt endlich die Angleichung der Leitungszeit an diejenige von Schulleitungen anderer Schularten?
  • Wann kommt endlich die überfällige Verbesserung der Situation unserer Verwaltungsangestellten und die Angleichung der Zuteilungsrichtlinien an andere Schularten?

Werner Sprick