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Was kommt bei den Schülern an?

Montag, 16 Februar 2009 (Leserbrief von Helmut Schuster für die MZ)

Der Vorschlag von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) schien eine richtig gute Idee zu sein, im Rahmen der Konjunkturprogramme der Bundesregierung gegen die drohende Wirtschaftskrise viele Milliarden Euro Steuergelder in Schulen und Hochschulen zu stecken und damit der Bildung und unserer Zukunft etwas Gutes zu tun. Um zwei Fliegen mit einem Schlag zu treffen, nämlich die Wirtschaft zu fördern und die Schulqualität voranzubringen, sprach sie schon vor den ersten Beschlüssen an Weihnachten davon, dass die Schulleiter sehr gut wüssten, was ihre Schulen am meisten bräuchten.

Unverbesserliche Optimisten glaubten seitdem tatsächlich daran, dass übereinstimmend mit dem eindeutigen öffentlichen Bekenntnis des neuen bayerischen Kultusministers Dr. Ludwig Spaenle zu mehr Selbständigkeit und Entscheidungsfreiheit der einzelnen Schulen nun die Menschen vor Ort über den unverhofften Geldsegen verfügen oder zumindest mitentschieden dürften. Als nun die eilig zusammengerufenen Vertreter der Kommunen und der bayerischen Staatsregierung ihre Vorstellungen über die Mittelverteilung für das Konjunkturpaket II mit dem vielversprechenden Namen „Zukunftsinvestitionsgesetz“ bekanntgaben, gab es bei den Schulleitern lange Gesichter. Es war so gut wie ausschließlich von „energetischer Sanierung“ die Rede, eine Milliarde Euro sollen dafür in Bayern ausgegeben werden. Es spricht nichts dagegen, für umweltschonende Energiesparmaßnahmen viel Geld einzusetzen, wenn es nötig und sinnvoll ist.

Hätte man aber auch die Qualität des Unterrichts, die innere Schulentwicklung im Blick, würde man auch einen größeren Teil der Ausgaben für Anschaffungen verwenden, die direkt beim Schüler ankommen. Gelder für die Modernisierung und Effektivierung des Unterrichts wie  Lernwerkstätten für Mathematik, Naturwissenschaften und Deutsch, zeitgemäße Ausstattung mit Computer-Hardware und Lernsoftware, interaktive elektronische Tafeln, gesundheitsfördernde Luftwäscher für die staubtrockenen Klassenzimmer, eine lernfreundliche Innenausstattung mit gesundem Sitzmobiliar, neues Material für die musische, künstlerische und sportliche Erziehung, umfangreiches Fördermaterial und viele weitere Ideen hätten unmittelbare Auswirkungen auf das Lernen der Kinder. Es geht hier keineswegs um „Peanuts“: 127 Millionen Euro werden in die Oberpfalz fließen. Pro Einwohner sind das immerhin 117 €, bei einem Schulsprengel mit 10.000 Einwohnern kommt da schon deutlich mehr als eine Million € zusammen. Würde man nur die Hälfte davon für die „innere Ausstattung“ verwenden, wäre das eine Riesenchance.

Solche Vorschläge kommen, wenn Schulleiter, Schüler, Eltern und Lehrkräfte an der Entscheidung beteiligt sind. Sie hätten außerdem den Effekt, dass die Mittel sehr schnell und breit gestreut in die verschiedensten Bereiche der Wirtschaft fließen würden und nicht in wenigen Monaten ein großes neues Problem auftaucht. Welche Baufirmen sollen gleichzeitig alle geplanten energetischen Sanierungsmaßnahmen in Schulen und Hochschulen in der kurzen Zeit durchführen, wie sie für ein wirksames Konjunkturprogramm vorgeschrieben werden? Sieht man nicht die Gefahr, dass die um Rückführung ihrer Schulden bemühten Länder und Kommunen bei Bausanierungen mit den zusätzlichen Bundesmitteln nicht genau jene Aufgaben erfüllen, für die sie sowieso zuständig sind und die sie manchmal sträflich vernachlässigt haben?

Nicht immer ist das „Gießkannenprinzip“ automatisch das Schlechtere, manchmal ist es das einzig Richtige, um vielfältig Gutes zum Wachsen und Erblühen zu bringen und die Mittel gerecht zu verteilen. Oder sollte es immer noch am Vertrauen an „die da unten“ fehlen? Subsidiarität und Zentralismus beißen sich einmal mehr – beides zusammen geht nicht! Es reicht eben nicht, in der politischen Sonntagsrede die neue Eigenverantwortung zu predigen und am Montag im alten zentralistischen Stil allen Schulen die energetische Sanierung als oberstes Primat vorzugeben! Sind dann die Gemeinden außen vor, die in den letzten Jahren vorbildlich mit größter Anstrengung neue Schulhäuser gebaut oder generalsaniert haben?

Es ist auch eine Frage der Gerechtigkeit, ob das „geschenkte“ Geld sauber im Land und pro Kopf verteilt wird (andere Länder machen das so), oder gerade jene leer ausgehen, die zukunftsorientiert in ihre Bildungseinrichtungen investiert haben und dabei auch eine höhere Pro-Kopf-Verschuldung in Kauf genommen haben. Tatsache ist, dass beim bisherigen Procedere die Schulleiter als die Experten der Schule nicht im Geringsten einbezogen wurden, obwohl sie sich dazu bereit erklärt hatten.