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Wie sieht die Zukunft der kleinen Schulen aus?

Wichtiger Hinweis: Manche Positionen werden vom Landesvorstand bayernweit vertreten und sind entsprechend gekennzeichnet.
Andere Positionen sind Meinungsäußerungen einzelner Mitglieder des BSV mit deren Gedanken und Anregungen, die zur Diskussion einladen. Entsprechend sind diese mit dem Namen des jeweiligen Autors versehen.

Helmut Schuster,

Tel. 09471/8601 BSV-Bezirksvorsitzender Oberpfalz, 23.03.13
Mozartstraße 4 93133 Burglengenfeld   E-Mail:
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Positionen für Diskussionen

Wie sieht die Zukunft der kleinen Schulen aus?

Kleine Schulen können nicht die Voraussetzungen erfüllen, unter denen eine Schulführungskraft den Entwicklungsprozess von Schulen in hoher Eigenverantwortung zu gestalten hat. In Schulen mit nur wenigen Lehrkräften fehlt insbesondere der Vergleichsmaßstab bei der für eine Führungskraft originären Aufgabe der dienstlichen Beurteilung. Wer nur eine Handvoll Lehrkräfte hat, kann und will oft auch nicht beurteilen und festlegen, wer Führungspotential und eine Verwendungseignung hat. Eine voll ausgebildete Führungskraft dort einzusetzen und mit entsprechendem Verwaltungspersonal zu unterfüttern, würde eine große Ressourcenverschwendung bedeuten, die der Staat nicht leisten kann,  und die auch nicht notwendig ist, wie viele heute bereist gut funktionierenden Außenstellen von Grundschulen beweisen. Nichtsdestotrotz sind solch kleine pädagogische Einheiten in einem Schulverbund eines Schuldirektors oft sehr wertvoll und in jedem Falle erhaltenswert, weil die Kinder dort wohnortnah beschult und in einem sehr förderlichen und überschaubaren Erziehungs- und Lernklima aufwachsen.

Die Problematik dabei ist, dass diese sehr kleinen Schulen mit oft deutlich unter 100 Kindern vom Lehrerstundenbudget her mehr Stunden brauchen, als ihnen nach der landesweit festgelegten Messzahl zustehen würde. Es geht um das Abdecken des Pflichtunterrichts und zusätzliche Stunden für Fördern, Wahlfächer und Arbeitsgemeinschaften. Bisher waren die Staatlichen Schulämter gezwungen, entgegen dem eigentlichen Budgetgedanken, dass pro Kind an der Schule eine bestimmte Lehrerstundenzahl ankommt (z.B. 1,31 an GS, 1,81 an MS), die Stunden auf Landkreisebene so umzuverteilen, dass zumindest auch an den „Kleinstschulen“ und an Schulen mit sehr kleinen Klassen der Pflichtunterricht gehalten werden konnte.

Dies führte dazu, dass durch die reale Budgetierung der Mittelschulen, durch steigende Sonderzuweisungen z.B. für Schulen mit hohem Migrantenanteil und zunehmender Einrichtung von Ganztagsklassen, die sehr viele Zusatzstunden brauchen, auf Schulamtsebene die Zuweisung des Pflichtunterrichts zulasten weniger großer Grundschulen mit hohen Klassenstärken ging. So wurden 2012/2013 erstmals Sonderbudgets geschaffen, die das Problem aber nur leicht mindern konnten und so gaben große Grundschulen oft deutlich mehr als 10 Prozent der Stunden ab, die ihnen rechnerisch nach ihrer Schülerzahl zukommen würde.

Auch unter einer direktionalen Schulführung würde diese Problematik weiter bestehen. Will man den als ungerecht empfundenen Zustand der „Dauerabgabe“ über Jahrzehnte hinweg durch große Schuleinheiten an die idyllisch kleinen Schuleinheiten beseitigen, bieten sich dazu zwei Wege an, vorausgesetzt, man möchte die Schulen, für die das Budget „zu klein“ ist, nicht schließen. Man weitet die Sonderbudgets in großem und ausreichendem Umfang aus, um damit die echte Budgetierung sicher zu stellen. Dies könnte einen problematischen Anreiz hervorrufen, dass ein Trend zu sehr kleinen und teuren Einheiten gefördert wird, der beim Staat zu stark steigenden Kosten führt.

Ein für viele neuer und überlegenswerter Gedanke ist der, die Gemeinden, die bisher Sachaufwandsträger ihrer Schulen sind, auch bei den notwendigen und gewünschten höheren Personalkosten zu beteiligen. Der Staat legt die Kosten für eine Lehrer-Jahresarbeitsstunde (als Beispiel gesetzt 1800 €) und an der Schule wird in der Planungsphase im April/Mai ermittelt, dass 15 Lehrerstunden für das Pflichtprogramm fehlen würden. Nun hat die Gemeinde die Wahl: Sie kann für 27.000 € genau die 15 Stunden mit Eigenbeteiligung „ordern“, sie kann auch fünf oder mehr Stunden dazu "kaufen", wenn sie Flötenkurse, Chor, Schultheater, Sport-AGs oder Computerkurse haben will. Die Gemeinde entscheidet so selbst, ob sie die Schule am Ort erhalten will, eine höhere Schulqualität anstrebt und dafür einen Eigenbeitrag leistet. Es kann allein schon für die Gemeinde teurer werden, die Schule zu schließen und die Fahrtkosten und Gastschulbeträge an die Nachbargemeinde zu zahlen, an der es eine Schule gibt, die ihre Kinder aufnimmt.

Von dem Geld, das der Staat auf diese Weise bayernweit zusätzlich einnimmt, stellt er zusätzlich Lehrkräfte ein, die dann zum Schuljahresbeginn wie alle anderen Lehrkräfte überall zur Verfügung stehen, wo sie gebraucht werden. Generell sollten im Sinne der Subsidiarität die Kommunen einen höheren Steueranteil und mehr Befugnis  für ihre Aufgaben als Sachaufwandsträger und "Vorort-Entwickler" ihrer Schulen bekommen und dabei auf bayernweit vereinbarte, gültige Standards bauen können.

Dienstrechtliche Schulverbünde unter Leitung eines Schuldirektors haben zunächst und vordergründig keine Auswirkungen auf die Trägerschaft der jeweiligen Schuleinheit. Aber natürlich erscheint es sinnvoll, für die Trägerschaft des Sachaufwands, der Beförderungskosten und eines möglichen Personalzusatzaufwandes rechtlich sicher handelnde Verbünde zu schaffen. Auch die Mittelschulverbünde befinden sich mit ihren Koordinatoren erst in einem Übergangsstadium. Nach wie vor hat der fachliche Leiter des Schulamts die Dienstaufsicht und letzte Entscheidungsbefugnis. Es gibt jetzt bereits Differenzen in Verbünden mit hoher „Sprengkraft“, was Fahrtkosten und Gastschulbeiträge sowie Standortwahl für Klassen anbetrifft.

Langfristig ist auch dies nur in einem direktionalen System handhabbar. Da heute am Lande mehr Schüler in die Realschule wechseln als an die Mittelschule, wäre hier grundsätzlich zu überlegen, ob die Mittelschulen nicht auch von den Landkreisen ähnlich verwaltet und versorgt werden sollten wie die anderen Sekundarschulen und damit die Gemeinden entlastet werden könnten.

Für eine zukunftsträchtige und flexible "Volksschullandschaft" sind sicher einige Gesetzesänderungen und neue Verordnungen nötig. Aber in einer Zeit, in der sich alles rasch ändert, müssen neue Antworten gefunden werden und Bestimmungen geändert werden, die überkommene Strukturen auflösen helfen und positive Entwicklung ermöglichen.

Helmut Schuster, Bezirksvorsitzender Oberpfalz