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Schulleiter im Nebenjob geht gar nicht

Wer weiß, unter welchen Bedingungen Volksschulleiter ihre Aufgabe in der Schul- und Personalführung zu tragen haben, wundert sich kein bisschen, dass immer weniger Lehrer dazu bereit sind, zusätzlich zu ihrem anspruchsvollen Beruf als Lehrkraft auch noch die ganze Schule zu leiten. Landauf landab kommt es immer öfters vor, dass Schulleiterstellen mehrfach ausgeschrieben werden müssen und nicht immer kann gewährleistet werden, dass sie von den geeignetsten Lehrkräften besetzt werden.

 

Warum soll sich ein beförderter Studienrat A 13 für Rektoren- oder Konrektorenstellen melden, wenn ihm für die enorm höhere Verantwortung und Arbeit netto nicht einmal 100 € zusätzlich winken? Doch ist das Geld nicht einmal das Hauptproblem, als Schulleiter bewerben sich eh nur Lehrer, die ihren Beruf lieben und mit hohem Idealismus ausüben. Im Rahmen der vorgegebenen Bedingungen ist dieser Zusatzjob "Schulleitung" in Zeiten höherer Eigenverantwortung und Ausbau des Ganztagsbetriebs kaum machbar.

Schulleiter haben seit 2006 weitgehend die Arbeit der dienstlichen Beurteilung ihrer Lehrkräfte so übernommen, wie es die Direktoren der anderen Schularten schon längst hatten. Sie machen all die Unterrichtsbesuche, die Mitarbeitergespräche, führen interne und externe Evaluation durch, organisieren Mittagsbetreuung und verlängerte Nachmittagsbetreuung, die offene Ganztagsschule und die gebundenen Ganztagsklassen. Zusätzliche Aufgaben mit Jahrgangsstufentests, VERA-Arbeiten, schulhausinterner Fortbildung, individueller Förderung, Integration von Migrantenkindern bis hin zur Inklusion von Kindern mit besonderen Schwierigkeiten fordern vor allem die Schulleitung, doch bekam sie dafür keine Arbeitszeit. An vielen Schulen sind sie sogar selbst noch Klassenleiter, die Konrektoren sowieso. Sie halten oft 20 Wochenstunden und mehr Unterricht, so viel wir normale Lehrer an anderen Schularten. Die Leiter von "Doppelschulen" mit Grund- und Mittelschulen haben zudem die gesamte Organisation zweier Schularten durchzuführen, ohne dafür Anrechnungs- oder Verwaltungsstunden zu bekommen.

Der Bayerische Schulleitungsverband wird seit vielen Jahren immer wieder vertröstet auf fehlendes Geld oder bessere künftige Zeiten, die angesichts der Entwicklungen mit Griechenland, Asylantenkosten, Landesbankverlusten und Länderfinanzausgleich auf sich warten lassen. Wenn jetzt laut KM-Pressemitteilung 280 erfreulicherweise 2000 neue Beschäftigungsmöglichkeiten an Volksschulen geschaffen und ein Großteil der Junglehrer eingestellt werden, sollten endlich auch die Schulleitungen bedacht werden. Dass ausgerechnet sie bei der Anpassung der Beförderungen 2015 erneut leer ausgehen könnten, ist unglaublich und nicht nachvollziehbar.

Die Schulen könnten noch viel besser sein, wenn die Schulleiter die Möglichkeit hätten, sie mit modernen Instrumenten zu führen. Dazu gehört in allen größeren Einheiten selbstverständlich eine erweiterte Schulleitung, bei der die Verantwortung auf mehrere Schultern von kompetenten Kollegen verteilt wird. Es ist ein Unding, dass dies ausgerechnet beim Stiefkind Volksschule nicht möglich ist. An Gymnasien, Realschulen und beruflichen Schulen wurde diese erweiterte Schulleitung schon vor zwei Jahren eingeführt.

Die künftige Schullandschaft im Bereich der Grund- und Mittelschulen sieht die Trennung dieser Schularten vor. Benötigt werden Einheiten, die groß genug sind, als Direktion geführt zu werden. Warum sollte nicht auch ein Schuldirektor im Volksschulbereich das leisten, was alle anderen Schuldirektoren können? Die Fachlichen Leiter der Volksschulen sind am Schulamt. Nötig sind sie für sehr kleine Schuleinheiten. Den Größeren sollte nun die gleiche Selbstständigkeit eingeräumt werden unter Maßgabe der Zuteilung des Lehrerstundenbudgets sowie Mitsprache und Einvernehmen bei der Auswahl der Lehrkräfte - wie bei anderen Schularten.

Helmut Schuster, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Schulleiterverbands
MZ, 20.07.2015