Wichtiger Hinweis zu den PositionenManche Positionen werden vom Landesvorstand bayernweit vertreten und sind entsprechend gekennzeichnet. Andere Positionen sind Meinungsäußerungen einzelner Mitglieder des bsv mit deren Gedanken und Anregungen, die zur Diskussion einladen. Entsprechend sind diese mit dem Namen des jeweiligen Autors versehen.

Unterrichtsversorgung: So kann sie gelingen!

Unterrichtsversorgung an den Grundschulen - so kann sie gelingen: Hand in Hand mit den Lehrkräften!

Selbstverständlich ist auch der bsv für eine Angleichung der Besoldung zum Beispiel an die Lehrkräfte der Realschule in Bayern und damit in die Eingangsstufe nach A 13 unter entsprechender Abstandswahrung zu den Funktionsstellen.

Hand in Hand!

Aber natürlich ist das keine Antwort auf die Frage, wie wir das Loch von 1400 Lehrkräften füllen, die wir im September 2020 an unseren Grund- und Mittelschulen zusätzlich brauchen. Diese notwendige Reform der Lehrerbesoldung für die Lehrkräfte der Grund- und Mittelschulen, wie sie auch Kultusminister Piazolo für die Freien Wähler befürwortet, hilft mit Sicherheit, mittel- und langfristig das bedarfsgerechte Angebot zu schaffen und dafür zu sorgen, dass der Frauenanteil an den Grundschulen mit 90,2 % und einem Anteil von 66 % Teilzeitlehrkräften durch deutlich mehr männliche Lehrkräfte verstärkt wird.

Dazu reicht es nicht, 700 neue Studienplätze für Grundschullehrkräfte zu schaffen, es muss der Numerus clausus für diese Studium deutlich gelockert werden und gleichzeitig durch zielgerichtete Auswahl- und Qualifizierungsmaßnahmen sichergestellt werden, dass nur Personen in diesen Beruf gelangen, die dafür die Eignung und das nötige Interesse mitbringen und diesen als eine Berufung ansehen, für die es sich lohnt, vollen professionellen Einsatz zu bringen.

Noch viel wichtiger ist es, die Attraktivität des Lehrerberufs an Grund- und Mittelschulen dadurch zu steigern, dass die Arbeitsbedingungen an den Schulen so verbessert werden, dass nicht zwischen 30 und 40 % der Studierenden sich auf dem Weg in den Lehrerberuf verabschieden, wie es zuletzt der Fall war. Man darf davon ausgehen, dass sie mit negativen Erfahrungen im Studium und an den Schulen sich diesen grundsätzlich wunderschönen Beruf nicht zutrauten und durch die harte Schulrealität abgeschreckt wurden.


Fortzsetzung zum Newsletter 141:

Völlig kontraproduktiv ist es da, wenn man ausgerechnet den höchstbelasteten Lehrkräften an Grund-, Mittel- und Förderschulen noch eine zusätzliche Stunde durch eine vertrauenszerstörende Zwangsmaßnahme aufbrummt, obwohl man ihnen bereits hohe Sonderbelastungen mit der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund und einer anderen Sprache in der Familie, mit vielgepriesenen, aber oft völlig überfordernden Inklusionsaufgaben sowie mit den umfangreichsten Ganztagsangeboten zumutet.

Auch die Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen wissen ganz genau, was sie in ihrer persönlichen und beruflichen Situation zu leisten und zu schaffen imstande sind. Die Schulleiter* und Konrektoren* im BSV sind die letzten, die sich nicht eine bessere Lehrerversorgung und zusätzliche Unterrichtsstunden für das notwendige und auch für das wünschenswerte Angebot an Arbeitsgemeinschaften, Neigungsgruppen und Förderkursen erhoffen.

Aber wir setzen im Gegensatz zu den ersten Ankündigungen aus dem Kultusministerium ganz auf Freiwilligkeit und Überzeugungskraft und wir wissen, dass ein Teil unserer Lehrkräfte dazu auch in der Lage und willens ist, in dieser schwierigen Situation für das nächste Schuljahr auszuhelfen. Wir befürchten, wenn man das, was von Herzen kommen soll und freiwillig sein muss, mit Maßnahmen erzwingen will, am Ende sogar weniger herauskommt als wir ursprünglich hatten. Wir erinnern daran, dass auch bei der Definition von Maßnahmen zur Behebung des Lehrermangels im Wikipedia-Text davon die Rede ist, dass diese „in Absprache mit den Lehrkräften“ stattfinden müssen.

Und wir setzen darauf, wie es überall in der Wirtschaft funktioniert, wenn Menschen ihren Beruf professionell ausüben, dass Anreize und ein Bonussystem das gewünschte Ergebnis bringen werden. Wer also entgegen seinen ursprünglichen Planungen noch ein oder zwei Jahre anhängen soll, könnte zum Beispiel bei Vollzeit zusätzlich zu der bisherigen Altersermäßigung mit einer weiteren Stundenermäßigung von 3 oder 4 Stunden dazu überzeugt werden. Entsprechende Überlegungen soll es im Kultusministerium schon geben und werden von uns unterstützt.

Und auch der Idee, Pensionisten auf freiwilliger Basis wieder zu aktivieren, stehen wir grundsätzlich positiv gegenüber, wenn es den Wünschen dieser Pensionisten entspricht. Und selbstverständlich muss das so geregelt werden, dass sich das für sie auch finanziell rechnet. Solche Modelle gibt es bereits in anderen Bundesländern und dort füllen Pensionisten oft große Lücken. Dabei ist auch Flexibilität geboten von unterhälftig bis Vollzeit, natürlich auch mit entsprechender Altersanrechnung. Wer kann und will trotz hohem Engagement und Anspruch im Pensionsalter 28 Wochenstunden Unterricht mit Kassenführung vor- und nachbereiten?

Wenn Lehrkräfte ihre Teilzeit deutlich erhöhen sollen, sofern sie diese sowieso nicht in eine familienbezogene, für Kindererziehung oder Elternbetreuung gewidmete Teilzeit umwandeln lassen, könnte man diese entgegenkommende Dienst- und Leistungsbereitschaft beurteilungsrelevant anerkennen und einsatzmäßig und stundenplantechnisch günstige Lösungen absprechen.

Und nur für die Vollzeitkräfte wäre eine 29. Stunde überhaupt sinnvoll, was an der GS ja höchstens für ein Viertel der Lehrkräfte infrage kommen könnte. Hier sollte man unbedingt Abstand nehmen vom Arbeitszeitkonto, das ist uns Schulleitern aus den vergangenen 15 Jahren noch als verwaltungstechnisches Monstrum sehr unangenehm in Erinnerung. Da wäre es viel besser, diese Stunde zusätzlich sofort zu vergüten und zwar mit Zuschlag zu einem Stundenlohn, wie ihn zum Beispiel Gymnasiallehrer erhalten und rechtfertigen kann man dies durchaus mit einer vergleichbaren Überstundenregelung, die in der freien Wirtschaft absolut üblich ist. Das kann man ohne weiteres tun, wenn zum Beispiel in Niedersachsen das Kultusministerium überlegt, Lehrkräfte auf das wenig begehrte „Land“ mit einer zusätzlichen dreistelligen Summe im Monat zu locken. Am Geld dürfte derzeit bei der grandiosen Steuereinnahmesituation des Staates nichts mehr scheitern, es fehlen einfach nur noch die Lehrkräfte.

Eine 29. Wochenstunde als Arbeitszeitkonto ist also aus mehreren Gründen unbedingt abzulehnen: Es suggeriert, als ob die Lehrkräfte diese zusätzliche Belastung allgemein noch stemmen könnten. Der größte Teil der Lehrkräfte arbeitet weiterhin in Teilzeit und sie beantragen dieses Maß so, dass sie es schaffen können. Da würde eine 29. Stunde im Arbeitszeitkonto oft nur zur Lohnkürzung, das war auch de facto schon beim Arbeitszeitkonto vor 15 Jahren so der Fall.

Bei der Fehlerhaftigkeit aller vergangenen Prognosen ist ganz stark zu bezweifeln, dass es zu einem Ausgleich über das Jahr 2030 hinaus kommen könnte. Derzeit steigen in Deutschland auch die Geburtenzahlen stark an und wir wagen die Prognose, dass der Lehrermangel mindestens bis zum Jahr 2030 anhalten wird, wahrscheinlich sogar länger. Wann also sollen die Lehrkräfte die Stunde zurückbekommen, ein Auszahlen in Geldform lohnt sich für sie nach so langer Zeit aus heutiger Sicht ganz bestimmt nicht? Was würden Fachkräfte in der Wirtschaft sagen, wenn man ihnen den Lohn für Mehrarbeit, die sie heute leisten, erst in 15 Jahren zur Auszahlung anbieten würde?

Nur mit der „Bonus-Stunde“ und einem Zuschlag werden sich überhaupt Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen auf eine Zusatzstunde Mehrarbeit einlassen. Und nur jene sollen es tun, die sich dadurch nicht überfordert fühlen. Überforderung schafft Krankheit, Krankheit schafft Lehrermangel, Lehrermangel schafft noch mehr Krankheit, und ausbaden müssen es ganz zum Schluss die Konrektoren und Rektoren, die tagtäglich den Unterricht mit Vertretungsplänen sichern sollen. Und wenn man es uns möglich macht, werden wir solchen Lehrkräften wieder jene Stunden für Arbeitsgemeinschaften geben, mit denen sie sowieso ihre Stärken und Hobbys pflegen konnten zum Wohle und im Interesse unserer Schüler.

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