Wichtiger Hinweis zu den PositionenManche Positionen werden vom Landesvorstand bayernweit vertreten und sind entsprechend gekennzeichnet. Andere Positionen sind Meinungsäußerungen einzelner Mitglieder des bsv mit deren Gedanken und Anregungen, die zur Diskussion einladen. Entsprechend sind diese mit dem Namen des jeweiligen Autors versehen.

Ein zweiter Hebel kann noch mehr!

Was die Lehrkräfte auf freiwilliger Basis zur Behebung des Lehrermangels und für die Sicherung des Unterrichts tun können, werden sie tun.

Fünf VorschlägeGerne appellieren wir an unsere Lehrkräfte, den Vorzügen des Beamtentums durch besonderen Einsatz in der Treuepflicht gerecht zu werden und ihr Möglichstes zu tun, das sind wir der Gesellschaft schuldig.
Aber in solchen Zeiten, in denen der Bedarf deutlich höher ist als das Lehrerangebot, sollte man auch an den Stellschrauben drehen, die das Angebot auf das notwendige und vernünftige Maß schrumpfen lassen. Dazu machen wir aus Sicht des bsv fünf Vorschläge:

  1. Weiteres Aussetzen der externen Evaluation und dafür Forcieren der Fähigkeiten zur Selbstevaluation und zur internen Evaluation durch die Schulaufsicht. Im Verbund mit Einsparungen bei den ausgeliehenen Lehrkräften für die Übertrittslosentätigkeiten, die wir in der derzeitigen Situation zwar als angenehm, aber dennoch als Luxus empfinden, könnten erhebliche Lehrerstellen eingespart werden.
  2. Ein enormes Einsparpotenzial ergibt sich aus dem Vorschlag, in der Stundentafel der Grundschule jeweils die 3. Stunde Religion in der 2., 3. und 4. Jahrgangsstufe zu streichen. Wir sind überzeugt, dass damit der Religionsunterricht und parallel der Ethikunterricht seine Aufgaben genauso gut erfüllen wird, wie es in den anderen Bundesländern der Fall ist, in denen es auch keine dritte Religionsstunde im Schuljahr gibt. Es gibt an den Grundschulen in diesen Jahrgangsstufen insgesamt ca. 15.500 Klassen, wodurch 15.500 Lehrerstunden eingespart werden könnten. Teilen wir diese Zahl durch die Stundenzahl einer GS-Vollzeitlehrkraft, also durch 28, so erhalten wir ein Vollzeitlehreräquivalent von 554 Lehrkräften. Entsprechende Einsparungen beim evangelischen Unterricht und Ethikunterricht kämen noch hinzu. Wir sind sehr sicher, dass die ganz große Mehrheit der Bevölkerung nicht nur Verständnis für diese Maßnahme hätte, das gilt ganz besonders für die Eltern, die sich sowieso immer über die hohe Anzahl der Religionsstunden wundern im Vergleich zum Unterricht in den Kernfächern.
  3. An den Mittelschulen könnten die Pflichtstunden für Informatik in der 5. und 7. Jahrgangsstufe ersetzt werden durch freie AG-Stunden, mit denen man vor Ort gezielt jene Interessen und Neigungen fördert, die bei den Schülern vorhanden oder nachgefragt sind.
  4. Die besondere Situation der Schulleitungen mit diesem katastrophalen Lehrermangel verdient auch besondere Aufmerksamkeit und Würdigung. Durch die Ankündigung von Zwangsmaßnahmen ist an vielen Schulen die Stimmung deutlich gesunken und wer sonst als wir Schulleiter und Konrektoren können und sollen aus dieser Situation wieder einmal das Beste machen? Die Führungsarbeit an den Schulen machen eben nicht ferne Schulräte, die offiziell nur im Volkschulbereich noch die Dienstvorgesetzten der Lehrkräfte sind, sondern es sind die Schulleiter. Die Schulleiter und Korrekturen brauchen jetzt mehr Leitungszeit für die großen Herausforderungen, genauso viel wie die Schulleitungen anderer Schularten. Sie besuchen den Unterricht, beraten und helfen im Alltag, machen alle Vorarbeiten sogar für die dienstliche Beurteilung. Und sie sind zuständiger Gesprächspartner für die oft sehr großen persönlichen und beruflichen Probleme. Führen per Anordnung und direkter Weisung hat an unseren Schulen in unserer Gesellschaft wenig Aussicht auf Erfolg. Die Leute müssen überzeugend mitgenommen werden, man muss sie ernst nehmen, sie fordern und ihnen gerecht werden.
  5. Wir können das, aber nur, wenn wir auch die Instrumente dazu haben. Lassen Sie, Herr Kultusminister, uns unsere Kollegen überzeugen, geben Sie uns Möglichkeiten für ein faires Angebot und lassen Sie alle Lehrkräfte spüren, dass ihr zusätzliches Engagement auch ihnen selbst und ihrer Schule wirklich direkt zugutekommt. Nur so kann es funktionieren, im anderen Fall fürchten wir erhebliche Einschränkungen und Ausfälle, die alles noch schlimmer machen.

 

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Bessere Unterrichtversorgung an den Grundschulen

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Etwas zum Schmunzeln: