Wichtiger Hinweis zu den PositionenManche Positionen werden vom Landesvorstand bayernweit vertreten und sind entsprechend gekennzeichnet. Andere Positionen sind Meinungsäußerungen einzelner Mitglieder des bsv mit deren Gedanken und Anregungen, die zur Diskussion einladen. Entsprechend sind diese mit dem Namen des jeweiligen Autors versehen.

Corona: Administration und ihre Verantwortung

Corona

In medias res: Corona überall – aber einzelne gezielte, von Deutschlands besten Virologen geforderte Maßnahmen werden zwar gehört, aber dort, wo sie mit am wirksamsten wären, nicht in Gänze umgesetzt.

Konkret: Warum muss eine Klasse zu Hause bleiben, die im Flur benachbarte nicht? Warum sollen einzelne Schüler der Schule fernbleiben, andere aus der unmittelbaren Schulnachbarschaft (Gymnasium / Realschule) nicht? Wieviel Sinn macht es, einer oder zwei Lehrkräften oder Erzieherinnen den Dienst für ein paar Tage zu untersagen, diese jedoch schon tagelang ihren Dienst ausgeübt haben und ggf. andere angesteckt haben, obwohl die Reise in bestimmte Gebiete bekannt war? Behörden verzeichnen einen rapiden Anstieg von Infizierten, reagieren jedoch in Teilen kontraproduktiv und werden ihrer Verantwortung teils ungenügend gerecht. Dieser Frage werden sie sich vielleicht bald stellen müssen. Wie fragte vorletzte Woche die BR-Moderatorin Ursula Heller Kultusminister Piazolo: „Geht Unterricht vor Gesundheit?“

Warum weigert man sich in Ministerien und Regierungen offenbar, alle Kindergärten, Kindertagesstätten und alle Schulen bis zur Hochschule für einige Wochen zu schließen, um die Ansteckungsgefahren zu minimieren bzw. hinauszuzögern und die -rasante - Verbreitung zu verhindern? Damit negiert man die begründete fachlich höchst qualifizierte Aussage und Aufforderung von z. B. Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery und Prof. Dr. Alexander Kekule, obgleich es um Gesundheit essentieller Natur geht! Ich verkenne dabei nicht schwierige Betreuungssituationen, die entstehen können. Richtig ist die jüngst getroffene Regelung des Gesundheitsministeriums. Aber man bleibt mitten auf dem Prozessweg stehen.

Ja, es mag sein, dass es wirtschaftlich an manche Substanz geht, verbunden auch mit Arbeitslosensteigerung bis zum Extrem der Insolvenz. Aber darf man Wirtschaft gegen Gesundheit stellen? (s. „Anne Will“ vom So, 08.03.). Intensiver wird diese Situation bei Absagen von Messen, großen Konzerten, im Sport. Diese Basiserkenntnis hat bereits zu konkreten Überlegungen zur Unterstützung durch den Staat geführt.

Es ist schlicht falsch und gefährdet eine Vielzahl von Menschen, wenn man vom „Abstellen auf den Einzelfall“ spricht. Es geht, darum, eine ungebremste Infektionswelle zu verhindern, um die Chance zu erhöhen, in einem Zeitraum bis etwa Mitte 2021 möglichst wenige zu infizieren, weil dann vermutlich ein Impfstoff zur Verfügung steht.

Und: Bei Schließung der Bildungsstätten über wenige Wochen wird das Bildungssystem nicht zerstört und keiner fällt deswegen durch die Prüfungen.

Siegfried Wohlmann
Rektor i.R. und ehem. stv. Landesvorsitzender des Bayer. Schulleitungsverbandes