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Workshop "Schwierige Kollegen" mit OStD Walter Hauenstein

Durchaus überrascht über den hohen Zuspruch beim Schulleitungskongress 2014 des BSV in Wildbad Kreuth zeigte sich Oberstudiendirektor Walter Hauenstein, Leiter des Dürer-Gymnasiums Nürnberg. Sein Workshop zum Problemfeld "Mitarbeiterführung - Umgang mit schwierigen Kollegen" stieß auf größtes Interesse, seine Ausführungen und die Besprechung von Fallbeispielen mit der Anwendung von Disziplinarrecht fanden enorme Zustimmung. Offensichtlich gehört es zu den größten Herausforderungen des Schulleiterberufs, mit schwierigen Lehrerverhalten umzugehen, das von "Nicht können", "Nicht wollen", resignieren bis hin zu opponieren reichen kann.

 

Zu Beginn seines Vortrags erläuterte Walter Hauenstein die Situation an seiner Schule mit über 1000 Schülern und 60 Regelbeurteilungen sowie einigen Besonderheiten wie Hochbegabtenklassen und mit einer Klasse für sozial benachteiligte "Kinder mit Startproblemen", die von der Berger Stiftung unterstützt wird. Er machte deutlich, dass die Personalführung im Beamtenbereich grundsätzlich schwierig sei, für die Leiter an Grund- und Mittelschulen allerdings noch viel schwieriger, weil hier der Disziplinarvorgesetzte ja nicht der Schulleiter, sondern der Fachliche Leiter am Schulamt ist. Was er sich gar nicht vorstellen könne, sei die Tatsache, dass Schulleitung und Personalvertretung im Volksschulbereich in Personalunion stattfindet. Das gehe gar nicht, ein Schulleiter kann nicht Interessenvertreter der Lehrkräfte sein und das machte die Situation zusätzlich schwierig.

Unabhängig von disziplinarrechtlichen Möglichkeiten sei das erste und wichtigste Mittel das Gespräch mit den Kollegen. Unterrichtsbesuche, die Zuteilung von Tutoren, Einschränkungen bei der Zuteilung von bestimmten Klassen sind wirksame Möglichkeiten der Einflussnahme. Unterhalb des Disziplinarrechts gibt es direkt persönliche Ansagen wie Missbilligung, Ermahnung, Zurechtweisung und Rüge. Es können direkte Vorgaben gesetzt werden, wie zum Beispiel die Vorlage eines Wochenplans dem Team- bzw. Fachleiter gegenüber, wöchentliche Situationsberichte, Korrekturvorgaben oder Nachkorrekturen. Treten die nötigen Verbesserungen nicht auf, kann vom Schulleiter Antrag auf "Feststellung der Unterrichtsfähigkeit" gestellt werden und er setzt damit einen juristisch exakt definierten Prozess der Überprüfung der Leistungsfähigkeit in Gang. Im Volksschulbereich ist dies nur über das Schulamt möglich und in der Praxis eher ein Novum.

Eine wirksame Waffe können die "missbilligenden Äußerungen" sein. Diese reichen von der "formellen Ermahnung", über die "Rüge" bis hin zur "Zurechtweisung" (Art.64 Abs.1 BayBG) in schriftlicher Form. Auch hier sind die Leiter von Grund- und Mittelschulen deutlich im Nachteil, denn sie müssen für solche Maßnahmen erst die Schulräte gewinnen.

Es ist zu beachten, dass Schlechtleistung an sich noch kein Dienstvergehen ist. Wenn es aber augenscheinlich am Wollen und auch an Pflichtbewusstsein fehlt, so steht das Feld der Disziplinarmaßnahmen nach Art. 19 BayDG zur Verfügung. Nimmt ein Direktor diese Maßnahmen war, stimmt er sich mit den Juristen der Landesanwaltschaft ab. Es beginnt mit einem klassischen Verweis, Geldbußen bis hin zur Höhe eines Monatsgehalts, dauerhafte Kürzung der Dienstbezüge bis hin zur Entfernung aus dem Dienst. Hauenstein zeigte auch an Beispielen seiner Schule auf, dass es hin und wieder zu solchen Maßnahmen kommt und diese auch sehr wirksam sind.

Keine Frage, dass diese Möglichkeiten im Volksschulbereich nur mit dem Schulamt und der Rechtsabteilung der Regierung in Frage kommen. Die meisten Teilnehmer bestätigten, dass ihnen all diese Möglichkeiten so gut wie unbekannt sind und ganz häufig Schulleiter von Schulämtern nicht die nötige Unterstützung erfahren, wenn es "hart auf hart" kommt. Nicht selten fühlen sich hier Schulleiter von der "Obrigkeit" sehr im Stich gelassen.

Viele Schulleiter im Volksschulbereich stellen fest, dass sie sich für diesen zentralen Bereich der Führung gerade in problematischen Situationen nicht genügend ausgebildet und vorbereitet fühlen. Schwierig ist zudem die Tatsache, dass sich Schulleiter als Personalvertreter der Lehrerverbände wählen lassen und dann in den Personalvertretungen als Vertreter der Lehrer den Schulleitern gegenüberstehen, die von ihrem Personal die nötige Leistung und Bereitschaft einfordern. Für die Leiter aller anderen Schularten ist so eine Situation völlig unverständlich und kontraproduktiv.

Am interessantesten waren natürlich die Fallbeispiele aus der Praxis des Oberstudiendirektors und auch aus Schulen der Teilnehmer. Walter Hauenstein machte deutlich, dass in allen Aufsichtsverfahren vorrangig ist, dass der Schulleiter die Sache völlig klärt und dann entsprechend mit Weisungen reagiert. Wichtig ist die Einhaltung der Amtsverschwiegenheit im Sinne der Fürsorgepflicht, Tribunale sind in jedem Falle zu vermeiden. Mut, Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen sind wichtige Eigenschaften der Schulleiter. Schriftliche, exakt formulierte Aufzeichnungen sind besonders in problematischen Fällen unabdingbar. Kommt es zur Dienstaufsichtsbeschwerden gegen die Person einer Lehrkraft, ist im Volksschulbereich wiederum der Schulrat entscheidend gefragt. Gerade aus den praktischen Beispielen konnten die Teilnehmer zahlreiche Tipps und gute Ratschläge mitnehmen.

Auch die dienstliche Beurteilung als zentrale Führungsaufgabe kam am Rande zur Sprache. Größte Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit sei hier angebracht. Die Arbeit damit sei sehr angewachsen. Der Oberstudiendirektor erlaubte sich auch einen kräftigen Seitenhieb auf die zusätzliche frühe Einschätzung während der Probezeit, die völlig überflüssig sei.

Der große Erfolg des Workshops erklärt sich wohl daraus, dass wir im Volksschulbereich in der Regel sehr unbedarft sind und nicht systematisch auf unsere Führungsaufgabe vorbereitet wurden. Vieles, was wirksam wäre, ist uns aus den Händen genommen und solange ein Großteil der Schulleiter nicht weiß, auf welcher Seite in der Verantwortung für die Schule er gehört, haben wir beim Bemühen um Schulqualität das Nachsehen. Den teilnehmenden Schulleitern wurde deutlicher, dass auch im Volksschulbereich in Zeiten der eigenverantwortlichen Schule der Schulleiter den vollen Dienstvorgesetztenstatus mit allen disziplinarischen Möglichkeiten braucht.

R Helmut Schuster, BSV-Bezirksvorsitzender Oberpfalz