BSV bei Staatssekretär Georg Eisenreich

Trotz insgesamt desolater Situation nur wenige Lichtblicke

Die seit Jahrzehnten vom Bayerischen Schulleitungsverband erbetene und angemahnte deutliche Verbesserung der alles entscheidenden Rahmenbedingungen für Schulleitungen und Verwaltungsangestellte lässt – von Ausnahmen abgesehen – weiter auf sich warten. Die Frustration steigt, die Motivation sinkt, die Qualifikation bleibt auf der Strecke. Dabei gab es keinen Widerspruch.

So kann man das Empfinden von BSV – Landesvorsitzender Petra Seibert, stv. Vorsitzender Cäcilia Mischko, Landesschriftführerin Christina Schmidt und Vorstands- wie Ehrenmitglied Siegfried Wohlmann beschreiben – obgleich das Gespräch bei Georg Eisenreich, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst in gegenseitigem Respekt, im aufmerksamen Zuhören, in beidseitigem Verständnis und deutlicher Ausformulierung von Anspruch und Wirklichkeit durchaus sachlich harmonisch verlaufen ist.

BSV bei Staatssekretär Georg Eisenreich Zu Beginn führten die BSV – Vertreter, in Präsenz auch von Mdgt. Walter Gremm, in Kurzfassung noch einmal den nicht mehr angemessenen und über jede Toleranzschwelle hinausgehenden Aufgabenzuwachs aus: Teils sinnfreie Statistik, Beurteilung bei falsch angeordneter Handhabung, Unterrichtsverpflichtung bis hin zu Vertretungsstunden, Schulentwicklungskonzept, Evaluation (mit vielen Fragezeichen), Medienkonzept, neues und kaum bewältigbares Verwaltungsprogramm, zu wenige Mobile Reserven ab November / Dezember, zeitaufwändige Unterstützung bei den Zweitqualifikanten aus Gymnasium und Realschule (die übrigens erst nach zwei (2) Jahren nach A 12 einsteigen),  zunehmende Gespräche mit Eltern, Jugendamt, Kindergärten, Sachaufwandsträger und anderen wichtigen Stellen, Ganztagesklassen bzw. –schulen ……

Georg Eisenreich war diese Häufung sehr bewusst und gab zu, dass die Grund- und Mittelschulen in den vergangenen Jahren unzureichende Ressourcen erhalten und die Verbesserungen der Rahmenbedingungen sich tatsächlich sehr „im Rahmen“ bewegt hätten. So sei seit 2012 nur eine (1) Anrechnungsstunde hinzugekommen – von Entlastung wollte niemand sprechen. Auch angesichts der Flüchtlingsintegration habe man nicht wie notwendig reagiert, merkte Petra Seibert an. Die BSV – Vertreter kritisierten, dass eine staatstragende Partei sehr wohl eine Fürsorgepflicht und diese nur ungenügend wahrgenommen habe. Dazu zähle zuallererst die Fürsorge gegenüber den Kindern und Jugendlichen, die Anspruch hätten auf Förder- und Differenzierungsmaßnahmen wie Arbeitsgemeinschaften, die an vielen Schulen nicht mehr existent seien. In diesem Zusammenhang wies man darauf hin, dass Schulleiter / -innen an Förderzentren nicht genügend MSD – Kräfte abstellen könnten.

Das Problem der Abstandswahrung bei der Besoldung sparte man nicht aus, bemerkte jedoch, dass die Höherstufung verdienter Lehrkräfte durchaus Anerkennung fände, allerdings mit nicht einsehbarer „Funktionslosigkeit“ in A 13. Doch mit einer kurzfristigen finanziellen Lösung, so Eisenreich, könne nicht gerechnet werden, jedoch sollen die Rahmenbedingungen für Schulleitungen verbessert werden, z. B. durch eine Schaffung von zusätzlichen 150 Stellen für Leitungszeit und eine Aufstockung bei den Verwaltungsstellen im Rahmen des Bildungspakets um 150. Trotzdem gäben immer mehr Schulleitungsmitglieder (insbesondere Konrektoren) ihr Amt zurück, was letztlich zur Besetzung mit nicht genügend Qualifikation ausweisenden Kräften führt, wie Cäcilia Mischko verdeutlichte.

Breiten Raum nahm die Darstellung der Einführung des Ganztags, der politisch gewollt ist, in den Schulen ein, wobei diese ohne angemessene Einbeziehung des erheblichen Mehraufwands erfolgte bzw. erfolgt. So seien Angestellte am Nachmittag in der Regel nicht vor Ort, was eine weitere Mehrbelastung der Schulleitungsmitglieder nach sich ziehe. Allein schon im Vorfeld und danach in umfassender Zeitarbeit seien viele Gespräche mit externen Partnern, den Eltern und der Gemeinde erforderlich. Nicht berücksichtigt wurde bisher auch die Tatsache der zu betreuenden Inklusionsschüler / - innen.

In Verbindung auch mit dieser Situation sei es nicht nachvollziehbar, dass es an Grundschulen immer noch keine Poolstunden und an Mittelschulen völlig unzureichende gebe, wie Wohlmann anfügte. Auch an dieser Stelle kein Widerspruch!

Ein Thema fand größtes Interesse bei den Gesprächspartnern: Der Dienstvorgesetztenstatus. Es gibt Für und Wider, aber Fakt ist, dass viele Aufgaben bereits jetzt erfüllt werden. Dazu bedarf es einer intensiven, aber nicht langfristigen und endloser Diskussion. Dabei verwiesen die BSV – Vertreter auch darauf, dass in Berlin und Brandenburg selbst die Grundschullehrkräfte nach A 13 besoldet werden. Auch Nordrhein – Westfalen hat im November 2017 angekündigt, die Gehälter anzugleichen.

Diese Themenbereiche waren vorrangig behandelte, andere wurden nicht ausgespart. Der Staatssekretär zeigte sich beeindruckt von den zahllosen Fakten und der sachlichen inhaltlichen Vehemenz, gepaart mit Kompetenz und sagte zu, sich in seiner Funktion für Machbares mit Kraft einzusetzen.

Die Landesvorsitzende anerkannte die bisherigen Bemühungen und dankte namens des BSV für die stete Gesprächsbereitschaft und den zeitlich kurzen Weg bei schriftlichen Fragen und Antworten. Beide Seiten betonten die wohltuende Offenheit bei allen Kontakten.

Siegfried Wohlmann

Warum hast du dich zur Vorsitzenden wählen lassen?

Das werde ich oft gefragt, da doch alle unsere Kolleginnen und Kollegen in der Schulleitung wissen, dass wir mehr als genug zu tun haben.

Hierfür gibt es viele Gründe:

Ich bin überzeugt davon, dass wir unsere wichtigen Aufgaben und Anliegen nur realisieren können, wenn wir viele sind und geschlossen auftreten. Meine Ziele von früher sind geblieben, haben sich nur konkreter ausgeformt.
Der BSV ist die einzige direkte Interessensvertretung für unsere Schulleitungen. Deshalb möchte ich mit Ihnen und dem BSV eine Phalanx bilden gegen Angriffe aus der Öffentlichkeit, z.T. von Seiten der Lehrerverbände und z.T. von Elternseite.
Wir sind es uns wert, dass wir eine eigene Interessensvertretung haben.
Wir sind schon längst nicht mehr unter der Lehrerschaft im Grund-, Mittel- und Förderschulbereich zu subsumieren.
Wir sind in der Schulentwicklung die Ideengeber und Motoren, die Konfliktlöser und „Allround-Multitaskingtalente“, die es nicht verdient haben, nur in einer von vielen Abteilungen anderer Gruppierungen „verwurschtelt“ zu werden.

Ich möchte mit Ihnen zusammen aufzeigen, dass Schulleitung nicht nur Verwalten einer Schule bedeutet.
Leitung ist in meiner Sicht mehr als die bloße Organisation des Unterrichts und des gängigen Schullebens. Wir sind Manager kleiner, mittelgroßer bis großer Unternehmen mit bis zu 100 Beschäftigten. Es sind komplexe soziale Systeme mit sehr hohem Akademikeranteil, vielen Betreuern und pädagogischem Personal, Hunderten von Schülern und Eltern… Zwar beziehen wir nicht das Gehalt eines Managers, jedoch verdienen wir Ansehen und Respekt.
Dafür werde ich kämpfen.

Mir macht auch die Arbeit außerhalb der Schule Freude, weil ich im Verband erfahren durfte, wie viele engagierte Kolleginnen und Kollegen die gleichen Gedanken und Probleme haben.
Die Arbeit in einem Verband war schon immer Kennzeichen von Professionalität mit zusätzlichem Engagement für andere. Und professionell will ich meine Amtszeit bestreiten mit hoffentlich großen Erfolgen und spürbaren Fortschritten.
Wenn dies gelingen sollte, bin ich ganz sicher vielen von Ihnen dankbar für IHREN Einsatz, für IHRE Geduld, für IHRE Unterstützung und für IHREN Humor sowie Nachsicht mit mir, wenn mir für Sie mal wieder „die Gäule durchgehen“.

Noch ein Wort zum Mitgliedsbeitrag: Sie zahlen monatlich nur 6,67€ und bekommen dafür nicht nur Freundschaft und verlässliche Ansprechpartner, sondern verbilligte Fortbildungsangebote (z.B. Wildbad Kreuth 30€ günstiger) und Wellnesstage in einigen bayerischen Kurhotels. Wenn Ihnen mal wieder das Wasser bis zum Halse steht, dann tauchen Sie unter und genießen Sie die nötige Erholung in vollen Zügen. Der Besuch in einem dieser Häuser reduziert Ihren Jahresbeitrag bereits um die Hälfte.

Verbandsarbeit ist eben nicht immer nur Arbeit, sondern auch Erholung und Entspannung. In diesem Sinne lade ich Sie herzlich ein, zu uns, dem Bayerischen Schulleitungsverband zu kommen und freue mich über jede Rückmeldung von Ihnen.

Es grüßt Sie Ihre Petra Seibert